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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Danke, dass Sie rauchen!

Eine Streitschrift gegen die Diktatur der Nichtraucher

Gegen die Sittendiktatur!

Rauchverbote sind gut. Für Kinder. Nicht für Erwachsene. Erst die Freiheit zur Unvernunft macht Jungs zu Männern. Ein Appell zum Weltnichtrauchertag: Feuert zurück!

Es gibt weiß Gott beunruhigende Entwicklungen in der Welt: Klimawandel, wahnsinnige Diktatoren mit Atombombe, fanatische Islamisten, Finanz- und EU-Krise, Überbevölkerung dort, Vergreisung und Kinderlosigkeit hier, ein steigender Meeresspiegel, der bald ganze Inseln zum Verschwinden bringt, Millionen von Kindern, die nicht wissen, ob es heute Abend etwas zu essen gibt. Aber für viele Leute hierzulande gibt es nur ein einziges Problem, das zählt: Könnte mich der Rauch dieser Person, die im selben Raum wie ich eine Zigarette qualmt, umbringen?

Man kennt solche Ticks von Zwangsneurotikern. Ihr Radius verengt sich auf ein paar wenige rituelle Handlungen, die existenziell wichtig werden. Solche Leute müssen sich zum Beispiel gleich die Hände waschen, wenn sie eine Türklinke berührt haben, die vorher durch die Hand eines anderen kontaminiert wurde. Gerade dieser Spleen erinnert frappant an die momentan letzte Eskalationsstufe der Anti-Tabak-Hysterie, das „Dritthandrauchen“. Die Theorie lautet: Nicht nur Rauchen und Passivrauchen sind gefährlich, sondern sogar der Kontakt mit Kleidern oder Wänden, die Qualm ausgesetzt waren, oder die Berührung mit einem Finger, der eine Zigarette gehalten hat. Es gibt keine Untersuchung, die tatsächlich einen Zusammenhang zwischen solchem „Rückstandsrauchen“ und einer Erkrankung nachweist, aber das Gerücht kommt den Paranoikern natürlich entgegen.

Die Stadt Dortmund hat vorsichtshalber schon mal Tagesmüttern verboten, in der eigenen Wohnung zu rauchen. Wohlgemerkt nicht nur in Gegenwart der betreuten Kinder, sondern grundsätzlich. Begründung? Der „Dritthandrauchen“-Verdacht. Ist das noch neurotisch oder bereits Anzeichen einer Psychose?

Wir leben in furchtbar komplizierten Zeiten

Let’s face it: Wir leben in furchtbar komplizierten Zeiten. Ich habe mich oft gefragt, warum Islamisten gegen vorehelichen Sex, leichte Bekleidung, Freibäder, Popmusik, Discos, Kino und Alkohol auf die Barrikaden gehen. Wie kann man sich so verbissen gegen die eigenen Bedürfnisse engagieren, gegen alles, was Spaß macht? Aber inzwischen ist es im Westen gar nicht viel anders. Bloß dass hier die immer zahlreicheren Puritaner nicht mehr mit Gott argumentieren, sondern mit Gesundheit und dem Schutz der anderen vor Belästigung; und dass immer neue Gefahren und Sünden heraufbeschworen werden: Fett, Zucker, Salz, Fahrrad- und Skifahren ohne Helm, Kinder, die man ohne Sicherungsseil einen Baum hochklettern lässt . . .

Dem Anschein von Hedonismus in Werbung und Massenmedien zum Trotz leben wir in einer immer eingeschränkteren, lustfeindlicheren Welt. Das Schlimmste aber ist, dass wir es nicht bemerken (höchstens, wenn wir uns mal mit früher oder anderen Kulturen beschäftigen), sondern aus freien Stücken, die Repressionsschraube immer noch fester anziehen.

Tabak erscheint fast nur im problematischen Kontext

Tabak, Alkohol und andere Genussmittel erscheinen beinahe ausschließlich in einem problematischen, gesundheitsschädlichen oder psychopathologischen Kontext; Sexualität hat rasch den Ruch von Übergriff, Missbrauch oder Ausbeutung; Fleisch und Fisch zu essen gilt als mörderisch, selbstmörderisch oder beides zugleich; Fliegen und Autofahren sind unökologisch; wer zweimal zu schnell gefahren ist, wird als Raser, ja potenzieller Mörder gebrandmarkt; Tourismus zerstört fremde Kulturen; Partys, laute Musik und Kinder werden vor allem unter der Kategorie Lärmemission, Ruhestörung und Erregung öffentlichen Ärgernisses wahrgenommen; ist ein Kind in der Schule besonders lebhaft, wird es zwar nicht mehr mit der Rute gezüchtigt, aber in die psychologische Abklärung geschickt und mit Ritalin abgefüllt; wer im Garten oder auf dem Balkon grillt, ist eine Zumutung; wer in der Tram telefoniert, ein Egoist.

Diese Mimosenmentalität führt dazu, dass wir, wie der slowenische Philosoph Slavoj Zizek sagt, Rahm heute vorzugsweise ohne Fett, Cola ohne Kalorien, Bier ohne Alkohol, Kaffee ohne Koffein und Sex ohne realen Körper serviert bekommen. Und wenn wir mal zu einer richtigen Zigarette mit Nikotin greifen, kommen wir nicht am Anblick von zerstörten Lungen und toten Föten vorbei.

Der Begriff "öffentlich" wird immer weiter ausgedehnt

Bald ist das Rauchen im öffentlichen Raum vermutlich verboten. Der neueste Trick der frustrierten, neidischen Genussfeinde ist es, den Begriff “öffentlich“ immer weiter auszudehnen. So wird in diversen europäischen Ländern ein Gesetz diskutiert, das selbst das eigene Auto als öffentlichen Ort definiert, in dem man folgerichtig auch nicht mehr qualmen darf. Das passt zur zunehmenden Durchleuchtung und Kontrolle der Bürger: Transparenz - natürlich in unserem eigenen Interesse! Unsere Enkel werden wahrscheinlich nicht mehr verstehen, was das Wort Privatsphäre einmal meinte.

Es geht dabei um eine systematische, kollektive Infantilisierung. Brauchen wir wirklich permanent bevormundende Aufpasser und diese aggressive Fürsorglichkeit all der Politiker, die uns vor uns selber schützen? Nein, denn wir sind keine Kinder. Erwachsen, mündig und verantwortlich zu sein braucht die Freiheit, über die Stränge zu schlagen. Vernunft braucht die Freiheit zur Unvernunft, sonst ist sie totalitär. So will der normative Terror der Lebensverlängerung und der Statistiken uns weismachen, dass die Lebenszeit eine Frage von Bonus- und Maluspunkten wäre.

Vor lauter Ängstlichkeit und Vermeidungsstrategie haben wir vergessen, worauf es im Leben eigentlich ankommt: auf Genuss, Intensität, Abenteuer, Leidenschaft, Feuer, neue Ufer. Leben ist immer lebensgefährlich. Ansonsten könnte es leicht sein, dass man den letzten Atemzug „theoretisch gesund“ und mit einer weißen Lunge tut, aber im Gefühl, sein Leben gar nicht ausgeschöpft zu haben.

Schon lange war es nicht mehr so leicht, als Rebell aufzutrumpfen

Sehen wir heute jemanden rauchen, denken wir nicht mehr wie einst beim Marlboro-Mann „Unabhängigkeit“, sondern „Abhängigkeit“. Der einzige Vorteil: Schon lange war es nicht mehr so leicht, als Rebell aufzutrumpfen und - subversiv gewordene - Männlichkeit zu signalisieren: mutig, draufgängerisch, gleichgültig gegenüber den Konventionen und Moralvorstellungen einer spießigen Mehrheit. Eine Zigarette im Mundwinkel genügt. Rauchen ist plötzlich wieder zu einem wilden Widerstandsstatement geworden.

Unser Autor David Signer, 49, promovierter Ethnologe, NZZ-Redakteur und Genussraucher, attackiert im Buch „Weniger Verbote! Mehr Genuss! Ein Aufruf gegen die Entmündigung“ (Haffmans & Tolkemitt, 4,95 Euro) die totalitäre Sittenwacht der Meinungsmacher.

Video – Sex mit einer älteren Frau
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