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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Punk-Legende Iggy Pop

... über riesige Brüste und verlorene Weggefährten

"Bevor ich anfange zu beten, kaufe ich mir eine Knarre"

Er ist der größte Urknall-Überlebende der Punk-Ära. Iggy Pop über verlorene Weggefährten, obszöne Stars, riesige Brüste, das Golfspielen und seine Verwandlung in ein Reptil

Der „Palazzo Versace“, Australiens teuerstes Prunkhotel: Während seiner jüngsten Tournee residiert der Punk-Saurier an der Gold Coast in einer monströsen Maisonette-Suite mit offenem Kamin, Wohnlandschaft, Terrasse zum Meer, Whirlpool - zwischen so viel enthemmter Pracht aus Marmor und Kristall, dass es schon wieder gut zu dem tief gebräunten und gelockerten Typen passt, der da jetzt barfuß im Anzug den Gast aus Germany hereinbittet. Er hat Zeit, mehrere Stunden, also offenkundig Spaß daran zu reden. Dienstreise? Nichts da, Urlaubsstimmung! Lästern wir also erst mal ein bisschen über seine Landsleute. Und unsere.

Playboy: Herr Pop, Ihr Album „Ready To Die“ skizziert ein nicht gerade schmeichelhaftes Bild der USA...
Pop: Das ist ja auch kein Wunder, oder? In diesem Land läuft einfach alles falsch: Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Und wer dem System kritisch gegenübersteht, wird denunziert und gemobbt. Die Waffenlobby, die Drogendealer und die Regierung stecken alle unter einer Decke - da herrscht keine Freiheit. Wir sind im realen „Big Brother“-Container, und TV ist unser Opium. Deswegen verstecke ich mich auch in Florida, wo ich meine Ruhe habe. Und das kann ich nur allen raten: Duckt euch, wartet auf eure Chance!

Playboy: Gleichzeitig schwärmen Sie aber auch von den weitverbreiteten Doppel-Ds, den großen Brüsten der US-Damenwelt.
Pop: (lacht) Titten sind eine große Sache in Amerika. Ich meine, wir haben eine Menge davon. Und wer keine hat, lässt sich halt welche machen. Als ich ein Kind war, hatten wir Jayne Mansfield und Marilyn Monroe - mit riesigen Dingern. Bei vielen der jungen Mädchen sind sie heute ein bisschen zu schmal für meinen Geschmack. Ich stehe zum Beispiel auf Russ Meyer.

Playboy: Also auf sehr ausgeprägte Brüste.
Pop: Richtige Euter! Aber das waren auch wunderbare Filme. Ich habe sie fast alle gesehen. Als wir „Raw Power“ in London aufgenommen haben, bin ich, wenn ich ein bisschen abschalten wollte, zum Piccadilly Circus gelaufen, wo in den Porno-Kinos Russ-Meyer-Streifen liefen. Einfach wunderbar! Allein, was die Attitüde betrifft. Und natürlich die Brüste - der pure Wahnsinn, genau wie die Filmtitel: „Die Satansweiber von Tittfield“ oder „Im tiefen Tal der Superhexen“. Großartiger Stoff!

Playboy: Dann sind die USA gerade wegen ihrer Extreme eigentlich sehr inspirierend?
Pop: Ganz genau, das macht das Spannende daran aus. Wobei es aber nur zu ertragen ist, wenn man wie ich ab und zu da rauskommt. Deshalb bin ich auch froh, dass ich ganz im Südosten der USA lebe - direkt am Wasser, quasi an der äußersten Grenze. Und wenn ich zum Strand gehe und mich nach Miami Beach verirre, sind da all diese Schwachköpfe, die wir als Euro-Trash bezeichnen (lacht). Diese völlig entmenschten Engländer, die eine riesige Party feiern und sich das letzte bisschen Hirn wegsaufen. Während im Winter meist diese wahnsinnig ernsten deutschen Familien kommen, die alle ganz bleich sind und reden, als hätten sie einen Fisch im Arsch.

Playboy: Haben Sie welche kennen gelernt?
Pop: Das beste Erlebnis, was ich in diesem Zusammenhang hatte: Ich saß mal im Flieger neben Boris Becker. Auf der Strecke von Frankfurt nach Miami, und da kamen wir kurz ins Gespräch. Er meinte zu mir (ahmt deutschen Akzent nach): „Ja, ich liebe Miami. Denn in Miami kannst du einfach du selbst sein.“ Das hat er ehrlich gesagt. Ich meine, ich habe keine Ahnung, was er darunter versteht und was er dort anstellt. Aber er hat definitiv Recht. Dort weiß keiner, wer er ist. Und niemanden interessiert es - es sei denn, er legt es darauf an. Aber er ist ein netter Kerl. Trotz des Akzents.
 

"Eine Menge Leute wissen, wer ich bin. Und sie schmücken sich gern mit Rockmusikern."

Iggy Pop

Playboy: Kennen Sie noch mehr Promis?
Pop: „Kennen“ ist übertrieben. Eine Menge Leute wissen, wer ich bin. Und sie schmücken sich halt gern mit Rockmusikern, was manchmal für sehr lustige Situationen sorgt. Mitunter aber auch für ziemlich peinliche. Deshalb suche ich das auch nicht.

Playboy: Dabei gilt Miami, Ihr Refugium, als Spielwiese der Showbiz-High-Society: J. Lo, Justin Timberlake, Beyoncé, Timbaland. Wie halten Sie es dort aus?
Pop: Ich arrangiere mich, so gut ich kann. Wobei sich diese ganzen Popstars fast wie Götter aufführen. Justin Timberlake, Beyoncé, Christina Aguilera und wie sie alle heißen: Die schmeißen mit Geld um sich, als würden sie es scheißen - und sie benehmen sich wie offene Hosen. Sie sind laut, vulgär und obszön. Und sie können eigentlich gar nichts. Ich meine, nimm nur J. Lo: Klar sieht die gut aus, aber kann die singen? Kein bisschen. Und deswegen verstehe ich nicht, wer sich die Platten kauft. Leute, wacht endlich auf! Guckt ihr nicht nur auf den Arsch, sondern hört auch mal zu! Das ist gequirlte Kacke! (lacht) Und weißt du was: Ich habe einen Papagei. Wenn ich ihn frage: „Na, warst du ein braves Mädchen?“, dann antwortet er: „Ja, ich war ein braves Mädchen.“ Damit macht er nichts anderes als diese Hohlköpfe - nur dass er damit nicht so viel Geld verdient.

Playboy: Bei Ihrem Zynismus, was hält Sie überhaupt in den USA?
Pop: Oh, ich habe oft daran gedacht, nach Europa zu ziehen, was ja gar nicht so abwegig wäre. Aber momentan habe ich eine wunderbare Beziehung, warum sollte ich die aufgeben? Außerdem habe ich mich über die Jahre systematisch südwärts bewegt. Von Michigan über New York bis nach Miami, was ja nichts mehr mit Amerika zu tun hat.

Playboy: Und hier verstecken Sie sich vor Ihren Landsleuten?
Pop: Scheiße, ja. Sie haben mich aus South Beach vertrieben, aus dem New Yorker East Village, sie haben Berlin übernommen und mich aus Hollywood gejagt. Aber ich bin ihnen immer einen Schritt voraus. Zum Glück. Und dabei musste ich feststellen, dass ich es einfach nicht ertrage, unter Leuten mit einem gewissen Reichtum zu leben - obwohl es mir selbst ja auch nicht schlechtgeht. Aber die einzigen Menschen, die ich mag, sind eben richtig arm, was ein Problem ist, denn mit so vielen armen Freunden werde ich nie richtig reich, weil sie mein ganzes Geld klauen. Und weißt du, was ich gar nicht mag? Leute, die mich nicht in Ruhe lassen. Deswegen fühle ich mich in dieser Nachbarschaft so wohl: Die sind hier viel cooler, einfach ein guter Mix - unterschiedliche Rassen, unterschiedliche sexuelle Vorlieben, alles prima.
 

"Ich bin immer etwas schlechter gelaunt als die anderen."

Iggy Pop

Playboy: Ist Iggy der mies gelaunte Nachbar, mit dem man sich besser nicht unterhält?
Pop: Ich bin auf jeden Fall etwas schlechter gelaunt als die anderen. Deswegen bin ich auch der Einzige in der Siedlung, der eine Hecke statt einen Zaun hat. Das sagt dir: Lass mich in Ruhe. Ich schätze, ich verwandle mich langsam in ein Reptil.

Playboy: Sie gelten als passionierter Golfer. Wie passt dieser elitäre Sport zum Image des ewigen Bürgerschrecks? Verkörpert er nicht alles, wogegen Sie rebellieren?
Pop: Das mag schon sein, aber ich habe trotzdem eine ganz besondere Beziehung zu diesem Sport. Schließlich bin ich in einem kleinen Trailerpark in Michigan aufgewachsen. Und als ich ungefähr acht Jahre alt war, kaufte jemand aus unserer Nachbarschaft ein altes, heruntergekommenes Bohnenfeld und machte daraus einen Golfplatz - also keinen Country Club, er war sehr simpel und bescheiden, eine Art Trainingsplatz für Leute, die für ein paar Stunden ein bisschen Spaß haben wollten. Also habe ich es ausprobiert, und es hatte etwas Besonderes. Weißt du, diese zentrifugale Kraft des Schlägers beim Schwingen, die ganze rhythmische Wahrnehmung und nicht zuletzt die Gedanken, die einem beim Spiel durch den Kopf schießen, hatten etwas Wahnsinniges...

Playboy: Klingt nach einem spirituellen Erlebnis - fast wie Zen.
Pop: Das war Zen. Nur hatte ich damals noch keine Ahnung, was Zen ist, aber es gefiel mir sehr. Irgendwann habe ich dann meinen Dad gefragt, ob er mitspielen wolle, und ich glaube, das war das Erste und Einzige, was wir jemals gemeinsam gemacht haben. Deshalb habe ich auch diese intensive Beziehung zum Golf entwickelt. Außerdem bekam ich dort meinen ersten Job. Ich sammelte die Bälle ein, die die Leute auf dem Übungsplatz zurückgelassen hatten, und richtete die Sprinkler für den Rasen aus. Aber als ich herausfand, wofür Golfen wirklich steht, spielte ich immer weniger. Ich denke, das Geld und das ganze Drumherum haben mir den Spaß verdorben. Heute spiele ich höchstens sieben oder acht Tage im Jahr.

Playboy: Haben Sie einen Lieblingsplatz?
Pop: Oh, es gibt viele tolle Plätze, aber weißt du, wo ich am liebsten bin? Auf einem alten, schäbigen Platz in Mexiko. Ich habe da ein Ferienhaus und fliege regelmäßig hin, um ein paar Löcher zu spielen, auf einem vertrockneten Acker, auf den sich sonst niemand verläuft. Eine himmlische Ruhe.

Playboy: Sind Sie eigentlich ein Gesundheitsfanatiker wie so viele Ihrer Kollegen?
Pop: Oh Gott, nein! Ich esse immer noch alte ölige Burger, dreckige Hotdogs, meine Popel und all den Scheiß. Du solltest mal sehen, was ich esse! Nämlich jeden Abend ein fettes Steak. Und wenn ich im Flugzeug sitze, nehme ich diese kleinen Butterschälchen und lecke sie aus. Denn ich liebe Butter, Eiskrem und frisches Brot. Natürlich vertilge ich auch viel Mist - aber zu den richtigen Zeiten. Eben wie die Franzosen und nicht wie die Amerikaner.

Playboy: Haben Sie während eines Flugs je wieder Hühnchen gegessen? Es gab da doch diesen Vorfall...
Pop: Nein, nie wieder. Da habe ich meine Lektion gelernt.

Playboy: War das auf einem Lufthansa-Flug?
Pop: Es war Swiss, und ich muss sagen, sie haben sich hervorragend um mich gekümmert. Diese Schweizer arbeiten wirklich sehr effizient. Sie hatten diese Maschine, eine Art Aufzug, mit dem sie mich aus dem Flieger holten. Dann fuhren sie mich in die Notaufnahme des Züricher Flughafens, wo eine Ärztin auf mich wartete. Sie hatte eine riesige Spritze und sagte etwas wie: „Ich werde Ihnen jetzt eine Injektion verabreichen, dann werden Sie sich übergeben, und, plumps, kommt das Hühnchen wieder raus.“ Ich hatte so eine Scheißangst vor dieser Frau mit diesem harten Schweizer Akzent und ihrer Riesennadel, dass ich ihr sofort vor die Füße kotzte, noch bevor sie die Chance hatte, mir die Spritze zu geben.

Playboy: Sie sind dem Tod also gerade noch von der Schippe gesprungen?
Pop: Es war in keinster Weise lebensgefährlich, eher unglaublich peinlich.

Playboy: Wie halten Sie sich ansonsten gesund?
Pop: Ich mache Qigong, diese chinesische Sportart. Und ansonsten ziemlich langweiligen Mist. Ich stehe jeden Morgen zwischen sechs und acht auf, gehe früh zu Bett, rauche nicht, trinke in Maßen, vermeide Leute, die meine Energie verschwenden, und gehe oft zum Strand, um auszuspannen. Darüber hinaus versuche ich nur, ganz normal zu sein.

Playboy: Wobei Qigong auch darauf ausgerichtet ist, Tiere zu imitieren...
Pop: Ganz genau. Es geht darum, die Bewegungen von verschiedenen Tieren nachzumachen, und dabei sehr tief einzuatmen. Was mir persönlich sehr guttut.

Playboy: Als welches Tier möchten Sie irgendwann wiedergeboren werden?
Pop: Als Frosch!

Playboy: Als ein fieser, giftiger?
Pop: Nein, einfach nur als netter, kleiner Frosch.

Playboy: Wie kommen Sie darauf?

"Es gab mal eine Zeit, in der ich mir nichts Besseres vorstellen konnte, als stoned zu sein."

Iggy Pop

Pop: Es gab mal eine Zeit in meinen 20ern, in der ich mir nichts Besseres vorstellen konnte, als richtig stoned zu sein. Ich habe Koks geschnupft, Pillen geschluckt und fette Joints geraucht - um gegen Mitternacht in Malibu mit meinem Surfbrett aufs Meer hinauszupaddeln. Natürlich völlig nackt und ohne Bewusstsein für die Gefahr, in die ich mich da begebe. Dann bin ich auf den Wellen geritten - oder zumindest glaube ich das. Das Einzige, woran ich mich definitiv erinnern kann, ist, dass ich dabei dachte, ich wäre ein Frosch. Und heute habe ich ein Haus in Miami mit einem großen Swimmingpool und einem Frosch, der darin lebt. Er versteckt sich den ganzen Tag in den Sträuchern. Und sobald er denkt, dass meine Frau und ich schlafen, kommt er raus und springt in den Pool.

Playboy: Reden wir über Ihre Schauspielerkarriere. Sind Sie sicher, dass Sie immer die richtigen Entscheidungen getroffen haben?
Pop: Ich bin dabei vielleicht nicht immer meinem Herzen gefolgt, sondern den Herzen anderer Leute. Aber damals kam es mir doch richtig vor.

Playboy: Selbst bei „Tank Girl“ oder „The Crow 2“?
Pop: „The Crow 2“ war eine wunderbare Sache. Besonders wenn man bedenkt, dass ich in Hollywood nie erste Wahl war. Außerdem arbeite ich ja nicht beim Film, um ein intellektuelles Publikum für mich zu begeistern. Auf der einen Seite ist es schön, jemandem mit College-Ausbildung zu begegnen, der mir für meine Rolle in „Dead Man“ anerkennend auf die Schulter klopft und mit dem man sich nett unterhalten kann. Aber ich komme doch besser mit Leuten aus, die beim Zimmerservice arbeiten, mir mein Sandwich bringen und sagen: „Hey, du bist doch der Typ aus ,The Crow’.“ Das ist übrigens auch der Grund, warum ich nicht mehr in New York lebe: weil es fast wie Hollywood ist, nur dass die Typen dort alle eine College-Ausbildung haben. All diese Arschlöcher glauben, Regisseure oder Drehbuchschreiber zu sein. Ich sage dir, die Welt ist kulturell verdorben, jeder will ins Fernsehen. Und es gibt schon so verdammt viele Sänger und Maler, warum können diese Menschen nicht etwas Sinnvolles machen, ein Haus bauen, Hunde ausführen, Hamster züchten.

Playboy: Gibt es genau deshalb auch immer mehr Reality-Shows?
Pop: Der neue Trend in Amerika sind Sendungen, in denen verschiedene Rassen miteinander konfrontiert werden. Da pferchen sie ein paar schwarze und weiße Mädels in ein Haus, um zu sehen, ob sie sich die Köpfe einschlagen. Und dann ist da noch diese Sendung in England, „Celebrity Big Brother“, wo es rassistische Vorfälle gibt. Ist das nicht Wahnsinn? Sie haben mich gefragt, ob ich bei dieser Show mitmachen will. Ich bin aber einfach nicht die Art von Mensch, die das kann. Sorry. Das Fernsehen ist wirklich Opium fürs Volk - da hatten Marx und Lenin vollkommen Recht. Das war doch Lenin, oder? Ich bin mir nicht sicher. Ist der vor der Einführung des Fernsehens gestorben? Ich kann mich nicht erinnern.

Playboy: Haben Sie das Interesse an der Schauspielerei verloren?
Pop: Ich suche zumindest nicht mehr so intensiv nach Angeboten und bekomme auch nur noch drei oder vier Drehbücher pro Jahr. Die Hälfte davon ist zu ernst - die andere ein Haufen Scheiße. Lustigerweise bietet man mir immer öfter pornografische Rollen an, in denen ich einen Homosexuellen spielen soll. Ist das nicht der Brüller? Keine Ahnung, wie sie darauf kommen.
 

"Die Leute verstehen die Ironie nicht, weil das ihren Horizont übersteigt."

Iggy Pop

Playboy: Dagegen scheint Großbritannien Sie nur noch als Holzpuppe zu kennen, die in Werbespots für Autoversicherungen rumhampelt. Macht Ihnen das nichts aus?
Pop: Oh doch, natürlich. Aber andererseits bekomme ich dafür auch gutes Geld. Und: Pop Iggy, der für Versicherungen wirbt, ist ja auch die ultimative Ironie. Ich meine, stehe ich für Zuverlässigkeit, Vertrauenswürdigkeit und vorbildliches Verhalten im Straßenverkehr? Scheiße, Mann, ganz bestimmt nicht. Ich fahre wie eine gesengte Sau, und mir ist es kackegal, ob eine Touristenfamilie am Zebrastreifen steht und auf nette Autofahrer wartet. Da gebe ich noch mal Gas. Das Problem ist nur, dass die Leute die Ironie nicht verstehen, weil das ihren Horizont übersteigt. Und in Amerika ist es so, dass mich sowieso kein Schwein kennt - egal, was ich anstelle. Ich habe schließlich keine großen Titten, kein Sexvideo und singe kein Playback zur Nationalhymne.

Playboy: Aber Sie haben ein Publikum.
Pop: Zum Glück gibt es anscheinend immer noch einige, die nicht ganz so beschäftigt sind. Vielleicht sind sie einfach nur faul, auf Drogen, völlig pervers oder sonstwie nicht gesellschaftsfähig. Das sind meine Leute. Aber der Typ, der eine hochdotierte Position als leitender Angestellter bei Siemens hat und jeden Morgen im Mercedes zur Arbeit fährt, um seine Sekretärin zu quälen, dem dürfte ich ziemlich egal sein. Obwohl: Man weiß ja nie. Vielleicht benutzt er mich auch, um seinen Adrenalinspiegel zu pushen, was ich nicht hoffe.

Playboy: Oder er sieht Sie neben John Varvatos in der TV-Werbung für den Chrysler 300C und denkt: cooler Typ...
Pop: Das könnte passieren. Scheiße, ja... Darüber habe ich noch nicht nachgedacht.

Playboy: Was ist mit der Parfümwerbung für Paco Rabanne?
Pop: Die ist okay. In dem Sinne, dass mir niemand Vorwürfe deswegen macht. Und in Frankreich sorgt sie definitiv dafür, dass noch mehr Zombies zu meinen Shows kommen. Nach dem Motto: „Hey, ich habe den Typen in einem Werbespot gesehen. Schau ich mir doch mal ein Konzert von ihm an...“ Diese Art von Leuten.

Playboy: Und in Deutschland? Wie wäre es mal mit einem Album auf Deutsch?
Pop: (in lupenreinem Deutsch) Ich denke nicht, nein. (lacht) Auch wenn das bestimmt lustig wäre. Ich kenne zum Beispiel „Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft“. Das kriege ich hin. Also, vielleicht sollte ich das wirklich machen - wenn es ein Publikum dafür gibt. Iggy Pop singt Deutsch. Das wird ein Brüller. Hoffentlich...

Autor: Marcel Anders
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