Lexus-Studie LF-LC

Japanischer Feuervogel

Dieses Ding haut dich um. LF-LC, Vorname: Lexus. So cool, so hot, so diabolisch gut! Aber leider nur eine Studie. Noch - schließlich sind die Reaktionen in aller Welt überwältigend, und die Chancen für eine Serienproduktion stehen bestens. Wir müssen nur alle bei Lexus anrufen: 02234/1020 …

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Lexus-Studie LF-LC

Japanischer Feuervogel

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Früher hatten die Autos noch Charakter? Heute sehen alle gleich aus? Mal ehrlich, solche Sprüche gelten nicht mehr. Autodesigner geben sich wieder Mühe. Und Autobosse beweisen wieder Mut, um auch die ausgefallenen Ideen ihrer Kreativen auf die Straßen zu bringen. Nissan Juke, Lamborghini Gallardo, Range Rover Evoque - in jeder Fahrzeug-Klasse gibt es mittlerweile Autos mit Charakter. Sicher, ein paar Marken hinken noch hinterher. Bei Audi etwa haben alle Autos dieselbe Visage. Peugeot, VW, Mitsubishi - na ja. Und auch Lexus ist eher für rollende Schlaftabletten bekannt, toll gebaut, aber sterbensöde geformt. Die Autos könnten Namen wie Valium RX, LS Sleepdeep und Insomnia IS tragen (natürlich nicht offiziell). Das soll sich nun ändern. Lexus will chic werden. Auffällig. Lexus will faszinieren.

Das ist ihnen mit dem LF-LC aber mal gründlich gelungen. Dabei sollte es nur eine Fingerübung sein, eine Spielerei, ein Auto ohne Aussicht auf eine Serienproduktion. Sagte Lexus bisher. Die Reaktionen aber überraschten alle. Sicher, die Japaner hatten damit gerechnet, dass ihre Sportwagenstudie für einiges Aufsehen sorgen würde. Aber was dann tatsächlich auf der Auto-Show in Detroit passierte, übertraf alle Erwartungen: uneingeschränkte Begeisterung von Fachjournalisten aus aller Welt. Und noch dazu ehrliches Kaufinteresse unzähliger Messebesucher. „Die Leute lieben die Studie“, sagt Projektchef Karl Schlicht verblüfft. Lexus wird umdenken und den Wagen bauen müssen.

Der LF-LC ist aber auch kaum zu beschreiben, außer mit Kraftausdrücken: ein Hammer, eine Granate, ein Feuervogel, getaucht in tiefes Rot. So sieht Herzblut aus.

Wir haben den Wagen exklusiv in Brüssel unter die Lupe genommen, wo Toyota und die Konzerntochter Lexus ihre Konzeptfahrzeuge in einem unscheinbaren Industriekomplex verbergen. Hier werden die Showcars aufbereitet, hier wartet der LF-LC auf uns.

Es ist wie ein Date mit einer Traumfrau. Du stehst da wie ein Depp. Offener Mund, plötzliche Blutleere im Kopf. Du kannst nichts sagen außer: Wow! Diese Überdosis Testosteron packt dich aus jeder Perspektive. Pfeilförmige Lampen, ein mächtiges Maul - sie nennen den Grill treffend „Diabolo“ - und ein gekonnter Mix aus fließenden Linien und scharfen Kanten. Fantastisches Automobildesign, lernen wir, kommt nicht nur aus Italien.

Aber auch nicht unbedingt aus Japan. Denn der LF-LC ist ein rein amerikanisches Produkt. Im kalifornischen Newport Beach entstand er in den Studios von Calty Design Research. Die Toyota-Tochterfirma beschäftigt 91 Mitarbeiter, vorwiegend Designer, und hat schon einige Aufsehen erregende Fahrzeuge auf dem Konto, darunter den Toyota FJ Cruiser und den Scion xB. Für das Lexus-Projekt gaben sie ein paar Nachwuchstalenten ein weißes Blatt Papier und den Auftrag, darauf ein Sportcoupé zu zeichnen.

Edward Lee, gerade einmal 28 Jahre alt, hatte ganz offensichtlich das richtige Gespür für Formen. Sein Entwurf eines „Lexus Future Luxury Coupé“, dafür steht LF-LC, nimmt nicht nur optische Anleihen im Flugzeugdesign, er könnte auch zum Nachbrenner für die Karriere des jungen Amerikaners werden.

Der LF-LC hat wie alle künftigen Lexus-Modelle einen starken Hybridantrieb, aber das ist fast nebensächlich. Er gibt einen Ausblick auf das kommende Lexus-Design. Schon der Supersportler LFA, der 2010 als veritabler Ferrari-Angreifer zum Überpreis von 375.000 Euro (mit Nürburgring-Package sogar 445.000 Euro) auf den Markt kam, machte klar: Lexus will sportlich, extravagant und trendsetzend sein.

Der LF-LC ist noch größer und furchteinflößender, dürfte jedoch nicht so teuer werden wie der LFA. Ein japanischer Gran Turismo in der Aston-Martin-Liga. 2015 könnte er Realität werden.

Lexus LF-LC
Typ: 2+2-sitziges Sportcoupé
Länge: 4630 mm
Breite: 1960 mm
Höhe: 1270 mm
Antrieb: Ottomotor sowie Elektromotor, beide vorn eingebaut. Heckantrieb
Hubraum (Ottomotor): mind. 3500 ccm
Systemleistung beider Motoren: mind. 500 PS
Preis: schätzungsweise mind. 150.000 Euro

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  • Grimmig, stimmig: „Diabolo“ nennt Lexus das Frontdesign, dessen Formensprache sich durch den ganzen Wagen zieht. Der LF-LC ist ein Feuerkeil auf Rädern. Einfach teuflisch gut

    Grimmig, stimmig: „Diabolo“ nennt Lexus das Frontdesign, dessen Formensprache sich durch den ganzen Wagen zieht. Der LF-LC ist ein Feuerkeil auf Rädern. Einfach teuflisch gut

  • Spaziergang für die Augen: Man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll beim LF-LC

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  • Fließende Formen wechseln sich mit scharf gezeichneten Kanten ab

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  • LED-Pfeile als Scheinwerfer

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  • Minikameras im Rückspiegel sind zeitgemäße Details

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  • „Bold and fluid“ (etwa: kraftvoll und fließend) soll sein Auto wirken, sagt Designer Edward Lee

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Michael Görmann