Fulda Challenge Tag 4 . Ausdauerlauf am Polarkreis

Fulda Challenge Tag 4 . Ausdauerlauf am Polarkreis

Die Königsdisziplin, der Ausdauerlauf am Polarkreis, kann stattfinden. Lediglich die Streckenlänge wurde von 14 km auf 10 km gekürzt. Für mich trotzdem „Qualen deluxe“ bei minus 21 Grad Celsius. Meine Stärke ist eher die Schnellkraft, mit Ausdauer habe ich nicht so viel am Hut. Jetzt heißt es alles aus dem Körper rausholen, ihn komplett fordern. Grenzen erreichen, Grenzen überwinden. Den inneren Schweinehund auf Eis legen. Zum Ausruhen sind wir ja nicht angereist.

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Fulda Challenge Tag 4

Ausdauerlauf am Polarkreis

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Da fahren wir 410 Kilometer bei schwierigen Winterbedingungen und Straßenverhältnissen von Dawson City nach Eagle Plains und dann ist der Dempster Highway 30 Kilometer vor dem Polarkreis gesperrt. Eine eiserne Schranke blockiert die Straße. Daneben leuchtet ein Warnschild mit der Aufschrift „Road closed“. Orkanartige Blizzards im Norden der Highway-Strecke sorgen für lebensgefährliche Situationen. Der Wind erreicht dort Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h. Schneeverwehungen lassen die Straße in Minuten komplett verschwinden, so wie David Copperfield einst Elefanten von der Bühne zaubert. Auf dem Parkplatz in Eagle Plains, einer Tankstelle mit Hotel und neun Einwohnern mitten im Niemandsland, ärgern sich bereits mehrere Truckfahrer über den unplanmäßigen Zwangsstopp. Sie transportieren Lebensmittel hoch bis an die Beaufortsee für die Arbeiter in den Ölcamps. Jetzt sitzen sie mit uns im warmen Hotel. Wenn man eins im Yukon lernt, dann ist es Geduld. Denn gegen Mutter Natur kommt hier oben keiner an.

Kurz darauf kann Cheforganisator Holger Bergold aber wieder aufatmen. Wir dürfen die Schranke passieren und bis zum Polarkreis fahren. Der Wind hat sich beruhigt. Es schneit auch nicht mehr. Die Königsdisziplin, der Ausdauerlauf am Polarkreis, kann stattfinden. Lediglich die Streckenlänge wurde von 14 km auf 10 km gekürzt. Für mich trotzdem „Qualen deluxe“ bei minus 21 Grad Celsius. Meine Stärke ist eher die Schnellkraft, mit Ausdauer habe ich nicht so viel am Hut. Jetzt heißt es alles aus dem Körper rausholen, ihn komplett fordern. Grenzen erreichen, Grenzen überwinden. Den inneren Schweinehund auf Eis legen. Zum Ausruhen sind wir ja nicht angereist. Mit Vaseline versuche ich mich gegen die Kälte zu schützen. Statt Make-up schmiere ich mir diesmal eine dicke Fettschicht ins Gesicht. Wenigstens riecht die glänzende Creme nach Aprikose. SAT1-Moderator Matthias Killing ist ebenfalls sofort zur Stelle, greift tief mit seinen Fingern in meine Dose. Die Nervosität steigt. Weder ich noch die anderen Teilnehmer haben eine Ahnung, was uns in der nächsten Stunde erwarten wird.

Wie erwartet habe ich nicht viel zu jubeln. Direkt nach dem Start bilde ich mit Matthias Killing das Schlusslicht. Er versucht mich zwar mit Witzen zu motivieren, aber zum Lachen ist mir jetzt im Augenblick nicht mehr. Durch den Atem frieren Mundschutz und Halstuch immer wieder ein. Auf der Strecke wird gestöhnt und gekeucht. Böen fegen ungebremst über die Straße. Alle quälen sich, aber gleichzeitig will jeder seine Grenzen kennenlernen. Zu Hause würden sie mich für eine Verbrecherin halten. Nur schmale Sehschlitze für meine Augen sind noch frei. Das Eis unter meinen Füßen knirscht. Nur mit kleinen Schritten komme ich vorwärts. Es haben sich sogar schon kleine Eiszapfen auf meinen Lidern gebildet. Jetzt bin ich eine echte Eisprinzessin. Es fühlt sich an als hätte ich Betonklötze an den Füßen. In Gedanken stelle ich mir ein heißes Bad vor. Das ist wie Doping für mich. Trotzdem ist an Laufen kaum zu denken. Die Luft beißt in meinen Lungen. Matthias hat mir versprochen mich bis ins Ziel zu begleiten. Ein echter Kavalier. Felix dürfte zu diesem Zeitpunkt schon über alle Berge sein. Nicht schon wieder der letzte Platz. Das Tageslicht ist schon fast wieder verschwunden als Matthias und ich den Polarkreis erreichen. Es gibt zwar einen Sieger, aber gewonnen haben wir alle. Und besonders RTL-Moderator Wolfram Kons durfte sich am Polarkreis freuen. Aus den Händen von Marketingchefin Susanne Knickel erhielt er einen Scheck über 50.000 Euro für seine RTL-Stiftung „Wir helfen Kindern!“ Es war der kälteste Scheck, den er je bekommen hat.

Auch wenn die Blicke der meisten Teilnehmer leer, die Augen müde und glasig sind, im Saloon der von Eagle Plains erwachen alle wieder zu neuem Leben. Nur eine Erinnerung bahnt sich an: Muskelkater! Hoffentlich bekomme ich morgen meine Knochen gut aus dem Schlafsack raus. Oder noch früher. Denn heute Nacht besteht vielleicht die Möglichkeit Nordlichter zu sehen. Ein Kindheitstraum!

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