Hugh M. Hefner . Die besten Interviews aus dem deutschen Playboy

Hugh M. Hefner

Ein freimütiges Gespräch mit dem Mann, der vor 20 Jahren Playboy erfunden hat. Das Interview mit Hugh M. Hefner von 1974

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Intro

Ein freimütiges Gespräch mit dem Mann, der vor 20 Jahren Playboy erfunden hat (Interview mit Hugh M. Hefner aus dem Jahr 1974)

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Von dem Augenblick, an dem PLAYBOY im Dezember 1953 das erste Mal an amerikanischen Zeitungskiosken erschien, war es klar, dass Hugh Marston Hefners neue Zeitschrift – eine 48seitige, undatierte Ausgabe mit Marilyn Monroe auf einer Doppelseite im Innern – nicht nur irgendeine Zeitschrift sein würde. PLAYBOY war das, was sich Hefner unter einem richtigen Männermagazin vorstellte: eine ausgewogene Mischung von Geschichten, Berichten, Humor, Kunst und Fotografie, in der sich eine gesunde Vorliebe für das andere Geschlecht und die, wie er es nannte, „tollen Vergnügungen in den eigenen vier Wänden“ widerspiegelte. So etwas war bisher noch nicht auf dem Markt erschienen; da war etwas, was bei jenen 70 000 Lesern, die die erste Ausgabe zu einem Verkaufsschlager machten, ein Echo fand. In einer Zeit, in der Verlagsimperien auseinanderfielen, kam PLAYBOY innerhalb von wenigen Monaten nach oben und wurde schließlich der größte Erfolg der Branche seit dem Zweiten Weltkrieg. Wie das Nachrichtenmagazin „Time“ in einer Titelgeschichte 1967 über Hefner sagte: „Er erkannte als erster Verleger, dass der Himmel nicht einstürzen und die Mütter nicht aufmarschieren würden, wenn er einen nackten Busen zeigte; er begriff, dass die alten Tabus verschwanden ... Er nahm das altmodische heimlich durchgeblätterte Mädchen-Magazin, riss den simplen Schutzumschlag ab und fügte Glanz, Stil und Kultur hinzu. Das erwies sich als ein todsicheres Rezept.“
Das Rezept war sogar so gut, dass sein Schöpfer in weniger als einem Jahrzehnt nicht nur Multimillionär, sondern auch noch Gegenstand unzähliger Artikel in anderen Publikationen wurde. Außerdem war er inzwischen der profilierteste Vertreter jenes großzügigen und sexuell freien Lebensstils geworden, den er in seiner Zeitschrift propagierte. In den sechziger Jahren, in denen sich Hefner kaum aus seinem von der übrigen Welt abgeschlossenen, autarken Reich, das er sich in seinem Haus in Chicago geschaffen hatte, hinauswagte, entwickelt sich das Magazin zu einem Imperium mit verschiedenen Zweigunternehmen, darunter eine Kette von Playboy-Clubs in 19 Städten und Hotels in Jamaika, Wisconsin, New Jersey, Chicago und Miami Beach.
Am Ende dieses Jahrzehnts führte sich Hefner beim internationalen Jet-set ein – und zwar mit Stil – indem er das luxuriöseste Privatflugzeug der Welt erwarb, eine nach seinen Wünschen ausgestattete DC-9, die er das Große Häschen nennt. Mit ihr unternahm er zahlreiche Reisen nach Europa und Afrika. Mit ihr pendelte er zwischen Chicago und der neuesten Erwerbung für seine private und geschäftliche Welt, dem Playboy-Haus an der amerikanischen Westküste, hin und her. Das Haus ist ein Besitz von fünfeinhalb Morgen, von dem aus er die weitere Expansion des Unternehmens auf dem Gebiet des Films, des Fernsehens, der Schallplatte und in andere Bereiche der Unterhaltungsindustrie beaufsichtigt.
Trotz – oder vielleicht wegen – des auffallenden Erfolgs der Zeitschrift und ihrer Ableger, sind der PLAYBOY und sein Herausgeber-Verleger der Kritik verschiedener Seiten ausgesetzt gewesen. Zuerst erhoben die sexuellen Puritaner ihre Stimme, die der Anblick nackten Fleisches schockierte, ganz gleich wie geschmackvoll es auch präsentiert wurde. Dann folgten die religiösen Kritiker, die an der „Playboy-Philosophie“ Anstoß nahmen. Als der Beschuss von rechts nachließ, kam er von anderen Seiten: die radikale Linke, die den „Materialismus“ des PLAYBOY brandmarkte, und die schrilleren Stimmen der Frauenrechtsbewegung, die über sein angebliches Rollenklischee herzogen. Beide, die Linken und die Frauenrechtler, ignorierten das Engagement der Zeitschrift für genau die Anliegen, die ihnen am Herzen lagen. Sie ignorierten auch die Playboy-Stiftung, die 1965 zur tatkräftigen Unterstützung im Kampf um die Bewahrung der in der amerikanischen Verfassung garantierten Rechte gegründet wurde.
PLAYBOY hat jedoch weitaus mehr Nachahmer als Kritiker gefunden – die meisten sind ein ungenierter Abklatsch dessen, was sie für das PLAYBOY-Rezept halten. Manche gehen gut, die Leserzahl von PLAYBOY ist inzwischen jedoch weiter geklettert – auf die bisher nie dagewesene Höhe von 26 Millionen Lesern pro Monat – das ist mehr als die Summe aller seiner Nachahmer zusammen.
Zur Feier des 20. Geburtstags des amerikanischen PLAYBOY entschlossen wir uns, unseren Hausgeber-Verleger – er wählt alle Personen für das „Playboy-Interview“ selbst aus – um die Gnade eines Interviews zu bitten. Für diese ungewöhnliche Aufgabe wählten wir den 31jährigen freien Journalisten Larry DuBois, der früher als Autor und Korrespondent für „Time“ arbeitete und dessen scharfsinnige „Playboy-Interviews“ mit Jules Feiffer, Jackie Stewart, Roman Polanski und Jack Anderson uns davon überzeugten, dass er die Erfahrung hatte, die Fähigkeit, die Zähigkeit und den guten Humor, den diese Aufgabe erfordern würde.
Hier ist sein Bericht: Vor der Abfertigungshalle der „Butler Aviation“ auf dem Flughafen O’Hare, außerhalb von Chicago, wo die Besitzer von Privatflugzeugen über eine normale Limousine ganz schön blasiert die Nase rümpfen, recken diese Leute immer noch neugierig die Hälse, wenn ein riesiger Mercedes 600 – Zulassungsnummer HH 1340 – vorfährt. Und wenn der Eigentümer ausstiegt, erstarrt der Platz praktisch zu einer Momentaufnahme. Man will sehen, wie er mit raschen Schritten vorbeigeht, hinter sich fast im Dauerlauf zwei bildschöne Blondinen – eine seine Freundin, die andere seine erstklassige Sekretärin, die wie rasend mitschreibt, während er eilig seine Aktennotiz diktiert.
Ein paar Stunden später, über Los Angeles, spielen er und seine Freunde ihre letzte Partie Monopoly zu Ende. Und wenn sein Flugzeug im Niedrigflug über die Autobahn donnert, kriecht der Verkehr im Schneckentempo dahin, während die Autofahrer die glänzende, pechschwarze DC-9 mit dem Kopf des Häschens am Heck erblicken. Sie gehört natürlich Hugh Hefner; jeder weiß das. Es ist das berühmteste Privatflugzeug der Welt, und es gibt kaum eine Figur des öffentlichen Lebens, über deren Privatleben derartig viel geschrieben wird. Im vergangenen März erschien ich in Hefner Haus in Chicago. Ich nahm an, dass ich sofort das erste von ein paar zweistündigen Interviews machen würde. Es wurden sechs Monate daraus.Es ist mir immer noch nicht ganz klar, wie das eigentlich kam.
Während unserer ersten Tonbandsitzung beantwortete er meine Fragen über das Magazin und ihre Kritiker mit all der Leichtigkeit und Geschliffenheit eines ungewöhnlich schlauen Politikers; aber ich glaube, es war uns beiden klar, dass, wenn wir so weitermachten, nur eines der üblichen glatten Interviews mit dem Denker und Theoretiker dabei herauskommen würde. Mehr als das war nicht drin. Er ist, wie ich merkte, unglaublich reserviert und zeigt keine große Neigung, sich einem Fremden ausführlich mitzuteilen. Daher lud er mich ein, eine Weile als Gast in seinem Haus zu leben, damit wir uns besser kennenlernen konnten.
Wir wurden schnell Freunde, und ich amüsierte mich köstlich. Hefners Welt ist tatsächlich Amüsement. Nachdem wir monatelang Tricktrack und am Flipperautomaten gespielt hatten, nachdem ich seine Freunde kennengelernt und nachdem ich den speziellen Rhythmus und Stil seiner privaten Welt erlebt hatte, wurde der Ton unserer Interview-Sitzungen sehr persönlich – manchmal ernst, manchmal lustig, aber immer enthusiastisch und nie langweilig. „In Hefners Nähe zu sein“, hatte mir einer seiner Freunde erzählt, „ist so, als ob man sich an eine elektrische Steckdose angeschlossen hätte.“ Er hatte recht. Der Mann ist 47, aber seine Energie ist atemberaubend, und er scheint nur eine Gefühlslage zu kennen: geradeaus, anspruchsvoll und voll da.
An manchen Tagen redeten wir bis tief in die Nacht hinein. An anderen Tagen, wenn sich geschäftliche Angelegenheiten häuften, verbrachte er seine Zeit ausschließlich in Konferenzen mit Geschäftsführern, die zu 24-stündigen Marathon-Sitzungen wurden. Und wenn die letzte Gruppe morgens um zehn Uhr davon wankte, war es nicht unwahrscheinlich, dass Hefner einen Abstecher zum Spielsalon machte, wo er sich mit seinen Kumpels traf und heiser und wild am Flipper kämpfte, bevor er sich mit einer Freundin in seine Räume zurückzog. So viel zu der gängigen Vorstellung, das Hefner unter all dem Glanz kaputt oder gelangweilt sein muss. Er ist es nicht.
Ganz egal, womit er sich gerade beschäftigt – seine Fähigkeit zur Konzentration ist – nun ja – überwältigend. Bevor man seine Aufmerksamkeit nicht gehabt hat, sagt einer von seinen alten Mitarbeitern, weiß man nicht, was Aufmerksamkeit ist. Sein Verstand arbeitet so schnell und ist so total auf seine jeweilige Tätigkeit konzentriert, dass man, wenn man nichts damit zu tun hat, so gut wie gar nicht vorhanden ist. Diese Art von Energie, Enthusiasmus und Konzentration macht ihn zu einer ungeheuer anziehenden Persönlichkeit. Aber es gab noch etwas, was mich unglaublich überraschte, es ist eine Seite seines Wesens, die ich nirgends erwähnt fand, obwohl ich alles gelesen hatte, was es über ihn gab. Wenn er nicht ernst ist, ist der Mann wirklich komisch. Ein ganz gewöhnlicher Spielabend mit ihm ist genauso lustig und zum Totlachen wie ein Film mit den Marx Brothers – und gar nicht unähnlich.
Aber das hebt er alles für seine engen Freunde auf, und glauben Sie mir, es war nicht leicht, das aufs Tonband zu kriegen. Vieles von dem, was ich für das Beste unserer Interview-Sitzungen halte, sind Antworten auf Fragen, die ich nur stellen konnte, weil wir am Monopoly-Tisch herumgealbert, Tricktrack gespielt, in seiner Jacuzzi-Grotte in Los Angeles herumgeplanscht haben oder weil wir gerade im Mercedes zu oder von einem Flughafen weggefahren sind.
Alles in allem, wenn Sie sich vielleicht kein Bild davon machen können, wie Hugh Hefner wirklich ist, so doch zumindest davon, wie es ist, mit ihm zusammen zu sein.
 

Interview

„Wer glaubt, die sexuelle Revolution sei schon gewonnen, ist nativ. Unsere Gesellschaft ist in sexueller Hinsicht eher schizophren als frei. Wir stecken in einer Übergangsperiode“

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Was ich an Männern bewundere? Idealismus, Ehrlichkeit, Humor, Intelligenz und Führungsqualitäten
Playboy: Warum geben Sie dieses Interview?
Hefner: Es schien mir eigentlich eine ganz natürliche, vielleicht aber auch ganz einzigartige, redaktionelle Idee zum 20jährigen Bestehen der amerikanischen Ausgabe.

Playboy: Haben Sie irgendwelche Vorbehalte, in Ihrer eigenen Zeitschrift interviewt zu werden?
Hefner: Also, ich hoffe, dass es nicht wie ein Selbstgespräch erscheint, wenn es gedruckt wird.

Playboy: Meinen Sie, die Leser werden glauben, dass Sie Ihre Zustimmung hierfür ohne jede Kontrolle oder Einschränkung gegeben haben?
Hefner: Sicher. Bringen Sie hier nur nichts aufs Tapet, was Ihre Zukunft als PLAYBOY-Mitarbeiter gefährden könnte.

Playboy: Könnte es etwas Faireres geben als das? – Also, gut, fangen wir von vorne an. Wie kam es dazu, dass Sie PLAYBOY gründeten und warum?
Hefner: Um wirklich ganz vorne anzufangen, das Journalistenfieber hat mich schon früh gepackt. Mit acht oder neun Jahren habe ich eine eigene Zeitung für das Stadtviertel, in dem ich wohnte, herausgegeben, dabei musste ich jede Ausgabe mühsam auf einer alten Schreibmaschine tippen. Die Zeitung verkaufte ich für einen Penny an der Haustür. Als Kind beschäftigte ich mich in meiner Freizeit hauptsächlich mit Schreiben und Zeichnen von Cartoons – irres Zeug, voll von verrückten Wissenschaftlern, Ungeheuern, Superdetektiven, Raumfahrt und solchen Sachen. In der Oberschule begann ich zum Vergnügen meiner Klassenkameraden autobiographische Cartoons mit dem Titel Schulische Verwirrung zu zeichnen. Ich zeichnete an der Geschichte während der zweijährigen Militärzeit und danach im College weiter. So wurde allmählich ein autobiographisches Sammelalbum daraus, das ich von Zeit zu Zeit immer wieder auf den neuesten Stand bringe. Beim Militär wurde ich ein Zeitschriften-Fan, ich befasste mich mit dem Konzept und Inhalt der Artikel verschiedener Publikationen. Als Student an der Universität von Illinois zeichnete ich Cartoons für den Daily Illini und gab das Humormagazin Shaft heraus, und nachdem ich mein Examen gemacht hatte, wusste ich, dass ich meine eigene Zeitschrift gründen wollte. Das einzige, was diesem Traum widersprach, war das Geld: Ich hatte keins. Ich versuchte, ein paar meiner Ideen für Comicstrips an Zeitungen zu verkaufen, aber sie hatten kein Interesse, und so saß ich schließlich als Texter in der Anzeigen-Abteilung von Carson, Pierie & Scott für vierzig Dollar in der Woche. Auf diese Weise kam ich zu meinem nächsten Job als Texter in der Werbe-Abteilung der Zeitschrift Esquire für sechzig Dollar in der Woche. Ich dachte, das würde eine spannende Aufgabe werden, denn in meiner Jugend repräsentierte der Esquire eine Welt feiner, großstädtischer Kultur, die mir wirklich zusagte. Aber die Verzauberung, die mir die Zeitschrift vermittelte, ging dem Job ab. Beim Esquire arbeitete nicht ein einziges niedliches Mädchen.

Playboy: Stimmt die Geschichte, dass Sie den Esquire verließen, weil man Ihnen eine Gehaltserhöhung von fünf Dollar nicht geben wollte?
Hefner: Ich habe nicht nur die Erhöhung nicht bekommen, sondern der Abteilungsleiter versuchte fast eine Stunde lang, mich davon zu überzeugen, dass ich „firmenuntauglich“ sei, wenn ich aus diesem Grund kündigte. Er hatte recht. Nun ja, der Esquire zog nach New York, und ich begann, mir ernsthaft Gedanken über eine eigene Zeitschrift zu machen. Die beliebtesten Männerzeitschriften zu jener Zeit waren die Hefte über die Abenteuer des Lebens in der freien Natur – True, Argosy und ähnliches. Der Ton dieser Zeitschriften lag auf männlich-primitiv. Sie brachten Artikel über Jagen, Fischen und die Verfolgung des fürchterlichen Schneemenschen über die tibetanischen Berggipfel. Ich bekenne, dass meine Interessen ein wenig urbanerer Natur sind als so etwas. Ich bin ein Mensch, der sich am liebsten drinnen aufhält, und ein unheilbarer Romantiker. Daher beschloss ich, ein Männermagazin auf die Beine zu stellen, das sich mit den Dingen befasste, für die ich mich mehr interessierte – ein modernes Pendant zu Wein, Weib und Gesang, wenn auch nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Nach dem Krieg hatte Esquire sein Konzept geändert und den leichteren Teil – Mädchen, Cartoons und Humor – herausgenommen. So war die Bahn frei für die Art Zeitschrift, die mir vorschwebte.

Playboy: Wieso wollte gerade ein junger Mann wie Sie, der in einer ziemlich prüden, protestantischen Atmosphäre groß geworden ist, eine Zeitschrift wie PLAYBOY herausgeben?
Hefner: Vielleicht war das gerade der Grund, weil ich aus einer prüden, protestantischen Familie stamme. Meine Eltern sind wunderbare Leute und haben einen Idealismus in mir geweckt, für den ich dankbar bin. Ich erinnere mich, dass mich als Kind solche Klassiker des Films wie Mr. Smith Goes to Washington zu Tränen rührten. Dieser Film behandelte das typisch amerikanische Thema, wie ein einzelner um der entscheidenden demokratischen Ideale willen den Kampf gegen die Gesellschaft aufnimmt. Und so bewunderte ich das Bild des einsamen Bilderstürmers, der die überlieferten „Wahrheiten“ in Frage stellt. Aber meine Eltern zogen auch einen Sohn groß, dessen skeptische Einstellung zum Blödsinn nicht vor jenem Blödsinn haltmachte, den sie selbst akzeptierten. Sie waren streng protestantisch, fast schon puritanisch erzogen worden. Und schon in ganz jungen Jahren begann ich eine Menge von diesem religiösen Blödsinn in Frage zu stellen, so zum Beispiel, dass Körper und Geist miteinander in Konflikt stünden, wobei Gott sich vorwiegend für den Geist interessiere, während der Teufel im Fleisch hausen soll. Die Puritaner glaubten, sie könnten die Sexualität des Menschen einfach unterdrücken, aber was dabei herauskam, war ein Chaos. Ihr Kodex der Sexualmoral, der der amerikanische Kodex wurde, bestand einfach aus Regeln, die von Menschen aufgestellt worden waren, die den Freuden des Lebens misstrauten. Der amerikanische Kulturkritiker Henry Louis Mencken definiert den Puritaner als einen Menschen, der schreckliche Angst davor hat, dass irgend jemand irgendwo das Leben genießt. Das verband sich mit der Vorstellung, dass Arbeit tugendhaft sei, dass es aber zur Dekadenz führen könne, wenn man den Lohn für diese Arbeit genießt. Ich wollte eine Zeitschrift herausgeben, die meine Ansichten zu diesem Thema zum Ausdruck brachte, eine Zeitschrift, die keine Schuldgefühle in Bezug auf Sex und materielle Annehmlichkeiten kannte, eine Zeitschrift, die wieder ein bisschen Spiel und Spaß ins Leben brachte. So habe ich wohl, nehme ich an, PLAYBOY teilweise aus einem persönlichen Anliegen heraus gegründet. Aber der andere Grund ist doch der, dass mir die Herausgabe einer kultivierten Männerzeitschrift die beste Möglichkeit zu bieten schien, einen seit früher Jugend gehegten Traum zu erfüllen: mit einem Haufen Mädchen ins Bett zu steigen.

Playboy: Ist das Ihr Ernst?
Hefner: Entschuldigung, das ist mir nur so herausgerutscht. Ich weiß nicht, was über mich kam. Ich weiß nur noch, dass ich in den Zeiten vor PLAYBOY spät nachts auf den Straßen von Chicago herumlief, zu den erleuchteten Hochhausapartments hinaufblickte und mir so sehnlich wünschte, auch dieses „herrliche Leben“ zu führen, das die Leute in diesen Häusern meiner Meinung nach führen mussten. Ich glaubte, dass viele junge Männer, deren Träume bisher noch nicht in Erfüllung gegangen waren, ähnlich empfanden. Ich wollte dort sein, wo es passierte – was immer „es“ auch sein mochte. Als ich es schließlich erlebte, war es natürlich nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte; es war so unendlich besser, unglaublich aufregender, als ich es mir je in meinen Träumen ausgemalt hatte. Ich hatte immer noch kein Geld, aber ich war 27 Jahre alt und befürchtete, wenn ich es nicht bald versuchte, doch noch lernen zu müssen, „firmentauglich“ zu werden. Ich ging zur Bank und erhielt ein Haushaltsdarlehen von 200 Dollar; dann marschierte ich weiter zum Städtischen Leihamt und verpfändete meine Möbel für weitere 100 Dollar. Dann suchte ich Freunde, Verwandte, Freunde von Freunden auf – jeden, der zuhörte – und es gelang mir, weitere 3000 Dollar aufzubringen. Hundert Dollar hier, 50 Dollar dort; ich nahm alles, was ich nur kriegen konnte. Ein befreundeter Journalist schrieb einen Artikel für die erste Ausgabe und kaufte für sein 200 Dollar-Honorar Aktien des PLAYBOY. Das war wahrscheinlich der bestbezahlte Artikel aller Zeiten, er machte ihn zum Millionär. Jeder, der sich in dieser Branche auskannte, hätte mir sagen können, dass es unmöglich ist, eine größere Zeitschrift mit 3600 Dollar Startkapital zu gründen, aber ich wusste das nicht. Es war wirklich ein Glück, dass ich niemanden kannte, der in dieser Branche zu Hause war. Nur zum Vergleich: Der Verlag Time Inc. gründete seine Zeitschrift Sports Illustrated ungefähr zur gleichen Zeit wie ich den PLAYBOY, und ich habe gehört dass sie 30 000 000 Dollar verpulverten, bevor sie Profit machten. Wenn ich damals soviel über das Verlagsgeschäft gewusst hätte, wie ich heute weiß, wäre ich wohl nicht so dumm gewesen, das Risiko einzugehen. Manchmal ist Unwissenheit wirklich ein Geschenk des Himmels.

Playboy: Waren Sie von Anfang an vom Erfolg des PLAYBOY überzeugt?
Hefner: Ganz im Gegenteil, ich war wegen der Erfolgsaussichten des Magazins so unsicher, dass die erste Ausgabe noch nicht einmal ein Datum trug. Ich dachte mir, wenn es im ersten Monat nicht verkauft wird, lassen wir es noch einen weiteren Monat an den Zeitungskiosken. Ich allein war der gesamte Redaktionsstab; und dabei hatte ich keinen einzigen Tag hauptberuflich als Redakteur gearbeitet. Von dieser ersten Ausgabe druckten wir 70 000 Exemplare – und verkauften fast alle in den ersten zwei Wochen. Auf diesen Anfangserfolg hin gab mir eine Vertriebsfirma ein kleines Darlehen, so dass wir eine zweite Ausgabe, dann eine dritte und so weiter drucken konnten. PLAYBOY war für mich in dem Moment ein Erfolg, als ich merkte, er würde genug Gewinn abwerfen, so dass ich ihn weiter erscheinen lassen konnte. Ich erinnere mich, dass die Angestellten meines Verlages – es waren damals sieben – den ersten Jahrestag in der Nische eines Imbissladens feierten. Wussten Sie, dass ich das Magazin beinahe Herrenabend genannt hätte und dass das Symbol ursprünglich ein Hirsch sein sollte? Kurz bevor wir es in Druck gaben, überlegte ich es mir Gott sei Dank anders. Irgendwie wäre es nicht dasselbe gewesen. Können Sie sich eine Kette von Clubs vorstellen, in denen bildschöne Mädchen mit Geweihhörnern auf dem Kopf arbeiten?

Playboy: Lieber nicht. Wie erklären Sie sich den phänomenalen Erfolg des Magazins?
Hefner: Ich glaube, es war die richtige Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Viele unserer traditionellen sozialen und moralischen Wertvorstellungen änderten sich und PLAYBOY war die erste Zeitschrift, in der sich diese Veränderungen widerspiegelten. Wir übten als Alternative einen Lebensstil, der toleranter und mehr auf Spiel und Spaß ausgerichtet war. Heutzutage können sich die Menschen weniger als je zuvor mit ihrer beruflichen Tätigkeit identifizieren und mit wachsendem Wohlstand wird es wichtiger denn je, wie man seine Freizeit sinnvoll gestaltet. Die Botschaft von PLAYBOY ist laut und deutlich: Genieße dein Leben. Paul Gebhard, Leiter des Instituts für Sexualforschung, hat einmal gesagt, das Geniale an PLAYBOY sei, dass er Sex mit sozialem Aufstieg verbinde; so drückt ein Soziologe das aus, was ich meine. In den Jahren, die seit dieser Bemerkung vergangen sind, ist PLAYBOY viel mehr geworden als das – mehr als die Verkörperung eines Lebensstils, den sozialer Aufstieg und Genussfreude kennzeichnet, und mehr als nur ein Magazin für „alles, was Männern Spaß macht“. Von unseren recht bescheidenen Anfängen an ist es nicht nur eines der beliebtesten Magazine in der Verlagsgeschichte geworden, sondern auch, in grafischer, literarischer und journalistischer Hinsicht, eines der besten in der Welt. Zum Teufel, es ist das beste. Sie werden sicher nicht überrascht sein, dass ich den PLAYBOY für eines der wichtigsten und einflussreichsten Magazine der Welt halte, und zwar, was seinen Einfluss auf sexuelle Verhaltensweisen und seine Rolle als Kämpfer für bestimmte Rechte betrifft. Obwohl Sie aussehen, wie der Typ, der über das Faltblatt in der Mitte nicht hinauskommt, haben Sie vielleicht bemerkt, dass wir in den Artikeln, in den Interviews und im Playboy Forum eine Menge Platz opfern, um für andere dieselben Freiheiten und Möglichkeiten zu erkämpfen, derer wir uns glücklicherweise selbst erfreuen dürfen.

Playboy: Haben Sie sich für diese Freiheiten und Möglichkeiten, vom Engagement in Ihrem Magazin einmal abgesehen, irgendwie eingesetzt?
Hefner: Deshalb habe ich ja die Playboy-Stiftung ins Leben gerufen, die viele Anliegen, derer wir uns in dem Magazin annehmen, zu ihrer Sache macht – besonders solche, die so unbeliebt sind, dass die Regierung und andere Stiftungen sie vernachlässigt haben. Wir haben uns stark gemacht für: Prozesse, in denen es um bürgerliche Grundrechte ging, die Anti-Kriegsbewegung, politische Reformen, Sex-Forschung und Sex-Erziehung, die Reform der Abtreibung, noch bevor sie ins Gespräch kam, und wir haben eine ständige Kampagne für die Reform unserer repressiven Sex- und Drogengesetze, und wir kümmern uns um viele karitative und soziale Angelegenheiten. Lange Zeit waren wir der Hauptgeldgeber für das Kinsey-Institut und für die Forschung von Masters und Johnson, und im Moment erhält die „Nationale Organisation zur Reform der Marihuana-Gesetze“ von uns die stärkste finanzielle Unterstützung; denn ich bin der Überzeugung, dass es dem sozialen Gefüge unserer Gesellschaft schadet, wenn wir Marihuana rauchende Leute zu Verbrechern erklären. Ich habe mich dafür engagiert und eine gleichzeitig gegründete Stiftung zum Hauptnutznießer meines Aktienkapitals bei PLAYBOY gemacht.

Playboy: Die Gelder für Ihre Stiftung sind also Gewinne aus dem, wie Life es genannt hat, „Haus, das auf Fleisch gebaut wurde“. Aber Sie sprechen hier nur von PLAYBOYs redaktionellem und finanziellem Engagement für soziale und politische Fragen. Spielen Sie damit die wichtige Rolle der Aktfotos beim Erfolg Ihres Magazins nicht herunter?
Hefner: Diesen Vorwurf möchte ich nicht auf mir sitzen lassen. Ich liebe diese Damen. Sie stellen, und werden es auch weiterhin tun, einen wesentlichen Faktor in der Gesamtkonzeption des PLAYBOY dar, so wie Sex einen wesentlichen Faktor im menschlichen Leben bilden sollte. PLAYBOY hat versucht, die erotischen und intellektuellen Interessen seiner männlichen Leser miteinander zu verbinden, und es hat sich gezeigt, dass diese Konzeption weitaus umstrittener und viel mehr Missverständnissen ausgesetzt ist als ich das am Anfang habe abschätzen können. Selbst ein so intellektuelles Magazin wie Newsweek hat PLAYBOY dafür kritisiert, seine ansonsten exzellenten redaktionellen Beiträge durch das „Guckloch“-Interesse, wie man es nannte, am Sex zu beeinträchtigen. Was jedoch mich betrifft, so bin ich der Meinung, dass gerade in dieser Verbindung die größte Stärke des PLAYBOY liegt. Die Veröffentlichung von Aktfotos des menschlichen Körpers setzt eine Art „Befreiungs“-Prozess in Gang. Ich bin überzeugt, dass es das Verdienst von PLAYBOY ist, wenn unsere Gesellschaft heute weniger an sexuellen Verklemmungen leidet als vor 20 Jahren. Es gibt natürlich Leute, die den Sex zwar nicht für schmutzig halten, die aber der Meinung sind, er ginge die Öffentlichkeit nichts an und sei eine Privatangelegenheit. Ihnen fehlt das richtige Verständnis der menschlichen Sexualität. Wenn man natürliches Sexualverhalten in der Öffentlichkeit nicht unterstützt, wird das Sexualverhalten im privaten Bereich verklemmt. Wenn man versucht, Sex in Büchern, Magazinen, Filmen und sogar in der täglichen Unterhaltung zu unterdrücken, trägt man nicht dazu bei, den Sex in den Bereich des Privatlebens zu verweisen, sondern in den Bereich des Heimlichen. Man drängt den Sex ins Dunkel zurück. Wir haben versucht, das Licht anzumachen.

Playboy: Man hat aber der Aktfotografie des Magazins den Vorwurf gemacht, sie fördere nicht eine offene, natürliche Sexualität, sondern eine voyeurhafte Haltung „Hinschauen-erlaubt-Betasten-verboten“.
Hefner: Es gibt einen herrlichen Satz in unserem neuen Film Der nackte Affe: „Voyeurismus ist ein gesundes passives Sexualverhalten. Die Welt sollte die Welt betrachten.“ Wir sind sexuelle Wesen, ob wir versuchen, es zu leugnen oder nicht, und eine offene, natürliche Sexualität verlangt, dass wir uns unseres Körpers nicht schämen. In den Anfängen des PLAYBOY wäre es den meisten Männern wahrscheinlich unangenehm gewesen, im Beisein ihrer Frau oder Freundin ein Heft mit Aktfotos aufzuschlagen: PLAYBOY hat erklärt, dass niemand wegen seines offenen Interesses am Sex Schuldgefühle haben sollte. Wir haben der menschlichen Sexualität ein wenig von ihrer Schamhaftigkeit und Geheimniskrämerei genommen. Gerade diese Art der Unterdrückung der menschlichen Sinnlichkeit hat diesen Voyeurismus entwickelt, bei dem Anschauen zum Ersatz für Berührung wird, anstatt nur die Vorstufe zu bilden.

Playboy: Befolgen Sie in Ihren Playboy-Clubs nicht den Grundsatz des Hinschauen-erlaubt-Betasten-verboten?
Hefner: Aber natürlich. Und deswegen haben uns gerade die Leute kritisiert, die den Mund noch weiter aufreißen würden, wenn wir es anders machen. Ein Kritiker hat die Clubs „Bordell ohne oberes Stockwerk“ genannt. Wenn wir unseren Mitgliedern erlaubten, an unseren Häschen herumzufummeln, hätten wir ein Äquivalent für dieses obere Stockwerk. Und es bedarf keiner besonders lebhaften Phantasie, um sich auszumalen, wohin das führen würde. Wir haben diesen Grundsatz zum Schutz unserer Häschen eingeführt, und ihn auf deren Betreiben hin beibehalten. Wir versuchen nicht, ihr Privatleben zu überwachen, sondern nur, es nicht mit dem Betrieb des Clubs kollidieren zu lassen.

Playboy: Bei der Gestaltung Ihres Magazins und bei der Auswahl der Bunnies für die Clubs hat man Ihnen, was Frauen betrifft, einen pubertären Geschmack vorgeworfen, der eine fast infantile Fixierung auf große Brüste erkennen lässt.
Hefner: Nun, ich kann nicht leugnen, dass mir große lieber sind als kleine, aber das heißt für mich eigentlich nichts weiter, als dass ich mehr für Mädchen übrig habe als für Männer. Ich bin sehr misstrauisch gegenüber der These der Psychoanalytiker, dass es infantil sei, an den physischen Merkmalen Gefallen zu finden, durch die sich die Geschlechter am meisten voneinander unterscheiden. Der Körper der Frau ist in meinen Augen der schönste Akt der Schöpfung, und PLAYBOY hat sich nicht geschämt, das asexuelle Bild weiblicher Schönheit, wie es die Modehefte mit ihren flachbrüstigen und knochigen Mädchen propagieren, zu bekämpfen.

Playboy: Man hat gesagt, dass PLAYBOY auf Jugend und Schönheit fixiert sei, und dass er den älteren Frauen einen schlechten Dienst erweist, wenn er in den Männern einen jünglinghaften Geschmack für hübsche junge Mädchen heranzüchtet.
Hefner: Soll das bedeuten, dass PLAYBOY erwachsener wäre, wenn er Fotos von 40-jährigen Playmates brächte? Wenn ich lieber Fotos von hübschen jungen Frauen veröffentliche – und das tue ich – dann sagt das nach meiner Ansicht doch weniger über die Reife von PLAYBOY oder über meine eigene Reife als über den Wert, den die Gesellschaft Jugend und Schönheit beimisst. Mein Frauengeschmack ist nicht gerade eine Anomalie meinerseits; zufällig teilen diesen Geschmack 26 Millionen PLAYBOY-Leser mit mir. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die PLAYBOY-Leser auch nicht von der überwältigenden Mehrheit der männlichen Bevölkerung in der ganzen Welt. Seit undenklichen Zeiten ist Jugend der universale Maßstab körperlicher Schönheit, und der Grund dafür liegt einfach darin, dass ein wohlgeformtes, glattes Gesicht und ein ebensolcher Körper in sexueller und ästhetischer Hinsicht attraktiver ist als ein wülstiger schlaffer Körper mit Falten.

Playboy: Die Mädchen, die Sie in Ihrem Magazin abbilden, sind vielleicht zu jung für Falten, aber man hat PLAYBOY beschuldigt, aus seinen Fotos jeden Makel der Natur herauszuretuschieren und damit ein Phantasiegebilde weiblicher Vollkommenheit zu schaffen, dem der Leser im wirklichen Leben nie begegnen wird.
Hefner: Das ist einfach nicht wahr. Selbstverständlich versuchen wir, unsere Playmates in möglichst attraktiver Pose zu fotografieren, aber PLAYBOY hat sich immer ausdrücklich darum bemüht, die weibliche Schönheit sowohl realistisch als auch natürlich darzustellen, so dass sie so wirkt, als handle es sich um das Mädchen von nebenan.

Playboy: Was sagen Sie zu der Kritik, dass Sie – bis vor kurzer Zeit – Ihre Aktfotos verschönten, indem Sie solche nicht veröffentlichten, die Schamhaar zeigten?
Hefner: Ich persönlich fand dieses Theater wegen der Körperhaare immer so widersinnig, dass man nur darüber lachen kann, auch wenn dies der Punkt war, und für einige Leute heute noch ist, der Obszönität von akzeptabler Erotik trennt. Es ist amüsant, den Fetischismus, den unsere Gesellschaft in Bezug auf das Schamhaar entwickelt hat, mit dem Komplex, den die ältere Generation in Bezug auf das lange Haar der jungen Leute an den Tag gelegt hat, zu vergleichen. Wenn man diesen albernen Propheten glauben würde, steht der Untergang der westlichen Zivilisation unmittelbar bevor – nur weil die Körperhaare sichtbar werden. Aber als die Gesellschaft fähig war, die Realität zu akzeptieren, glaubte ich, wir könnten eine realistischere Fotografie bringen, und als dann direkte Nacktheit in Filmen und renommierten Theatern zur Allerweltssache wurde, war ich davon überzeugt, dass die Mehrheit des Publikums keine Haarkomplexe mehr hatte. Daher entschlossen wir uns Anfang 1969, „haarig zu werden“, wie es ein Spaßvogel ausdrückte.

Playboy: Mit oder ohne Schamhaar, nach Meinung einiger Mitglieder der Bewegung zur Befreiung der Frau werden die Mädchen im PLAYBOY – ganz besonders die Playmates – als Sexobjekte behandelt.
Hefner: PLAYBOY behandelt Frauen – und natürlich auch Männer – als sexuelle Wesen, nicht als sexuelle Objekte, nicht als Dinge, sondern als Menschen. In diesem Sinne war PLAYBOY eine wirksame Waffe bei dem Kampf um die weibliche Emanzipation. Die Frauenrechtlerin Gloria Steinem hat mich einmal den Vater der Frauenbefreiung genannt, und das hat mir gut gefallen. Sie hat es natürlich nicht im schmeichelhaften Sinne gemeint, aber in dieser Interpretation liegt mehr Wahrheit als Gloria gern zugeben würde. Bereits damals habe ich in meinem Buch Die Playboy-Philosophie geschrieben, die Frauen würden von der sexuellen Emanzipation am meisten profitieren, weil sie die wahren Opfer unseres repressiven sexuellen Erbes waren, das die Frauen mit dem Vieh auf eine Stufe stellte. Zuerst waren sie das Besitztum ihres Vaters und dann das ihres Ehemannes. Die weibliche Unschuld ist in unserer Gesellschaft nur deswegen gepriesen worden, weil ein unbenutzter Besitz höher bewertet wird als ein benutzter. Frauen werden seit alters her entweder auf ein Podest gestellt oder als die Wurzel aller sexuellen Verführung und Sünde verdammt. Das sind zwei Seiten derselben Münze, denn beide weisen der Frau eine nicht-menschliche Rolle zu. PLAYBOY hat sich gegen diese verschrobenen sexuellen Werte gewandt und dadurch den Frauen geholfen, von ihrem Podest herunterzusteigen und ihre naturgegebene Sexualität genauso sehr wie die Männer zu genießen.

Playboy: Bedeutet das auch, dass sie sexuell genauso aggressiv wie Männer werden?
Hefner: Das sollte davon abhängen, was sie – und ihre Männer – in Schwung bringt. Aber ich will damit nicht sagen, dass die Frauen wie Männer werden sollen. Unsere innersten Triebe und unsere wahre Identität haben ihre Wurzeln nicht allein im Geschlecht sondern im Unterschied zwischen den Geschlechtern. Und hier gehe ich nicht mehr mit den radikaleren Mitgliedern der Bewegung zur Befreiung der Frau konform, die die These aufstellen, das erstrebenswerte Ideal sei eine Art Unisex-Gesellschaft, in der keine kulturellen Unterschiede und unterschiedlichen Verhaltensweisen mehr existieren. Was für eine fade und langweilige Welt das sein würde!

Playboy: Nun, niemand könnte den Playmates von PLAYBOY den Vorwurf machen, sie seien von Männern nicht zu unterscheiden. Das Problem liegt doch darin, dass viele Frauen das Bild eines nackten Pin-up-Mädchens entwürdigend finden.
Hefner: Die Einführung unserer Playmate-Bilder war ein Versuch, die Idee vom Pin-up-Mädchen edler zu gestalten. Die Pin-up-Kunst hat in Amerika eine große Tradition, die bis zu September Morn, dem Gibson-Mädchen um 1900, dem John-Held-Mädchen in den zwanziger Jahren und den Petty- und Vargas-Mädchen in den dreißiger und vierziger Jahren zurückreicht. Sie stellten alle unrealistische, hochstilisierte Projektionen der erotischen Phantasie des Mannes dar. Die Pin-up-Fotografie folgte derselben Tradition, ließ Filmstars und Glamour-Girls jener Zeit – Sinnbilder der Sexualität, die für den einfachen Sterblichen unerreichbar waren – in unnatürlichen Posen und künstlicher Studio-Atmosphäre fotografieren. Das hat PLAYBOY alles geändert. Für unsere Playmate-Bilder nehmen wir ganz alltägliche Mädchen, Sekretärinnen, Studentinnen, Stewardessen, statt unnahbare Filmstars oder Berufsmodelle: wir lassen sie natürliche Posen in einer lebensechten Umgebung einnehmen. Zu den Bildern erzählen wir etwas über das Mädchen. Das macht sie noch lebendiger. Das ganze Konzept des „Mädchens von nebenan“, das wir für unser Faltblatt entwarfen, diente dazu, die Playmates zu einem Teil des wirklichen Lebens für unsere Leser zu machen. Wenn manche Leute es immer noch als entwürdigend für eine Frau ansehen, auf den Seiten eines Männermagazins nackt zu erscheinen, dann widersetzen sie sich in Wirklichkeit den sexuellen Bedürfnissen. Partner sollten sich eher ergänzen als mit sich in emotionalen Wettstreit treten.

Playboy: Für einen, der wie Sie von Frauen umgeben ist, muss es doch eine große Versuchung sein, das Feld einfach abzugrasen. Im Verlauf der Jahre haben Sie jedoch immer eine Freundin gehabt, mit der Sie hauptsächlich Ihre Zeit verbracht haben. Wieso?
Hefner: Abwechslung hat sicherlich ihre Vorteile, aber ich bin im Grunde meines Herzens ein sentimentaler, ziemlich sensibler Romantiker, und ich brauche eine gefühlsmäßige Beziehung, die meiner Meinung nach nur in einer lang andauernden Freundschaft möglich ist.

Playboy: Ihre bekannteste Romanze der letzten Jahre war die mit Barbi Benton. Warum fühlten Sie sich von Barbi angezogen?
Hefner: Barbi ist etwas Besonderes – aufgeweckt, lebendig, und bei allem, was sie tut, mit Begeisterung dabei. Das ist wirklich richtig ansteckend. Als ich sie kennenlernte, war sie Studentin – sie stammte aus Sacramento, hatte die besten Noten und hatte sogar beim Wettbewerb um die amerikanische Miss Teenage mitgemacht. Sie begann an der California-Universität in Los Angeles ein Medizinstudium. Nebenher arbeitete sie als Modell, und ich begegnete ihr in den Kulissen für unsere TV-Show Playboy After Dark zu Beginn der ersten Sendereihe. Während die Lichter und Kameras für den nächsten Teil aufgebaut wurden, fingen wir an, miteinander zu plaudern, und ich lud sie ein, nach der Show mit mir und ein paar Freunden ins Candy Store zu gehen, eine Diskothek in Los Angeles. Ich hatte schon eine Verabredung, aber an diesem Abend hatte ich nur Augen für Barbi. Einer meiner Freunde, ich glaube, es war Shel Silverstein, fragte sie, ob sie jemals mit älteren Männern ausgegangen sei. Sie antwortete, sie sei nie mit jemandem über 24 ausgegangen, und ich erklärte, das sei o.k.; ich sei es auch nicht. So fingen wir an, uns zu treffen, aber eine Weile blieb alles recht unverbindlich, weil sie sich nicht schlüssig war, ob sie wirklich etwas mit einem Typen von meinem Schlag zu tun haben wollte. Ich erinnere mich noch an den ersten Abend, an dem ich sie von ihrem Studentenwohnheim abholte. Ich fuhr mit einem Schlitten vor, der ihren Freundinnen die Augen fast aus dem Kopf fallen ließ. Aber anstatt von diesem Statussymbol beeindruckt zu sein, bestand sie später darauf, ihren eigenen Wagen zu fahren und sich mit mir an anderen Plätzen zu verabreden. Das imponierte mir. Es dauerte eine Zeitlang, bis unsere Beziehung ernsthafter wurde. Da gab es noch einen Freund vom College, und Kerle wie Jimmy Caan jagten ihr auch nach. Aber nachdem sie sich entschieden hatte, dass unsere Beziehung so war, wie sie sie sich vorstellte, war es wunderbar. Sie ist sportbesessen – eine großartige Skiläuferin, Schwimmerin und Leichtathletin – und ich lebe, wie gesagt, lieber in meinen vier Wänden. Ich erinnere mich noch an eine Reise nach Acapulco, kurz nachdem unsere Romanze angefangen hatte. Ein paar Leute von unserer Clique wollten über der Bucht drachenfliegen. Natürlich musste es Barbi als erste probieren, und ich romantischer Esel fasste den Entschluss, mich nicht von meiner Freundin ausstechen zu lassen und es gleichfalls zu versuchen. Da hing ich nun mit letzter Kraft hoch über Acapulco an diesem Drachen und überlegte, ob das Motorboot, das den Drachen zog, mich wohl sicher auf das kleine Floß, von wo ich gestartet war, würde herunterbringen können. Von dieser Höhe aus sah das Floß wie eine Briefmarke aus und schwimmen konnte ich auch nicht. Wirklich unglaublich!

Playboy: Sie müssen verrückt gewesen sein.
Hefner: Verrückt aus Liebe. Mein Leben ist zu schön, um es in solch tollkühner Idiotie für etwas zu riskieren, aber trotzdem, so war es. Das einzige Mal, wo ich einen so gefährlichen Sport ausführte, war während des Colleges. Ich lernte fliegen, erhielt den Pilotenschein und lernte einen Sommer lang in einem Stearman-Schulflugzeug Kunstfliegerei – überzogene Flüge, Trudeln, Loopings, Immelmanns, alles. Aber selbst damals habe ich keine Kunstflüge über irgendwelchen Seen gemacht.

Playboy: In letzter Zeit hat ihre augenblickliche Beziehung zu Playmate Karen Christy, die in Ihrem Haus in Chicago lebt, viel Beachtung gefunden. Time berichtete: „Nachdem sich Hefner schon lange für doppelten Genuss stark gemacht hat, hat er dieses Prinzip kürzlich auch auf sein Liebesleben übertragen ... Irgendwie scheint dieses Arrangement weiter zu funktionieren.“ Stimmt das?
Hefner: Nicht mehr so gut, seit die Presse mit dieser Meldung zu spielen begann. Manche Klatschkolumnisten von Hollywood haben es so dargestellt, als ob ich Barbi versetzt hätte. Das stimmt überhaupt nicht.

Playboy: Führen Beziehungen zu mehr als einem Mädchen auf einmal nicht notgedrungen zu Komplikationen?
Hefner: Das hängt, glaube ich, von der Art dieser Beziehungen ab und welche Absprache Sie mit diesen Mädchen getroffen haben. Es ist natürlich immer drin, dass man in einer Liebesaffäre jemandem weh tut. Und wenn einem an den Gefühlen anderer etwas liegt, dann kann das Konflikte und Spannungen hervorrufen – manche hat man sich selbst zuzuschreiben, manche den Umständen. Ich bin mir bewusst, dass eine Frau, mit der ich befreundet bin, andere Bedürfnisse oder Wünsche haben kann als ich, und wenn das passiert, muss man die Beziehung dementsprechend regeln.

Playboy: Kommt das Thema Ehe je zur Sprache?
Hefner: Gelegentlich.

Playboy: Wie verhalten Sie sich dann?
Hefner: Ich spreche ganz einfach offen und ehrlich darüber. Ich habe aber den Vorteil, dass mir mein Ruf vorauseilt, nicht so auszusehen, als ob ich in nächster Zeit heiraten würde und dass sich mein Lebensstil aufgrund einer neuen Beziehung nicht radikal ändern würde. Sie wissen, dass ich es vor langer Zeit einmal mit der Ehe probiert habe, gleich nach dem College, und ich nahm den Gedanken, verheiratet zu sein sehr ernst. Ich mache nichts mit halbem Herzen. Ich erwartete, für den Rest meines Lebens mit derselben Frau verheiratet zu sein, aber selbst da hatte ich böse Ahnungen und das Gefühl, dass etwas fehlte: Ich wusste, es war weniger, als ich wirklich wollte, aber ich dachte, das sei eine der Tatsachen, mit denen man sich abzufinden hätte. Meine Ehe war so wie die Jobs, die ich vor PLAYBOY hatte – jene Art Kompromiss, die die meisten von uns Erwachsenen schließen. Und so wie diese Jobs, so war auch meine Ehe keine glückliche Erfahrung. Das hatte mit Millie, meiner Ex-Frau, gar nichts zu tun. Sie ist eine tolle Frau. Wir sind immer noch enge Freunde und treffen uns regelmäßig mit unseren beiden Kindern zum Essen: Da ist unsere Tochter Christie, eine exzellente Studentin an der Brandeis-Universität, und unser Sohn David, der nächsten Juni die Prüfung an der Oberschule macht. Nun kommt es raus, Hefner ist Familienvater. Wie finden Sie das? Ich liebe diese beiden Kinder ganz bestimmt. Aber als die Ehe vorbei war, kam ich mir vor, als ob ich aus dem Gefängnis ausgebrochen wäre. Ganz offensichtlich war ich damals noch nicht reif für die Ehe und werde es möglicherweise nie sein.

Playboy: Besteht überhaupt die Möglichkeit dazu?
Hefner: Natürlich. Aber ich genieße die Vorteile des Junggesellendaseins, ohne die meisten seiner Nachteile zu erdulden. Ich brauche nicht selber zu kochen oder sauber zu machen, und ich habe selten einsame Nächte. Ich will damit nicht sagen, dass mein Lebensstil für jeden richtig ist. Es gibt berechtigte Gründe für die Ehe; es gibt aber auch berechtigte Gründe dafür, nicht zu heiraten, und in meinem Fall überwiegen diese. Ich habe dieses besonders ausgeprägte Gefühl für persönliche Freiheit, von der man, was sich gar nicht vermeiden lässt, einen Teil aufgeben muss, wenn man die mit der Ehe verbundenen Verpflichtungen akzeptiert. Das würde bedeuten, dass ich einen Großteil meines Leben nach einem vorgefassten Konzept von Erwartungen leben müsste, was ich im Augenblick nicht akzeptieren würde.

Playboy: Mit anderen Worten, Sie sind egoistisch.
Hefner: Das ist jeder, und jeder sollte es sein. Nur hat jeder von uns eine andere Art, seinen Egoismus – sich selbst gegenüber und gegenüber anderen und der Gesellschaft auszudrücken – mancher tut das ganz vernünftig, der andere zu seinem eigenen Schaden. Und dabei gilt besonders: „Sei ehrlich zu dir selbst, und wie die Nacht dem Tage folgt, kann es dann nur so sein, dass du zu niemandem unehrlich sein kannst.“ Ich finde, das hat einiges für sich, es war mein Lieblingsspruch in meiner Jugend. Ich habe einige meiner Ansichten über aufgeklärten Egoismus in meiner Playboy-Philosophie formuliert, und manche Kritiker haben behauptet, ich machte mich zum Fürsprecher einer selbstsüchtigen Lehre von der Lust, was ganz und gar nicht zutrifft. Ich meine nur, dass jeder von uns ein Gefühl der Identität und des Selbstwertes braucht, um in der Gesellschaft richtig zu funktionieren. Wenn man seine eigenen Bedürfnisse nicht entwickelt hat, wie kann es einem dann gelingen, mit den Bedürfnissen eines anderen klar zu kommen? Wenn man sich selbst nicht mag, ist man auch nicht fähig, seine Mitmenschen zu mögen. Ich gehöre zu denen, die es gelernt haben, sich selbst voll zu akzeptieren, und ich glaube, dass ich damit einen wichtigen Schritt getan habe, mit mir selbst ins Reine zu kommen. Wenn man diesen Schritt einmal getan hat, ist es frappierend, wie sich das Bedürfnis verringert, seinen Einfluss auszunutzen; denn wenn man mit sich selbst zufrieden ist, braucht man nichts zu beweisen – weder sich selbst noch seinen Untergebenen.

Playboy: Die Öffentlichkeit hat aus zahlreichen Geschichten über Ihr Privatleben erfahren, dass zu Ihrem Lebensstil fortwährend Dinge gehören wie Champagner und Kaviar, Gruppensex mit Pornomiezen, Wasserbetten und Babyöl, Vibratoren, Deckenspiegel und Video-Aufzeichnungsanlagen, die ein sofortiges Abspielen erlauben.
Hefner: Das klingt sehr gut. Aber sie sollten erst mal zu einer meiner wilden Partys kommen.

Playboy: Ehrlich, in den Wochen, die wir in Ihren beiden Häusern verbracht haben, gab es nichts Wilderes zu sehen als ein paar Flamingos, die es in Los Angeles auf dem Rasen miteinander trieben.
Hefner: Schade, dass ich das nicht mitgekriegt habe. Einmal hat Art Buchwald, ein Freund von mir, eine sehr lustige Glosse über seinen ersten Besuch in meinem Haus in Chicago geschrieben. Er war erfüllt von all diesen wilden Erwartungen und beschrieb dann, dass er schließlich nichts weiter tat, als die ganze Nacht mit mir und ein paar anderen Rommé zu spielen. Er ging, sagte er, hinunter zum Teich und der war leer. Er kontrollierte die Sauna, und hier, in dem Dampf kaum zu erkennen, fand er das, was er für eines der Häschen hielt, die im Haus leben. Es war aber mein Freund Shel Silverstein. Buchwald nahm den Playboy-Mythos auf die Schippe, aber andere Reporter sind anscheinend richtig enttäuscht gewesen, dass bei ihrer Ankunft nicht eine Super-Orgie im Ballsaal ablief. Diese Leute haben nichts mehr über wilde Zechgelage im Haus geschrieben, sie haben versucht, Hefner das Image eines Spießers statt eines Genießers zu verleihen.

Playboy: Welches Image ist das richtige?
Hefner: Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte.

Playboy: Zwei Dutzend Häschen leben in Ihrem Haus in Chicago, außerdem haben Sie Besuch von Playmates und anderen, die es werden wollen und für die verschiedenen Bildergeschichten im PLAYBOY posieren. Entstehen dadurch nicht Probleme?
Hefner: Keine, mit denen wir nicht fertig werden könnten.

Playboy: Die Gäste des Hauses, Berühmtheiten, Journalisten, die an Artikeln für das Magazin arbeiten, persönliche Freunde – müssen doch ein bisschen Spaß und Spiel mit diesen Mädchen erwarten.
Hefner: Vor ein paar Jahren macht Gloria Steinen für das Magazin McCall’s eine Geschichte über mich. Darin beschrieb sie, wie ein Journalist bei seiner Ankunft in meinem Haus von einem Geschäftsführer des PLAYBOY gefragt wurde, ob man ihm ein Häschen auf sein Zimmer schicken sollte. Nach ein paar Minuten rief der Geschäftsführer angeblich den Journalisten in seinem Zimmer an und fragte: „Wie war sie?“ Diese Geschichte war völlig aus der Luft gegriffen. Meine männlichen Gäste kennen mich gewöhnlich gut genug und sind sich darüber im klaren, dass alles, was in dem Haus passiert, eine Frage der persönlichen Initiative und der persönlichen Zuneigung der Beteiligten ist. Diese Art von unpersönlicher Ausbeutung, wie sie in der McCall’s-Geschichte zum Ausdruck kommt, ist mir völlig fremd. Das ist einfach nicht mein Stil.

Playboy: In einem Artikel für die Zeitschrift Esquire bewundert Rust Hills dieses private Reich, das Sie sich haben schaffen können – eine kontrollierte Welt, in der, im Gegensatz zur Welt draußen, alles funktioniert. Stimmt das?
Hefner: Nichts funktioniert immer. Aber ich komme einer totalen Welt, die so komplex und ehrgeizig ist wie die, die ich geschaffen habe, so nahe wie nur menschenmöglich. Hills hat erkannt, dass das Playboy-Haus mehr ist als nur eine gut durchdachte Stätte des Vergnügens; es ist ein Ort, an dem ich sowohl arbeiten als auch spielen kann, ohne unnötige Unterbrechungen und Umstände. Der Mensch ist das einzige Wesen, das fähig ist, seine Umwelt zu kontrollieren. Und das, was ich geschaffen habe, ist eine private Welt, die es mir gestattet, mein Leben ohne diesen Aufwand an Zeit und Bewegung zu führen, womit ein großer Teil des Lebens vieler Menschen dahingeht. Der Mann, der im Zentrum der Stadt arbeitet und an der Peripherie wohnt, verliert jeden Tag zwei oder drei Stunden einfach damit, sich körperlich von seiner Wohnung zu seinem Arbeitsplatz und zurück zu bewegen. Dann muss er die Zeit und die Energie aufbringen, um in irgendeinem überfüllten Restaurant zu Mittag zu essen, wo er aller Wahrscheinlichkeit nach hastig und unpersönlich bedient wird. Er lebt sein Leben nach einer bereits festgelegten Vorstellung darüber, wie jeder Tag abzulaufen hat, und nicht so wie er es sich vorstellt. Ich habe dieses Problem dadurch aus der Welt geschafft, dass ich mein Büro, meinen Mitarbeiterstab und ein Konferenzzimmer hier an Ort und Stelle habe. Außerdem habe ich eine Video-Schaltung mit dem Playboy-Gebäude ein paar Straßen weiter, so dass es mir möglich ist, bei Bedarf sofort mit anderen Playboy-Geschäftsführern kleine Konferenzen abzuhalten. Bei den meisten Leuten bestimmt die Uhr ihre tägliche Lebensweise. Frühstück, Mittag- und Abendessen finden zu einer Zeit statt, die der gesellschaftliche Brauch allgemein vorschreibt. Sie arbeiten am Tage und schlafen in der Nacht. Aber in meinem Haus herrscht buchstäblich die Tageszeit, die man haben will. Ich bin zufällig ein Nachtmensch, und wenn ich meinen Tag am späten Nachmittag beginnen lassen möchte, wie ich es oft tue, kann ich das. Da die Küche meines Hauses 24 Stunden in Betrieb ist, können ich, meine Gäste oder die Bunnies um Mitternacht das Frühstück oder zur Mittagszeit das Abendessen bestellen, wenn wir es wünschen. Mit meiner Video-Aufzeichnungs-Anlage kann ich eine Sondersendung des Fernsehens anschauen, wenn sie gerade ausgestrahlt wird oder, wenn ich will, am nächsten Tag. Ein Billardtisch, Spielautomaten und andere elektronische Spiele im Spielsalon, eine Kegelbahn, eine Turnhalle, ein Schwimmbad und eine Sauna stehen jedem zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung. Für unsere Gäste haben wir auch eine Filmothek, die von Mickymaus-Filmen bis zum Porno-Schinken Deep Throat alles enthält. Norman Mailer bemerkte, nachdem er in meinem Haus in Chicago zu Gast war, es sei dort wie in einem Raumschiff, das „auf dem Weg ins All ist und weder Zeit noch Stunden kennt“, was die Atmosphäre dort, wie ich finde, sehr treffend beschreibt.

Playboy: Ist Ihre Faszination für raffinierte Elektronik nicht mehr als nur eine Frage der persönlichen Bequemlichkeit? In einem Interview wurde Ihr Ausspruch zitiert: „Gleich nach meiner Liebe zu schönen Frauen kommt meine Liebe zu raffinierter Technik.“
Hefner: Gleich nach meiner Liebe zu schönen Frauen kommt meine Liebe zur raffinierten Technik schöner Frauen. Dank der Elektronik wird das Leben einfach angenehmer und rationeller – alles, was ich für Arbeit und Spiel brauche, ist sofort zur Hand. O.K., ich gebe zu, dass es mir diese James-Bond-Techniken, die den Lebensstil eines in der Mitte des 20. Jahrhunderts lebenden Mannes verbessern können, angetan haben. Aber während Bond seine Techniken für Tod und Vernichtung benutzte, sollen meine dem Leben und der Liebe dienen.

Playboy: Tom Wolfe nannte Ihre technische Supervorrichtung – dieses kreisende und vibrierende Rundbett – das „Zentrum der Playboy-Welt“. Ist es das?
Hefner: Es ist ganz sicher das Zentrum meiner Welt, wenn ich in Chicago bin, da ich darin arbeite, spiele, esse und schlafe.

Playboy: Einige Leute fragen sich vielleicht, ob Sie Ihr Leben voll genießen können, wenn die private Welt, die Sie sich geschaffen haben, von der übrigen Welt so abgeschlossen ist.
Hefner: Körperliche Isolierung ist nicht dasselbe wie psychische Isolierung. Eine private Sphäre, in der es gelingt, verschwendete Zeit und Energie auf ein Minimum zu reduzieren, ermöglicht es, persönlichen Interessen und wichtigen Dingen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Während der sechziger Jahre, als ich meine Villa in Chicago selten verließ, kam ich in den Ruf, ein Eremit im Stil von Howard Hughes zu sein. Wir haben beide ein Leben in einer autarken, räumlich abgesonderten Welt gewählt. Aber Hughes hat absichtlich jeden Kontakt mit anderen Leuten abgebrochen, während die Playboy-Villa als ein Ort gedacht war, an dem ich eher die Gesellschaft anderer genießen konnte. Als der PLAYBOY erstmals herauskam, war ich ein häufig gesehener Gast bei Gesellschaften im Chicagoer Norden. Dann wuchs die Zeitschrift so schnell und ich musste mich so tief in die Arbeit stürzen, dass ich es praktischer fand, im Büro zu wohnen, als abends in eine Wohnung zu fahren. Das funktionierte eine Weile, aber Ende der fünfziger Jahre brauchte ich plötzlich einen Platz, an den ich mich nach getaner Arbeit zurückziehen konnte, ein Haus, das elegant und bequem genug war, um mich gelegentlich von der Arbeitsroutine abzulenken, und das war eben das erste Playboy-Gebäude. Das Ganze funktionierte so gut, dass ich nach einem Jahr beinahe alles in diesem Haus erledigte. Ich zog mit meinem Büro und einer Sekretärin ein, und als es dann die ersten Bunnies gab, spielte sich auch mein gesellschaftliches Leben mehr und mehr dort ab. Das Haus wurde bald zum beliebten Treffpunkt für Freunde, Mitarbeiter und Prominente. Statt uns in einer überfüllten, verräucherten Bar ein paar Drinks servieren zu lassen, entspannten wir uns und plauderten vor dem Kamin im großen Salon, bestellten uns unsere Lieblingsspeisen und -getränke – die besser sind als in den meisten Restaurants in der Stadt – in der Küche und in der Bar – flipperten und spielten Billard im Spielsalon, gingen schwimmen oder in die Sauna oder machten es uns in der romantischen Unterwasserbar gemütlich, die man am einfachsten erreicht, wenn man vom Stockwerk darüber eine Stange herunterrutscht, so wie bei der Feuerwehr. Diese Stange war typisch für die verspielten Neuheiten, die ich als Kontrast zum Fin-de-siècle-Glanz des Hauses eingebaut hatte. Ein Ort wie dieser sollte meiner Meinung nach auch Geheimgänge haben, und weil es keine gab, ließ ich welche einbauen. Das Gebäude war am Schluss so perfekt, dass es sinnlos gewesen wäre, auszugehen. Wofür, zum Teufel, sollte ich ausgehen?

Playboy: Vielleicht um etwas zu sehen, was nicht ins Haus gebracht werden konnte.
Hefner: Ich interessiere mich nicht für Sehenswürdigkeiten. Was mich interessiert, sind Beziehungen zu Menschen. Der schönste historische Fleck der Welt sagt mir nichts, wenn ich ihn nicht mit jemandem teilen kann, der mir etwas bedeutet. Es würde mich langweilen, nur wegen der Sehenswürdigkeiten nach Paris zu fahren. Aber wenn ich dort ein Mädchen hätte, das ich liebe, ich würde um die halbe Welt reisen, um bei ihr zu sein.

Playboy: Als Sie während der sechziger Jahre praktisch Ihre ganze Zeit in der Villa in Chicago verbrachten, hatten Sie da nicht Lust, mal spazieren zu gehen oder aufs Land hinauszufahren?
Hefner: Wenn ich Lust hatte, hab’ ich’s getan. Ganz einfach. Offenbar hatte ich nicht oft Lust, da ich oft wochen- und sogar monatelang nicht ausging. Ich erinnere mich an einen Winter, an dem es in Chicago ungewöhnlich viel Schnee gab. Ich dachte, das darfst du wirklich nicht versäumen, und da ich den Schnee nicht ins Haus bringen konnte, ohne dass er schmolz, gingen meine Freundin und ich um Mitternacht hinaus und bauten vor dem Haus einen Schneemann. Als wir zurückkamen, hatte sich die Neuigkeit im ganzen Haus wie ein Buschfeuer verbreitet – Hef war draußen! Hef war draußen! Es gab eine Menge Witze über meinen Lebensstil, sogar hier beim PLAYBOY, aber jeder muss sich sein Leben selbst aussuchen. Es ist mir schmerzlich bewusst, dass es in einem so kurzen Leben einfach nicht genug Zeit gibt für alle Dinge, die ich gern tun möchte, deshalb habe ich versucht, Leerlauf und Störendes, das mir bei meiner Arbeit im Weg stand, auszuschalten. Das ist alles, was es mit der Villa auf sich hat.

Playboy: Warum haben Sie sich dann Ende der sechziger Jahre entschieden, Ihren Aktionsradius zu vergrößern – mit dem Kauf eines Privatflugzeugs, mit Reisen, mit der Villa an der Westküste?
Hefner: Ich glaube, viele Männer stellen sich um die vierzig auf einen neuen Lebensstil ein, ob sie nun verheiratet sind oder ledig, erfolgreich oder ohne Erfolg, und ich kam zu dem Entschluss, dass mir nicht mehr gefiel, was mich früher befriedigt hatte. Glücklicherweise konnte ich mein Leben grundlegend ändern, als mir danach war. Das ist wieder ein Beispiel dafür, dass man Kontrolle über sein Leben behalten muss. Die Firma war so groß geworden, dass ein einzelner Mann die Zügel nicht mehr so fest in der Hand halten konnte, wie ich es getan hatte. Ich delegierte immer mehr Vollmachten an leitende Angestellte, was nicht leicht war, denn der PLAYBOY ist immer ein persönliches Unternehmen gewesen. Ich wurde Moderator einer neuen Fernsehserie, Playboy After Dark, weil ich wusste, dass sie mich aus dem Haus bringen würde, in neue Arbeitsbereiche. Neben ihrem Reklamewert bedeutete die Fernsehschau für mich auch einen ersten Schritt in eine Verzweigung des Playboy-Unternehmens an der Westküste mit der Film-, Fernseh- und Schallplattenindustrie. Wir kauften das Privatflugzeug, um schnell zwischen der Zentrale und unseren expandierenden Firmen im ganzen Land und der restlichen Welt herumreisen zu können. Das Flugzeug ist die logische Fortführung der Idee, die hinter dem Haus stand. Wir bestellten eine vergrößerte DC-9 von den Douglas-Werken, mit Zusatztanks für Auslandsflüge und ließen den Fluggastraum zu einer fliegenden Wohnung umbauen. Somit verliert man beim Reisen keine Zeit, denn an Bord des Big Bunny kann ich alles tun, was ich in der Playboy-Villa tun kann. Das heißt, fast alles. Es gibt keinen Swimming-Pool und keine Bowlingbahn im Flugzeug. Ich hatte mehrere Jahre lang eine Wohnung oben in unserem Bürogebäude in Los Angeles, aber als wir uns mehr und mehr dorthin verlegten, brauchte ich ein eigenes Wohnhaus. Ich fand etwas, das noch besser war, als ich mir vorgestellt hatte – ein elegantes Tudorhaus in englischer Gotik, mit 22 000 Quadratmeter Grund, nur anderthalb Blocks vom Sunset Boulevard in den Holmby Hills gelegen. Das wurde die Playboy-Villa West. Jetzt bin ich dort fast ebenso oft wie in Chicago.

Playboy: Was ist das Besondere daran?
Hefner: Das Haus lässt sich wohl mit Worten nicht adäquat beschreiben. Das Hauptgebäude ist einer englischen Villa namens Holmby House nachempfunden; es ist aus Stein gebaut, mit einem Schieferdach und bleigefassten Fenstern. Der umliegende Grund ist landschaftlich sehr reizvoll, mit welligen Hügeln, verschiedenen Bäumen, Pflanzen, Blumen und dem angeblich größten Sequoiawald in Südkalifornien. Wir haben einen Tennisplatz und einen Swimming-Pool dazugebaut, mit angrenzenden Teichen und Wasserfällen und als letzte Zutat verschiedene Fische, Vögel und Tiere angesiedelt. Es ist nicht so groß wie die Villa in Chicago, aber sogar noch eindrucksvoller, wegen der Eleganz der Architektur und des Grundstücks. Wir haben ein eigenes Gästehaus, Treibhaus und Sport- und Spielhaus, mit einer Bar im Freien und einer Büfettanlage, alles in den gleichen Steinen gehalten wie das Hauptgebäude. Die beliebteste Stelle auf dem Anwesen ist die Grotte, die wir gebaut haben. Sie ist ein Teil des Pools, man schwimmt durch einen Wasserfall in sie hinein und es gibt dort ein ausgeklügeltes System von Jacuzzi-Bädern, die mehr wegen ihres gesellschaftlichen Reizes als wegen ihrer Heilkraft gefragt sind. Kurzum, die Villa an der Westküste ist ein wahrhaftiger Jungbrunnen, und einem Gerücht zufolge soll man sichtbar altern, sobald man das Anwesen verlässt.

Playboy: Als jemand, der sein Geld verdient und nicht geerbt hat, jemand, der als durchschnittlicher Arbeitnehmer angefangen hat, sehen Sie sich da nicht manchmal in diesem unglaublichen Luxus um und denken, das ist doch zu schön um wahr zu sein, das ist doch ein Traum, vielleicht wache ich auf und alles ist verschwunden?
Hefner: Mir kommt es immer noch ein bisschen seltsam vor, wie das alles geschehen ist, aber das macht die Freude nur noch größer. Ich glaube nicht, dass ich des Erfolgs oder des Lebens, das ich führe, je überdrüssig werde: Das liegt einfach nicht in meiner Natur. Ich fühle mich wirklich wie ein Kind im größten Bonbonladen der Welt.

Playboy: Müssen Sie so arrogant sein?
Hefner: Ich könnte den Arroganten spielen, aber mir macht das Leben Spaß. Den Unterkühlten zu spielen, alles mit der jetzt modischen Müdigkeit zu betrachten, das ist mir fremd. Wenn meine Begeisterung manchen Leuten zu wenig subtil vorkommt, dann ist das ihr eigenes Problem und nicht das meine.

Playboy: Eine gute Portion von Ihrer Begeisterung schenken Sie während Ihrer Freizeit allen möglichen Spielen: Tricktrack, Monopoly, Flippern, Karten und einem Dutzend anderer Zeitvertreibe. Warum?
Hefner: Wenn ich mit meiner Arbeit fertig bin, möchte ich mich mit Freunden in verschiedenen Spielen verlieren. Wenn ich solche Dinge begeistert spiele, dann deshalb, weil ich an beinahe alles mit Begeisterung herangehe. Mir gefällt der wettbewerbsmäßige Charakter der Spiele genau wie der gesellschaftliche Kontakt, den man dabei hat. Die meisten meiner Freunde betreiben diese Spiele so ernsthaft wie ich. Tricktrack ist zur Zeit unser Lieblingsspiel. Es ist ein duftes Spiel mit verhältnismäßig einfachen Spielregeln und leicht zu lernen, aber mit einer ganz kniffeligen Strategie, sobald man sich einmal länger damit beschäftigt. Es ist viel schneller und aufregender als Schach und im Unterschied zum Kartenspiel ist es ein offenes Spiel, jeder kann die Züge verfolgen – und dabei selbst kräftig mitmischen. Ein paar Freunde und ich haben kürzlich in Los Angeles einen Privatklub mit dem Namen Pips aufgemacht – nach den dreieckigen Feldern auf dem Brett, in denen man seine Figuren hat. Die größte Attraktion des Klubs ist neben dem ausgezeichneten Restaurant, der Bar und der Diskothek – Tricktrack. Pips ist in den wenigen Monaten seit seiner Eröffnung zum populärsten Prominententreffpunkt der ganzen Stadt geworden und Tricktrack zum populärsten Spiel.

Playboy: Sie sagten, die meisten Ihrer Freund betreiben diese Spiele ernst. Ist das nicht ein begrifflicher Widerspruch: Spiele ernst zu betreiben? Ist es nicht recht leichtfertig, so viel Zeit und Energie auf so was zu verschwenden?
Hefner: Die Fähigkeit, an einem harmlosen Zeitvertreib seine Freude zu haben, ist Teil dessen, worum sich das Leben drehen sollte. Die Vorstellung, dass Arbeit sozial wertvoll ist und das Spiel nicht, ist ein puritanisches Relikt, das in unserer Gesellschaft immer noch besteht. Nach Konferenzen, Diktaten und Redaktionsarbeit möchte ich mich entspannen und spielen, sei es in meinem drehbaren Bett oder im Spielzimmer mit dem Freundeskreis.

Playboy: Oder in Ihrem drehbaren Bett mit dem Freundeskreis.
Hefner: Sie haben durchs Schlüsselloch geschaut.

Playboy: Während Ihrer letzten Amerika-Tour blieben die Rolling Stones vier Tage in Ihrem Haus in Chicago. Was können Sie der Öffentlichkeit von diesem legendären Besuch erzählen?
Hefner: Mick und seine Musiker verbrachten den größten Teil ihrer Zeit damit, sich mit uns in der Bibliothek bei einem Glas Cognac über wichtige soziale Tagesfragen zu unterhalten. Zur Erholung spielten wir ein paar Mal Schach.

Playboy: Klar.
Hefner: Das kaufen Sie mir wohl nicht ab, was? Dann will ich bloß sagen, dass wir alle großen Spaß hatten, es begann in meinem Römischen Bad und endete vier Nächte später mit einem Stegreifkonzert der Stones und mit Stevie Wonder im Ballsaal. Nach der Konzerttour erzählten die Stones der Presse, der Höhepunkt ihrer achtwöchigen Amerikareise sei die Zeit in Hefners Haus in Chicago gewesen.

Playboy: Gibt es diese improvisierten Konzerte öfter?
Hefner: Buddy Rich ist mein Gast in Chicago, so oft er in der Stadt ist, und eines Abends brachte er zur allgemeinen Unterhaltung seine ganze Band mit. Sie bauten an einer Seite des Ballsaals ihre Notenpulte auf und zogen eine ganze Show für uns ab. An einem anderen Abend gaben wir eine Party für ein paar Prominente, die aus Marokko zu Besuch weilten, als die gesamte Besetzung von Hair auftrat und Aquarius sang. Schließlich endeten sie nackt im Pool und zogen dort fast das ganze Programm ab. Die meisten Musik-Ereignisse in der Villa sind natürlich nicht so groß angelegt. Am letzten Silvesterabend unterhielt uns Harry Nilsson mit einigen seiner Songs am Klavier. Tony Bennett tat dasselbe bei einer anderen Gelegenheit. Shel Silverstein – der einer meiner engsten Freunde ist und ebenso viel Zeit in meinen Villen verbringt wie auf seinem Hausboot in Sausalito – erfreut die Bunnies immer wieder mit seinen Songs. Einige davon sind durch Vorfälle inspiriert worden, die sich hier ereignet haben.

Playboy: Tom Jones war gelegentlich Ihr Gast; hat er sich mal in Ihrem Haus produziert?
Hefner: Nicht musikalisch.

Playboy: Haben Sie noch ein paar brühwarme Nachrichten für die Klatschspalte?
Hefner: Mal überlegen. Ich möchte Chuck Percys guten Ruf nicht schädigen, und ich weiß auch nicht, ob das etwas für seine Chancen als Präsident im Jahre 1976 bedeutet, aber kürzlich forderte mich der Senator in meinem Haus in Chicago zum Pingpong heraus – und verlor entscheidend.

Playboy: Das ist nicht gerade das, was uns vorschwebte.
Hefner: Wirklich nicht? Na dann, Masters und Johnson, das berühmte Sexforscher-Paar, verbrachten hier eine Nacht vor ihrer Heirat. Sie schliefen in getrennten – aber benachbarten - Schlafzimmern. Norman Mailer und Budd Schulberg verbrachten einmal ein verlängertes Wochenende in denselben benachbarten Schlafzimmern, aber ihre Beziehungen zueinander waren nicht so gut. In der zweiten Nacht musste ich ein Wortgefecht schlichten, das handgreiflich zu werden drohte. Als Mailer Schulberg aufforderte, mit ihm ‚rauszugehen zu einem altmodischen Faustkampf, lehnte Budd – der Nüchterne von beiden – ab mit der Erklärung, er habe sich einmal geweigert, gegen Hemingway anzutreten, und wenn er schon mit Hemingway nicht gekämpft habe, könne er nicht eine Stufe tiefer steigen und gegen Mailer kämpfen. Doch meistens heißt die Devise hier make love, not war.

Playboy: Der russische Dichter Jewgenij Jewtuschenko hat während eines Amerikaaufenthalts auch einmal bei Ihnen in Chicago gewohnt. Sind Sie miteinander ausgekommen?
Hefner: Wir haben einige Stunden damit verbracht, die wechselseitigen Verdienste unserer beiden Regierungssysteme zu diskutieren. Er ist allerdings am nächsten Morgen ziemlich verstimmt abgereist, weil es ihm nicht gelungen war, die Bunnies für eine weitere Festigung der russisch-amerikanischen Beziehungen zu gewinnen.

Playboy: Sie haben bis jetzt noch nichts über die riesigen Partys gesagt, die Sie jede Woche oder so für ein paar hundert Freunde in Chicago oder Los Angeles geben. Kommen die Stars da hin, um sich gegenseitig zu begaffen?
Hefner: Und um die Bunnies zu begutachten und die Playmates – und umgekehrt. Aber der größte Hit – zumindest was die großen Namen im Showbusiness betrifft – sind die populären Sportübertragungen, die ich mehrmals im Jahr mittels Kabelfernsehen veranstalte. Letzten Sommer haben wir in Los Angeles den Muhammad Ali-Kampf gezeigt. Fast die Hälfte aller männlichen Stars von Los Angeles war da und ein paar weibliche Fans dazu. Die alten Filmstars Groucho Marx und George Raft haben das alte Hollywood vorstellt: Bill Cosby, Jack Nickolson, Burt Bacharach, Joe Namath, Jim Brown, Tony Curtis, Bob Culp, David Steinberg, Jimmy Caan, John Derek, Clint Eastwood, den ewig populären Warren Beatty, Harry Nilsson mit Sally Kellerman, Ryan O’Neal mit Ursula Andress, Don Adams mit Don Rickles – es waren einfach alle da. Tommy Smothers hat sich die ganzen vertrauten Gesichter angeschaut und gemeint: „Wenn heute Abend jemand eine Bombe hier reinwerfen würde, müsste das Showbusiness wieder ganz neu aufgezogen werden.

Playboy: Ihre persönlichen Vorlieben – für schlichte Kleidung, einfaches Essen und Trinken – passen manchmal nicht ganz zu Ihrem Image.
Hefner: Der PLAYBOY hat noch nie die Position eingenommen, dass es nur eine einzige wahre Kragenform oder Musik oder Lebensführung gibt. Das Magazin propagiert nicht, was man tun soll, um hip auszusehen, es propagiert vielmehr eine bestimmte Haltung, nämlich das Leben zu genießen, ganz egal wie man es macht. Ich bin ein schlagendes Beispiel dafür. Mir käme es heuchlerisch vor, etwas zu tragen, was mir nicht gefällt, nur weil „man“ es tut. Und Pepsi ist nun mal mein Lieblingsgetränk. Ich trinke es sogar so gern, dass ich früher 25 bis 30 Flaschen pro Tag weggeputzt habe, bis ich wirklich Angst bekam, ich würde zu dick werden. Deshalb habe ich angefangen, Pfeife zu rauchen; ich dachte, ich würde dann weniger trinken.

Playboy: Und war das so?
Hefner: Nein, ich hatte nur eine weitere schlechte Gewohnheit. Was meine Vorlieben für einfaches Essen betrifft, so mag ich eben ein gebratenes Hähnchen lieber als Fasan unter einer Glasglocke. Das ist ein Tick von mir; vielleicht das Resultat zurückgebliebener Essgewohnheiten in meiner falsch verbrachten Jugend.

Playboy: Ist es wirklich wahr, dass Sie, wie man sich erzählt, in Paris ins Maxim’s gegangen sind – angeblich eines der besten Restaurants der Welt – und einen Assistenten in die Küche geschickt haben, um den Küchenchefs Ihr spezielles Rezept für gebratenes Hähnchen zu geben?
Hefner: Das ist wahr. Mein Assistent hat ihnen einen ganzen Nachmittag lang gezeigt, wie man Hähnchen so zubereitet, wie ich’s mag, und, bei allem Respekt vor dem Maxim’s, es schmeckte köstlich. Es schmeckte wie bei Colonel Sanders. Man muss dazusagen, dass ich damals gerade einen Monat lang durch Afrika, die griechischen Inseln, Italien, Spanien, England und so weiter gereist bin, und als ich nach Paris kam ... das hört sich an, wie in dem Lied „By the time I got to Paris, she was risin’“. Jedenfalls war ich damals ganz schön scharf auf ein Huhn nach Hausfrauenart.

Playboy: Hat sich das Maxim’s je von Ihrem Besuch erholt?
Hefner: Offenbar haben sie es ganz gut verkraftet, weil sie mir später das Restaurant verkaufen wollten. Aber so gut hat mir das Huhn auch wieder nicht geschmeckt. Ich glaube, im Prinzip mache ich mir einfach nichts aus Essen. Es gibt mir nur die Energie, die ich brauche für etwas, was mir wirklich Vergnügen macht. Muss ich das näher erläutern?

Playboy: Ist es denn was Unanständiges?
Hefner: Unanständig – hört sich so an wie ... Erstens macht es Spaß, zweitens nicht dick. Das hätte ich in der Playboy-Philosophie erwähnen sollen.

Playboy: Vom Essen, Trinken und Ihrer Kleidung einmal abgesehen, kann man Ihnen kaum einen gängigen Geschmack vorwerfen. Ihr Lebensstil ist vielmehr so extravagant, dass ihn einige Leute für die Verkörperung der Philosophie des auffälligen Lebensaufwands halten.
Hefner: Ich kann freilich nicht leugnen, dass ich einer der größten Konsumenten des Landes bin – oder dass ich nicht versucht habe, diese Tatsache zu verbergen – aber offen gestanden habe ich das Gefühl, dies verdient und ein Recht zu haben auf das, was mir nun mal gefällt. Und ich würde genauso darüber denken, wenn ich nicht eine Menge für diejenigen Anliegen ausgegeben hätte, an die ich nun mal glaube. Aber egal was man von mir denkt: Die Feindseligkeit, die manche Leute – und das betrifft besonders die wohlhabenden jungen Linken – gegen einen aufwändigen Lebensstil oder gegen materielle Dinge überhaupt zeigen, beruht auf einer Annahme, die ich nicht akzeptiere. Diese Annahme geht davon aus, dass das alles etwas Böses sei. Diese Leute machen keinen Unterschied zwischen den Übeln, die der Materialismus mit sich bringt – die Profitgier der Konzerne, die mangelnde Lebensqualität der Städte, Umweltverschmutzung, künstlicher Verschleiß und so fort – und dem Segen des Materialismus, zu dem dank des technischen Fortschritts ein längeres und gesünderes Leben gehören und eine erhöhte Fähigkeit, die Menschen auf diesem Planeten zu ernähren und zu kleiden. Ebenso erkennen sie die Tatsache nicht an, dass dank des Segens des Materialismus ihr eigenes Leben – wie einfach sie auch leben mögen – sehr verschieden ist von dem einfachen Leben, das in den unterentwickelten Ländern der Welt geführt wird. Wenn ein junger Mann in der Kleinstadt Taos hungrig ist, kann er irgendwo Teller waschen und genug verdienen, um weiterzuleben. Oder er kann eine Uhr versetzen, um sich eine Mahlzeit zu leisten oder einen Arzt. Oder wenn alle Stricke reißen, kann er heim nach San Francisco gehen. Die Kinder in Burma oder Tansania haben diese Möglichkeiten nicht. Ebenso wenig habe ich gesehen, dass einer dieser idealistischen jungen Menschen sein Motorrad wegwirft oder sein Stereogerät oder dass sie das Geld, das sie für Jeans und Blumen ausgeben, dazu verwenden, Lebensmittel und Kleidung für die Armen zu kaufen. Ich sage nicht, dass sie das tun sollen: Aber sie sollten ihre eigenen Werte überprüfen, ehe sie die anderen Leute verurteilen, und sie sollten sich klar machen, dass sie das Kinde mit dem Bade ausschütten, wenn sie den Materialismus als solchen und nicht bloß die Auswüchse des Materialismus verwerfen.

Playboy: Viele von den jungen Leuten, die Sie gerade angesprochen haben, scheinen der Meinung zu sein, dass PLAYBOY den Materialismus so vorbehaltlos akzeptiert, wie er nach Ihrer Auffassung von ihnen abgelehnt wird.
Hefner: Wir haben nie geglaubt – oder unterstellt – dass man mit Geld Glück kaufen kann. Doch glauben wir ebenso wenig, dass es die Wurzel allen Übels ist. Es hängt davon ab, was man damit macht. Geld kann zu ausbeuterischen oder zerstörerischen Zwecken verwendet werden. Der Watergate-Wahlkampffonds ist ein schlagendes Beispiel dafür. Aber es kann auch dazu benützt werden, den Wert des Lebens zu erhöhen – für sich und für andere – und genau das wollten wir mit unserer Zeitschrift erreichen und mit der Lebensweise, die ich selbst führe. Ich habe das Glück, wirklich sehr gut zu leben, aber es ist nicht das Geld, das mir etwas bedeutet; nicht einmal die Dinge, die man damit kaufen kann. Es ist das Vergnügen – und die persönliche Freiheit – die es mir bringt und allen, an denen mir etwas liegt.

Playboy: Vor zwei Jahren fassten Sie den Entschluss, Ihr Unternehmen in eine öffentliche Gesellschaft umzuwandeln, um künftige Erweiterungen zu finanzieren. Nachdem PLAYBOY so lange ein fast ausschließlich persönliches Unternehmen war, muss es ziemlich schmerzlich gewesen sein, plötzlich Aktien an die Öffentlichkeit auszugeben?
Hefner: Überhaupt nicht. Ich bin einfach von 80 Prozent Beteiligung auf 70 Prozent heruntergegangen. Ich habe meine Kontrolle also nicht aufgegeben. Aber Sie haben in dem Sinne recht, dass diese Entscheidung meinem Wesen nicht entspricht. Ähnlich war es mit meiner Entscheidung in den späten sechziger Jahren, die Verantwortung mehr zu streuen. Beides habe ich zögernd, aber zum Wohl der Firma getan. Aber als wir ein öffentliches Unternehmen wurden, war das meiner Meinung nach der richtige Schritt, größeres Wachstum zu gewährleisten.

Playboy: Nach den Börsenberichten zu schließen, stehen die PLAYBOY-Aktien nicht gerade gut.
Hefner: Ich glaube nicht, dass der Börsenkurs den wahren Wert einer Firma widerspiegelt. Zufällig sind wir gerade zu einem Zeitpunkt eine öffentliche Gesellschaft geworden, als eine dramatische Panikstimmung den Markt ergriff. Was mich betrifft, so hat das Fallen der Kurse mit der Rezession, Inflation und erbärmlichen politischen Führung zu tun und nicht mit irgendwelchen Problemen bei PLAYBOY, der ein sehr gesundes und expandierendes Unternehmen ist. PLAYBOY steht vor einer sehr aufregenden Epoche des Wachstums in allen Zweigen der Unterhaltungs- und Freizeitindustrie. Zu unseren Plänen gehören umweltfreundliche Wohndörfer im Bereich unserer Hotels, die den Service stellen. In den letzten fünf Jahren haben wir außerdem 50 Millionen Dollar in unsere Erholungszentren in Wisconsin und New Jersey investiert. Sie werden die Attraktivität der PLAYBOY-Clubmitgliedschaft beträchtlich erhöhen und ganz schön Profit abwerfen. Weiter planen wir eine Anzahl neuer Zeitschriften – neue Ideen, alle sehr verschieden von PLAYBOY und Qui – die uns verheißungsvolle neue Märkte eröffnen. Die Filmabteilung, in der gerade ein paar bekannte Theaterstücke verfilmt werden, hat die Rechte von That Championship Season aufgekauft. Das Stück hat den Pulitzerpreis gewonnen und außerdem den Tony-Preis für die beste schauspielerische Leistung und den besten Broadway-Regisseur. ABC hat sein TV-Film-Programm im Herbst mit Deliver Us from Evil begonnen. Das ist einer von drei wichtigen TV-Filmen, die wir hergestellt haben – alle liegen unter dem Kostenvoranschlag und werfen ganz schön Profit ab.

Playboy: Sie haben bei Ihrem ersten Film, Macbeth, Geld verloren. Hat Sie das nicht ermutigt?
Hefner: Es war nur eine kommerzielle Enttäuschung, keine künstlerische. Der Film bekam gute Kritiken und wurde vom National Board of Review of Motion Pictures zum besten Film des Jahres gewählt. Es tut mir also keinesfalls leid, dass wir ihn gemacht haben. Das Filmgeschäft ist immer eine heikle Sache, und nur ein ganz bestimmter Prozentsatz von Filmen bringt wirklich Geld ein. Aber dieses einkalkulierte Risiko gehe ich gern ein, weil auf lange Sicht hin das Filmemachen zu einer immer wichtigeren Ausdrucksform wird, wenn unsere Gesellschaft nämlich über das Stadium des gedruckten Wortes hinausgeht. Und ich möchte persönlich dazu beitragen, dass PLAYBOY Maßstäbe auf diesem Gebiet entwickelt. In nicht allzu ferner Zukunft, wenn Kabelfernsehen, Video-Kassetten und vielleicht sogar elektronische Publikationen wichtige Formen der Massenkommunikation werden, dann wird PLAYBOY genügend Erfahrung haben, um diese neuen Märkte auszuschlachten.

Playboy: Was sagen Sie dazu, dass der PLAYBOY in den letzten zwei Jahren zunehmend imitiert worden ist, und dass einige ganz offensichtlich versuchten, mehr als nur das Magazin zu kopieren?
Hefner: Man sagt, die Imitation sei die aufrichtigste Form der Schmeichelei, ich nehme also an, dass mir ehrlicher – und auch unverfrorener – geschmeichelt worden ist als jedem anderen Herausgeber einer Zeitschrift.

Playboy: Glauben Sie, dass das gesamte PLAYBOY-Unternehmen in den kommenden 20 Jahren so stark bleibt wie in den letzten 20 Jahren?
Hefner: So wie die ersten 20 Jahre gut waren, müssen die nächsten zwanzig Jahre noch besser werden. Die Leute haben immer mehr Freizeit und deshalb wird eine Firma immer bedeutender werden, die sich auf Freizeit-Aktivitäten verlegt hat – und speziell, wenn sie mit diesem Markt so stark identifiziert wird wie PLAYBOY. Genauso ist es mit unserer Zeitschrift: Sie wird in Zukunft noch mehr Einfluss gewinnen als sie heute schon hat. Sie hat eine riesige Auflage – höher als jedes andere Herrenmagazin bis jetzt – und ihr Einfluss auf Moral und Sitte wird wahrscheinlich noch eine ganze Zeitlang verkannt werden. Der PLAYBOY wird auch weiterhin wesentlich dazu beitragen, die soziale und sexuelle Freiheit für den einzelnen zu erreichen; wer nämlich glaubt, die sexuelle Revolution sei schon gewonnen, ist naiv. Unsere Gesellschaft ist in sexueller Hinsicht eher schizophren als frei. Wir stecken in einer qualvollen und schwierigen Übergangsperiode; die meisten Leute kommen jetzt mit ihrer eigenen Sexualität klar, aber wir leben immer noch in einem Land, in dem ein großer Teil des Sexualverhaltens der Erwachsenen illegal ist. Die Stimmen der Unterdrückung sind noch laut und finden auch Beachtung.

Playboy: Sie haben gesagt, der PLAYBOY würde in den nächsten 20 Jahren noch einflussreicher werden als in den vergangenen 20 Jahren. Wie sieht es aber mit Ihren eigenen Plänen aus? Wollen Sie das Magazin und das gesamte PLAYBOY-Unternehmen noch bis zu seinem 40. Jahrestag leiten?
Hefner: Hoffentlich noch länger. Ich kann mir schwer vorstellen, dass ich mich freiwillig zurückziehe. Das PLAYBOY-Magazin mit seinen Ausgaben in Deutschland, Frankreich, Italien und bald auch in Japan steht immer noch im Mittelpunkt meiner ganzen Unternehmungen und ich möchte nicht mehr davon abgeben als ich unbedingt muss. Ich hänge an der Zeitschrift schon fast wie an einem Menschen. Wenn das nicht so wäre, dann könnte ich leicht sagen: „Okay, du hast’s geschafft. Großartig. Jetzt mach mal was anderes.“ Aber das kann ich nicht. Ich arbeite sehr hart und manchmal fühle ich mich etwas frustriert, weil es mir so viel abverlangt. Aber das ist auch das einzige, was mich gelegentlich schafft. Nach einem harten Arbeitstag kann ich immer noch mit meinen Freunden gemütlich zusammen sein, das tun, was mir Spaß macht und mich wie ein König fühlen.

Playboy: Oder wie ein 200-Millionen-Dollar-Kaiser.
Hefner: Niemand kann sich so gut fühlen.

Playboy: Könnten Sie sich angesichts der Tatsache, dass das PLAYBOY-Unternehmen so sehr ein Kind Ihrer eigenen Phantasie ist, vorstellen, dass es auch dann noch erfolgreich ist, wenn Sie es einmal nicht mehr leiten?
Hefner: Wenn ich es einmal nicht mehr leite? Das ist sehr zartfühlend ausgedrückt. Sie meinen, wenn es mich einmal nicht mehr gibt. Was kann ich dazu sagen? Es gibt natürlich groß angelegte Pläne, das Unternehmen von der Energie und dem fachmännischen Geschick einer einzigen Person unabhängig zu machen. Und dann muss man dazu sagen, dass meine Ideen und Vorstellungen von einer ganzen Anzahl talentierter Mitarbeiter geteilt werden, und außerdem von Millionen Menschen in unserer Gesellschaft, sonst könnten wir gar nicht einen solchen Erfolg haben. Es gibt also keinen Grund anzunehmen, dass der PLAYBOY zusammen mit mir von der Bühne verschwindet – außer ich würde beschließen, ihn mitzunehmen.

Playboy: Das Nachrichtenmagazin Time hat einmal gesagt, Sie machten sich über Ihren Platz in der Geschichte ebenso viel Gedanken wie einst Lyndon B. Johnson. Welche Erinnerung wird man einmal an Sie haben?
Hefner: Ich glaube nicht, dass ich die geeignete Person bin, das zu beantworten. Sie sollten jemand Objektiveren fragen – meine Mutter zum Beispiel.

Playboy: Also bitte!
Hefner: Na ja, ich glaube, dass ich auf unsere heutige Einstellung gegenüber dem Sex einen nachhaltigen Einfluss ausgeübt habe. Darüber hinaus nichts Erwähnenswertes.

Playboy: Das klingt jetzt aber äußerst bescheiden.
Hefner: Richtig. Im Grunde bin ich der Meinung, dass ich gleich hinter Jesus Christus rangiere. Irgendwie kann ich das Mittelmaß nicht finden.

Playboy: Versuchen Sie es noch einmal.
Hefner: Also: Wenn die Gebrüder Wright nicht gewesen wären, gäbe es dennoch Flugzeuge. Hätte Edison nicht gelebt, gäbe es trotzdem elektrisches Licht. Und wenn Hefner nicht wäre, hätten wir trotzdem Sex und Erotik. Aber vielleicht würden wir das alles nicht so genießen. Die Welt wäre also ein bisschen ärmer. Und, wenn man so bedenkt, meine Verwandten auch. Jetzt gehen wir aber Tricktrack spielen.
 

Biographie

Der Herr der Hasen

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  • Hef 1953 mit der ersten Playboy-Ausgabe. Auf dem Cover: die noch relativ unbekannte Marilyn Monroe

    Hef 1953 mit der ersten Playboy-Ausgabe. Auf dem Cover: die noch relativ unbekannte Marilyn Monroe

LEBEN
Der Mann, der die sexuelle Revolution entscheidend prägen sollte, wuchs in einem konservativ- methodistischen Elternhaus auf, gegen das er schon früh aufbegehrte. In seinem Geburtsort Chicago absolvierte Hefner (*9. April 1926)zunächst ein Psychologiestudium und arbeitete als Werbetexter, bevor 1953 die Erfolgsgeschichte des Playboy ihren Lauf nahm. Hefner war zweimal verheiratet und hat aus diesen Ehen eine Tochter und drei Söhne.

STATUS
Größter Playboy aller Zeiten.

SONSTIGE LEISTUNGEN
Wird die Ewigkeit an der Seite von Marilyn Monroe verbringen. Er hat sich auf einem Friedhof in L. A. die Grabstelle neben ihr gesichert.
 

Larry DuBois