Liebeserklärung an: die Griechin

Europa, deine Frauen

Seit 20 Jahren vereint - zum Jubiläum wollen wir von einer Krise der EU nichts wissen. Wir lieben unsere Nachbarn. Vor allem die weiblichen. 2013 ist unser Jahr der Europäerinnen: zwölf Monate, zwölf Liebeserklärungen

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  • Miss Dezember 2009 Chrysa Drakaki: Der Leidenschaft und dem Stolz einer Griechin kann kein Mann widerstehen

    Miss Dezember 2009 Chrysa Drakaki: Der Leidenschaft und dem Stolz einer Griechin kann kein Mann widerstehen

Natürlich ist alles Politik heute, wenn man das Wort Griechenland nur sagt, selbst wenn man nur griechische Frauen meint. Die Krise färbt alles. Und dann auch wieder nicht: Es gab nie eine Zeit, in der nicht alles Politik war. Nicht für griechische Frauen. Nicht für die Frau, die ich meine. Die Frau.

Finde heute mal eine, hier, der nicht irgendwie dann doch wieder alles egal ist. Die dich hassen kann für eine Meinung. Für deine Haltung. Die mit der gleichen Wucht streitet, mit der sie liebt. Die lacht und weint und schreit, alles während einer einzigen Schallplattenseite, weil sie erstens überhaupt noch Schallplatten hört und weil ihr zweitens eben alles nicht egal ist. Weil nichts egal ist.

Du bist die Göttin des Krieges, griechische Frau, und ich kann nicht sagen, dass mir das keine Angst macht. Neben dir zu liegen ist, als würde man sehr nah an der Sonne fliegen. Es geht nicht höher. Aber es ist verdammt heiß.

Griechenland geht nicht ohne Geschichte. Keine Sekunde ist Griechenland ohne die Gegenwart dieser riesigen, wilden Vergangenheit. Geschichte ist spürbar, immer, in all ihrer Wucht. Es gibt nicht dieses Gefühl, dass am Ende doch alles immer noch irgendwie gutgehen wird, dass am Ende doch alles irgendwie dasselbe ist. Hier bezieht man Position. Zu allem. Unironisch. Mit Leidenschaft. Und zwar der Leidenschaft, die noch mit Leiden zu tun hat - nicht jener Wellness-Variante, mit der unsere Lattemacchiato-Wohlfühl-Gesellschaft ihre Hobbys betreibt. Liebe, Schmerz und Tod. Die Säulen der griechischen Tragödie. Alles wird wertvoller, wenn man spürt, dass es schiefgehen kann. Die Gegenwart der Tragödien der Vergangenheit. Morgen könnten wir alle tot sein, die Göttin der Liebe und des Krieges lebt heute. Mit allem, was dazugehört.

Jede Frau wird schön, wenn sie stolz ist, tief stolz, unbeugsam stolz - und niemand bringt einer Griechin noch etwas bei in diesem Fach. Die Mythologie sagt, dass auch Göttinnen schon unterworfen wurden. Zeitweilig. Aber die Geschichten gingen nie gut aus für denjenigen, der es versuchte. Mein Rat ist, gar nicht damit anzufangen. Warum auch: Neben einem ausbrechenden Vulkan genießt du die Aussicht - und versuchst nicht, das Feuer zu löschen. Schöner, stolzer Vulkan. Göttlich.
 

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  • Michalis Pantelouris, 38, ist Journalist und lebt in Hamburg. Der Sohn eines Griechen und einer Deutschen hat sich in seinem Leben nicht nur an griechischen Frauen verbrannt. Aber auch. Er ist der festen Überzeugung, dass sich das Risiko immer lohnt.

    Michalis Pantelouris, 38, ist Journalist und lebt in Hamburg. Der Sohn eines Griechen und einer Deutschen hat sich in seinem Leben nicht nur an griechischen Frauen verbrannt. Aber auch. Er ist der festen Überzeugung, dass sich das Risiko immer lohnt.

Die Griechin ist umso schöner, weil sie draußen lebt, am Strand, am Meer, mit Salz auf der Haut und Freiheit in den Augen. Weil die Sonne ihr den ganzen Tag folgt und die Hitze die ganze Nacht. Weil sie rau ist, die letzte Frau, deren Stimme noch nach Zigaretten klingt und Wodka und schmutziger Fantasie - nach Seele in diesem braun gebrannten Körper. Sinnlich. Und nach Sinn. Eigen, eigenartig. Einzigartig. Und sexy. So verdammt sexy.

Politik ist die Kunst, Mehrheiten zu gewinnen. Insofern gibt es nichts, was unpolitischer ist als das Verhalten einer Griechin. Sie will nicht überzeugen. Sie ist überzeugt.

Du kannst kämpfen und streiten und wüten, aber das wird nichts ändern. Andererseits musst du kämpfen und streiten und wüten, denn was ist ein Leben ohne das? Harmonie? Harmonie ist kein Leben, sondern die Tatsache, dass wir am Ende alle wieder zu Staub werden. Am Ende ist alles Harmonie. Aber wir sind nicht am Ende. Keine Harmonie. Dafür Leben. Und Liebe. Und Schmerz.

Diese wilde, braun gebrannte Frau am Strand mit ihrer Rauchstimme und der Sonne in ihrem Gang. Mit der Lust. Die dich hassen kann für deine Haltung mit der Hitze eines Vulkans, aber die kein Wort mit dir redet, wenn du keine Haltung hast.

Sie, die Sonne.

Versuch zu fliegen. Ganz nah ran.
 

Michalis Pantelouris