Glühende Kohlen

Die gepflegte Fleischzubereitung über glühenden Kohlen im Freien ist ein Thema, bei dem fast jeder glaubt, mitreden zu können. Aber nicht alles, was da an Weisheiten aufgetischt wird, stimmt auch. Ein Mythen-Check

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  • Glühende Kohlen: Damit Sie nicht als armes Würstchen dastehen – zehn Grillmythen im Check

    Glühende Kohlen: Damit Sie nicht als armes Würstchen dastehen – zehn Grillmythen im Check

1. „Man braucht Grillanzünder zum Anheizen“

NEIN. Nur Bubis verwenden Grillanzünder. Männer schüren ihren Grill mit einen Feuerchen auf der Kohle. Stinkt nicht und ist stilecht. Gut eignet sich dafür etwa das Kleinholz einer Obstkiste, mit dem man einen Minischeiterhaufen aufschichtet und herunterbrennen lässt. Profis verfahren nach der sogenannten chilenischen Methode: Man rollt und drückt Zeitungsseiten zu langen, festen Würsten. Nun wickelt man sie streng um eine Weinflasche und stellt sie in den Grill. Kohle rundherum aufschichten. Nun die Flasche herausziehen - die Zeitung bleibt drin. Den „Zeitungszylinder“ innen anzünden: Durch die Kaminwirkung brennt der Kern des Haufens ab - nach 15 Minuten hat man die perfekte Glut.

2. „Briketts sind ungesund und daher nicht geeignet“

GROSSER IRRTUM. Grillbriketts haben nichts mit Heizbriketts (aus Braun- oder Steinkohle) zu tun. Hochwertige sind aus Buchenholzkohle gepresst - für Kugelgrills sind sie ideal. Positiv: Es bleibt nur wenig Ascherückstand.

3. „Der teure Edelgrill kann auch nicht mehr als der billige Einweggrill“

NA JA. Für ein paar Würstchen tut’s die 5-Euro-Pappe beim Spontangrillen nach Feierabend auch. Will man jedoch richtig grillen, bringen diese Aluminiumschalen einfach nicht die nötige Temperatur her. Und erzeugen bloß unnötigen Müll. Merke: Nur wer zum Hochwertigen greift, spart am Ende.

4. „Die Glut muss man - wenn sie zu brennen anfängt - mit Bier ablöschen“

NEIN. Ein Humbug, den schon Papa am Jägerzaun erzählte. Leider ungeil. Bier wird nur zum Löschen des Durstes gebraut. Bier auf die Glut verringert nur die Temperatur und wirbelt Asche auf - die gehört nicht aufs Fleisch. Sollte unser Steak Feuer fangen, umdrehen und an den Rand des Rosts legen.

5. „Zum Anheizen braucht man einen Blasebalg“

WARUM einen albernen Blasebalg verwenden, wenn man auch einen bulligen Kompressor (mind. 50-Liter-Kessel, gibt’s im Baumarkt) nehmen kann?

6. „Das Fleisch muss mariniert sein“

NEIN. Am besten schon eingeschweißt im Supermarkt kaufen, oder? Premiumgrillen sieht anders aus. Wer sich ein edles Stück Rind, etwa irisches Beef, leistet, will auch das Eigenaroma schmecken. Deshalb nur ein wenig mit Öl be streichen, salzen und pfeffern kann man es auf dem Teller.

7. „Grillen mit Alufolie ist gesünder!“

EIN HARTNÄCKIGER MYTHOS. Wir lassen unser Fleisch ja nicht verkohlen. Ist doch etwas schwarz, muss es nicht schädlich sein: Laut Lebensmittelchemiker Udo Pollmer bindet dies „wie Kohletabletten aus der Apotheke“ bakterielle Gifte. Nicht geklärt dagegen ist die negative Rolle von Aluminium im Zusammenhang mit Alzheimer. Zudem: Der Foliengriller kommt gleich nach dem Turnbeutelvergesser!

8. „Am umweltfreundlichsten sind Elektrogrills!“

VON WEGEN! Klimabilanz beachten! Ein E-Grill gibt zwar kaum Emissionen ab, hat aber rund 2,5 Kilowatt Leistung. Sicher, den Verbrauch (ca. 50 Cent/Stun- de) können wir uns leisten. Aber Strom will erzeugt sein - und das geht auf die Klimabilanz. Übrigens: Der „Elektrogriller“ ist der Bruder des Foliengrillers.

9. „Auf dem Grill kann ich nur Fleisch und Würstchen machen!“

ES GEHT NOCH MEHR! Klar, Fleisch ist das Wichtigste auf dem Rost. Fisch geht aber auch. Sollte man jedoch unbedingt in einem „Korb“ (aus Metall) grillen, damit die Haut nicht auf dem Rost klebt. Am besten legt man Zitronenscheiben zwischen Fisch und Korbstangen. Glücklich, wer einen Grill mit Deckel hat: Darin kann man - ganz nebenbei - die Beilagen garen: etwa Spargel. Im Kugelgrill funktioniert auch Pizzabacken hervorragend. Dafür braucht es nur einen Pizzastein, der auf den Rost aufgelegt wird. Es geht auch ein Schamottestein vom Baumarkt.

10. „Um zu sehen, ob das Fleisch durch ist, sticht man es an“

BESSER NICHT. Sonst tritt Fleischsaft aus, der unser Steak lecker macht. Könner stellen den Garzustand durch Drücken fest. Und zwar mit der Daumenprobe: Dabei berührt man mit der Daumenspitze die Spitze eines anderen Fingers und betastet zum Vergleich mit der Festigkeit des Fleischs den eigenen Daumen ballen. Daumen/Mittelfinger: blutig. Daumen/Ringfinger: medium. Daumen/kleiner Finger: durch.
 

Klaus Mergel