Koenigsegg Agera R

Gewaltiges Herzrasen!

Wer ihn fahren will, braucht Mut - und eine starke Hand: Der Koenigsegg Agera R ist eines der schnellsten Autos der Welt. 1115 PS bringt der schwedische Super-Bolide auf den Asphalt. Wir haben ihn bezwungen. Eine Testfahrt der anderen Art ...

I read the articles
Daten
  • Gewicht:

    1330 kg
  • Sprint 0-100 km/h:

    2,9 s
  • V-Max:

    420 km/h
  • Zylinder:

    V8
  • Hubraum:

    5000 ccm
  • Leistung:

    1115 PS
  • Drehmoment:

    1200 Nm
  • Leistungs-gewicht:

    1,19 kg/PS
  • Preis:

    ab 1.200.000 Euro

Testfahrt mit 1115 PS

In einem der schnellsten Autos der Welt

Schon wieder einer. Hinter Büschen, halbherzig versteckt, lauert erneut das Auge des Gesetzes. Mein Taxifahrer sagt: „Schmale zehn km/h über dem Tempolimit, und schon bist du hier mit einem 500-Euro-Knöllchen dabei. Mindestens.“ Ich komme ins Grübeln: Dieses Land ist eine einzige vernünftige Straße, alle paar Minuten eine Radarfalle - und dazu noch, dank Regen, diese seifige Bodenhaftung! Vielleicht ist Norwegen nicht das ideale Terrain, um ein Auto zu testen. Jedenfalls nicht den Koenigsegg Agera R - eines der schnellsten der Welt.

alles anzeigen

Genug gegrübelt. Minuten später düse ich in einem 1115 PS starken Monster die gleiche Strecke zurück. Geschwindigkeit? Jenseits von 300 Sachen. Eichhörnchen fallen vor Schreck tot von den Bäumen. Die Reifen kämpfen aufopferungsvoll, damit der 1,2 Millionen Euro teuren Allianz aus Carbonfaser und Metall nicht die Straße ausgeht. Der Logik einen Vogel zeigen, jenseits der Vernunft fahren: Das können nur ganz wenige dieser Hypercars. Der Koenigsegg Agera R ist eines davon, vielleicht das derzeit beste. Im Konzert der Supersportwagen zusammen mit dem Bugatti Veyron oder dem Pagani Zonda - der Huayra ist ja noch nicht unterwegs - gibt er den Ton an.
Optisch kommt der Koenigsegg daher wie ein großer, durchtrainierter Boxer. Und passt damit perfekt zwischen den leicht tuntigen Zonda und den alles vernichtenden Veyron. Die glatte, kurvenreiche Schnauze, die kraftvollen Kotflügel und - sofern nicht abgeschnallt - das extrem niedrige, teilverglaste Dach verleihen dem Boliden einen markanten Stealth-Bomber-Look. Völlig absurd hingegen ist die arretierte Skibox. Was will uns der Hersteller damit sagen? Koenigsegg fabuliert über einen Schulterschluss zwischen dem visuellen Ski-Element und dem Umstand, dass man dieses Auto auf speziell entwickelten Michelin Pilot Super Sport Pneus hervorragend durch den Schnee treten kann. Der Schwedenbomber als Snowmobil? Ich bin nicht sicher, ob die über 1000 PS da am besten aufgehoben sind ... Das normale Dach ist nicht nur cooler, zwei Minuten und ein paar Spezialschlüssel-Handgriffe später ist es bereits im vorderen Kofferraum deponiert. Bei den Schweden wird Zweckmäßigkeit großgeschrieben.
Trotzdem lauern überall Design-Finessen. Angefangen bei den LED-Bremslichtern, über den komplexen Diffuser bis hin zum unlackierten Karosserie-Kleid aus Kohlefaser. Absolutes Highlight: die Scherentüren, die sich in einer fließenden Bewegung nach außen und oben öffnen, ein Plus in engen Parklücken. Wer erst einmal eingestiegen ist, sitzt in einer anderen Welt. Die Instrumente sind futuristisch und schimmern digital vor sich hin. Der reine Luxus, wohin man schaut. Fehlte nur noch, dass man die Sitze mit dem Leder handmassierter Kobe-Kälber bezogen hätte ...
Auf den ersten Kilometern durch den Stadtverkehr gibt sich das Auto als ziemlich friedliche Kreatur. Solange man die Drehzahl unter 3500 U/Min. hält, schluckt das Gefährt klaglos jede Bodenwelle. Ideal eigentlich für das tägliche Pendeln ins Büro. Doch jetzt gilt es, den Adrenalinpegel hochzufahren. Einfach mal beschleunigen. Da braucht es vor allen Dingen: dicke Eier. Genug Mut gehört dazu, einem 1115 PS und 1200 Nm starken Muskelpaket freien Lauf zu lassen. Der Agera tut, was er tun muss - er schreitet zur Tat (schließlich heißt „Agera“ im Schwedischen „zur Tat schreiten“). Beziehungsweise: Er dreht durch. Allerdings nicht buchstäblich. Die geballte Kraft wird direkt an die Hinterräder durchgereicht. 2,9 Sekunden später sind wir auf 100 km/h - viel eher als der Zonda. Nach 7,5 Sekunden ist die 200-km/h-Barriere geknackt. Kurz darauf - völliger Stillstand. Von 0 auf 200 und zurück auf 0 in 12,7 Sekunden! Normalsterblichen zerreißt es da schon mal die Eingeweide. Wer nicht bremst: Erst bei gut 420 km/h geht dem Rennwagen die Puste aus. Das Ganze natürlich auf trockener Piste, bei nassem Terrain kommt es einem ungleich schneller vor. Und viel Angst einflößender.
Fazit angesichts der rohen Gewalt, die da aus beiden Turboladern strömt: Das Auto ist eine Klasse für sich. Auf offener Straße, oberhalb von 3500 Umdrehungen, verabschiedet sich das Kraftpaket aus dem normalen Leben. Ein kräftiger Ruck später, und das Raum-Zeit-Kontinuum darf als aufgehoben gelten.
Wer den Agera R steuern will, kalibriert am besten alle Sinne neu. Ähnliches widerfährt einem vielleicht mit dem Veyron. Dennoch: Beim Agera fühlt es sich lebendiger an, man verschmilzt mit dem Auto. Selbst wenn das Heck mal ausbricht - er fängt sich immer wieder selbst ein und rast wie auf Schienen in die nächste Kurve. Höchste Zeit, den Fuß vom Gas zu nehmen und die Keramikbremsen zu aktivieren. Kaum dass ich die siebengängige Wippenschaltung mit Doppelkupplung zwei Stufen nach unten schalte, öffnen sich die Turbolader, und es verbiegt fast den Antriebsstrang. Der Unfall scheint unvermeidbar - Endstation Fjord? Nein, das gehört zum Agera-Paket dazu. Man behält besser die Hände am Lenkrad. Während Veyron und Zonda sich mit den Fingerspitzen dirigieren lassen, erfordert der Schwede ordentliches Zupacken.
In den Sitzen dieses Virtuosen erlebt man mehr Fliehkraft als beim Allround-Star Bugatti. Unter den richtigen Bedingungen würde der übrigens komplett im Rückspiegel des um 25 Prozent leichteren Koenigseggs verschwinden. Die filigrane Karosserie und der flache Unterboden mit Diffusor sorgen für einzigartigen Anpressdruck. Der zusätzliche dritte Stoßdämpfer bringt alle Kraft auf die Straße und verhindert jedes Aufschaukeln. Clever gemacht, aber eigentlich nur etwas für Profis. Ohne die Sicherheit des Allradantriebs landen Amateure zielsicher im Graben. Genau das aber macht den Reiz des Agera aus.
Lust auf den Extremsportler bekommen? Freuen dürfen sich gerade mal 17 potenzielle „Ageraten“ pro Jahr - mehr Exemplare spuckt die Edelschmiede nicht aus. Adrenalinsüchtige Promis, Politiker und Potentaten stehen Schlange. Ich kann sie gut verstehen. Zwar ging mir der Arsch auf Grundeis, und ich saß schon mit einem Bein hinter norwegischen Gardinen, aber manchmal muss man das Schicksal eben herausfordern. Denn: Dieser Bolide ist der derzeit extremste Übersportwagen. Ist er der Beste? Das hängt vom Fahrer ab.

Bild 1 von 4

  • Zeitmaschine: Der Koenigsegg Agera R ist eine einzige Grenzüberschreitung. So schnell und digital schimmernd im Design rauscht kein Zweiter in Richtung Zukunft

    Zeitmaschine: Der Koenigsegg Agera R ist eine einzige Grenzüberschreitung. So schnell und digital schimmernd im Design rauscht kein Zweiter in Richtung Zukunft

  • Er gibt sich elegant. Doch wer ihn herausfordert, behält besser die Hände am Lenker

    Er gibt sich elegant. Doch wer ihn herausfordert, behält besser die Hände am Lenker

  • Nicht lieb, aber teuer: Die teuflische Allianz aus Kohlefaser und Metall - aus reiner Kraft und feiner Form (plus Skibox auf dem Dach) - kostet nicht die Seele. Aber 1,2 Millionen Euro

    Nicht lieb, aber teuer: Die teuflische Allianz aus Kohlefaser und Metall - aus reiner Kraft und feiner Form (plus Skibox auf dem Dach) - kostet nicht die Seele. Aber 1,2 Millionen Euro

  • Gewicht: 1330 kg Sprint 0-100 km/h: 2,9 s V-Max: 420 km/h Zylinder: V8 Hubraum: 5000 ccm Leistung: 1115 PS Drehmoment: 1200 Nm Leistungsgewicht: 1,19 kg/PS Preis: ab 1.200.000 Euro

    Gewicht: 1330 kg Sprint 0-100 km/h: 2,9 s V-Max: 420 km/h Zylinder: V8 Hubraum: 5000 ccm Leistung: 1115 PS Drehmoment: 1200 Nm Leistungsgewicht: 1,19 kg/PS Preis: ab 1.200.000 Euro

 

Nick Hall