Direkt zum Inhalt tumblr-logo-white
Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

"Homeland"-Star Alexander Fehling

... über Terrorismus und Hollywood

"Unsere Geschichte ist gespenstisch nah am Puls der Zeit“

Terrorgefahr, Krieg, Cyber-Hacking – „Homeland“ liegt so dicht an der aktuellen politischen Realität wie kaum eine andere US-Serie. Die fünfte Staffel kommt uns nun besonders nahe. Gedreht wurde in Berlin mit deutschen Stars in neuen Hauptrollen. Ganz vorn mit dabei: Alexander Fehling, für den sein Part an der Seite von Claire Danes der große internationale Durchbruch sein könnte

Ein bisschen wie ein GroßstadtTrapper sieht er aus, wie er da in der Nachmittagssonne durch die Berlin-Mitte-Straßenschlucht zwischen „Westin Grand“, Komischer Oper und Bayerischer Landesvertretung gelaufen kommt. Fellmantel, Bart, Boots, über der Schulter ein grüner Jutebeutel. „Hallo“, sagt er. Und dann erst mal: nichts. Der 35-Jährige gehört nicht zu den Schauspielern, die reden, weil es gerade sonst niemand tut. Zum Interview und Foto-Shooting geht es durch einen Hinterhof in die „Drayton Bar“. Im angeschlossenen Restaurant „Crackers“ wurde vor einigen Monaten eine Szene für die neue „Homeland“-Staffel gedreht. Die fünfte ist es mittlerweile. Gerade ist sie im Free-TV angelaufen (sonntagabends, SAT.1) und könnte für Alexander Fehling, der darin als Carrie Mathisons Freund eine der Hauptrollen spielt, der große internationale Durchbruch sein.

Playboy: Herr Fehling, neben Claire Danes im Bett zu liegen und sich vorzustellen, dass das Millionen Menschen weltweit sehen werden – was ist das für ein Gefühl?
Fehling: Das stelle ich mir nicht vor! Man hat genug damit zu tun, die Szene zu spielen, und will, dass das gut wird. Während ich spiele, denke ich nie daran, dass das am Ende Leute sehen, sonst würde ich den Fokus verlieren.

Playboy: Aber mittlerweile haben Sie schon realisiert, dass sich diese Serie ein paar Menschen anschauen?
Fehling: Klar merkt man, dass „Homeland“ weltweit läuft. Ich war gerade im Urlaub in Kolumbien, da haben mich Leute an den verrücktesten Orten darauf angesprochen, auf einem Berg zum Beispiel.

Playboy: Was sagen sie dann?
Fehling: „Where is Carrie?“ – solche Sachen (lacht).

Playboy: Wie war das erste Aufeinandertreffen mit Claire Danes?
Fehling: Angenehm. Wir haben erst mal eine Weile bei der Casterin in der Küche gesessen und gequatscht. Irgendwann haben wir dann eine Szene gespielt, und da gab es diesen Moment, in dem sie durch die Tür kam und ich dachte, ich gucke jetzt gerade „Homeland“.

Playboy: Haben Sie die Serie regelmäßig geschaut, bevor Sie dazugehörten?
Fehling: Ich habe bis zur dritten Staffel geguckt. Aber als ich wusste, ich spiele da jetzt mit, habe ich gemerkt, dass es keine gute Idee ist weiterzuschauen.

Playboy: Weshalb?
Fehling: Wenn man so eine Serie guckt, wird man ja ganz eng mit den Charakteren. Aber für mich war es wichtig, als Figur von innen in diese Serie hineinzukommen. Diesen Außenblick und die Erinnerungen, die man als Zuschauer hat, musste ich unbedingt verlieren, um da drin frei und unvoreingenommen zu sein.

Playboy: Wenn man wie Sie und Claire Danes monatelang ein Liebespaar spielt, wird man sich da sehr vertraut?
Fehling: Man lernt sich natürlich schon ein bisschen kennen. Wir haben uns ziemlich gut verstanden, haben eine gemeinsame Wellenlänge. Klar sind wir auch mal zusammen weggegangen, aber es wird einfach auch sehr viel gearbeitet, manchmal 15, 16 Stunden am Tag. Da macht man danach nicht immer Halligalli.

Playboy: Was ist bei so einer großen amerikanischen Produktion anders als auf einem deutschen Set?
Fehling: Ich weiß nicht, wie repräsentativ das ist, aber als wir in Berlin „Homeland“ gedreht haben, wurde immer noch daran geschrieben. Während man an einer Episode gearbeitet hat, wusste man noch nicht, was in der nächsten passiert. Die Drehbücher wurden immer wieder verändert, ständig wurde daran geschliffen.

Playboy: Warum? Sollte die Handlung so lange wie möglich geheim bleiben?
Fehling: Nee, daran lag es, glaube ich, nicht. Sie wollten eher schauen, wie die Charaktere funktionieren und dementsprechend die Geschichte weiterführen. Es ist ein bisschen wie ein Lebewesen, das sich die ganze Zeit verändert. Außerdem war bei dieser Staffel die Geschichte so gespenstisch nah am Puls der Zeit, dass sie sich vielleicht bestimmte Dinge offenhalten wollten.

Playboy: Es geht in dieser „Homeland“- Staffel um die Terrorgefahr mitten in Europa – passierten die Anschläge von Paris, noch während Sie drehten?
Fehling: Ich glaube, da haben wir gerade das Ende gedreht. Ich habe mich mit dem Showrunner (Produktionsleiter, d. Red.) darüber unterhalten, und er sagte mir, dass das natürlich auf eine Weise interessant für die Serie ist. Aber er würde sich wünschen, dass die Parallelen nicht so unheimlich sind, wie sie waren.

Playboy: Haben Sie gezweifelt, ob es richtig ist, die Geschichte so zu erzählen und damit vielleicht Leuten Angst zu machen?
Fehling: Nicht wirklich. Natürlich ist es ein schmaler Grat, auch was die Darstellung der arabischen Welt betrifft. Aber es ist eben auch eine Thriller-Serie. Wobei, als ich die ersten Episoden gesehen habe, in denen es zum Beispiel diese Bombe am Kottbusser Tor gibt, war das für mich persönlich schon komisch. Man kennt ja diese ganzen Straßen und fragt sich: Wann sind wir dran? So viele große Städte in Europa mussten schon leiden. Wann ist Berlin dran? Mir macht das schon ein bisschen Angst.

Playboy: Können Sie sich eigentlich vorstellen, nach Hollywood zu gehen?
Fehling: Nee, was soll ich da?

"Hollywood? Nee, was soll ich da?"

Alexander Fehling

Playboy: Den blonden Deutschen mit den blauen Augen spielen. Wie in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“.
Fehling: Ich will einfach weiterhin Rollen spielen, die mich interessieren. Wenn die in Saarbrücken stattfinden, ist das okay, und wenn die in Amerika gedreht werden, dann ist es natürlich auch toll. Aber irgendwo dabei zu sein, nur weil es ein großer Film ist, macht keinen Spaß.

Playboy: Sie spielen häufig politische, zeitgeschichtliche Rollen.. .
Fehling: . ..und jetzt wollen Sie wissen, was da bei mir los ist?

Playboy: Ja, was reizt Sie daran?
Fehling: (lacht) Ich habe nichts gegen Unterhaltung, aber ich mag eben Filme, in denen die Welt genauso kompliziert ist wie in meinem eigenen Leben. Dunkle, kantige Stoffe ziehen mich einfach an. Weil da auch das Drama ist.

"Ich mag Filme, in denen die Welt genauso kompliziert ist wie in meinem Leben."

Alexander Fehling

Playboy: Klingt anstrengend.
Fehling: Drama heißt nicht traurig, sondern einfach dramatisch. Dass es hoch und runter geht, man hin und her geschleudert wird. Auch mein Leben ist dramatisch. Diese Vielschichtigkeit finde ich spannend. Wenn Menschen in Extremsituationen sind, dann zeigen sie sich. Meine Freunde habe ich darüber kennen gelernt, wie sie sich über die Jahre zu Sachen entschieden haben.

Playboy: Sie meinen, in Krisenzeiten zeigen die Menschen ihr wahres Gesicht?
Fehling: Krise ist so ein großes Wort. Es kann auch etwas Kleineres sein. Ein Konflikt. Aber wenn ich selbst ins Kino gehe und einen Film sehe, in dem alles irgendwie einfach ist und am Ende ganz toll, deprimiert mich das. Weil ich weiß: Mein Leben ist so nicht. Es ist nicht so schön. Es sieht nicht alles so gut aus, es klappt nicht alles so.

Playboy: Wie wichtig ist Ihnen im Vergleich zu Ihrem komplizierten Innenleben Ihr Äußeres?
Fehling: Ach, das ist wie bei jedem anderen auch. Wenn ich morgens in den Spiegel gucke, denke ich mir, oh Gott.

Playboy: Schauspielern sagt man ja eine etwas größere Eitelkeit nach.
Fehling: Finde ich auch in Ordnung, es wird immer so getan, als sei Eitelkeit das Schlimmste der Welt. Dabei ist sie total menschlich. Ich glaube, man kann sich schon ein bisschen Eitelkeit zugestehen. Gut, wenn dann noch Dummheit dazukommt, ist das natürlich eine blöde Mischung.

Playboy: Für Ihre nächste Rolle haben Sie sich gerade einen Bart wachsen lassen und ein wenig zugelegt.
Fehling: Ja, schon acht Kilo, ein bisschen muss noch.

Playboy: Ist das schön, für den Job jeden Tag ganz viel zu essen?
Fehling: Hab ich gedacht, aber es ist mehr Arbeit, als man denkt. Du bist ja irgendwann satt und musst trotzdem weiteressen. Und das mehrmals am Tag. Danach muss man sich wieder Essen kaufen und zubereiten. Das ist eigentlich total absurd.

Playboy: Stimmt es, dass es Ihnen lange peinlich war, Schauspieler zu sein?
Fehling: Ja, als Heranwachsender. Ich hatte schon früh den Wunsch, Schauspieler zu werden, und hab da mein ganzes Leben reingelegt. Da ist man dann natürlich total angreifbar. Besonders in so einem Alter, wenn man noch kein Selbstbewusstsein hat. Außerdem assoziieren die Leute das immer sehr mit Berühmtseinwollen. Das hab ich aber nie gemeint. Ich wollte einfach spielen. Und deswegen war mir das so unangenehm.

"Ich wollte nie berühmt sein. Ich wollte einfach nur spielen."

Alexander Fehling

Playboy: Haben Sie deshalb keine Website, kein öffentliches Facebook-Profil?
Fehling: Ich bin schlecht im Eigenwerbungmachen. Das kommt irgendwie nicht aus mir raus. Vielleicht bin ich auch einfach blöd, weil ich denke, die Sachen sprechen für sich, werden gehört oder eben nicht. Klar sehe ich, was das für eine Riesenbedeutung hat, wie andere darin aufgehen. Aber ich glaube, du bist darin auch nur gut, wenn es dir Spaß macht.

Autor: Mareike Opitz
Newsletter

Jede Woche neu:
die spannendsten Themen,
die schönsten Frauen

Jede Woche neu: die spannendsten Themen, die schönsten Frauen

The was an error. Please try again later.