HON-STATUS

Eine Klasse für sich

Vergessen Sie Senator und Frequent Traveller. Wahres Fliegen gibt’s nur im HON-STATUS. Ein exklusiver Meilensammler-Zirkel. Unser Autor testete die Privilegien: Massagen für Leib und Ego, Chef sein mit Chauffeur und Schampus

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HON-STATUS

Schöner Reisen

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Es ist doch so: Geschäftsmänner, die viel reisen, haben eine Bahncard 50 oder 100. Andere Geschäftsmänner haben eine Frequent-Traveller-Karte oder eine Senator. Ich habe mehr. Eine Hon-Karte. Testweise.

Hon steht für „Honored“, der höchste Miles&More-Status der Lufthansa. Und sagen wir es, wie es ist: Wer ihn hat, hat’s nicht gut. Er hat’s am besten. 2004 rief die Lufthansa diesen Status ins Leben, um sich bei ihren treuesten Kunden mit besonderen Privilegien zu bedanken. In den Genuss kommen nur Menschen, die innerhalb von zwei Jahren mindestens 600.000 Meilen sammeln, also einige Male um die Erde düsen, und zwar Business oder First Class. Das kostet natürlich, doch so viel sei vorab verraten: Es lohnt sich. Ich werde das Auto demnächst öfter stehen lassen und Flugmeilen gutmachen.

Wie viele Mitglieder der honorige Zirkel hat, zu dem ich mich einen Probetag lang zähle, darüber schweigt Lufthansa sich aus wie eine Züricher Bank über die Kontostände ihrer Kunden - nur richtig. Gerüchte gibt es zuhauf. Die häufigste Schätzung liegt bei etwa 4000 Mitgliedern. Es sind namhafte Persönlichkeiten, die aus firmenpolitischen Gründen geheim bleiben wie die Bünde in Dan-Brown-Romanen.

Mein Hon-Testtrip von München nach Frankfurt und zurück beginnt wenig exklusiv. Das ist meine eigene Schuld: Ich fahre mit einem Smart vor den „First Class/Hon Valet“-Parkplatz des Franz-Joseph-Strauß-Flughafens in München und weiß, dass dieser Fahrzeugtyp hier wahrscheinlich ebenso häufig vorfährt wie bei einer Oscarverleihung - nie. Gepäck ist kein Problem, selbst ein Golf- oder Skigepäckstück dürfte ich als Hon bei Lufthansa und deren meisten Kooperationspartnern mitbringen. Mein Auto wird auf einem speziellen Parkplatz mit 24-Stunden-Security-Service geparkt. Ich spaziere kurz durch den First-Class/Hon-Check-in und gelange zur First-Class-Lounge. Die erstreckt sich zwischen Ebene 4, wo die Abflüge in die EU abgehen, und Ebene 5, wo Nicht-EU-Flüge starten. Sie bietet auf 860 Quadratmetern eine Lounge in hellen Braun- und Beigetönen, eher spartanisch eingerichet, aber mit allem, was ein Hon-Mann braucht: mehrere Arbeitszimmer mit eigenen Rechnern, luxuriöse Badezimmer mit Steinböden und Marmorwänden, in der Zigarren-Lounge warten Art-déco-Clubsessel in gediegener Atmosphäre, dazu gibt’s einen Bar- und Restaurantbereich.

Zuerst ruhe ich mich in einem der Schlafzimmer ein wenig aus. Himmlisch! Die letzte Nacht ging doch etwas länger. Dass das auch bei DJ Hell vorkommt, ist genauso klar wie, dass der viel rumkommt, aber gleich als Hon- oder First-Class-Flieger? „Lufthansa rules!“, steht groß im Gästebuch auf der Bartheke und darunter seine Unterschrift. Es sitzen hier also nicht nur Schwerkaliber aus Wirtschaft, Sport und Politik, sondern auch aus der Elektroszene.

Was auffällt: Die Lounge ist fast leer. Bis auf eine arabische Kleinfamilie, also ungefähr acht Leute, und ein paar Vielflieger, die ohne Krawatte und Bügelfalte in der Hose die Zeit mit leiser Unterhaltung rumbringen. Der geringen Zahl der Gäste steht die des Personals indirekt proportional gegenüber. Überall schwirren Mitarbeiter herum, leise, nicht hastig, aber mit dem nötigen Tempo. Während ich drei Minuten auf meinen Kaffee mit Milch warte, fragen mich gefühlte zwölf Service-Leute, ob ich etwas möchte.

Das möchte ich tatsächlich - eine Massage. Mal sehen, wie schnell die das hinkriegen. Nach drei Minuten begleitet mich eine Dame in eines der zahlreichen Badezimmer, wo ein Massagestuhl steht. Nach zehn Minuten geht’s mir und meinem Rücken besser. Noch viel besser geht’s mir aber mit der Zigarre, die ich danach zusammen mit einem 18 Jahre alten Whiskey in der Zigarren-Lounge probiere. Bis auf die Massage ist hier übrigens alles umsonst. Die kostet einen Euro pro Minute. Thermen-Preise, wenn man so will.

Etwas zurückgesetzt dürften sich all die Banker in meiner Umgebung fühlen, als mich die Stewardess im Flieger nach Frankfurt fragt: „Welche Zeitung hätten Sie gern, Herr Pontani?“ Nur ein echter Hon wird vom Personal mit Nachnamen angesprochen. Das wissen auch die anderen Anwesenden. Der Mund des Meilensammlers neben mir steht offen. Mein Ego schießt kurz durch die Kabinendecke. Nie wieder will ich zwischen Hinz und Kunz in der Massenmenschhaltung namens Economy Class sitzen! Dann sehe ich Kurt Beck. Er sitzt nicht zwischen Hinz und Kunz, sondern zwischen Security-Leuten, aber in der First-Class-Lounge hatte ich ihn nicht entdeckt. Ich reise besser als der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz.

Und natürlich besser als 99,9 Prozent der 50 Millionen Menschen, die jedes Jahr am Frankfurter Flughafen starten und landen. Hier gibt es den einzigen First-Class-Terminal der Welt, 1800 Quadratmeter groß. Zwischen Sicherheitskontrolle, Duty Free und Lounge sind es keine 30 Meter. Weitere Annehmlichkeit: Es gibt einen Personal Assistant, der in meinem Fall eine äußerst attraktive Frau ist. Sie nimmt auf Wunsch Sitzplatz- oder spontane On-board-Essenswünsche entgegen. Es gibt in Frankfurt in etwa die gleichen Lounge-Bereiche wie in München, nur ist hier alles etwas größer. Selbst die Zigarren-Lounge hat eine Hausbar, die den Dimensionen einer durchschnittlichen Großstadtkneipe nahekommt.

Würde ich nach einem Meeting in irgendeiner Großstadtkneipe versacken und meinen Rückflug verpassen, genösse ich als Hon Gäs›telistenpriorität. Das heißt, ich stünde ganz oben auf der Liste für den nächsten Flug. Aber so weit würde es mein Personal Assistant gar nicht kommen lassen, sondern mich suchen und an Bord bugsieren. Muss sie aber nicht, ich erwarte sie an der Bar, Champagner schlürfend, klar, gratis, und lasse mich dann von ihr mit dem Fahrstuhl einen Stock tiefer zu meinem Fahrer begleiten, der neben einer Luxuskarosse wartet. Er kutschiert mich die paar hundert Meter vors Flugzeug, vorbei an anderen Maschinen, Gepäck- und Sicherheitspersonal. Mein Handgepäck trägt er bis in den Flieger. Auch mein Koffer genießt Hon-Status. Er landet nicht auf einem Gepäckband mit Hunderten anderen, sondern wird von Mitarbeitern persönlich durch die Kontrolle und zum Priority-Fließband vor dem Flugzeug geleitet.

Zurück in München. Sobald ich den Flughafen verlasse, bin ich wieder der Alte. Ich sitze in meinem Kleinwagen und überlege, was ich noch zum Abendessen besorgen muss. Ganz schön unkomfortabel, so ein Leben ohne Hon-Status. Aber das lässt sich ja zum Glück irgendwann ändern.

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  • Unser Autor bekam von der Lufthansa den Hon-Status verliehen - und flog komfortabler als Kurt Beck

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  • Limousinenservice: In Frankfurt wird ein Hon-Mitglied mit Limousine zum Flugzeug gebracht

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  • Im Parterre des First-Class-Terminals warten Limousine und Chauffeur auf mich

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  • Wer einen steifen Hals hat, wird von einer netten Masseurin durchgeknetet. Kosten: ein Euro pro Minute

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  • In kleinen Erholungsräumen wird man nicht gestört

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  • Im First-Class-Terminal in Frankfurt wartet mein Personal Assistant auf mich

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  • Die Getränkeauswahl in der Zigarren-Lounge ist exquisit

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  • Ein Highlight der Küche in Frankfurt: Tom Ka Gai

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  • Schalter-Empfang auf Ebene 04 im Münchner Flughafen: edel wie im guten Hotel

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Moritz Pontani