VW Beetle

Was für´n Kerl!

VW hat die Kurve gekriegt. Sie haben dem Beetle das Mädchenhafte genommen. Ihm Kanten ins Blech geschlagen, Größe und Klarheit gegeben. Kurz: einen kernigen Typen aus ihm gemacht. Wir haben uns den „Kugel-Porsche“ mal vorgeknöpft

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Daten
VW Beetle
Black Turbo
  • Länge

    4278 mm
  • Breite

    1808 mm
  • Höhe

    1486 mm
  • Gewicht

    1439 kg
  • Sprint 0-100 km/h

    7,5 s
  • V-Max

    223 km/h
  • Zylinder

    4
  • Leistung

    1984 ccm
  • Drehmoment

    200 PS
  • Leistungs-gewicht

    280 Nm
  • Preis

    7,2 kg/PS
  • 34.111 Euro

Schluss mit niedlich

VW hat den Beetle endlich zu einem ganzen Kerl gemacht

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Dürfen wir kurz vorstellen: der Beetle, Nachfolger des New Beetle. Wie bitte? Klären wir wohl besser zunächst mal die Terminologie. Erst gab es ein Volksauto, ursprünglich 1925 von BØla BarØnyi entworfen, später von Ferdinand Porsche zum „Volkswagen“ weiterentwickelt und bald millionenfach gebaut. Wegen seiner Form bekam er überall Spitznamen. In Deutschland hieß er „Käfer“, in englischen Ländern „Beetle“ oder „Bug“, in Frankreich „Coccinelle“ (das heißt auch alles Käfer) und in Mexiko „Vocho“, kurz für Volkswagen.
Dann kam der Golf, und der Käfer musste gehen. Doch die Menschen vermissten ihn. Also kam er wieder, ganz anglizistisch, wie man es heute so macht, als „New Beetle“. Jetzt, bei der dritten Generation, ist Volkswagen in der Zwickmühle. Wie soll man den Nachfolger von etwas nennen, das schon „New“ ist? Sie machen es sich leicht: „Beetle“. Fertig.
Auch „Kugel-Porsche“ hat man den Käfer einst genannt. Und das genau ist die Richtung, in die der Neue stößt. Er ist 8,4 cm breiter und 15,2 cm länger als sein Vorgänger, dadurch steht er recht stämmig auf der Straße und wirkt viel kräftiger als der brave New-Housewife-Beetle. Vor allem aber: Die Designer haben sich das Heck vorgenommen. Die Dachlinie fließt jetzt sauber in einem einzigen Bogen ab, ohne über den Hinterläufen noch mal extra Anlauf zu nehmen. In der Seitenansicht sind aus den drei Bögen Vorderräder - Dach - Hinterräder nur mehr zwei geworden. So war es früher schon beim Brezelkäfer, so ist es jetzt, und so ist es gut.
Wir schnappen uns den glänzend schwarzen „Black Turbo“ und drehen eine Runde. Das Sondermodell (es gibt auch einen „White Turbo“, der ist dann weiß) hat 200 PS. Tempo 223 ist drin, das hätte man dem Kleinen gar nicht zugetraut. Bisher war bei 195 km/h Schluss. „Kugel-Porsche“ - ja, das passt. Das Fahrgefühl liegt fast auf Scirocco-Niveau, nur der viele Platz über dem Kopf holt uns in die Realität des Käferfahrens zurück. Es ist nicht so, dass der New Beetle ein schlechtes Auto gewesen wäre. Er war, zumindest in den USA, leidlich erfolgreich. Aber er hatte seine Eigenheiten, und die haben sie ihm ausgetrieben. Man saß immer etwas komisch drin, wie mittig unter einer Kuppel. Wer die Arme ausstreckte, hatte es bis zur Windschutzscheibe exakt so weit wie bis zur Heckscheibe. Seltsames Gefühl. Beim Beetle ist die Motorhaube länger, die Frontscheibe steiler und befindet sich weiter hinten. Das gibt dem Wagen propere Proportionen. Kein „Cab Forward“, wie man die nach vorn versetzte Fahrgastzelle nennt, sondern Long-Schnauze. Bravo, Herr Bischoff!
Klaus Bischoff ist der Chefdesigner der Marke Volkswagen. Jemand muss ihm einst ein schönes Buch geschenkt haben mit alten Käfer-Modellen drin. Und er hat es sich erst zur Brust und dann zu Herzen genommen. Sein Revival des Revivals ist geglückt und endlich auch für Männer interessant.
Geschickt wurde der Beetle auch im Inneren auf Macho getrimmt. So gibt es ihn gegen einen recht schlanken Aufpreis (von 650 Euro, mit iPod-Kabel 670 Euro ...) mit einem dicken 400-Watt-Soundsystem der Firma Fender, die als Gitarrenhersteller einen legendären Ruf genießt. Ob sie auch bei Radioanlagen etwas draufhaben, muss sich noch zeigen. Testautos mit Fender-Sound sind bislang nicht verfügbar.
VW lässt es beim Beetle ordent lich krachen. Es gibt einen Heckspoiler, Direkteinspritzung, Doppelkupplungsgetriebe, Rallyestreifen, Kohlefaser-Look, leuchtende Farbwechsel-Lautsprecher, Zusatzinstrumente auf dem Armaturenbrett, darunter einen Chronographen, der automatisch den Sprint von null auf 100 Stundenkilometer misst - kurzum: Es gibt ganz viele interessante Spielereien, mit denen eine Frau überhaupt nichts anfangen kann. Herrlich.
Und wenn erst mal - vermutlich 2012 - die heiß gemachte R-Version beim Händler ankommt, dann könnte aus dem „Kugel-Porsche“ tatsächlich ein Porsche-Killer werden.

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  • Familienstammbaum: VW hat aus dem Beetle einen Burschen gemacht. Jetzt passt er auch gut zu Opa Käfer von 1953

    Familienstammbaum: VW hat aus dem Beetle einen Burschen gemacht. Jetzt passt er auch gut zu Opa Käfer von 1953

  • So ist’s recht: Auch in der Schrägansicht ist der Beetle ein würdiger Nachfolger des Käfers. Und der Turbo macht ihn zum echten Kraft-Wagen

    So ist’s recht: Auch in der Schrägansicht ist der Beetle ein würdiger Nachfolger des Käfers. Und der Turbo macht ihn zum echten Kraft-Wagen

 

Michael Görmann