Herr Kittel testet die Welt: New York

Herr Kittel testet die Welt: New York

Gut übernachten, überragend essen, spitze shoppen, genial ausgehen: gar nicht so einfach in der Stadt, die angeblich niemals schläft. Unser Weltreporter hat sich auf nach New York gemacht und festgestellt: ist im Grunde recht übersichtlich und gemütlich, der Big Apple

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10.00 Uhr Die Anreise

Ich bin mit Air Berlin eingeschwebt. Die fliegen ab Düsseldorf dienstags, donnerstags, freitags und sonntags und von Berlin aus montags, mittwochs und freitags nonstop nach New York JFK. Infos unter www.airberlin.com; U-Bahn über Airtrain, Jamaica Bay Linie A. www.mta.info

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  • Girls im „Le Bain“

    Girls im „Le Bain“

Immer erstaunlich: Wenn man zu Hause beim Essen mit Bekannten sitzt und nebenbei erzählt, man fliege am nächsten Tag nach New York, blickt man in Gesichter, die weiß werden vor Neid. Jeder möchte sofort mit. Und es stimmt natürlich: New York hat was. Aber was? Am nächsten Morgen bin ich los. Man gewinnt beim Hinüberfliegen sechs Stunden Zeit, landet also am Nachmittag lässig auf Long Island und lässt sich gemütlich für fünf Dollar von einer silbernen U-Bahn in die Stadt chauffieren. Vom Bahnhof Jamaica Bay röchelt die alte Metro in 40 Minuten durch Brooklyn nach Manhattan. Eine Fahrt wie ein Theaterstück am Broadway. Was da für Typen einsteigen! Hammer. In New York kriegt man sie so easy und in Mengen serviert wie unterhaltsames Zeug im App Store (N. Y. heißt ja auch Big Apple, ha!). Und Manhattan ist die simpelste Stadt der Welt. Man findet sein Hotel, ohne zu wissen, wo es liegt. Wenn man in der 42. Straße aussteigt, dann ist man nicht weit vom Hotel in der 41. Straße entfernt. Die Stadt ist eine Schulausflugs-Destination mit indischen Taxifahrern, die hier arbeiten, weil sie dem schwierigen Verkehr in Neu-Delhi nicht gewachsen waren.
 

18.00 Uhr Das Hotel

„Andaz Hotel“, 485 5th Avenue, Ecke 41. Straße. Wer lieber an der Wall Street wohnen möchte, für den gibt es ein zweites Haus im Financial District. Auch sehr schön. www.andaz.com

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  • Spätes Glück: Diese schicke New Yorkerin (sie heißt Elisabeth) traf der Weltreporter leider erst am Ende seiner Reise – auf dem Heimweg vom Ausgehen in Soho

    Spätes Glück: Diese schicke New Yorkerin (sie heißt Elisabeth) traf der Weltreporter leider erst am Ende seiner Reise – auf dem Heimweg vom Ausgehen in Soho

„Andaz“ ist eine neue Designerlinie der großen Hotelmarke Hyatt. Hyatt hat sich in den vergangenen Jahren mächtig ins Zeug gelegt: Es gibt die noblen „Park Hyatts“, die „Grand Hyatts“ und für uns Jüngere nun das „Andaz“. Das schnieke Haus liegt direkt an der 5th Avenue und nur sieben Minuten vom Times Square entfernt. Auch der Service ist perfekt: Wer ein Picknick am schönsten, romantischsten Platz des Cent­ral Parks einnehmen möchte, muss dies nur freundlich dem Concierge mitteilen, dann wird alles organisiert. Inklusive Champagner-Kelche und Transfer. Das gibt’s nur im „Andaz“ – eigentlich keine schlechte Idee für Heiratsanträge und so Zeugs.
 

7.00 Uhr Einkaufen

Rugby by Ralph Lauren, 390 Bleecker Street & 99 University Place. www.rugby.com; Adriano Goldschmied: www.adrianogoldschmied.com; Suit- supply: 453 Broome Street. www.suitsupply.com; John Varvatos: www.johnvarvatos.com; Michael Kors: www.michaelkors.com. Die aktuellsten Sonderangebote gibt’s unter http://nymag.com/shopping/articles/sb/; „Café Gitane“, 242 Mott Street, www.cafegitanenyc.com

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  • Im Suitsupply (l.) kauft man sich den Anzug, um stilecht das „Andaz“-Hotelportal zu passieren

    Im Suitsupply (l.) kauft man sich den Anzug, um stilecht das „Andaz“-Hotelportal zu passieren

Wieder ein Vorteil von New York: Man fühlt sich am nächsten Morgen wie Popeye nach einer Dose Spinat. Um sieben ist man ausgeschlafen und kann durch den Central Park rennen. Ich hatte mir vor der Reise die App „Sportaneous“ heruntergeladen. Dort sieht man, wann sich eine Gruppe zum Jogging verabredet. Als ich um acht zum Treffpunkt erscheine, sind nur komische Jungs am Start, deshalb entscheide ich mich, so zu tun, als sei ich zufällig hier und laufe lieber alleine. Aber die App ist gut, denn man findet auch Tennispartner, Basketball- und Fußballrunden. Das Gerenne führt zu einem noch ausgeschlafeneren Shopping-Wunsch. Von mir aus soll sich Daimler über den Dollar-Kurs beschweren, beim Jeanskauf in N. Y. lohnt er sich. Der „Andaz“-Concierge entpuppt sich als wahrer Shopping-Experte. Großmeister Ralph Lauren zum Beispiel hat ein neues, cooles Label gegründet: Rugby. Zu Polo jetzt also noch Rugby dazu (Polo kann man in Deutschland nicht immer anziehen, zu viele Schnösel tragen das, aber Rugby könnte gehen). Der erste Laden, der diese Sachen verkauft, steht im New Yorker Meatpacking District. Dann: Jeans. Die beste Jeans stammt nicht mehr von Seven for all Mankind, sondern von Adriano Goldschmied, dem einstigen Mitgründer von Diesel. Goldschmied-Jeans kosten in den USA etwa die Hälfte, und es gibt sie zum Beispiel bei Barney’s oder Bloomingdale’s. Die gesamte Soho-Ecke zwischen Broome, Spring und Greene Street ist nach wie vor sehr angesagt. Wer einen amerikanischen Designer kennen lernen will: John Varvatos und Michael Kors haben dort ihre Flagship-Stores, da sieht man ganz vernünftig aus, in deren Klamotten. Am Nachmittag bin ich auch in einen Anzugladen gestolpert: Suitsupply stammt aus Amsterdam. Hier kann man sich schon für 350 Dollar seinen eigenen Anzug nähen lassen. Habe ich mir angesehen, optimal. Da Suitsupply in Soho ist, wieder ein Vorteil: „Café Gitane“, das schönste Kaffeehaus der Stadt, ist um die Ecke. Dort gibt es die hübschesten Mädchen, die besten Sandwiches, kleine französische Nachmittagsweine und freundliche Bedienungen.
 

20.00 Uhr Essen

„Marble Lane Restaurant“ im „Dreamdowntown Hotel“, 355 West 16th Street. www.marblelane.com; „Mâ Pèche“, im „Chambers“, 15 West 56th Street www.momofoku.com; „Breslin“ im „Ace Hotel“, 20 West 29th Street, www.thebreslin.com; „Monkey Bar“, 60 East 54th Street, www. monkeybarnewyork.com; „Degustation“, 293 East 5th Street. www.degustationnyc.com

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  • Im „Degustation“ sieht man den Köchen zu

    Im „Degustation“ sieht man den Köchen zu

Eine wichtige Frage in New York lautet: Wo isst man im Moment? Früher, also vor acht Jahren etwa, spazierte man ins „Elaine’s“ (Wenn man dort die Besitzerin, die alte Mrs Kaufmann, fragte, wo denn die Toi­letten seien, dann sagte sie: „Geradeaus bis zu Michael Caine, dann rechts.“). Ins „Elaine’s“ gingen tatsächlich viele Schauspieler – aber eher die, denen der Glamour von Hollywood schon vor Jahren auf den Keks ging. Ich habe dort einmal Woody Allen gesehen. Den mag ich. Doch das „Elaine’s“ ist jetzt zu, weil die Chefin gestorben ist. Ein befreundeter Journalist erzählt im „Gi­tane“, New York befinde sich essenstechnisch in einem großen Wandel. Es gibt 100.000 neue Szenebars, die so gut wie alle in Hotels liegen. New York ist eine einzige Designerhotelszenebar. Die beiden Restaurants im hippen „Ace Hotel“ zum Beispiel habe ich mir dann angesehen. Nun ja, das eine macht auf französisches Nobelbistro, aber wenn die Platzanweiserin in ihrem Grunge-Outfit dann die Karte vorbeibringt und nach Waschmittel riechendes Leitungswasser auf den Tisch stellt, dann muss man sagen: Das „Breslin“ sieht am besten aus, wenn man es auf der Web-Seite betrachtet. Und die „Oyster Bar“ nebenan ist schön, aber nicht unbedingt ein Laden, in den man gehen muss, wenn man schon 8.000 Kilometer hier rüberjettet. Ähnlich ist es im „Dreamdowntown Hotel“. Das „Marble Lane“ und die „Rooftop Bar“ sind gut gemacht, aber ein Porterhaus-Steak kostet hier 95 Dollar! Das derzeit hippste Lokal ist das „Mâ Pèche“, das natürlich auch in einem Hotel liegt, dem „Chambers“. Da hat es zumindest auch noch sehr hübsche Damen am Nachbartisch. Mit einem Lokal wie dem „Elaine’s“ haben diese neuen Dinger aber nichts gemein. Deshalb mein ganz persönlicher Tipp: die „Monkey Bar“. Der Chefredakteur der „Vanity Fair“, Graydon Carter, hat dieses alte Schmuckstück mächtig aufgehübscht. Es ist eine Mischung aus Berliner „Paris Bar“ und Pariser „Café Flore“. Wer es lieber günstiger und weniger abgehoben mag: Am ersten Abend bin ich zufällig in das „Degustation“ in Soho gestolpert. Das sensationelle Essen wird einem vor der Nase zubereitet, und die asiatischen Bedienungen massieren einem mit ihrem Blick den verspannten Rücken.
 

23.00 Uhr Die Bars

„Rose Bar“, „Gramercy Park Hotel“, 2 Lexington Avenue, www.gramercyparkhotel.com

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  • „Rose Bar“ im „Gramercy Park Hotel“

    „Rose Bar“ im „Gramercy Park Hotel“

Auch die schönste Bar liegt im Moment – man möchte es kaum glauben – in einem Hotel, dem „Gramercy Park Hotel“. Die „Rose Bar“ ist so etwas wie ein Kaminzimmer, nur mit hübschen Damen. Eine Dame am Eingang fällt mir optisch auf, und als ich frage, was sie hier macht, sagt sie, sie sei die Chefin. Lustig. Elisabeth ist sehr liebenswürdig. Sie hat Wurzeln in China, und wir quatschen über meine letzte Destination Shanghai. Gegen elf hat sich vor der „Rose Bar“ eine mächtige Schlange gebildet. Dabei fällt mir immer wieder auf, wie unglaublich schlecht die amerikanischen Mädchen abends gekleidet sind. Sie tragen beinahe alle diese bunten Chiffonkleider, so als wäre Karneval und sie wollten als Bonbon ausgehen.
 

1.00 Uhr Das Nightlife

„Le Bain“ und „Boom Boom Room“, im „The Standard“, 848 Washington Street, www.standardhotels.com

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  • Taxis und Touri-Andenken zählen zu den Klischees der Stadt wie heiße Location-Tipps: etwa das „Café Gitane“

    Taxis und Touri-Andenken zählen zu den Klischees der Stadt wie heiße Location-Tipps: etwa das „Café Gitane“

Danach: Disco-Zeit. Insider sagen, das Nightlife habe sich ebenfalls komplett gewandelt. 2004 gab’s das „Marquee“, gegründet von zwei kreativen Jungs, die als die Erfinder der „Bottle“-Strategie gelten: Im „Marquee“ mussten die Herren bei einer hübschen Mieze Wodka- oder Gin-Flaschen zum Preis eines Mountainbikes erwerben und sich anschließend die Drinks selbst mixen. Der Clou: Man sparte sich den Barmixer, verlangte aber doppelt so viel Geld. Das „Marquee“ zog zehn andere Clubs in dieselbe Gegend, die inzwischen so vor sich hin dümpeln. Jetzt hat Hotelier André Balazs mit dem „The Standard“ das Sagen. Der Herr Balazs war mal mit Uma Thurman zusammen, deshalb kennt ihn hier jeder. Im hauseigenen Beton-Biergarten schenkt ein Mädchen im Dirndl bayerisches Bier aus – der letzte Schrei in New York. Oben, mit Blick auf die Freiheitsstatue, die beiden Clubs mit strenger Tür: das „Le Bain“ und der „Boom Boom Room“. Letzterer ist keine Disco, sondern eine Bar, in der später wild getanzt wird. Eine Mischung aus 70er-Jahre-Chic, ein bisschen Palm Springs und „Raumschiff Enterprise“ – und die Bedienungen sehen aus wie Stewardessen von PanAm, was den ersten Nachteil der Reise mit sich bringt: Wie versaut man sich den Abend? Indem man sich in eine andauernd beschäftigte Barkeeperin verliebt.
 

Autor und Fotograf Robert Kittel, 38, ...

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... lebt in München und berichtet für Playboy regelmäßig von den aufregendsten Orten der Welt. Seinem Ziel, an jedem Flecken der Welt mindestens eine schöne Frau zu kennen, ist er in Paris wieder ein Stück näher gekommen.

Robert Kittel