Herr Kittel testet die Welt: Barcelona

Herr Kittel testet die Welt: Barcelona

Die Katalanen sandten uns Pep Guardiola. Wir schickten zum Ausgleich unseren Weltreporter nach Barcelona. Das nach Paris am dichtesten besiedelte Millionendorf Europas, Party-Mekka und Strandparadies, ist im Sommer ein einziger Vergnügungspark für Einheimische und Touristen. Kurzum: Hier stand er vor echten Herausforderungen. Wie Pep in Bayern

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10.00 Uhr

Die Anreise

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  • Katalaninnen findet man tagsüber, wenn überhaupt, am Strand von Barceloneta ...

    Katalaninnen findet man tagsüber, wenn überhaupt, am Strand von Barceloneta ...

Das Gute an Barcelona: Man rechnet gleich zu Beginn damit, abgekocht zu werden. Vor allem nach der Ankunft vom Flughafen auf dem Weg ins Hotel. Der Taxifahrer ist etwa 107 Jahre alt, hat aber scheinbar ein Ginseng-Wurzel-Abo: Er legt feinsten Clubsound auf und imitiert den Fahrstil von Fernando Alonso. Mit einem Skoda. Neben dem Clubsound hämmert auch der katalanische Sommer durchs Fenster. Da weiß man gleich, wo man ist. Die Sonne sticht hier runter wie ein Schwert. Jeden Tag 30 Grad und mehr. Wer in Barcelona ein Cabrio mietet, ist entweder aus Deutschland oder nicht ganz dicht. Oder beides. Natürlich fahren wir einen kalkulierten Umweg zum Hotel, damit der Fahrpreis über 20 Euro landet, aber, wie gesagt, das ist okay. Wenn der Taxifahrer den schnellsten Weg zum Hotel nehmen soll, sollte man halt in den Schwarzwald fahren.

Es gibt neben Taxis auch zwei Flughafenbusse, die fahren garantiert keine Umwege, brauchen aber sehr lange. Der Aerobus kostet 5,75 Euro und der staatliche TMB-Bus nur zwei Euro in die Innenstadt. Infos unter www.barcelona-tourist-guide.com
 

12.00

Das Hotel

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  • ... bis 18 Uhr kann man aber auch getrost im „Chic&Basic“-Hotel bleiben ...

    ... bis 18 Uhr kann man aber auch getrost im „Chic&Basic“-Hotel bleiben ...

Auch witzig an Barcelona: Jeder kennt es, aber keiner kennt sich wirklich aus. Das fängt schon beim Hotel an. Bekannte geben nur Tipps, die man auch bei Google erfährt. Klar, das „W Hotel“ am Hafen ist groß und spektakulär, aber soll man in dieser unglaublichen Stadt das gesamte Budget für die Unterkunft investieren? Barcelona hat viele kleine schöne Pensionen, die man empfehlen muss: Die erste ist das „Chic&Basic Hotel“ im perfekten Ausgehviertel El Born, das viele Wichtigtuer als das „Soho“ von Barcelona beschreiben. Das „Chic&Basic“ ist eine gute Herberge, weil man nicht nur ein schönes, cooles und vor allem bezahlbares Zimmer bewohnt, sondern von jedem Mitarbeiter noch als persönlicher Gast wahrgenommen wird.

„Chic&Basic Hotel“, www.chicandbasic.com. Auch schön, ein wenig schicker und mit einer unglaublichen Dachterrasse: das „Grand Hotel Central“ www.grandhotelcentral.com.
 

14.00

Die Tipps

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  • ... es sei denn, man möchte die Stadt und den Berg Montjuic (darunter) erkunden ...

    ... es sei denn, man möchte die Stadt und den Berg Montjuic (darunter) erkunden ...

Hotelchef Stephan, ein Österreicher, erzählt beim Kaffee in seiner Bar auch gleich, wen und was es gilt, in dieser Stadt zu besuchen. Auf der Liste steht die wahrscheinlich beste Tapas-Bar der Welt, das „Tickets“ von Albert und Ferran Adrià. Ferran gehört immerhin das „elBulli“, das zweimal zum besten Lokal der Welt gekürt wurde, aber gerade eine Pause macht. Dann das Restaurant „Boca Grande“, die „Bar Boca Chica“ - und Kevin Fortuny soll ich treffen, den Geschäftsführer des derzeit angeblich wichtigsten Nachtclubs, des „Sutton“. Glücklicherweise kennt der Österreicher diesen Kevin und hinterlässt ihm via Handy die immer wieder gut funktionierende Nachricht, der Weltreporter des Playboy wolle am Abend seinen Club mitsamt allen Damen und Drinks testen. Man werde vorbereitet sein, hieß die knappe Antwort. Allerdings weist Stephan, der Österreicher, darauf hin, dass wir uns in Spanien befänden und die Gäste einen Club in der Regel erst gegen drei, manchmal auch erst gegen vier Uhr morgens aufsuchen.

Wer einen Tisch im „Sutton“ mag, Kevin Fortuny erwischt man auch als Nichtweltreporter über Facebook unter „kevin fortuny sutton“.
 

18.00 Uhr

Der Tagesplan

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  • Die Katalanin aus Sicht des Weltreporters: jung, hübsch, mit wenig Stoff und leider ebenso wenigen Fremdsprachenkenntnissen ausgestattet.

    Die Katalanin aus Sicht des Weltreporters: jung, hübsch, mit wenig Stoff und leider ebenso wenigen Fremdsprachenkenntnissen ausgestattet.

Eines muss gleich mal klargestellt werden: Ein Tag in Barcelona beginnt - allein schon wegen der Hitze - gegen sechs Uhr abends. Man frühstückt gegen zwölf, legt sich dann ein paar Stündchen aufs Ohr und spaziert gegen sechs lässig zum Strand von Barceloneta. Die spanischen Hühner grillen hier oben ohne in der Sonne oder tanzen bei den Beachpartys mit am Bund aufgeknöpften Hotpants. Da gab es schon schlechtere Modetrends. Allerdings bleibt es bei flüchtigen Kontakten, die Musik scheint den Damen wichtiger zu sein als ein Weltreporter, der kein lupenreines Catalan spricht. Gegen sieben spaziere ich auf die Dachterrasse des „Grand Hotel Central“, angeblich soll ein DJ zu Besuch sein. Der Ausblick ist grandios, das erste Bier von Barcelona hingegen enttäuschend: Das „Moritz“, das einem viele Barkeeper andrehen, wäre bei uns Körperverletzung. Zwei hübsche Damen in diesmal zugeknöpften Hotpants verraten, der Katalane bestelle als Aperitif ja eher Weißwein, Xarel-lo beispielsweise, der später beim Abendessen auch hervorragend zu gegrilltem Fisch passen soll. Apropos Abendessen: Als es von meiner Seite darum geht, man könne diesen Fisch im Anschluss auch gemeinsam einnehmen, sehen sie mich verwirrt an und sagen, sie hätten doch gerade zu Mittag gegessen.

Xarel-lo stammt aus dem wichtigsten Weinanbaugebiet Kataloniens, Penedès, 40 Autominuten südwestlich von Barcelona. Aus der Weinsorte wird angeblich auch der Cava, der Prosecco Spaniens, gemacht.
 

21.00 Uhr

Die Tapas-Bar

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  • ... oder bleibt bei den Köchen in der Tapas-Bar „Tickets“ hängen ...

    ... oder bleibt bei den Köchen in der Tapas-Bar „Tickets“ hängen ...

Das „Tickets“ ist das „Camp Nou“ der Tapas. Weil man drei Monate im Voraus einen Tisch bestellen muss, bin ich ein paar Minuten vor der Öffnung des Lokals da und bekomme noch mit, wie etwa 25 Jungköche typische Ferran-und-Albert-Adrià-Kreationen basteln. Es sieht aus wie im Gen-Labor. Danach werden die kleinen Tapas-Babys fotografiert und katalogisiert. Im „elBulli“ waren es früher an die 6000 Kreationen pro Jahr, im „Tickets“ dürften es ein paar weniger sein. Ferran Adrià ist in Spanien der Messi unter den Köchen. Gegen ihn ist Horst Lichter ein Imbissbuden-Chef. Adrià ist aber vor allem ein Verkaufsgenie: Der ganze Laden ist ein Erlebnispark, überall hängen Dokumente in verschiedenen Sprachen, jeder Tisch hat ein anderes Motto, und nebenan gibt es für die satten Gäste noch die neue Cocktailbar “41Grad“, die auch nicht ganz verkehrt ist für einen Besuch.

*Albert Adrià, Ferrans Bruder, ist eigentlich Patissier, aber zusammen mit Ferran, der 2014 das „elBulli“ (13/4 Autostunden nördlich von Barcelona) wieder eröffnen will, baut er gerade ein Gastro-Imperium auf, und in diesem Jahr eröffnen noch ein paar weitere Läden. Mehr Infos auf der Web-Seite http://bcn50.org.
 

24.00

Die Cocktail-Bar

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  • ... Da sind die Mädels am Roof Top Pool des „Grand Hotel Central“ eine hübschere Alternative.

    ... Da sind die Mädels am Roof Top Pool des „Grand Hotel Central“ eine hübschere Alternative.

Natürlich kann man nach dem Abendessen im Viertel Born in eine der 1000 guten Bars gehen (zum Beispiel ins „El Born“) und sich von den anderen Menschen in die Touristenmeilen treiben lassen. Aber auf der Suche nach den hübschesten Bienen der Stadt muss man ins „Boca Chica“, das etwas nördlicher im Luxusviertel L’Eixample liegt. Unglaublich, aber wahr: Die Hausfassaden sind hier noch schöner als in Born, die Lokale noch stilvoller. Immerhin kennt der „Boca Chica“-Türsteher den Wimbledon-Sieger von 1972, Stan Smith, und ich darf mit meinen nach Stan benannten Turnschuhen die Kordel passieren. Drinnen: zwei Bars auf zwei Stockwerke verteilt. Man denkt: Hat Ralph Lauren umgesattelt und macht jetzt in Bars? Schon sehr stylish und cool, aber es passt halt so gar nicht in die Stadt. Auch die Gäste eher unspanisch: Die Buben tragen rosafarbene Jacketts zu kurzen hellblauen Baumwollhosen, an den Fingern funkeln Siegelringe. In Ascot würde das gehen, aber in Barcelona? Puh. Leider sind die Damen im obersten Stockwerk wirklich hübsch, eine Eva Longoria würde da nicht auffallen. Da ich später im „Sutton-Club“ bevorzugten Einlass genieße, frage ich zwei dieser umwerfenden Evas, ob sie Lust hätten, mit in den Club zu kommen, aber sie sprechen ein so sagenhaft schlechtes Englisch, dass sie direkt die Fliege machen.

„Boca Grande“ (zum Essen) und „Boca Chica“ (zum Bienensammeln): Passatge de la Concepció 12. www.bocagrande.cat. „Bodega El Born“: Paseo del Born 26. www.elbornbar.neositios.com
 

3.00 Uhr

Der Club

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  • Und nachts? Das „El Born“ im Ausgehviertel Born

    Und nachts? Das „El Born“ im Ausgehviertel Born

Vor dem „Sutton Club“ ist immerhin eine kleine Schlange. Kevin, el Chef, ist noch sehr jung, aber auch sehr nett. Auf dem Weg ins Innere besorgt er einen ganzen Block Getränkebons und geleitet mich in die heilige Halle. Viele Scheinwerfer, zwei, drei VIP-Bereiche, leuchtende „Grey Goose“-Wodka-Schilder, wenig Glamour. Ronaldinho, der ehemalige Barcelona-Star, soll zu seiner aktiven Zeit öfter in diesem Club gesehen worden sein als auf dem Trainingsgelände. Auch Messi und Iniesta sind Stammgäste im „Sutton“. Es ist zwar schon drei Uhr, aber dem Club fehlt gerade eine der wichtigsten Ressourcen: die Gäste. Immerhin feiert eine Gruppe englischer Mädels einen Junggesellinnenabschied, und da ich einer der wenigen Gäste bin, muss ich der Braut einen Schokodildo abkaufen. Ich bezahle mit Getränkebons, das Stück je 15 Euro, und die deutsch-englische Freundschaft bekommt nach den Differenzen in der EU immerhin wieder eine Perspektive. Wie durch ein Wunder strömen tatsächlich kurz nach vier Uhr morgens einheimische Partygäste in den Club und verwandeln diesen Industrieraum in ein nächtliches Mekka. Endlich erwachen auch die professionellen Tänzerinnen in ihren gelben Anzügen und orangenen Badekappen. Und ich freunde mich mit Manuela an, die mir hin und wieder den Po ins Gesicht hält und das angeblich so grandiose Nachtleben von Barcelona mit dieser Geste noch einmal aus dem Schlamm zieht.

Weitere Alternativen zum „Sutton“ (www.thesuttonclub.com): ein Haus weiter und auch sehr chic: „Bling Bling“ (www.blingblingbcn.com) und nicht ganz in der Nähe, aber für Freunde elektronischer Musik absolut empfehlenswert: der Open-Air-Club „La Terrazza“ (www.laterrazza.com). Wer es touristisch mag: Unten am Wasser ist das „Opium“ (www.opiummar.com), ein optimaler Schuppen zum lockeren Abfeiern, natürlich auch mit Animationstänzerinnen. Dort gibt es auch garantiert keinen Stress mit dem Türsteher.
 

Autor und Fotograf Robert Kittel, 39,

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lebt in München und berichtet für Playboy regelmäßig von den aufregendsten Orten der Welt. Seinem Ziel, an jedem Flecken der Welt mindestens eine schöne Frau zu kennen, ist er in Barcelona wieder ein Stück näher gekommen.

Robert Kittel