Die Ralf-Husmann-Kolumne . Frauen und Humor

Sehr witzig, die Damen!

Unser Kolumnist Ralf Husmann („Stromberg“) beklagt den Fall einer männlichen Bastion: Auch Frauen haben heute Humor. Wozu, das wissen nicht mal die Evolutionsforscher

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Sehr witzig, die Damen!

Unser Kolumnist Ralf Husmann („Stromberg“) beklagt den Fall einer männlichen Bastion: Auch Frauen haben heute Humor. Wozu, das wissen nicht mal die Evolutionsforscher

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  • Ralf Husmann, 47 Schmidt, Ulmen, Stromberg - ohne ihn wären sie nur halb so komisch. Für sie hat er Pointen, Dialoge und Drehbücher geschrieben. Sein aktuelles Buch: „Die Kiste der Beziehung“ (Scherz Verlag, 19,95 Euro)

    Ralf Husmann, 47 Schmidt, Ulmen, Stromberg - ohne ihn wären sie nur halb so komisch. Für sie hat er Pointen, Dialoge und Drehbücher geschrieben. Sein aktuelles Buch: „Die Kiste der Beziehung“ (Scherz Verlag, 19,95 Euro)

Haben Frauen eigentlich auch Humor?“ Das werde ich in Interviews regelmäßig gefragt, und ich antworte regelmäßig: „Brauchen die nicht, die haben ja Brüste.“ Das antworte ich jedenfalls immer, wenn ich von einer Frau gefragt werde, dann sieht man auch gleich, ob sie Humor hat. Aber es stimmt natürlich. Fast jede Frau wünscht sich, dass ihr Elitepartner, eDarling oder wie immer der moderne Stecher heute genannt wird, Humor hat. Er soll sie zum Lachen bringen. Umgekehrt ist das fast nie ein Kriterium. Ich wette, man findet mehr Kontaktanzeigen, in denen Männer eine Partnerin mit unrasierten Beinen, Gangbang-Erfahrung oder Tennissockenfetisch suchen, als Frauen mit Humor.
Der Standardwitz heißt deswegen auch: „Kommt ’n Mann zum Arzt ...“ (außer der, wo ’ne Frau zum Arzt kommt und sagt: „Herr Doktor, ich hab einen Knoten in der Brust“, und der Arzt sagt: „Mein Gott, wer macht denn so was?“ Keine Regel ohne Ausnahme). Humor ist also männlich.
Das ist evolutionär bedingt. In der Steinzeit blieb die Frau zu Hause, kümmerte sich um die Kinder und das Feuer und fegte die Mammutscheiße weg. Im Prinzip wie heute bei der CSU. Der Mann hingegen musste Tiere jagen, sich innerhalb der eigenen Horde behaupten oder auch im Kampf gegen fremde Horden. Wenn man in puncto Mut, Kraft und Schreckhaftigkeit deutlich hinter einem Eichhörnchen lag, dann gab es auf die Fresse. Es sei denn, man konnte die anderen zum Lachen bringen. Das funktioniert auch heute noch. Wer nachts in der U-Bahn angepöbelt wird, kann sich mit ein paar ausgesuchten „Deine-Mudder-Witzen“ besser aus der Affäre ziehen als mit Sätzen wie „Ich kann ein bisschen Judo“ oder „Haut bloß ab, ihr Lausebengel“.
Humor kann also Leib und Leben retten. Eine Erfahrung die Frauen eher nicht machen. Bei einer drohenden Vergewaltigung zum Beispiel machen Vergleiche mit seiner Mudder den Vergewaltiger vermutlich noch aggressiver. Auch Kinder, Mammuts und das Feuer sind recht humorresistent. Humor machte sich also früher für Frauen nicht bezahlt. Folgerichtig gab es lange Zeit genau so viele lustige Frauen wie heterosexuelle Balletttänzer.
In meiner Jugend gab es Gisela Schlüter und Helga Feddersen. Beide waren optisch kein Argument, warum man sich als Junge für witzige Frauen interessieren sollte. Das änderte sich erst mit Ingrid Steeger. Die war lustig und hatte nicht nur zwei beachtliche Brüste, sondern zeigte sie auch noch. Im Fernsehen. In einer Zeit, in der man als Junge nackte Brüste legal sonst nur noch in der Unterwäschesektion des Quelle-Katalogs zu Gesicht bekam.
Das war ein perfider Trick. Es waren quasi trojanische Brüste, die uns dazu gebracht haben zu akzeptieren, dass auch gute Frauen lustig sein können. Ingrid Steeger wurde zwar als Spätfolge von „Klimbim“ eher komisch im Sinne von seltsam, aber der Bann war gebrochen. Es kamen zum Beispiel Beatrice Richter und Iris Berben und damit der unterschätzteste Teil der Frauenbewegung: die Anfänge der Gleichberechtigung in der Komik.
Die älteren Männer reagierten wie üblich bei Gleichberechtigung, nämlich skeptisch. Lustige Frauen, das war so ähnlich wie kuschelige Tiger oder höfliche Franzosen. Das war man nicht gewohnt. Aber wir jungen Kerle haben uns reinlegen lassen. Jetzt haben wir den Salat. Jetzt ist nicht mal mehr der Humor vor Frauen sicher.
Ramona hat gegen mich nicht nur das Tipp-Spiel zur EM gewonnen, sondern macht auch noch öffentlich Witze darüber. Jetzt gibt es nur noch eine letzte wirklich männliche Bastion: Serienkiller.
 

Ralf Husmann