Muhammad Ali . Die besten Interviews aus dem deutschen Playboy

Muhammad Ali

Der größte Boxer aller Zeiten zeigt 1975 im Gespräch seine poetische Ader, kündigt den Untergang der USA an – und fordert, dass schwarze Männer die Finger von weißen Frauen lassen

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Intro

Der größte Boxer aller Zeiten zeigt 1975 im Gespräch seine poetische Ader, kündigt den Untergang der USA an – und fordert, dass schwarze Männer die Finger von weißen Frauen lassen

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Als PLAYBOY-Mitarbeiter Laurence Linderman dieses Interview machte, trainierte Muhammad Ali gerade für seinen dritten Kampf gegen Joe Frazier in Manila. Und wie man in der Zwischenzeit weiß, hat sich das Training gelohnt. Allah war mit ihm, dem überzeugten Anhänger „Black Muslim“, dem Verkäufer der Weisheiten seines Führers und Propheten Elijah Muhammad (der bis zum 25. Februar 1975 behauptete, dass er unsterblich sei), dem Weltmeister im Schwergewicht. Ohne weitere Umstände stellen wir Ihnen hier also einen Mann vor, der keiner Vorstellung bedarf.
 

Interview

Ein offenes Gespräch mit dem größten, schlagstärksten und schönsten Poeten der Welt

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Ein Mann, der mit 50 die Welt so sieht wie mit 20, hat 30 Jahre seines Lebens verschwendet
Playboy: Als wir Sie vor zehn Jahren das letzte Mal interviewten, waren Sie noch Cassius Clay. Was würde der alte Cassius heute tun?
Ali: Cassius Clay würde in Paris trainieren, weil ihm die französischen Promoter – wie sie es schon getan haben – freie Unterkunft in einem Hotel an irgendeiner Küste angeboten hätten. Wenn nicht, würde ich wahrscheinlich auf Jamaika in einem Luxushotel trainieren. Wenn ich heute einer Lady begegne, versuche ich, ihr alles Wichtige über den ehrenwerten Elija Muhammad zu sagen, um ihr zu helfen. Cassius Clay hätte sie auf irgendein Hotelzimmer geschleppt und sich über sie hergemacht. Wenn ich heute noch Cassius Clay wäre, würde ich genau wie Floyd Patterson sein. Ich hätte wahrscheinlich eine weiße Frau und würde in keiner Weise die schwarze Nation vertreten können. Wenn ich heute Abend Cassius Clay wäre, würde ich wahrscheinlich in einem großen Hotel in New York City sein und zu mir sagen: „Well, jetzt hätte ich Zeit für ein bisschen Spaß. Ich gehe jetzt in eine große Diskothek voller weißer Mädchen, such’ mir das hübscheste aus und verbring’ mit ihm die Nacht.“

Playboy: Hat Cassius Clay solche Dinge gemacht?
Ali: Ich war auf dem besten Weg dazu.

Playboy: Doch Sie sind nie soweit gekommen?
Ali: Bevor ich Muslim wurde, hatte ich einmal zwei Tage lang eine weiße Freundin, das ist alles. Ich war damals noch kein Muslim, aber ich hatte das Gefühl, es war nicht richtig. Ich wusste, es war nicht richtig, denn ich musste mich ducken und verstecken und heimlich tun, und ich dachte: „Mann, das ist doch den ganzen Ärger gar nicht wert!“ Schwarze Männer mit weißen Mädchen fühlen sich einfach nicht wohl in ihrer Haut. Vielleicht denken sie, alles wäre in Ordnung, sie denken, sie sind verliebt, aber du brauchst sie nur auf der Straße zu sehen, und du weißt, sie schämen sich – sie müssen sich ducken und sie haben Angst. Sie haben keinen Stolz. Wenn du erst einmal besser über dich Bescheid weißt, siehst du, wie idiotisch das alles ist. Ich denke heute überhaupt nicht mehr an solche Dinge, wie weißen Frauen nachzulaufen. Ich bin verheiratet und bin verliebt in eine hübsche Schwarze. Doch wenn ich es nicht wäre, würde ich dem nächsten hübschen schwarzen Mädchen nachlaufen, das ich sehe.

Playboy: Glauben Sie, dass Sie eine amerikanische Legende werden?
Ali: Die Legende von Muhammad Ali ist schon geschrieben, weil ich sie nämlich geschrieben habe – und Sie tun gut daran, sie sich anzuhören: Dies ist die Legende von Muhammad Ali
Dem größten Fighter der Welt.
Er quasselt zwar viel und prahlt n der Gegend,
Doch beim Zuhaun verspricht er nur das, was er hält.
Was war denn vorher schon? Boxen – ein Ringelreihn.
Bei einem Champ wie Foreman konnt’s anders nicht sein.
bis einer wie ich kam, ganz einsame Klasse,
Der brachte die Boxfans im Laufschritt zur Kasse.
Klar, bei diesem Boxer kamen die Leute ins Schwärmen,
Und ich konnt mich bald an der Weltmeisterschaft wärmen.
Ali ist schnell, intelligent und immer fit,
Willst du gegen ihn fighten, bring gleich die Versicherung mit.
Ali hat ‚ne kräftige Rechte und schlägt links mit Macht,
Wenn er dich knallhart trifft, schläfst du die ganze Nacht.
Und liegst du dann unten und der Schiedsrichter zählt bis neun,
Dann verzieh dich friedlich, fang an zu beten und zu bereun.
Denn ich bin der Mann, von dem dies Gedicht hier erzählt,
In hartem Kampf zum wahren Weltmeister gewählt!
Ich hab’s vorausgesagt, denn ich kannte die Punktetabelle,
Und die Narren saßen da, ‚64 war’s
und rührten sich nicht von der Stelle.
Wenn ich drei sage, Mann, dann geht’s auch in die dritte Runde.
Und red’ nicht dagegen an, ich weiß, was ich sage: Ali gehört die Stunde.
Dass ich Sonny Liston zerstückeln werde,
ich hab’s ihm prophezeit,
Als ihn die Linke dann traf, hörte er schon das Säuseln der Ewigkeit.
Guter Mann, wenn ich dir sage, dass eine Fliege den Pflug ziehen kann,
Frag mich nicht wie – sondern spanne sie an!

Playboy: Schreiben Sie diese ganzen Gedichte eigentlich selbst?
Ali: Natürlich tu ich das. Hey, Mann, ich bin so gut, dass man mir eine Professur in Oxford angeboten hat. Ich schreibe spät nachts, wenn das Telefon nicht mehr klingelt, alles ruhig ist und ich allein bin – alle großen Dichter arbeiten nachts besser. Ich schlafe tagsüber mindestens einmal, und dann steh’ ich gegen zwei Uhr morgens auf und mach’ mich an die Arbeit. Sie wissen, ich hab gern Menschen und Action um mich, und ich hab mich in großen Städten immer wohlgefühlt. Doch wenn ich jetzt in einer Stadt bin, kann ich es immer kaum erwarten, wieder in mein Trainingscamp zurückzukehren. Neonlichter, Verkehr, Lärm, Menschen – das kann einen verrückt machen. Es ist spaßig, weil alle glaubten, es wäre eine Qual für mich, mir da draußen irgendwo in der Mitte vom nördlichen Pennsylvanien ein Trainingscamp aufzubauen, aber es macht Spaß, dort zu leben – frische Luft, gutes Wasser, Ruhe und rundum Natur. Ich dachte, ich würde es überhaupt nicht mögen, doch zumindest würde ich dort härter arbeiten als in der Stadt, wo ich vielleicht nicht genug trainieren könnte. Nun, heute schätze ich es mehr als irgendeine Stadt. Das ist genau die richtige Gegend, um Gedichte zu schreiben, und ich schreibe die ganze Zeit, auch wenn ich im Training bin. Ich hab sogar hier oben eines geschrieben, das besser ist als jedes andere Gedicht der Welt.

Playboy: Woher wissen Sie das?
Ali: Mein Gedicht erklärt die Wahrheit, was könnte also besser sein? Das ist auch sein Titel, Wahrheit: Das Gesicht der Wahrheit ist offen,
Die Augen der Wahrheit, sie glühn,
die Lippen der Wahrheit sind stets geschlossen,
Das Haupt der Wahrheit reckt sich kühn.
Die Brust der Wahrheit wölbt sich voll Stolz,
Der Blick der Wahrheit geht gleich ins Ziel,
Die Wahrheit kennt weder Angst noch Zweifel,
Sie braucht Geduld, ja, und davon viel.
Die Stimme der Wahrheit dringt tief,
Erfreu dich an diesem Wort, dem besternten.
Denn das Gesetz der Wahrheit ist einfach:
Das was du säst, sollst du auch ernten.
Die Seele der Wahrheit ist feurig,
Ihr Herz ohne Dornen und Splitter,
Die Gesinnung der Wahrheit ist klar und beständig
In Regen, in Sturm und Gewitter.
Die Wahrheit steht über der Sünde
Und Fakten sind nur ihr Schatten.
Wie schwer auch der Lebenskampf sein mag,
Lass die Wahrheit niemals ermatten!
Das Bildnis der Wahrheit ist Elija Muhammad,
Die Botschaft der Weisheit sein Schwanz,
Das Zeichen der Wahrheit der Halbmond
Und die Seele der Wahrheit Gottes Glanz.
Das Leben der Wahrheit ist ewig,
Unsterblich ihre vergangene Zeit.
So soll der Wahrheit Macht währen
Von jetzt an bis in die Ewigkeit.

Das ist ein Meisterstück, ich sag’s Ihnen! Aber ich schreibe nicht nur Gedichte. Ich beschäftige mich auch mit Aphorismen. Wollen Sie ein paar hören?

Playboy: Haben wir denn eine Wahl?
Ali: Hören Sie gut zu, dann mache ich Sie vielleicht so berühmt, wie ich es mit Howard Cosell getan habe. „Ein Mann, der mit fünfzig die Welt noch genauso sieht wie mit zwanzig, hat dreißig Jahre seines Lebens verschwendet.“ Gut, nicht? Das sind Worte der Weisheit, also hören Sie gut zu, Mister PLAYBOY. „Ein Mann, der keine Phantasie hat, bleibt am Boden – er hat keine Flügel und kann sich nicht erheben.“ Auch das sollten Sie sich merken: „Wenn wir recht haben, erinnert sich niemand daran, doch wenn wir irren, vergisst es keiner. Watergate!“ Das nächste mag ich besonders: „Worin besteht der Reichtum des Menschen? Sein Reichtum liegt in seinem Wissen. Läge sein Reichtum auf der Bank und nicht in seinem Wissen, dann würde er ihn nicht besitzen – weil er auf der Bank liegt!“ Alles klar?

Playboy: Alles klar, Muhammad!
Ali: Nun, da sind noch ein paar. „Der Gefängniswärter ist schlimmer dran als der Gefangene. Denn der Verurteilte hat nur seinen Körper im Gefängnis, der Wärter aber seinen Geist!“ Worte der Weisheit von Muhammad Ali. Hier ist eines über die Schönheit: „Nur jene, die der inneren Schönheit begegnet sind, können die Schönheit in allen ihren Formen erkennen.“ Ich werde Ihnen das sogar erklären. Es gibt welche, die schauen sich eine Schwester an und urteilen dann: „Die ist aber hässlich!“ Ein anderer wird dieselbe Schwester sehen und sagen: „Das ist die schönste Frau, die ich je gesehen habe.“ Und wie finden Sie das: „Liebe ist ein Netz, in dem Herzen wie Fische gefangen werden.“

Playboy: Ist das nicht etwas kitschig?
Ali: Ich wusste doch gleich, als ich Sie sah, dass nicht viel mit Ihnen los ist! Aber das werden Sie sicher mögen, es heißt Reitend auf meinem Pferd der Hoffnung: „In meinen Händen die Zügel des Muts, umhüllt von der Rüstung der Geduld, den Helm der Beharrlichkeit auf dem Haupt, begab ich mich auf meine Reise ins Reich der Liebe.“ Wow! Muhammad Ali kann wirklich einiges mehr als nur Boxen.

Playboy: Das steht fest. Aber lassen Sie uns jetzt trotzdem über Boxen reden. Was ist das für ein körperliches Gefühl, wenn man von Schlägern wie Foreman und Frazier festgenagelt wird?
Ali: Wenn Sie einen stabilen Ast nehmen und damit auf den Boden schlagen, spüren Sie, wie es in Ihrer Hand boinggggg macht. Wenn Sie von einem Boxhieb getroffen werden, erleben Sie dieselbe Erschütterung und denselben Schmerz in Ihrem ganzen Körper – und Sie brauchen mindestens zehn bis zwanzig Sekunden, um wieder klar zu werden. In der Zwischenzeit werden Sie aber erneut getroffen, und wieder macht es boingggg.

Playboy: Wenn man so hart getroffen wird, gehorcht einem dann der Körper überhaupt noch?
Ali: Nein, denn der Verstand kontrolliert den Körper, aber in dem Moment, wo man getroffen wird, kann man nicht mehr denken. Man ist einfach betäubt und weiß nicht mehr, wo man eigentlich ist. Es ist kein Schmerz, nur dieses Gefühl der Erschütterung. Doch ich reagiere automatisch, wenn es mich erwischt hat, das ist wie bei einem Sprinklersystem, wenn irgendwo ein Feuer ausbricht. Wenn ich weggetreten bin, ist mir nicht mehr bewusst, wo ich gerade bin und was geschehen ist, doch ich befehle mir zu tanzen, vom Gegner wegzugehen, meinen Mann zu klammern, den Kopf abzuducken. Ich sage mir das immer wieder bei vollem Bewusstsein, werde ich dann getroffen, tu ich es automatisch. Ich werde natürlich getroffen, alle großen Fighter werden getroffen – Sugar Ray wurde getroffen, Joe Louis wurde getroffen und Rocky Marciano wurde getroffen. Doch sie hatten etwas, was andere Boxer nicht haben: die Fähigkeit durchzuhalten, bis sie wieder klar sind. Ich kann das auch, und ich habe es in jedem der beiden Kämpfe gegen Frazier einmal beweisen müssen. Das ist der Grund dafür, dass ich ein großer Defensiv-Fighter bin. Der andere liegt in meiner Rope-a-dope-Taktik (ungefähr: Erwart den Trottel in den Seilen). Und als ich gegen Foreman kämpfte, war er der Trottel!

Playboy: Wenn Sie tatsächlich diese Taktik für den Kampf gegen Foreman in Zaire geplant hatten, warum war dann Ihr Trainer Angelo Dundee so entsetzt, als Sie plötzlich mit dem Rücken zu den Seilen kämpften?
Ali: Nun, ich hatte es nicht direkt geplant. Nach der ersten Runde fühlte ich, dass ich den Kampf nicht mit dieser Geschwindigkeit fortführen konnte. George musste sich nicht so anstrengen, weil er nichts anderes tat, als mir den Weg abzuschneiden. Ich musste immer um ihn herumtanzen und wusste, dass ich nach sieben oder acht Runden auf diese Weise völlig fertig sein würde. Wenn ich mich dagegen in die Seile hängen würde, brauchte ich für meine Verteidigung nicht so viel Kraft, und George müsste mich angreifen. Deshalb entschloss ich mich, solange ich noch frisch war, mich in die Seile zu hängen und zu versuchen, George sich totlaufen zu lassen.

Playboy: Wie sah Ihre ursprüngliche Kampftaktik gegen Foreman aus?
Ali: Alle Runden durchzutanzen. ich wollte das tun, was ich mit zweiundzwanzig getan hatte, doch ich wurde zu rasch müde deshalb musste ich meine Strategie ändern. George änderte seine Strategie nicht, weil er nichts anderes kann als angreifen – das ist alles, was ihm einfällt. Er will nichts als seinen Mann erwischen und es ihm geben. Deshalb fiel ihm nichts dagegen ein!

Playboy: Schien Foreman verwirrt, als er Sie in der Ecke hatte, ohne einen richtigen Treffer landen zu können?
Ali: Keine Spur, er meinte, er würde mich dafür in der nächsten Runde erwischen. Als er mich in der dritten nicht traf, hoffte er auf die vierte. Dann dachte er, es würde in der fünften sein, dann in der sechsten. Doch in der sechsten Runde war George müde. Ganz plötzlich, und er wusste, dass er sich mit allem, was er hatte, auf mich gestützt hatte, ohne irgendeine Wirkung zu erzielen. In diesem Augenblick verlor er seinen ganzen Mut.

Playboy: Woran erkannten Sie das?
Ali: Er griff nicht mehr auf dieselbe Weise an wie zuvor. Er hatte die Möglichkeit zu Ausfällen, die er nicht nützte. Dann öffnete ich absichtlich meine Verteidigung, und er nützte nicht einmal diese Chance. George wusste, dass er mir in die Falle gegangen war, und es gab nur einen Ausweg: mich niederzuschlagen. Mit letzter Hoffnung versuchte er es immer wieder, doch er war zu müde, obwohl ein Mann seines Alters und seines Könnens sich nicht so rasch verausgaben dürfte. George war todmüde. Er schlug wild um sich, verfehlte mich und taumelte in die Seile. Ich begann ihm zu erklären, wie schlecht er aussah: „Schau dich doch an, du bist kein Champ, du bist ein Tramp. Reiß dich doch zusammen und zeig’s mir endlich, Junge!“

Playboy: Sie haben ihn auch schon vor dem Kampf beschimpft. Wozu soll das eigentlich gut sein?
Ali: Sie meinen, als ich ihn „Die Mumie“ nannte? Das ist, weil er so geht. Hören Sie, wenn einer sich aus der Ruhe bringen lässt und wütend wird, dann verliert seine Urteilsfähigkeit, und er denkt nicht mehr so scharf, wie er eigentlich sollte. Doch George war gar nicht wütend. No, Sir. George fühlte sich total überlegen. Er glaubte, was die Presse sagte – dass er unschlagbar sei und mich einfach verprügeln könnte. Das glaubte er auch noch während der ersten drei Runden. Doch als ich dann während der vierten begann, ihm einige Punches zu verpassen, wachte George schließlich auf und dachte: „Mann, ich bin in Schwierigkeiten!“ Das war ein Schock für ihn.

Playboy: Glauben Sie, dass Foreman von seinem Sieg so überzeugt war, dass er das Training vernachlässigte?
Ali: Nein, George unterschätzte mich nicht. Er griff mich härter an als er es bei Frazier oder Norton tat. Jeder, der gegen mich kämpft, strengt sich besonders an, denn wenn du Muhammad Ali schlägst, hast du es geschafft, du wirst zur Legende. Mich zu schlagen ist, als ob man Joe Louis geschlagen hätte oder der Mann wäre, der Jesse James erschoss. George hatte einfach keine Ahnung, wie hart es sein würde mich zu schlagen, und wie hart ich schlagen kann. Er dachte, er wäre größer als ich. Nun, jetzt ist er bescheidener. Ich tat genau das, was ich ihm versprach, während der Ringrichter seine Instruktionen gab. Da stand er und versuchte, mich durch drohende Blicke einzuschüchtern – das hat er von seinem Vorbild Sonny Liston. Und auf der anderen Seite ich, und ich erklärte ihm: „Junge, du bist in Schwierigkeiten“ Du wirst gegen den größten Fighter aller Zeiten antreten“ Es wäre besser, du verlässt diesen Ring, ich werde dich kriegen“ Seitdem du ein kleiner Junge warst, hast du von mir gelesen, aber jetzt wirst du mich in Aktion erleben. Du Klotz, ich werde dir zeigen, wie groß ich bin – ich werde dich zerreißen. Du hast überhaupt keine Chance! Heute Nacht verlierst du die Krone!“

Playboy: Foreman behauptete, man hätte ihn vor dem Kampf unter Drogen gesetzt. Haben Sie davon etwas bemerkt?
Ali: George ist einfach ein mieser Verlierer. Am Tag nach dem Kampf behauptete er, er wäre der wahre Champion; er hätte mich geschlagen. Dann, als er in Paris war, sagte er, die Seile wären zu locker gewesen. Dann, nach den Seilen, entschuldigte er sich damit, dass er zu schnell ausgezählt worden sei. Dann war es der Ringboden – er sagte, der sei zu weich gewesen. Nun, dann war er auch für mich zu weich. Und Wochen nach dem Kampf fällt ihm dann ein, dass er unter Drogen stand? Wäre es so gewesen, hätte er es am nächsten Tag gesagt. Jemand sollte ihn fragen, wie das vor sich gegangen sein sollte. Verpasste ihm jemand eine Spritze? Wenn er Drogen bekam, welcher Art waren sie? Ausflüchte! Die Wahrheit ist, dass sich George von dem Augenblick an, in dem er sah, dass er verloren hatte, an Ausflüchte klammerte. Er ertrug es nicht, den Titel verloren zu haben.

Playboy: Wird ihn das nicht zu einem sehr viel zäheren Gegner machen, wenn Sie wieder gegen ihn antreten sollten?
Ali: Der nächste Kampf wird leichter sein. George weiß jetzt, dass er ausgeknockt werden kann, deshalb wird er vorsichtiger sein und weniger angreifen. Doch seine einzige Chance liegt darin, mich dauernd zu bestürmen, in der Ecke zu stellen und loszulegen, in der Hoffnung, ein oder zwei Schläge durch meine Deckung zu bringen. Aber er wird davor zurückschrecken, denn er hat es schon versucht, er fiel mit allem, was er hatte, über mich her, ohne etwas anderes zu erreichen, als sich völlig zu erschöpfen. Wenn er noch einmal durch dieses sinnlose Bamm-Bamm-Bamm muss, wird er verrückt werden, denn das erste, was ihm dann einfällt, ist: „Uh – oh, ich werd’ mich wieder völlig verausgaben.“ Deshalb wird er mehr in der Ringmitte bleiben und sich mehr auf’s richtige Boxen verlegen. Und genau da will ich ihn haben. Tanzen und schnelle Jabs verteilen in der Ringmitte, das ist meine Sache. Dann ist er endgültig verloren. Die einzige Chance, um mich zu fassen, besteht für ihn darin, mir auf den Leib zu rücken und mich in den Seilen zu halten – und er weiß, dass das schlecht ist, denn er kann keine Treffer landen und wird sich zugleich dabei erschöpfen. Tut er das aber nicht, werden seine Schwierigkeiten noch größer, denn dann werde ich ihn mit meiner Linken bearbeiten. Mit anderen Worten: Foreman kann machen, was er will, es wird immer falsch sein. Ich werde ihn beim zweiten Mal schlagen weil er kein Selbstverstrauen mehr besitzt. Beim ersten Mal schlug ich ihn weil er dachte, er sei ein unbesiegbarer mächtiger Löwe. Unser Dschungelremmidemmi hat George wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht.

Playboy: War Ihnen Zaire als Austragungsort willkommen?
Ali: Ich wollte meinen Titel zurückhaben. Dafür hätte ich mit George auch in einer Telefonzelle gekämpft. Weltmeister im Schwergewicht, das ist ein großer Titel. Wenn du der Champ bist, dann ist alles, was du tust oder sagst, eine interessante Nachricht, und die Zeitungen berichten darüber. Ich schalte den Fernseher ein, und da ist George im Dating Game. Wo man auch hinschaute, überall tauchte dieser Foreman auf, und ich saß hier in meinem Trainingscamp in Pennsylvanien, sah mir das an und dachte: „Verdammt noch mal, das alles hatte ich auch einmal“ Es gab Zeiten, da haben die Leute mich auf diese Weise angeschaut.“ Das hat mich wirklich fertiggemacht, und deshalb wollte ich den Titel unter allen Umständen zurückgewinnen. Jetzt, wo ich ihn wiederhabe, ist jeder Tag ein Sonnentag: Ich wache auf, und ich weiß, ich bin der Weltmeister im Schwergewicht! Wenn ich ein Restaurant betrete, wenn ich in einen Park gehe, wenn ich eine Schule besuche, sagen die Leute: „Der Champ ist hier!“ Wenn ich in ein Flugzeug steige, gibt es da immer einen, der seinem kleinen Jungen erklärt: „Siehst du, Junge, dort geht der Weltmeister im Schwergewicht.“ Wo ich auch bin, ist der Teppich ausgerollt, die Leute wollen mich sehen, das Fernsehen will mich interviewen. Ich kann so viel Eiscreme, Kuchen, Pudding und Pastete essen, wie ich will und bekomme außerdem noch hunderttausend Dollar für mein Erscheinen bei einer Eröffnungsshow. Das alles bekommst du, wenn du der Champ bist, und solange ich gewinne, wird es auch so weitergehen. Bevor ich in den Ring steige, denke ich deshalb: „Diesen Mann zu schlagen, bedeutet alles. Wenn ich gewinne, wird das so viele gute Dinge nach sich ziehen, von denen ich bis jetzt noch nicht einmal eine Vorstellung habe.“ Als ich gegen Sonny Liston das erste Mal Weltmeister geworden war, wusste ich in meinem Hochgefühl überhaupt nicht, was das wirklich bedeutete. Nun, beim zweiten Mal kann ich den Titel erst richtig schätzen, und ich wäre überallhin gegangen, um ihn zurückzuholen. Um ehrlich zu sein, als ich das erste Mal davon erfuhr, dass der Kampf in Afrika stattfinden sollte, war mein einziger Gedanke, hoffentlich geht auch alles in Ordnung – in einem so unterentwickelten Land. Als ich dann aber nach Zaire kam und sah, dass sie ein neues Stadion mit Flutlicht gebaut hatten und dass alles gut vorbereitet war, gewöhnte ich mich an den Gedanken und war schließlich sogar ziemlich begeistert davon. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto besser gefiel mir der Gedanke, gerade in Afrika meinen Titel zurückzugewinnen. Der Aufenthalt in Zaire öffnete mir die Augen.

Playboy: In welcher Hinsicht?
Ali: Ich sah ein schwarzes Volk, das sein eigenes Land regierte. Ich sah einen schwarzen Präsidenten und bescheidene schwarze Menschen in einem modernen Land. Es gibt überall in Zaire gute Straßen, und Kinshasa besitzt eine hübsche Innenstadt, die an eine City in den Vereinigten Staaten erinnert. Große Gebäude, Restaurants, Läden und Einkaufszentren – ich könnte Ihnen tausend Dinge nennen, bei deren Anblick mir warm ums Herz wurde. In der Zeit vor dem Kampf, als ich in Kinshasa trainierte, saß ich häufig am Ufer und sah die Boote vorüberziehen, und über meinem Kopf flogen die Jumbos, und ich wusste, es waren schwarze Piloten und schwarze Stewardessen an Bord, und das war ein guter Gedanke. In Zaire war alles schwarz – vom Lokführer bis zum Hotelbesitzer und vom Lehrer bis zu den Abbildungen auf den Geldscheinen. Es war wie in jedem anderen Land, außer dass alles schwarz war. Und weil ich schwarz bin und ein Muslim, fühlte ich mich dort zu Hause. Hier bin ich nicht zu Hause. Ich versuche es zu einem Zuhause zu machen, aber das gelingt nicht.

Playboy: Warum nicht?
Ali: Weil die schwarze Nation in Amerika nicht frei sein kann, solange sie auf dem Boden des weißen Mannes lebt. Sehen Sie, Vögel wollen frei sein, Tiger wollen frei sein, alles will frei sein. Wir sind solange nicht frei, bis wir nicht unser eigenes Land und unseren eigenen Staat in Nordamerika bekommen. Erst wenn wir uns mit, sagen wir, zehn Staaten aus den USA lösen, werden wir wirklich frei sein. Frei, unsere eigenen Gesetze zu machen, unsere eigenen Steuern festzusetzen, unsere eigenen Gerichte zu haben, unsere eigenen Richter, unsere eigenen Schulen, unsere eigene Währung, unsere eigenen Pässe. Und wenn nicht hier in Amerika, so sagte der ehrenwerte Elijah Muhammad, dann sollte uns der weiße Mann mit den notwendigen Mitteln versehen, damit wir uns irgendwo in Afrika unser eigenes Land aufbauen können. Amerikas Reichtum beruht zu einem bestimmten Teil auf der Arbeit des schwarzen Mannes. Es kann uns fünfundzwanzig Jahre lang alles zur Verfügung stellen, was wir zur Gründung unseres eigenen Staates brauchen – den wir im übrigen aus eigener Kraft errichten werden. Wir sind nicht frei, wenn wir nicht die Kontrolle über unser eigenes Land haben. Dieses Trainingscamp ist mein Eigentum, aber es ist nicht wirklich mein Land, solange irgendeine weiße Lady kommen und von mir die Zahlung von viertausend Dollar Grundsteuer verlangen kann, wenn ich hierbleiben will. Wenn die Steuern, die ich bezahle, meinem eigenen Volk zugute kommen würden, hätte ich nichts dagegen. Aber das geschieht nicht. Das schwarze Volk braucht einen eigenen Staat.

Playboy: Es ist unwahrscheinlich, dass die USA dafür Land abtreten werden, oder dass sie einen solchen Staat finanzieren – schätzen Sie die Zukunft der Beziehungen zwischen den Rassen pessimistisch ein?
Ali: Amerika hat überhaupt keine Zukunft mehr! Amerika wird zerstört werden! Allah wird es durch seinen göttlichen Zorn züchtigen! Gewalt, Verbrechen, Erdbeben – es wird alle Arten von Katastrophen geben. Amerika wird für all das Lynchen und Töten der Sklaven, für alles, was es den Schwarzen angetan hat, bezahlen müssen. Amerikas Zeit ist abgelaufen – und wenn es den Schwarzen nicht endlich zu ihrem Recht verhilft und in die Trennung einwilligt, wird es brennen! Ich bin nicht der Führer, deshalb weiß ich nicht, wie sich die Trennung vollziehen wird und ob ich sie noch erleben werde. Aber ich glaube, dass es eine göttliche Kraft gibt, die will, dass es passiert. Ich wünschte, ich könnte es geschehen lassen, aber das kann ich nicht – Allah wird es tun. Die Weißen brauchten fünfhundert Jahre, um dieses Land so zu gestalten, wie sie es wollten, es brauchte viel Zeit und Arbeit, und auch wir werden eine Menge Zeit und Mühe brauchen. Und wenn es tausend Jahre dauert, nun, die Welt ist Millionen Jahre alt, tausend Jahre sind nicht mehr als ein Tag in der Geschichte der Welt; so gesehen liegt unser Ziel gleich um die Ecke. Und es wird geschehen, weil es richtig ist, dass das schwarze Volk seinen eigenen Staat bekommt. Gott segnet das Kind, das ihn hat – das lehren die Christen. Nun, wir haben nichts, was uns gehört. Wenn sich die Weißen entschließen, morgen ihre Läden zu schließen, werden die Schwarzen verhungern. Wir haben es satt, immer nur die Sklaven zu sein und nichts wirklich zu besitzen. Wir haben es satt, die Diener zu sein und zu warten, bis wir sterben und in den Himmel dürfen, um endlich auch etwas zu bekommen. Wir wollen es zu unseren Lebzeiten. Der ehrenwerte Elijah Muhammad, dessen Leib uns verlassen hat, dessen Botschaft aber in uns lebt, erklärte: Wir Muslims werden uns nicht durch die Integration abspeisen lassen und durch die kleinen Jobs und Versprechen, die man dem schwarzen Volk gibt. Wir wollen eine eigene Nation. Wir sind vierzig Millionen schwarze Menschen – es gibt eine Menge Neger in Amerika, wissen Sie das? Mann, es gibt nur zehn Millionen Kubaner, und wenn sie Amerika erklären, es soll draußen bleiben, dann bleibt Amerika draußen. Sie sind nur ein paar Millionen, aber sie haben ihre eigene Nation, und sie können sich durchsetzen. Und die Nigerianer und Ghanesen haben ihre eigene Nation. Als ich durch Zaire fuhr und ihre hübsche Flagge sah und ihnen bei ihren hübschen Tänzen zuschaute, hey, es ist ihr eigenes Land. Aber wir sind eine ganze Nation von Sklaven, die noch immer von den Weißen unterdrückt wird. Wir arbeiteten dreihundert Jahre lang und machten dieses Land reich, kämpften auf seiner Seite gegen die Japaner, gehen die Deutschen, wir kämpften in Korea – bei allen Kriegen waren wir dabei, und noch immer gehört uns überhaupt nichts! Wenn sie jetzt keine Baumwollpflücker mehr brauchen, weil sie Maschinen dafür haben, und wenn wir nur noch die Straßen bevölkern und uns vermehren, und sie für uns keine Jobs haben – warum also nicht die Trennung? Warum sagen sie nicht: „Okay, Sklaven, wir brauchen dich nicht mehr zum Baumwollpflücken!“

Playboy: Ignorieren Sie dabei nicht die Tatsache, dass die Universitäten heute so viele Schwarze graduieren, wie es vor fünfzehn Jahren noch völlig unvorstellbar gewesen ist?
Ali: Nein. Denn alles was der weiße Mann heute sagt, ist: „Okay, Sklave, du bist jetzt Arzt, Rechtsanwalt, Techniker. Du kannst heute alles werden, Sklave, du gehörst jetzt zu den gebildetsten Schichten gleich nach den Weißen. Schwarzer Mann, jetzt hast du sogar einen Titel.“ Aber da gibt es nichts, was wir werden können. Wir könnten das Empire State Building bauen, weil wir unsere Installateure, Planer, Architekten, Elektriker und Bauhandwerder haben. Aber da wir in eurem Haus leben, bekommen wir keine Jobs. Ihr sagt, wir wären frei, und ihr würdet uns auch nicht mehr lynchen – aber wir sind ohne Arbeit, und wir kommen eben nicht miteinander aus. Ich bin der Ansicht, dass vierhundert Jahre ausreichen, um zu beweisen, dass wir nicht zusammen leben können. Gut, vielen Dank, Master. Lässt du uns jetzt gehen, baust du uns jetzt ein Haus! Was soll schlecht daran sein, dass wir unser eigenes Haus wollen - unser eigenes Land? In unserem eigenen Land würden die Gerichte tatsächlich Recht sprechen. Wir würden nicht mehr vor einem Haufen blauäugiger weißer Richter stehen, die uns böse ansehen und uns drankriegen wollen. Es gäbe auch keine Polizisten mehr, die auf dem Highway auf uns lauern und jeden neuen Wagen anhalten, in dem ein Schwarzer sitzt. Ist das alles nicht ganz vernünftig? Klingt es nicht gut? Sehen Sie, das ist der Grund, warum jeden Tag Schwarze zu den Muslims übertreten. Wenn sie schwarz wären, würden sich uns auch Weiße anschließen. Wir wollen frei sein. Der ehrenwerte Elija Muhammad machte uns frei.

Playboy: Elija Muhammad predigte, dass alle Weißen blauäugige Teufel seien. Glauben Sie das?
Ali: Wir wissen, dass nicht jeder Weiße den Teufel im Herzen trägt, und dass es Schwarze gibt, die Teufel sind – zu den schlimmsten Teufeln, die mir begegnet sind, gehörten auch Leute meiner Rasse. Wenn ich an die Weißen denke, dann ist es, als ob vor meiner Tür tausend Klapperschlangen lauern, von denen mir vielleicht hundert gut gesinnt sind. Doch sie sehen alle gleich aus. Soll ich also meine Tür öffnen und darauf hoffen, dass die hundert, die mir helfen wollen, die anderen neunhundert zurückhalten, obwohl ich weiß, dass ein einziger Biss mich töten kann? Damit meine ich: Wenn da draußen tausend Klapperschlangen sind und hundert davon meinen es gut mit mir, dann halte ich meine Tür trotzdem verschlossen. Ich würde sagen: „Tut mir leid für euch, ihr netten Schlangen, aber in diesem Fall zählt ihr nichts.“ Yeah, jeder Neger sagt manchmal: „Oh, da ist ein Weißer, der ist in Ordnung.“ Doch wenn das stimmt, wo sind dann die vierzig Millionen Weißen an der Seite des schwarzen Mannes? Warum kriegt man nicht mal hundert zusammen, die bereit sind, für die Freiheit der Schwarzen zu kämpfen und vielleicht sogar zu sterben? Hey, wir würden vielleicht staunen, wenn so etwas passierte.

Playboy: Beweisen die weißen Freedom Riders der sechziger Jahre nicht, dass viele Weiße bereit waren, ihr Leben für die Bürgerrechte der Schwarzen zu riskieren – immerhin wurden vier von ihnen ermordet?
Ali: Es stimmt, viele weiße Studenten werden verletzt, weil sie ihr Land zu retten versuchen. Doch hören Sie, ihr Urgroßvater erzählte bereits meinem Urgroßvater, dass die Dinge besser sein würden, wenn man Großvater erstmal erwachsen sei. Dann erzählte Ihr Großvater meinem Großvater bei der Geburt meines Vaters, dass alles besser sein würde. Und dann meinte Ihr Vater zu meinem Vater, dass ich es einmal besser haben würde. Wollen Sie mir jetzt erzählen, dass es die Schwarzen in diesem Land bestimmt besser haben werden, wenn meine Kinder groß sind?

Playboy: Nein, wir wollen nur herausfinden, wie Ihre Einstellung gegenüber den Weißen wirklich ist.
Ali: Die Weißen sind gute Denker, Mann, aber sie sind verrückt. Sie sind Planer, und sie können die Welt regieren. Meist deshalb, weil sie auch immer eine Geschichte dazu erzählen können. Marschiert Martin Luther King mal wieder und macht Ärger? Okay, dann lassen wir halt die Schwarzen auf die öffentlichen Toiletten, doch zuerst sollen sie sechs Monate dafür kämpfen – und während sie kämpfen, denken wir uns einen neuen Plan aus. Nächste Woche wollen sie auch Zutritt zum Supermarkt? Okay, aber dafür müssen sie zwei Jahre kämpfen! Das ist, okay, wie bei den Fluglinien. Sie geben jetzt ein paar schwarzen Piloten und Stewardessen Jobs, doch inzwischen sind die Weißen mit ihren Raumschiffen schon auf dem Mond. Die Schwarzen bleiben wieder zurück, sie bleiben so weit zurück, dass man sich schämen muss. Für einen Man, der noch wirklich lebt, ein Mann wie Muhammad Ali, der außerdem dem weisesten schwarzen Mann Amerikas, dem ehrenwerten Elija Muhammad zugehört hat, gibt es nur einen Wunsch: Freiheit im eigenen Land. Es gibt nichts, was Sie dagegen vorbringen könnten. Das einzige, was der Weiße mir in Amerika anbieten kann, ist ein Job – er kann mir keine eigene Flagge, keine eigenen Krankenhäuser, kein Land und keine Freiheit bieten. Aber wenn ein Mann einmal weiß, was Freiheit ist, will er nicht einmal mehr Präsident in Ihrem Land werden. Und Allah ist mein Zeuge, ich würde noch heute sterben, um es zu beweisen. Wenn ich wählen könnte, entweder morgen Präsident der Vereinigten Staaten zu sein und alles tun zu können, um meinem Volk zu helfen, oder in einem schwarzen selbständigen Staat von vierzig Millionen zu leben, wo ich nur ein Müllmann bin, ich würde mich für den Müllmann entscheiden. Auch wenn meine Kinder und alle meine Nachkommen diese Arbeit verrichten müssten, würde ich noch immer den niedrigsten Job in einem schwarzen Staat dem höchsten in einem von Weißen regierten vorziehen.

Playboy: Sie haben allein während der vergangenen zwei Jahre annähernd zehn Millionen von Kampfbörsen eingenommen. Würden Sie sich wirklich von Ihrem Reichtum so leicht trennen?
Ali: Sofort! Letzte Woche war ich mit dem Auto unterwegs, dabei dachte ich: „Ich fahre jetzt diesen Rolls-Royce, und ich hab noch einen zweiten in der Garage stehen, den ich kaum benütze, der mich aber auch vierzigtausend Dollar gekostet hat. Dann habe ich einen Scenicruise-Greyhound Bus mit vierzehn Schlafplätzen, der mich hundertzwanzigtausend Dollar kostete und einen weiteren Bus für zweiundvierzigtausend – allein hundertzweiundsechzigtausend Dollar für Wohnwagen. Mein Trainingscamp kostete dreihundertfünfzigtausend Dollar, und gerade habe ich dreihunderttausend Dollar für den Umbau meines Hauses in Chicago ausgegeben. Das alles gehört mir, einiges andere kommt noch dazu. Nun, ich fuhr so die Straße entlang, und da sah ich einen kleinen schwarzen Mann in einem alten Mantel, der mit seiner Frau und einem kleinen Jungen an einer Ecke stand und auf den Bus wartete – und dann ich in meinem Rolls-Royce. Der kleine Junge hatte Löcher in den Schuhen, und ich stelle mir vor, es wäre mein Junge, die Tränen stiegen in mir hoch und ich weinte. Natürlich weiß ich, dass ich es geschafft habe, während die Masse der Schwarzen leidet. Doch solange sie nicht frei sind, bin ich es auch nicht. Glauben Sie vielleicht, ich brauche wirklich die vielen Helfer, um mich in Form zu bringen? Hören Sie, ich könnte genauso gut allein mit meinem Koch und meinen Sparringspartnern nach Miami Beach gehen, dort drei Zimmer mieten und so trainieren – und viel Geld dabei sparen. Für das Training vor dem Kampf gegen George Foreman habe ich achthundertfünfzigtausend Dollar ausgegeben, das meiste davon ging an einen schwarzen Angestellten. In den zwei Trainingsmonaten vor dem Kampf gegen Cuck Wepner gab ich dreißigtausend Dollar aus. Bestimmt nicht für mich. Sehen Sie, wenn man Muslim ist, will man für seinen Bruder dasselbe wie für sich. Ein Beispiel: Kind Gavilan war ein schwarzer Boxchampion, der nach seinem Ausscheiden aus dem Boxsport auf Kuba Schwierigkeiten hatte, nach Miami zurückging und dort in einem Park arbeiten musste. Zeitungsreporter schrieben immer wieder Dinge über ihn, die ihm schwer zu schaffen machten. Als ich hörte, wie es ihm ging, dachte ich: „Kid Gavilan sollte in keinem Park der Welt arbeiten müssen.“ Deshalb spürte ich ihn auf und heute arbeitet er für mich, und ich bezahle ihn um vieles besser. Wie konnte ich es zulassen, dass einer der größten schwarzen Fighter der Welt als Arbeiter in einem Park endet? Er repräsentiert uns alle. Das zeigte mir der ehrenwerte Elijah Muhammad. Mann, ich glaube, jeder Weiße bekäme es mit der Angst zu tun, wenn er einer Muslim-Veranstaltung beiwohnen würde. Nicht deshalb, weil er fürchten müsste, von den Muslims belästigt zu werden, sondern weil er hier sehen könnte, dass das Ende der weißen Herrschaft bevorsteht. Fünfzigtausend Muslims, eine große Gemeinschaft, alle sauber, ordentlich und von ihrer Sache überzeugt. Der Grund dafür liegt darin, dass man als Muslim einen ganz neuen Blick für alles mögliche bekommt.

Playboy: Zum Beispiel?
Ali: Die Schwarzen Amerikas wussten nie, dass unsere Religion der Islam war, und das Jesus schwarz war – wir machten ihn immer weiß. Wir wussten überhaupt nicht, dass wir das ältere Volk sind. Wir dachten, schwarz zu sein ist ein Unglück. Wir ahnten auch nicht, dass die Afrikaner ihre Länder wieder zurückbekommen würden, und dass sie unsere Brüder sind. Gott ist weiß, aber wir wussten nie, dass der richtige Name Gottes Allah heißt – und Allah ist nicht weiß. Wir wussten noch nicht einmal unsere eigenen Namen, denn in der Sklaverei wurden wir einfach nach unseren weißen Masters genannt. Wenn der Master Robinson hieß, waren wir Robinsons Eigentum. Verkauften sie dich an Jones, dann warst du dessen Eigentum. Und wenn du dann an Mr. Williams versteigert wurdest, warst du das Eigentum von Williams. Auf diese Weise identifizierte man uns mit den Namen unserer Besitzer. Nun, heute tragen wir keine Ketten mehr, aber noch immer heißen wir beispielsweise George Washington. Doch jetzt, wo wir aufwachen, wollen wir unsere eigenen schönen Namen wiederhaben. Wenn ein schwarzer Mann und eine schwarze Frau ihren ersten Sohn bekommen, sollten sie ihm vielleicht einen hübschen Namen wie Ahad geben, was so viel wie „der Beginn“ bedeutet. Eine schwarze Frau, die Constance oder Barbara heißt, sollte ihren Namen ändern. Sie soll sich Rashida, Jamilla, Satina, Alissia nennen. Das sind Namen schwarzer Menschen, die man in Afrika und Asien findet. Schwarze Menschen in Amerika sollten ebenfalls solche Namen tragen. Lassen Sie mich Ihnen sagen, warum. Wenn ich Mr. Chang Chong oder Mr. Lou Chin sage, dann wissen Sie, dass es sich um einen Chinesen dreht. Sage ich Mr. Castro oder Mr. Gonzales, dann rechnen Sie mit einem Kubaner oder einem Spanier. Sage ich Mr. Weinstein oder Mr. Goldberg, stellen Sie sich auf einen Juden ein. Und wenn ich sage, Mr. Morning Star oder Mr. Rolling Thunder, dann wissen Sie, dass Sie einem Indianer gegenüberstehen. Und bei den Namen Mr. Mobuto oder Mr. Kenyatta hören Sie sofort, dass es sich um Afrikaner handelt. Sage ich aber Mr. Green oder Mr. Washington oder Mr. Jones, dann kann es sich um einen Weißen oder um einen Schwarzen handeln. Sie sehen also, Sie können alle schon an ihren Namen erkennen, nur uns nicht. Doch jeder sollte seinen eigenen Namen tragen, das lehrte uns Elijah Muhammad, dem es Gott offenbarte. Ich meine: Haben Sie je von einem weißen Engländer gehört, der Lumumba heißt? Und genauso denken schwarze Amerikaner, wenn einer von ihnen Robinson heißt. Sehen Sie jetzt, auf welche Weise unser Glaube zu neuen Erkenntnissen führt? Und unsere Namen sind nicht nur schön, sie haben wundervolle Bedeutungen.

Playboy: Was bedeutet Ihr Name?
Ali: Muhammad bedeutet „Wert des Ruhms“, Ali bedeutet „der Allerhöchste“. Und eine große Zahl der Brüder macht es heute wie ich und tauscht die alten Sklavennamen gegen neue Vor- und Zunamen ein, darunter so hübsche wie Hassan Sharif oder Kareen Shabazz. Das waren unsere Namen, bevor wir hierher gebracht und nach George Washington benannt wurden. Es ist wichtig, dass wir sie zurückholen, denn wenn die Schwarzen nicht wissen, dass der Name Gottes Allah ist und auch ihre eigenen Namen nicht kennen, dann fallen sie immer noch weiter zurück. Der erste Schritt muss darin bestehen, den alten Sklavennamen abzulegen und sich einen neuen Familiennamen zu suchen – jedesmal, wenn ich höre, dass sich wieder eine schwarze Familie dazu entschlossen hat, werde ich glücklicher und glücklicher. Und wenn Sie die Wahrheit erkennen, sobald sie Ihnen gesagt wird, dann müssten Sie jetzt wissen, mit welcher Freude es mich erfüllt, ein Muslim zu sein.

Playboy: Werden Sie in der Muslimbewegung ein Amt bekleiden, wenn Ihre Boxkarriere beendet ist?
Ali: Ja, Sir. Wenn der Segen auf mir ruht, und sie es erlauben, werde ich ein Predigeramt versehen. Ich werde mit unserem neuen geistlichen Führer, Bruder Wallace Dr. Muhammad, dem Sohn Elijah Muhammads, zusammen arbeiten.

Playboy: Welche Auswirkungen hatte der Tod Elijah Muhammads auf die Black Muslims?
Ali: Natürlich war es sehr traurig, plötzlich auf seine körperliche Gegenwart verzichten zu müssen. Doch es wäre noch schlimmer, wenn wir ihn in unserem Innern verlieren würden. Wir müssen weiter machen, und wir folgen jetzt seinem Sohn, der dort fortfährt, wo sein Vater aufhörte. Und wir stehen zu hundert Prozent hinter ihm. Elija Muhammad lehrte uns, uns nicht zu fürchten und zu grämen. Daran halten wir uns.

Playboy: Wie hat es Ihr Leben verändert?
Ali: Er war mein Jesus, und ich liebte sowohl den Mann selbst als auch das, was er verkündete. Genau wie Jesus Christus und all die anderen Propheten Gottes stand er für alles Gute auf der Welt, und wir vermissen ihn. Doch der Geist der Propheten kann nicht sterben, ihre Worte und Werke leben weiter. Elijah Muhammad war mein Heiland, und alles, was ich habe, kommt von ihm – meine Gedanken, mein Bemühen, den Menschen meines Volkes zu helfen, wie ich esse, wie ich spreche, mein Name.

Playboy: Meinen Sie, das Sie jemals Ihren Glauben verlieren könnten?
Ali: Ich bete zu Allah, das es nicht geschehen möge, trotzdem könnte es sein. Jeden Tag sage ich: „Ich habe mich dir zugewandt, o Allah, und versuche dem Schöpfer des Himmels und der Erde aufrichtig zu dienen. Meine Gebete, meine Opfer, mein Leben und mein Tod gehören Allah, dem Herrn der Welt.“ Das ist der Anfang eines langen Gebets, das ich täglich spreche. Manchmal spreche ich es fünfmal am Tag, um stark zu bleiben und den rechten Weg zu gehen. Es ist möglich, dass der Glaube schwindet, deshalb bete ich und sporne mich an und spreche, wie ich jetzt spreche. Es ist diese Art des Sprechens, die uns Muslims zusammenhält. Und sie können eine Schar von Muslims sofort erkennen: keine Gewalt, kein Hass, keine Zigaretten, keine Prügeleien, keine Diebstähle, alle sind glücklich. Es ist ein Wunder. An den meisten Plätzen, wo sich Neger aufhalten, wird geflucht und renommiert, Schweinefleisch gegessen, und überall sieht man Frauen. Sie haben den Frieden und die Eintracht in meinem Trainingscamp erlebt. Das alles sind Elijas Geist und seine Unterweisungen. Nie zuvor haben sich Schwarze so benommen. Wenn wir uns hier im Camp noch so benehmen würden wie vor der Zeit, in der wir Elijah Muhammad hörten, dann könnten Sie hier vor lauter Rauch nichts mehr erkennen. Dafür gäbe es Fragen wie: „Hey, Mann, was ist los, wo sind die Ladys? Was wollen wir heute Abend trinken? Lass uns ein bisschen Musik machen und eine Party feiern!“ – Und hey, das ist kein islamisches Zentrum: Wir sind heute einfach glücklich. Es geht uns besser als zu jener Zeit, in der wir uns mit christlichen Sprüchen bequatschten wie: „Jesus liebt dich, Bruder, Jesus starb für deine Sünden, nimm Jesus Christus an.“

Playboy: Was finden Sie daran falsch?
Ali: Das Christentum ist eine gute Philosophie, wenn sie auch gelebt wird. Doch das Christentum wird von den Weißen kontrolliert, die es nur den anderen predigen, sich selbst aber nicht danach verhalten. Sie organisieren und benützen es, wie es ihnen gerade am besten passt. Wenn der weiße Mann das Christentum leben würde, wäre er anders. Doch, das sage ich Ihnen, es wäre geradezu gegen die Natur, wenn die Europäer plötzlich ein christliches Leben führen wollten. Ihre Nationen gründen sich auf das Töten, auf Kriege. Frankreich, Deutschland und der übrige Haufen – ein einziger langer Krieg, seit es sie gibt. Und wenn sie sich dort drüben nicht gegenseitig umbrachten, machten sie hier Jagd auf Indianer. Und gab es gerade keine Indianer, dann jagten sie Rentiere oder andere Lebewesen und töteten sie, sogar Elefanten. Nichts als Gewalt und Kriege bei den Christen. Die Muslims dagegen leben ihre Religion – wir sind keine Heuchler. Wir unterwerfen uns völlig dem Willen Gottes. Wir essen keinen Schinken, keinen Speck, kein Schweinefleisch. Wir rauchen nicht. Und jeder weiß, dass wir unsere Frauen in Ehren halten. Sie können unsere Schwestern auf der Straße schon auf zehn Meilen Entfernung erkennen, mit ihren weißen Kleidern, die den Boden streifen. Die jungen Frauen in dieser Gesellschaft stellen ihren Körper zur Schau, sie tragen alle diese verrückten Kleider wie Miniröcke oder Hosenanzüge, unsere Frauen tun das nicht. Eine Frau, die einen schönen Körper besitzt, verhüllt ihn und beugt sich demütig vor Allah; sie verzichtet auf diese ganzen modernen Errungenschaften. Das tut niemand außer unseren Muslimfrauen. Natürlich gibt es noch die katholischen Schwestern – aber sie treiben es ganz schön hinter verschlossenen Türen. Niemand wird doch einer Frau glauben, wenn sie behauptet: „Ich war in meinem ganzen Leben noch nie mit einem Mann zusammen“, und dann noch vorgibt, glücklich zu sein. Sie ist verrückt. Das ist doch gegen die Natur. Und wenn ein Priester behauptet, er hätte noch nie eine Frau berührt – das ist ebenfalls gegen die Natur. Glauben Sie etwa, er ruft die ganze Nacht nur den Segen Gottes auf sich herab?

Playboy: Unsere katholischen Leser werden für Sie sicher eine Antwort auf diese Frage haben, doch können sie uns in der Zwischenzeit erklären, warum die Frauen der Muslims viel strengeren Beschränkungen unterworfen sind als die Männer?
Ali: Weil das so sein muss. Frauen sind Sexsymbole.

Playboy: Für wen?
Ali: Für mich.

Playboy: Und sind Sie nicht auch ein Sexsymbol für Frauen?
Ali: Trotzdem rennen die Männer nicht mit nackter Brust durch die Gegend. Obwohl ich das lieber sehen würde, als wenn es eine Frau macht. Warum sollte sie ihre Titten in aller Öffentlichkeit zur Schau stellen? So etwas muss verboten werden.

Playboy: Aber was gibt den Männern das Recht, solche Verbote aufzustellen?
Ali: Weil in der islamischen Welt der Mann der Boss ist und die Frau im Hintergrund bleibt. Sie hat gar nicht den Wunsch, sich in den Vordergrund zu drängen.

Playboy: Wir hören schon die Führerinnen der Emanzipationsbewegungen sagen: „Schwestern, man hat euch einer Gehirnwäsche unterzogen. Ihr solltet euer Leben in die eigene Hände nehmen.“
Ali: Nicht die Muslimfrauen – die Christenfrauen. Muslimfrauen denken nicht so. Sehen Sie, der Grund für unsere Stärke besteht darin, dass wir dem weißen Mann keine Macht über unsere Frauen geben. Sie gehorchen uns. Und wenn ein Muslimmädchen zur Frau wird, dann rennt sie nicht mehr herum und lässt den Hintern raushängen. Pferde und Hunde und Maultiere lassen den Hintern heraushängen. Menschen bedecken ihn.

Playboy: Ist es Muslimfrauen erlaubt, Karriere zu machen, oder verlangt man von ihnen, dass sie in der Küche bleiben?
Ali: Eine Menge von ihnen macht Karriere und arbeitet für oder an der Seite der Brüder, aber Sie finden sie nicht in den Büros des weißen Mannes in der Innenstadt von New York, sie sitzen nicht hinter seinen Schreibtischen. Zu viele schwarze Frauen wurden dort schon missbraucht. Nicht nur im Bett – auch auf dem Boden. Wir wissen das von Negern, die in Büros arbeiten. Deshalb schützen wir unsere Frauen, denn Frauen sind das Feld, das unsere Nation hervorbringt. Und wenn du deine Frauen nicht schützen kannst, kannst du auch deine Nation nicht schützen. Mann, ich war vor ein paar Monaten in Chicago und sah, wie ein weißer Bursche eine schwarze Frau mit in sein Motelzimmer nahm. Nach zwei oder drei Stunden kam er dann wieder heraus – und eine Gruppe von Brüdern sah das und machte noch nicht einmal eine Bemerkung dazu. Sie hätten ihm mit Steinen das Auto demolieren oder die Tür eintreten sollen, während er es mit ihr trieb – irgendetwas, um ihm zu zeigen, dass sie das nicht mögen. Wie kannst du ein Mann sein, wenn ein anderer einfach daherkommen kann und deine Frau, deine Tochter, deine Schwester mit auf sein Zimmer nimmt und es mit ihr treibt – und du, Nigger, protestierst noch nicht einmal dagegen? Niemand berührt unsere Frauen, gleichgültig ob er weiß oder schwarz ist. Greif nach einer Muslimschwester und du stirbst. Ob du weiß oder schwarz bist, wenn du in einem Aufzug einer Muslimschwester in den Hintern kneifst, wirst du auf der Stelle umgelegt.

Playboy: Langsam hört es sich bei Ihnen an, wie bei den weißen Rassisten. Wir wollen das genau wissen: Glauben Sie, das Lynchen eine Antwort auf Sex zwischen Menschen verschiedener Rassen ist?
Ali: Ein schwarzer Mann sollte getötet werden, wenn er sich mit einer weißen Frau einlässt. Die Weißen haben das auch schon immer so gehalten. Sie lynchten Nigger allein schon dafür, dass sie es wagten eine Frau nur anzuschauen. Sie nannten es unzüchtiges Anstarren und zogen den Strick heraus. Vergewaltigungen, Herumfummeln, Belästigen, Missbrauchen, sich nicht respektvoll unseren Frauen gegenüber verhalten – dafür sollte ein Mann sterben. Und nicht nur weiße Männer – auch schwarze. Wir werden euch töten, und die Brüder, die euch dafür nicht töten, werden ausgepeitscht und vielleicht auch selbst getötet, wenn sie es geschehen lassen und nichts dagegen unternehmen. Sagt es dem Präsidenten – er wird nichts dagegen tun können. Sagt es dem FBI: Wir werden jeden töten, der es mit unseren Frauen probiert. Niemand soll sie belästigen dürfen.

Playboy: Und was passiert, wenn eine Muslimfrau mit einem Schwarzen, der nicht zu den Muslims gehört, ausgehen will – oder gar mit einem weißen Mann?
Ali: Dann stirbt sie. Wir töten auch sie.

Playboy: Sind die Muslimfrauen eure Gefangenen?
Ali: Hey, unsere Frauen wollen keine weißen Männer, fertig. Können Sie sich denn vorstellen, dass ich trotz meiner Einstellung und dem, was ich Ihnen erklärt habe, noch eine weiße Frau möchte? Die Muslims denken an die dreihundert Jahre Sklaverei und das Lynchen, denken Sie, wir wollen unsere Sklavenhalter lieben? Wir denken nicht daran! Nein, unsere Frauen sind keine Gefangenen! Muslimfrauen, die ihren Glauben verlieren, können jederzeit gehen. Ich bin sicher, dass, wenn alle schwarzen Männer und Frauen, die jemals an Elijah Muhammad geglaubt haben, noch an unserer Seite wären, wir leicht zehn Millionen Köpfe zählen würden. So viele kamen durch unsere Türen, doch sie blieben nicht. Jeder kann frei entscheiden, ob er wieder gehen will.

Playboy: Wenn alle Schwarzen Amerikas bis Ende des Jahres zu den Muslims stoßen würden, was würde Ihrer Meinung nach geschehen?
Ali: Präsident Ford würde unsere Führer ins Weiße Haus rufen und mit ihnen darüber verhandeln, welche Staaten er uns geben will, oder in welchem Land wir unseren Staat gründen wollen. Könnten Sie sich vorstellen, was geschieht, wenn vierzig Millionen Neger dasselbe fühlen wie ich? Sie könnten gar nicht anders, als sie gehen lassen.

Playboy: „Sie gehen lassen“ bedeutet aber nicht, dass man den Muslimführern eine Reihe von Staaten abtritt. ALI. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ihr könntet Georgia, Alabama, Tennessee, Kentucky abgeben, und wir würden dort leben, und die Weißen könnten Pässe bekommen, um einzureisen, Geschäfte zu machen und wieder zu verschwinden. Oder auch ein Massenexodus aus Amerika. Ich wünsche, dass ich das noch vor meinem Tod sehe! Darf ich Sie etwas fragen?

Playboy: Schießen Sie los.
Ali: Finden Sie, dass ich noch so hübsch bin wie früher? Ich war so hübsch! Jemand hat ein paar Fotos von mir gemacht, sie sind hier in dem Umschlag. Lassen Sie mich also ein paar Sekunden unterbrechen, damit ich sie anschauen kann .... Hey, ich bin noch immer hübsch! Was für ein wundervolles Gesicht! Sehe ich nicht wirklich gut aus auf diesen Bildern? Ich weiß, dass ich in Form bleiben muss, wenn ich hübsch bleiben will, aber das ist sehr hart. Ich kämpfe jetzt seit einundzwanzig Jahren, allein schon der Gedanke daran lässt mich müde werden. Ich bin nicht mehr zweiundzwanzig – ich bin dreiunddreißig, und ich kann nicht mehr so kämpfen, wie ich es vor acht oder zehn Jahren konnte. Außer für kürzere Zeit, länger halte ich nicht mehr durch. Früher stieg ich in den Ring, tanzte und sprang und hüpfte fünfzehn Runden lang. Jetzt kann ich das nur noch fünf oder sechs Runden lang, dann muss ich herunterschalten und mich zwei oder drei Runden lang ausruhen. Vielleicht kann ich dann in der elften und zwölften Runde wieder tanzen, manchmal auch für den Rest des Kampfes, aber ich muss sehr viel mehr arbeiten, um das heute noch zu können. Heute ist es sehr viel schwerer, Gewicht zu verlieren, es erlangt viel größere Anstrengungen von mir. Es bedeutet, jeden Tag hinauszugehen und ein paar Meilen zu laufen, dann vier Tage in der Woche Arbeit am Übungssandsack und nur das richtige Essen. Aber ich esse viel lieber das falsche. Ich gehe viel lieber in einen Coffee Shop und bestelle einen Stapel Pfannkuchen mit Erdbeer- und Blaubeermarmelade, Schlagsahne und Butter, dann übergieße ich die Pfannkuchen noch mit diesem phantastischen Ahornsirup und trinke ein Glas kalte Milch dazu. Abends gehe ich dann noch zu McDonald’s und bestelle zwei große doppelte Cheeseburger und einen Schokoladenmilchshake – und am nächsten Tag wiege ich zehn Pfund mehr. Manche Leute können essen was sie wollen, ohne schwerer zu werden. Aber wenn ich Essbares auch nur ansehe, setze ich schon Bauch an. Deshalb esse ich während des Trainings auch nichts weiter als Steaks, Hühnchen und Fisch, frisches Gemüse und Salate. Ich darf dann an die Dinge, die ich eigentlich mag, noch nicht einmal denken.

Playboy: Gibt es bestimmte Trainingsteile, die Sie besonders mögen?
Ali: Außer dem Aufstehen um fünf oder sechs Uhr morgens und einem Lauf von zwei Meilen ist alles Arbeit. Aber ich trainiere nicht wie andere Boxer. Beispielsweise lasse ich mich während achtzig Prozent der Zeit von meinen Sparringspartnern angreifen. Ich gehe in die Defensive und stecke eine Reihe von Schlägen an den Kopf und auf den Körper ein, was wichtig ist: Du musst deinen Körper und deinen Kopf auf die zu erwartenden Treffer vorbereiten, denn in jedem Kampf wirst du ein paar Mal hart getroffen. Ich schlage nur verhältnismäßig selten auf meine Sparringspartner ein, was sollte das auch schon bringen? Außerdem besteht die Gefahr, dass ich mich dabei zu sehr verausgabe. Wenn man so viele Kämpfe bestreitet, wie ich in letzter Zeit, nehmen alle an, man würde nichts anderes mehr tun als jeden Tag trainieren. Aber ich kann nicht jeden Tag boxen und tanzen, das lässt mein Organismus nicht zu. Deshalb muss ich sehen, wie ich anders zurechtkomme.

Playboy: Haben Sie es sich beim Trainieren schon immer so leicht gemacht?
Ali: Ich mache es mir nicht leicht, ich bin nur smart. Ich halte es beim Training wie bei meinen Kämpfen – ich setze gerade so viel Kraft und Schnelligkeit ein wie ich zum Gewinnen brauche. Als ich gegen so zähe, im übrigen aber unqualifizierte Boxer wie Jürgen Blin, Rude Lubben, Mac Foster und Al „Blue“ Lewis kämpfte, trainierte ich so gut wie überhaupt nicht, doch meine Form reichte aus, um sie zu schlagen. Sie dürfen nicht vergessen, dass ich nach dem Kampf gegen Joe Frazier – der mir sehr viel abverlangte – insgesamt fünfzehn Kämpfe bestritt. Hätte ich für alle so hart trainiert wie für Frazier, wäre ich heute nicht hier, ich hätte mich umgebracht. Doch anstatt mich völlig zu erschöpfen, trat ich relativ frisch zum zweiten Kampf gegen Frazier an und konnte ihn schlagen. Beim zweiten Mal gegen Norton hätte ich mich beim Training fast umgebracht, doch das stellte sich als richtig heraus, denn so hatte ich gegen Ende des Kampfes noch Reserven. Für George Foreman habe ich mich tatsächlich umgebracht. Doch das war nicht nötig für Chuck Wepher, Ron Lyle oder Joe Burgner, da sie nicht dasselbe Niveau haben. Niemand sollte sich also wegen meines Trainings Sorgen machen oder mir Vorschriften dafür machen wollen, denn ich allein bin Herr über meine Kräfte und meine Geschicklichkeit. Entscheidend ist doch das, was ich bei einem Fight vorführe, das ist das einzige, was zählt. Solange das Geld auf dem Tisch liegt und mein Titel gesichert ist, ist alles in Ordnung.

Playboy: Wie lange wollen Sie Ihren Titel noch verteidigen?
Ali: Am liebsten würde ich noch heute auf ihn verzichten und mich zurückziehen, aber es gibt einfach noch zu viel zu tun. Es wurde uns gesagt, dass jeder Muslim eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen hat, um seinem Volk, so gut er kann, zu helfen. Nun, meine Aufgabe ist gewaltig, weil ich der Schwergewichtsweltmeister und der berühmteste schwarze Mann auf diesem Planeten bin, deshalb habe ich auch so viel zu tun. Das ist auch der Grund dafür, dass ich gerade im schwarzen Teil von Cleveland, Ohio, für fünfhunderttausend Dollar ein Einkaufszentrum gekauft habe. Es hat Platz für vierzig Läden, und wir werden sie so billig vermieten, dass gerade der Unterhalt und die Steuern gedeckt sind – ich will daraus keinen Cent Gewinn ziehen. Damit sollen Jobs für Schwarze geschaffen werden. Ich kaufe auch einen A & P Supermarkt in Atlanta, in dem hundertfünfzig Schwarze Arbeitsplätze finden sollen. Dann will ich runter nach Miami, Florida, wo es kein einziges hübsches Luxusrestaurant für Schwarze gibt. Ich werde eins bauen lassen. Sie wissen, dass es bei Miami Beach überall Schilder gab mit der Aufschrift: FÜR NIGGER, HUNDE UND JUDEN VERBOTEN! Nun, die Juden ließen sich das nicht gefallen und kauften die ganze verdammte Küste auf. Und genau das werden wir jetzt auch anfangen, wir werden unser Geld zusammenlegen und gemeinsam investieren, und ich hoffe, ich bekomme dazu die Unterstützung schwarzer Prominenter und Millionäre, denn die Muslimbewegung ist die einzige Organisation, die wirklich unsere Leute vereinigen kann. Ich bin nur ein kleiner schwarzer Mann mit einem Talent für das Boxen, aber ich werde Wunder vollbringen: Und wenn schwarze Leute mit Geld sehen, was ich mit meinen Pennys vollbringe, werden sie sich überlegen, was sie mit ihren Millionen tun könnten. Mein größter Beitrag wird nach dem nächsten Kampf gegen Foreman kommen. Ich dürfte an die zehn Millionen Dollar für einen neuen Fight mit George Foreman bekommen, davon holt sich die Regierung fünf Millionen an Steuern, eine Million werde ich für mich selbst zur Seite legen, die restlichen vier Millionen aber investieren. Damit können wir einige schwarze Viertel zum Blühen bringen und zeigen, dass Gott mit mir und meinen Muslimbrüdern ist. Denn wir können die Dinge ändern. Werfen Sie einen Blick auf unsere Restaurants und Häuser an der Lenox Avenue in Harlem, und Sie wissen, dass wir nicht nur reden. Die vier Millionen Dollar, die ich nach dem Foreman-Fight in mein Volk investieren will, wird ein Anfang sein, um alle Gettos Amerikas zu verschönern. Man wird sehen können, wofür dieses Geld verwendet wird. Die Regierung behauptet immer, sie würde Milliarden in den Gettos investieren – aber wir sehen nichts davon. Viele werden dies lesen und sagen, dass es leicht ist zu reden. Aber ich rede nicht nur. Sie können dabei zuschauen, wie ich während der nächsten fünf Jahre mein Kampfgeld nehmen und für Unternehmen verwenden werde, die von meinen Brüdern betrieben werden. Das ist der einzige Grund, weshalb ich meinen Titel verteidige.

Playboy: Da Sie uns selbst schon gesagt haben, dass Ihre Kräfte mit dem Alter ständig nachlassen – was macht Sie so sicher, dass Sie mit achtunddreißig noch immer Champion sind?
Ali: Hey, Jersey Joe Walcott gewann seinen Titel mit siebenunddreißig. Sugar Ray Robinson kämpfte bis in die Vierziger hinein, und Archie Moore hörte erst mit einundfünfzig auf.

Playboy: Zu diesem Zeitpunkt nahmen Sie ihn dann auch mit Leichtigkeit auseinander. Wollen Sie etwa Ihre Karriere auch auf diese Weise beenden?
Ali: Archie hat ohne große Verletzungen den Ring verlassen, und er ist noch immer intelligent – obwohl er dachte, Foreman würde mich schlagen. Wenn ich fünf Jahre weitermache, bin ich noch keine einundfünfzig. Ich kann das, indem ich mir einen langsameren Kampfstil angewöhne. Außerdem sollten Sie sich daran erinnern, dass ich mich dreieinhalb Jahre im Exil befand, als sie mir meinen Titel wegnahmen, weil ich nicht zur army wollte. Das bedeutet dreieinhalb Jahre weniger Anstrengung, Training und Kampf; ohne diese Ruhepause wäre ich wahrscheinlich heute nicht in dieser guten Form. Aufgrund meines Alters kommen mir nicht die ganzen dreieinhalb Jahre zugute, aber doch einiges davon.

Playboy: War diese Periode erzwungener Untätigkeit ein bitterer Abschnitt in Ihrem Leben?
Ali: Überhaupt nicht. Ich genoss es, an Colleges zu reden und mich mit Studenten zu unterhalten – weißen, schwarzen und anderen, doch in der Hauptsache weißen, die mich hundertprozentig unterstützten. Sie waren genauso gegen den Krieg in Vietnam wie ich. Außerdem hatte ich auch noch Spaß an vielen anderen Dingen. Als Redner verdiente ich fünfzehnhundert bis zweitausend Dollar pro Auftritt, das ergab in der Woche durchschnittlich fünftausend Doller. Ich hatte also immer Geld in der Tasche. Ich ging damals auch häufig zu Veranstaltungen, in denen sie um meinen Titel kämpften und unternahm Störversuche aller Art, um zu zeigen, dass noch immer ich der rechtmäßige Champion war. Die Leute sprangen von ihren Sitzen und jubelten mir zu, und es wurde den Veranstaltern und Funktionären rasch klar, dass sie mit mir zu rechnen hatten. Als ich dann am Obersten Gerichtshof gewann und sie mich wieder arbeiten lassen mussten, kamen viele zu mir und sagten: „Warum prozessierst du nicht gegen die Boxkommission, weil sie dir ohne Rechtsgrundlage deinen Titel weggenommen hat?“ Nun, sie taten eben, was sie für richtig hielten, ich hatte keinen Grund, sie dafür zu bestrafen. Es ist nur schade, dass sie nicht fähig waren zu erkennen, dass auch ich nichts anderes tat, als was ich zu jener Zeit für richtig hielt.

Playboy: Bekamen Sie während jener Jahre viele hasserfüllte Briefe?
Ali: Nur einer von dreihundert erhielt Beschimpfungen. Und ich mochte sie sogar irgendwie, deshalb habe ich sie auch aufgehoben. Wenn ich neunzig bin, werde ich sie meinem Urenkel zeigen. Ich werde ihm erklären: „Junge, das ist einer der Briefe, die dein Uropa bekam, als er sich während eines ihrer Kriege gegen die Einberufung zur Wehr setzte.“ In jeder Rasse gibt es Gute und Böse. Jeder hat seine eigene Meinung und das Recht, sie frei zu äußern.

Playboy: Als Sie neunzehnhundertsiebzig in den Ring zurückkehrten, hatten die meisten Beobachter den Eindruck, Sie hätten beträchtlich an Schnelligkeit und Timing verloren. Waren Sie derselben Meinung?
Ali: Unsinn, ich war genau derselbe, wenn nicht sogar besser. Der erste Kampf nach meiner Rückkehr war gegen Jerry Quarry, gegen den ich schon früher angetreten war. Es war äußerst seltsam. Denn als ich die Filme vom ersten Kampf gegen ihn ansah, wirkte ich ziemlich schnell. Doch als ich dann die Filme dieses zweiten Kampfes sah, war ich superschnell. Dann, nachdem ich gegen Joe Frazier verloren hatte, studierte ich ebenfalls die Filme, und obwohl ich in keiner besonderen Form war und viel herumalberte, war ich doch recht scharf und ich traf Joe ziemlich häufig. Auf jeden Fall sahen Sie, was Foreman mit Frazier machte, und was ich dann mit Foreman tat, was sollte ich also während meiner dreieinhalbjährigen Ruhepause eingebüßt haben? Kann nicht gerade viel gewesen sein, oder? Ich kann also noch für recht lange Zeit der Champ bleiben, und wenn ich nur zweimal pro Jahr kämpfe, kann mir der Titel nicht entzogen werden. Und das werden große, sehr große Kämpfe werden, von denen jeder mindestens fünf Millionen Dollar wert ist. Das sind fünf Jahre lang zehn Millionen Dollar pro Jahr, was bedeutet, dass ich mir mit der Regierung fünfzig Millionen Dollar teile, so dass ich nach Abzug der Steuern über fünfundzwanzig Millionen verfüge. Wow!

Playboy: So viel Geld war zu Beginn Ihrer Boxkarriere völlig unvorstellbar. Sind Sie nicht manchmal erstaunt darüber, dass Sie heute in einer Stunde fünf Millionen Dollar machen können?
Ali: Nein, und wenn ich Abschied vom Boxen nehme, wird es auch nie mehr so viel Geld für einen Boxer geben. Ich kann fünf oder auch siebeneinhalb Millionen für einen Fight bekommen, weil ich ein Welt-Publikum habe. Die Leute, die dieses Geld locker machen, gehören zu den reichsten der Welt – es sind schwarze Ölleute. Es war ein reicher, schwarzer Mann, der mich und George bezahlte, und er tat dies, weil er für sein kleines Land etwas Publicity kaufen wollte, und die bekam er auch. Fünfzehn Jahre, nachdem die Belgier das Land verlassen hatten, hatte niemand – mich eingeschlossen – je etwas von Zaire gehört. Niemand wusste, dass in diesem Land zweiundzwanzig Millionen Menschen leben, aber jetzt weiß man es. Ich bekam gerade ein Angebot über siebeneinhalb Millionen für einen Kampf gegen Foreman in Djakarta, Indonesien. Es kommt ebenfalls von einem schwarzen Ölmann, der etwas für sein Land tun will. Und wie macht man das? Man holt Muhammad Ali herüber und lässt ihn um den Titel kämpfen, und die ganze Welt wird nachlesen, wo er dies tut. Doch wenn ich mich vom Boxen zurückziehe, und der Titel an George Foreman oder sonst einen guten Amerikaner übergeht, werden die Titelkämpfe nur noch in Amerika und England Aufsehen erregen. Und das wird dann das Ende des ganz großen Geldes sein.

Playboy: Werden Sie das Boxen vermissen, wenn Sie sich zurückziehen?
Ali: Nein, denn ich habe mich damit abgefunden, dass man einfach älter wird. Gebäude werden älter, Menschen werden älter, und wir alle müssen sterben. Sehen Sie das Fett auf meinem Bauch? Vor zehn Jahren wäre es in zwei Wochen verschwunden gewesen, heute nicht mehr. Ich kann natürlich nicht genau fühlen, wie ich älter werde, aber ich bin nicht mehr der, der ich vor zehn Jahren war. Die Zeit befähigt mich, mich mit den Realitäten des Lebens abzufinden. Wenn ich fünfzig bin, werde ich das Boxen nicht wirklich vermissen, weil ich weiß, ich könnte es sowieso nicht mehr. Aber wenn ich aufhöre, wird das nicht, wie bei vielen anderen alten Kämpfern sein, da bin ich sicher. Sie werden von mir nie hören, dass ich mir als Champ einen Cadillac kaufte und an jedem Finger ein paar weiße Mädchen hielt, nach dem Rückzug aus dem Boxgeschäft aber völlig am Ende war. Nie werden Sie Artikel über mich lesen, in denen es heißt: „Der arme Muhammad Ali, er hatte einmal so viel Geld und jetzt arbeitet er in einer Wagenwaschanlage.“ No, Sir.

Playboy: Werden Sie sich auch nach Ihrem Abgang noch mit dem Boxen beschäftigen?
Ali: Ich glaube nicht. Selbst jetzt, da ich der Weltmeister bin, finde ich kaum genug Zeit zum Training, weil ich so viele andere Dinge zu tun habe. Ich spreche mit Senatoren wie John Tunney von Kalifornien und schwarzen bourgeoisen Kongressleuten, die sich gern ein bisschen aufspielen, genau wie die schwarzen Doktoren und Rechtsanwälte mit ihren weißen Freunden, die zu gern vergessen würden, dass sie schwarz sind und sich benehmen, als ob sie sich für ihre schwarzen Brüder zu schade wären. Ich sage dann immer zu ihnen: „Warum benehmt ihr euch denn so? Ich tue es doch auch nicht, und was ihr auch anstellt, größer als Muhammad Ali könnt ihr nie werden.“ Das ist schließlich die Wahrheit. Ich war drüben in Irland und dinierte mit Jack Lynch, dem Premierminister. Ich war auch in Kairo und hielt mich zwei Tage in Sadats Palast auf. Ich aß und trank mit König Feisal von Saudi-Arabien. Vielleicht fühlte ich mich dabei gar nicht immer so besonders wohl, aber die Menschen, die zu ihnen aufblicken, sehen, dass sie zu mir aufblicken. Und wenn ich dann irgendwo meine Pläne vorlege, hört man mir auch zu. Sehen Sie, man muss immer irgendetwas haben, das für einen Reklame macht. Wenn ein smarter Bursche, den nichts auszeichnet, durch die Straßen geht, sagen die Leute: „Oh, das ist ein ganz gewöhnlicher Typ“ – und er wird nichts erreichten. Doch wenn einer im Rolls-Royce vorfährt und sagt: „Hey, ich will Ihnen ein Geschäft vorschlagen“, werden die Leute ernsthaft mit ihm verhandeln. Dasselbe gilt auch für mich: Mein Geld und mein Titel verschaffen mir Einfluss. Und außerdem habe ich etwas zu sagen. Haben Sie bemerkt, dass fünfundachtzig Prozent unseres Gesprächs nichts mit Boxen zu tun hatten? Wenn Sie andere Boxer interviewen, werden Sie sehen, was die zu bieten haben: nichts. Wir hätten nie so lange reden können, und Sie hätten mir nie so lange zugehört, wenn ich nur übers Boxen gesprochen hätte.

Playboy: Einverstanden. Aber lassen Sie uns noch ein wenig bei den restlichen fünfzehn Prozent bleiben. Viele glauben, dass nach Ihrem Abgang das Boxen verschwinden wird. Glauben Sie das auch?
Ali: Das Boxen wird nie sterben. In Schulen und Klubs wird immer geboxt werden, und es wird auch immer Zuschauer geben, die sich Profikämpfe ansehen wollen. Und immer wieder wird sich ein neuer sensationeller Fighter in den Vordergrund kämpfen.

Playboy: So sensationell wie Sie?
Ali: Körperlich vielleicht, aber nicht in Bezug auf das andere, das mich weltweit bekannt gemacht hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch einen Boxer geben wird, für den sich in allen Ländern der Welt die Menschen interessieren werden. Aber er muss auch eine Persönlichkeit haben, meine Einfälle, meine Gags, mein Auftreten in der Öffentlichkeit – es wird verdammt schwer für ihn sein, so populär wie Muhammad Ali zu werden.

Playboy: Sie sagten einmal Sie würden dauernd Theater spielen. Wo beginnt das Theater und wo hört es auf?
Ali: Es beginnt bei den Vorbereitungen für einen Kampf. Ich versuche, mir für jeden Tag etwas Lustiges auszudenken, und ich rede zehn Meilen pro Minute. Aber das endet, wenn ich in den Ring steige. Ein Fight hat nichts Vergnügliches an sich, aber bei einigen meiner Kämpfe war es ein großes Vergnügen, sie zu gewinnen. Dazu zählen die zweiten Begegnungen mit Norton und Frazier und der Kampf gegen Foreman. Vor dem Kampf gegen Norton hatte man mich bereits für tot erklärt, weil ich mir bei der ersten Begegnung den Kiefer gebrochen hatte. Eine Niederlage gegen Frazier reichte aus, um in der Sports Illustrated die Schlagzeile erscheinen zu lassen: DAS ENDE DER ALL-LEGENDE. Und auch gegen Foreman gab man mir nicht die geringste Chance, weil man ihn für den kräftigsten und zähesten Champion aller Zeiten hielt. Wissen Sie, irgendwo habe ich mal gelesen: „Wer keinen Mut zum Risiko hat, wird im Leben nichts erreichen.“ Nun, Boxen ist ein Risiko und das Leben ist ein Glücksspiel, und ich nehme es gegen beide auf.

Playboy: Aus Ihrer Umgebung hört man, dass Sie während des letzten Jahres das Boxen ziemlich satt bekommen hätten. Stimmt das?
Ali: Nun ich begann neunzehnhundertvierundfünfzig mit dem Boxen, als ich gerade zwölf war, das ist eine ganz schön lange Zeit. Doch es gibt immer wieder einen neuen Kampf, auf den man gespannt ist, eine neue Sache, für die man Publicity gewinnen will, einen neuen Grund, für den es sich zu kämpfen lohnt. Jetzt kämpfe ich für diese wohltätigen Zwecke, was mir immer wieder neue Kraft gibt. Wenn ich an das Geld denke und die Jobs, die durch meinen Sieg geschaffen werden können, dann laufe ich eben jeden Morgen meine zwei Meilen, auch wenn ich viel lieber weiter schlafen würde.

Playboy: Mit Ausnahme einiger weniger Politiker sind Sie wahrscheinlich der am meisten veröffentlichte Amerikaner dieses Jahrhunderts. Welche Probleme bringt eine solch große Berühmtheit mit sich?
Ali: Es ist ein Segen, wenn man seine Publicity für die richtigen Dinge verwendet, und ich helfe damit meinen Brüdern und versuche der Wahrheit auf der ganzen Welt Gehör zu verschaffen. Es ist noch immer eine Ehre für mich, mit Fernsehreportern zu sprechen, die aus Deutschland oder Australien angereist sind, nur um mich zu interviewen. Und wenn wir miteinander sprechen, sehe ich nicht nur diesen einen Mann aus Deutschland vor mir, sondern ich sehe die Millionen von Deutschen. Der Reporter kehrt in seine Heimat zurück und zeigt dort einer ganzen Nation seine Filme, wodurch ich populär bleibe und meine Eintrittskarten verkaufen kann, denn damit verdiene ich schließlich meinen Lebensunterhalt – und nur so kann ich auch weitere Gebäude für meine Leute aufkaufen. Deshalb stört es mich auch nicht, wenn ich dauernd reden muss. Es würde mich viel mehr stören, wenn plötzlich keine Reporter mehr zu mir kommen würden, denn an diesem Tag müsste ich erkennen, dass ich nicht mehr interessant bin und dass alles aus ist. Ich genieße es, solange ich kann.

Playboy: Gibt es aber nicht doch Zeiten, in denen das dauernde öffentliche Interesse unerträglich wird?
Ali: Yeah, und wenn das geschieht, steige ich in meinen Bus, nehme genügend Vorräte mit, packe meine Frau und meine vier Kinder dazu und fahre mit ihnen irgendwo an die Küste, um mich vier oder fünf Tage auszuruhen.

Playboy: Ein Mann, der mehr und mehr zum Missionar wird, muss das Boxen doch gelegentlich als ziemlich brutale und für ihn nicht gerade passende Art des Broterwerbs ansehen. Haben Sie nie an eine Karriere in einer anderen Sportart gedacht?
Ali: Die einzige Sportart, die ich je in Betracht zog, war Football, aber ich kam wieder davon ab, weil es dabei zu wenig persönliche Publicity gibt. Du wirst durch deine Ausrüstung fürs Publikum praktisch unkenntlich. Wenn sich die Zuschauer in ihren Sitzen zurücklehnen, können sie dich in einem Feld von zweiundzwanzig Spielern, die dauernd die Position wechseln, kaum ausmachen, aber im Boxring stehen nur zwei Männer. Ich entschied mich bereits mit zwölf Jahren fürs Boxen, vor allem, weil man damit mehr Geld machen konnte als in anderen Sportarten, und weil Boxen im Gegensatz zu Football saisonunabhängig ist. Und ich habe diese Entscheidung nie bereut, denn wenn du der Größte auf deinem Gebiet ist, gibt es schließlich keinen Grund, deine Tätigkeit in Frage zu stellen – oder?

Playboy: Bedeutet Ihr Anspruch, der Größte zu sein, dass Sie Ihrer Meinung nach jeden Schwergewichtschampion der modernen Ringgeschichte hätten schlagen können?
Ali: Das lässt sich nicht so genau sagen. Rocky Marciano, Jack Johnson, Joe Louis, Jack Dempsey, Joe Walcott, Ezzard Charles – sie hätten mir alle zu schaffen gemacht. Ich weiß nicht, ob ich sie alle geschlagen hätte. Aber eines weiß ich: Ich bin der am meisten diskutierte, am meisten veröffentlichte, berühmteste und vielseitigste Fighter der Geschichte. Und ich bin der schnellste Schwergewichtler – mit Füßen und Fäusten –, der jemals lebte. Außerdem bin ich der einzige Pocta Iaureatus, den das Boxen je besaß. Und noch etwas. Wenn Sie die Bilder aller früheren Champions anschauen, sehen Sie sofort, dass ich der bestaussehendste Champion der Geschichte bin. Das alles zusammen macht mich zum Größten – oder etwa nicht?
 

Biographie

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LEBEN
Muhammad Ali alias Cassius Clay, 1942 geboren, begann als Zwölfjähriger zu boxen, weil er einen Typen verprügeln wollte, der ihm sein Rad geklaut hatte. Zehn Jahre später, 1964, gewann er seinen ersten WM-Titel im Schwergewicht, der ihm jedoch aberkannt wurde, weil er ein Jahr später den Kriegsdienst verweigerte. 1974 holte er sich den Titel zurück. Ein Kunststück, das er 1978 wiederholte, bevor er 1981 seine Karriere beendete.

STATUS
Größter, unterhaltsamster und bestaussehender Boxer aller Zeiten.

SONSTIGE LEISTUNGEN
Zeigt heute, wie man würdevoll altert trotz Parkinson-Erkrankung.

Laurence Linderman