Porsche 911 mit Allradantrieb

Porsche 911 Carrera 4S: volle Bodenkontrolle

911 - bei dieser Zahl läuft jedem Sportwagenfan das Öl im Kühler zusammen. Jetzt legt Porsche noch einen drauf. 911 plus 4, was macht das zusammen? Perfekten Grip und ultimativen Fahrspaß. Wir sind den neuen Allrad-Elfer gefahren

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Volle Bodenkontrolle

Porsche 911 mit Allradantrieb

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Es ist Zeit für eine Ode. Eine Liebeserklärung an das vielleicht beste Sportauto der Welt, den Porsche 911 Carrera 4S. Ein Automobil von perfekter Statur und vollendeter Technik. Seit Anfang Januar ist die Allrad-Version zu haben, zu erkennen an der Ziffer 4 am Ende. Wie beim Hecktriebler gibt es zwei Leistungsstufen: Der Carrera 4 hat 350 PS und der 4S 400 PS. Beides ist, sagen wir mal, ausreichend.
Der Allrad-Elfer macht Schluss mit dem alten Vorurteil, dass Sportwagen nichts für den Winter seien. Ihn sollte man genau dann aus der Garage holen, wenn die Schneedecke am dicksten ist. Denn die 4 steht für vier Jahreszeiten.
Eines hingegen haben alle Neunelfer gemeinsam: Mit keinem Auto kannst du so leicht so schnell fahren. Dieses entspannte Gefühl, diese Unaufgeregtheit selbst bei hohen Geschwindigkeiten gibt dir nur ein Porsche. Wie oft man auf die Tachonadel schaut und merkt: ups, schon wieder 200 Sachen drauf. In einem Lotus klappern dir bereits ab 140 die Hörknochen durch die Muschel. Und in einem Bentley merkst du ziemlich genau ab Schrittgeschwindigkeit, dass du hier etwas durch den Wind schiebst, das in einer Gewichtsklasse mit kleinen Umzugslastern spielt. Was gibt es sonst noch an möglichen 911-Kombattanten? Lamborghini? Ferrari? Audi R8? Zu wenig alltagsgefällig. BMW Sechser, Mercedes SL? Prima Cruiser. Nissan GTR? Okay, okay, wir wollen unsere kleine Argumentationskette ja nicht gleich kaputt machen ...
Sagen wir es mal so: Der Neunelfer ist die perfekte Mitte, das All-inclusive-Paket deutscher Ingenieurskunst. Ein schnörkelloses Auto, bei dem das Lenkrad keine knöpfchenüberfrachtete Multifunktionszentrale ist. Es ist einfach nur in der Mitte am Auto befestigt und außen rund, damit man es gut drehen kann. Der Neunelfer ist leicht und agil und direkt und sauschnell. Er macht dich zum tiefenentspannten Raser. Der Führerschein ist permanent in Gefahr.
Und das jetzt auch im Winter. Man sollte dies beherzigen, bevor man einsteigt.
Nun hat der Elfer mit dem Motor hinter der Hinterachse konstruktionsbedingt ein paar Nachteile gegenüber einem Mittelmotorauto. Sein Arsch ist im Verhältnis zum Rest zu schwer, in Kurven wird das Auto daher zwangsläufig zur Heckschleuder, und bei hohen Geschwindigkeiten wird er leicht „hochnäsig“. Doch man muss es den Porsche-Ingenieuren zugestehen: Sie haben all die Nachteile weitestgehend in den Griff bekommen, ohne die sympathischen VW-Käfer-Gene des Wagens wegzumendeln.
Der Allradantrieb trägt entscheidend dazu bei. 1988 erschien mit der Baureihe 964 der erste Serien-Elfer mit vier angetriebenen Rädern. Die 4x4-Historie der Marke ist gleichwohl um einige Perlen reicher, wie unsere Zeitleiste zeigt.
Beim Neunelfer der Baureihe 991 nun haben die Programmierer das System noch feiner abgestimmt als beim Vorgänger. Es regelt innerhalb von Millisekunden, wie viel Kraft auf die Vorderräder geleitet wird. Im Normalbetrieb, etwa beim gemütlichen Cruisen, ist der Wagen ein Hecktriebler. Der Computer erkennt selbsttätig, ob der Fahrer gerade gemütlich trödelt oder Vollgas aus einer rutschigen Kurve heraus beschleunigen will. Wer mag, kann sich die Kraftverteilung auf dem rechten Bildschirm des Kombi-Instruments anschauen. Noch eindrucksvoller lässt man es sich vom eigenen Hintern anzeigen. Du spürst, wie der Wagen sich seine Spur sucht. Und sie auch dort findet, wo ein normaler Elfer längst an seine Grenzen gekommen ist.
Der Allradantrieb funktioniert mittels einer Welle, die vom Getriebe im Heck an die Vorderachse führt, und einer Lamellenkupplung. Dass das ganze System den Wagen nur 50 Kilo schwerer macht als den Hecktriebler, ist das vielleicht schönste Geschenk an die Fahrfreude.
So wird der Vierer zum ultimativen 911. Jeder Depp fühlt sich wie ein Teil dieser Fahrmaschine, und wenn es auch nur für eine hohle Gummimuffe reicht.
Also ist es tatsächlich das beste Sportauto der Welt? Natürlich nicht. Denn da wäre ja noch der Cayman. Kleiner zwar, aber mit Mittelmotor. Wann bekommt der eigentlich mal die magische 4?

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  • Überflieger unter sich: Der Porsche 911 Carrera 4S ist aerodynamisch mindestens so ausgefeilt wie ein Flugzeug

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  • Doch im Gegensatz zum Airbus ist hier alles darauf ausgelegt, dass er am Boden bleibt

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  • Breit und stark: Der Allrad-Neunelfer ist 44 mm breiter als der Hecktriebler und hat hinten 305er-Schlappen (statt 295er)

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  • Dass der 3,8-Liter-Motor alle vier Räder antreibt, erkennt man ...

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  • ... auch von außen: am durchgehenden Leuchtenband zwischen den Hecklichtern

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Michael Görmann