Mini Coupe John Cooper Works

Kampfzwerg

Ein Gokart mit Baseball-Kappe - der neue Mini Cpoupé ist ein kurioser Knirps. Und ein ernst zu nehmender Sportwagen. Wir sind ihn schon mal Probe gefahren. Auf der Straße und auf der Nordschleife des Nürburgrings

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Mini Coupé John Cooper Works
  • Länge:

    3734 mm
  • Breite:

    1683 mm
  • Gewicht:

    1384 mm
  • Sprint 0-100 km/h:

    1165 kg
  • V-Max:

    6,4 s
  • Zylinder:

    240 km/h
  • Hubraum:

    4
  • Leistung:

    1598 ccm
  • Drehmoment:

    211 PS
  • Leistungs-gewicht:

    260 Nm
  • Preis:

    5,5 kg/PS
  • 31.150 Euro

Nummer Fünf

Ein kurioser Knirps – und doch ein ernst zu nehmender Sportwagen

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Die 24 Stunden am Nürburgring, das größte Langstreckenrennen der Welt, 60.000 PS, 250.000 Fans, Millionen am Fernseher. Ganz vorn im Starterfeld eine Horde BMWs, Ferraris, Audis und Porsches, alle zwischen 500 und 600 PS stark. Und mittendrin: zwei silber-rote Mini Cpoupés, 250 PS im Renndress. Die Startnummern 146 und 147 stehen da wie geklonte Zwillinge mit Baseball-Kappen. Die Startgerade wird zum Laufsteg für die jüngste Baureihe der Münchner Mini-Macher.
Wir haben die Chance genutzt und das neue Cpoupé im freien Training über die Nordschleife gehetzt. Erkenntnis: Silber-Rot ist unsere neue Lieblingsfarbkombination. Brutal und direkt der Biss des Rennmotors, knallhart das Fahrwerk. Mit der sequenziellen Schaltung fühlt sich der Power-Mini an wie ein DTM-Auto. In winkeligen Passagen bleibt er an viel stärkeren Autos dran. Erst auf langen Geraden, etwa der Döttinger Höhe, zeigen ihm die PS-Monster das Heck. Gleich starke Autos hingegen sehen unseren Silberstreif am Horizont verschwinden.
Jedes Jahr ein neues Modell: John Cooper Works, Cabrio, Clubman, der klobige Countryman und jetzt das Cpoupé - wenn Mini so weiterwächst, ist die Family bald größer als die Kellys. Hübschere Kleider haben sie allemal. Pünktlich zur IAA kommt also Nummer fünf. Es muss jemanden in der Designabteilung geben, der den ganzen Tag nur in alten Fotokisten kramt. Denn für jede noch so abstruse Modellvariante holen sie ein historisches Vorbild hervor. Auch für den kuriosen Kappenknirps haben die Forensiker etwas gefunden: britische BastelCpoupés aus den Sechzigern, die Broadspeed heißen, Unipower, Midas oder Marcos.
Das auffällige Cpoupé ist zunächst gewöhnungsbedürftig. Obendrauf schwebt das kurze Käppi wie ein Sonnensegel über dem StrandcafØ. Dicke Knochen in Form von Verstrebungen und Versteifungen geben ihm die nötige Härte, bringen aber leider 25 Kilo Mehrgewicht. Immerhin liegt das Cpoupé drei Zentimeter tiefer als der normale Mini. Dadurch rückt der Schwerpunkt näher an die Straße heran. Und: Mit weniger als 120 PS wird der Wagen gar nicht erst angeboten. Das verstehen wir gut. Wer Spaß haben will, fährt ja auch nicht mit seiner Buchhalterin nach Ibiza.
Zur Grundausstattung eines echten Sportwagens gehört ordentlich Abtrieb. Beim Cpoupé fährt deshalb ab Tempo 80 ein Heckspoiler aus und bringt bei Top-Speed 40 Kilo Anpressdruck auf die Hinterachse. Keine Zweifel, der Kleine hier will im Konzert der Großen mitröhren.
Die Nordschleife aber wird für die Startnummer 147 schon nach drei Runden zur grünen Hölle. Abflug auf einer Ölspur, Kaltverformung an der Leitplanke als letzte Bremse. Die Mechaniker müssen an ihren Grenzbereich gehen, um das Auto wieder flottzuschrauben. Nummer 146 lässt die Mannschaft derweil jubeln - der Rennfloh fährt Pirouetten um seine stärkeren Konkurrenten und schiebt sich zwischenzeitlich sogar unter die Top 50.
Wir steigen um in die Straßenversion. Und fühlen uns unter dem Flachdach, als bekämen wir einen 2-Raum-Helm übergestülpt. Dieses Kapsel-Feeling kennt man sonst nur von teuren Sportwagen. Zudem kann man endlich mal guten Gewissens in einem Mini die Sitze ganz nach hinten schieben. Im Fond sitzt niemand, denn es gibt gar keine Rückbank. Eben wie ein echter Sportwagen.
Die Straßenversion hat annähernd das Kurventalent des Renn-Cpoupés, harte Dämpfer und Stabis. Drückt man den Sportknopf, mutiert John Cooper zu Jenson Button. Alle Glaubenssätze zum Grenzbereich müssen wir in Frage stellen. Der Kerl hat Klebstoff an den Schuhen!
Ab Oktober soll der Mini Cpoupé die VW Sciroccos, Audis TTs und Peugeot RCZs das Fürchten lehren. Wir haben unsere innere Agilitäts-Rating-Agentur gefragt. Sie vergibt ein AAA.
  • Die Straßenversion hat annähernd das Kurventalent des Renn-Coupés

    Die Straßenversion hat annähernd das Kurventalent des Renn-Coupés

 

Michael Görmann