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Von Mann zu Mann

„Ziemlich beste Freunde“-Stars über Freundschaft

"WIR LEBEN AUF ZWEI VERSCHIEDENEN PLANETEN"

Die Geschichte von Philippe Pozzo di Borgo und Abdel Yamin Sellou begeisterte im Film „Ziemlich beste Freunde“ Millionen. Doch was macht eine echte Männerfreundschaft aus? Es sind nicht Gemeinsamkeiten, sagen die beiden

Sie sind das berühmteste Freundespaar der Gegenwart: Philippe Pozzo di Borgo, 61, querschnittsgelähmter Top-Manager adeliger Herkunft, und sein algerischer Pfleger Abdel Yamin Sellou, 40, seines Zeichens Ex-Knacki. Mit der Verfilmung ihrer Geschichte, „Ziemlich beste Freunde“, wurden sie zu Vorbildern.

Wobei das ungleiche Paar beim Gesprächstermin alles andere als Ehrfurcht auslöst. Erst mal drückt Sellou sein Bedauern aus, dass der Interviewer keine Frau ist, schließlich wollte er sein Flirtarsenal auspacken. Pozzo di Borgo versucht, Ernsthaftigkeit zu wahren, aber seine sanfte Ironie ist unverkennbar. Im Zusammenspiel der beiden wird klar, wie eine Freundschaft trotz aller Unterschiede funktionieren kann.

Playboy: Sie gelten als Vorbilder für Männerfreundschaften. Stört Sie das?
Pozzo di Borgo: Ich habe nichts dagegen, verstehe aber nicht, wieso Leute ein Vorbild für Glück oder Freundschaft brauchen. Wir zeigen nur, dass Freundschaft möglich ist.
Sellou: Ich lasse mir auf jeden Fall keine öffentliche Funktion aufpfropfen. Wer das versucht, der kriegt eins auf die Nase.

Playboy: Es ist doch nicht schlimm, wenn Sie andere Menschen inspirieren.
Sellou: Meinetwegen, wenn unsere Geschichte anderen nützt, dann ist das okay.
Pozzo di Borgo: Sie sollten uns nicht kopieren, sondern für sich selbst entdecken und erfahren, was Freundschaft bedeutet.

Playboy: Gehört zu einer Freundschaft auch Liebe?
Pozzo di Borgo: Ich würde sagen, dass wir einander lieben. Aber Liebe ist so ein weiter Begriff, der stiftet meist nur Verwirrung.
Sellou: Für mich bedeutet Liebe: Wir respektieren einander, wir wissen es zu schätzen, dass der andere eine andere Meinung hat.

Playboy: Wie viel Meinungsverschiedenheit lässt eine Freundschaft zu?
Sellou: Wir sind in allem anderer Meinung. In unserer Sicht aufs Leben, auf Frauen. Wir leben auf zwei verschiedenen Planeten.
Pozzo di Borgo: Was es interessant macht. Aber wir sind nicht ekelhaft zum anderen. Wir stimmen einfach nicht überein.

Playboy: Ist es nicht schwierig, wenn eine gemeinsame Basis fehlt?
Pozzo di Borgo: Wir respektieren einander, selbst wenn wir anderer Meinung sind.
Sellou: Ich kann ihm ja nicht beipflichten, wenn ich das anders sehe. Sonst wäre es keine Freundschaft, sondern bloß scheinheilig.

Playboy: Inwiefern haben Sie beide eine unterschiedliche Lebensauffassung?
Pozzo di Borgo: Ich glaube zum Beispiel, dass wir die Gesellschaft verändern können. Und aus den Dingen, die sich nicht ändern lassen, sollten wir das Beste machen. Abdel ist es egal, was mit anderen geschieht.

Playboy: Herr Sellou, Sie haben sich doch durch diese Freundschaft geändert, oder?
Sellou: Natürlich. Wenn es nicht so wäre, würde ich wieder im Gefängnis landen.

Playboy: Also liegt Ihr Freund doch richtig?
Sellou: Ja, aber selbst wenn er Recht hat, stimme ich ihm nie zu.

Playboy: Und Sie haben für Philippe Pozzo di Borgo die verrücktesten Dinge getan, wie im Film zu sehen ist. Gibt es noch andere Beispiele aus Ihrer Freundschaft?
Sellou: Ich mache ständig verrückte Dinge mit ihm. Aber die sind nicht druckreif.

Playboy: Welche sind denn druckreif?
Pozzo di Borgo: Einmal warteten wir an einem Grenzübergang - mit tausend anderen Autos. Ich habe da ein Atemgerät für die Nacht. Abdel stülpte es mir übers Gesicht, fuhr an allen anderen vorbei und schrie: „Notfall!“

Playboy: Könnten Sie sich so eine Freundschaft eigentlich mit einer Frau vorstellen?
Sellou: Nein, diese Art von Beziehung wäre unmöglich. Es sei denn, die Frau wäre furchtbar hässlich.

Playboy: Aber Frauen sind sicher ein ständiges Gesprächsthema für Sie beide?
Pozzo di Borgo: Oh, bringen Sie ihn ja nicht darauf. Was Damenbeziehungen angeht, glauben wir nicht an das gleiche Konzept.

Playboy: Woran glauben Sie denn?
Sellou: Ich bin modern. Ich lebe in einer Wegwerfgesellschaft. Philippe dagegen würde ich als „rom-antik“ beschreiben.
Pozzo di Borgo: Ich halte mich nicht für altmodisch. Der Vollzug ist nicht zwangsläufig die Quelle fürs Glücklichsein. Sanftheit, Fürsorglichkeit sind sehr wichtig.

Playboy: Inwiefern sind Sie denn modern, Herr Sellou?
Sellou: Ich kommuniziere anders. Ich nutze für meine Bekanntschaften das Internet.
Pozzo di Borgo: Wobei er drei Kinder hat und verheiratet ist. Jetzt fragen Sie ihn, ob er treu ist.

Playboy: Sind Sie das?
Sellou: Aber natürlich. Gegenüber mir selbst und meiner Männlichkeit.

Playboy: Haben Sie beide noch andere Freundschaften, die so intensiv sind?
Pozzo di Borgo: Ich habe andere enge Freunde, aber diese Beziehungen lassen sich nicht vergleichen.

Playboy: Bei all Ihren Unterschieden muss es auch Zweifler in Ihrem Umfeld gegeben haben, die sagten: „Wie kann dieser Mann dein Freund sein?“
Sellou: Bei mir nicht. Wenn ein Freund von mir so etwas zu Philippe gesagt hätte, dann wäre er kein Freund mehr.
Pozzo di Borgo: Im Film ist ja zu sehen, dass Mitglieder meiner Familie und enge Freunde sehr negativ auf Abdel reagierten: Was macht dieser Typ? Er ist doch gefährlich - aber sie mussten sich anpassen.
Sellou: Mir ist es scheißegal, was jemand von meiner Freundschaft denkt.

Playboy: Es gibt doch sicher auch Dinge, die Sie am anderen nicht ausstehen können.
Pozzo di Borgo: Abdel ist, was er ist. Er versucht nicht, freundlich und nett zu sein, er ist völlig integer, völlig natürlich. Wobei das zugleich etwas ist, was mich auch an ihm nerven kann.
Sellou: Ich schätze an Philippe, dass er aufs Materielle keinen Wert legt . . .
Pozzo di Borgo: . . . er sagt natürlich nicht, dass das mit meiner Behinderung zusammenhängt.
Sellou: Ich bin noch nicht fertig. Philippe lässt auch seine soziale Stellung und seinen Intellekt nicht heraushängen. Er versucht nicht, dominant zu sein.

Playboy: Glauben Sie, dass Ihre Freundschaft auch nach dem Tod noch andauert?
Sellou: Ich werde ihn anrufen, wenn es so weit ist, und dann schauen wir weiter.

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