Christian Berkel . Ein Tag am Meer

Ein Tag am Meer

Schauspieler CHRISTIAN BERKEL kriegt stets, was er will: Die beste Rolle („Inglourious Basterds“). Die tollste Frau (Andrea Sawatzki). Beifall für seinen Stil. Nach Komplimenten fischen muss er nicht. Aber uns ein paar Tricks für graue Tage verraten ...

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  • Weißes HEMD (Hugo, ca. 140 Euro) und dunkle KRAWATTE (DKNY, ca. 60 Euro) sind Klassiker, mit denen Sie auch beim After-Work-Angeln den Boss geben. Mit wasserdichter HOSE (Ron Thompson, ca. 90 Euro) kommt man dem Fisch näher. Mit Akzenten hüftaufwärts - silbernes ARMBAND (Chrome Hearts, ca. 1500 Euro) - zeigt man: alles nur ein leichtes Spiel

„Starke Frauen ziehen mich an“

Schauspieler Christian Berkel über Glatze und Größe, Klamotten und Karriere - und warum schöne Menschen oft arm dran sind

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Meine Klamotten spiegeln mich. Ich will gar nicht, dass die Leute sehen, dass meine Sachen teuer sind.
Samstagmorgen, neun Uhr. Wir holen Christian Berkel zu Hause in Berlin ab, wollen mit ihm an die Ostsee fahren. Dort will er uns zeigen, wie sich der Kerl von heute kleidet, wenn die Jahreszeit auf grau, windig und unbequem umspringt. Berkel, der stilbewusste Verwandlungskünstler, muss es wissen. Er kommt aus dem Haus, sieht unseren Miet-Mini und ruft: „Ach was, nehmen wir doch meinen Wagen.“ Er kehrt um, und wenige Minuten später quält sich ein gewaltiger weißer Geländewagen aus der engen Einfahrt der 30er-Jahre-Seevilla. Berkel steigt aus, gibt der Redakteurin den Schlüssel und sagt: „Dann fahren Sie mich mal los.“ Der Roadtrip beginnt. Wir haben Proviant besorgt. Berkel frühstückt erst mal.

Playboy: Sind Sie schon wach genug zum Reden?
Berkel: Selbstverständlich.

Playboy: Wie ist das, wenn sich die eigene Frau für den Playboy auszieht (Andrea Sawatzki war 2003 im Playboy, Anm. d. Red.)?
Berkel: Spielen heißt nackt sein. Das ist unser Beruf. Wenn wir gut sind, zeigen wir dabei weit mehr als unsere Haut. If you can’t stand the heat, stay out of the kitchen, sagen die Amerikaner.

Playboy: Andrea Sawatzki ist eine starke Persönlichkeit: groß, laut, rote Haare. Wie haben Sie sie gezähmt?
Berkel: Starke Frauen haben mich immer angezogen. Ich könnte nicht so gut mit einer, die mir zu Füßen liegt. Ich brauche Widerstand, will jemanden erobern müssen.

Playboy: Ihr Beziehungsgeheimnis?
Berkel: Man muss immer wieder neugierig sein - nicht nur körperlich, auch seelisch -, aber der andere muss auch immer wieder zur Neugierde reizen. Wenn eine Partnerschaft wirklich dauern soll, dann muss jeder auch immer wieder außerhalb der Beziehung genug Raum haben, um tatsächlich Neues zu erleben, das er dann in die Beziehung hineinträgt. Dann erlahmen Sexleben und Lust auch nicht.

Playboy: Sie haben eine Zeit in Frankreich gelebt. Was lernt man da über die Liebe?
Berkel: Die Sache mit der Liebe humorvoller zu nehmen. Das ist ein leichtes Spiel und nicht eines auf Leben und Tod. Zum Verführen gehört einfach Stil.

Playboy: Was kommt bei Frauen an?
Berkel: Neben allem Wissen um mögliche Techniken braucht es Inhalt. Wenn ich nichts zu erzählen und als Mann nichts zu bieten habe, werde ich keinen Erfolg bei den Frauen haben.

Playboy: Ihre Kernbotschaft zum Thema Mann/Frau?
Berkel: Ich halte nichts von Gleichmacherei. Männer und Frauen gleichen sich einander immer mehr an, anstatt die Unterschiede zu feiern. Keiner will, dass Frauen männliche Rollen einnehmen.

Playboy: Wie meinen Sie das?
Berkel: Zum Beispiel die Arbeit mit Regisseurinnen ist auf jeden Fall anders. Und sie ist dann besonders gut, wenn Frauen nicht versuchen, wie Männer zu inszenieren. Frauen haben einen anderen Führungsstil, was nicht heißen soll, dass Männer härter sind. Frauen kämpfen, bis sie tot umfallen - Männer vereinbaren lieber einen Waffenstillstand.

Playboy: Das müssen Sie uns erklären.
Berkel: Wenn man mit einer Frau in einen echten Kampf geht, dann kann man sich warm anziehen. Wenn sie nicht gerade ein Mauerblümchen ist, dann kämpft eine Frau ohne Rücksicht auf Verluste. Männer sind viel kompromissbereiter.

Playboy: Sind Männer konfliktscheuer?
Berkel: Ja, aber eben auch diplomatischer. Könnte damit zusammenhängen, dass sie viel länger im Arbeitsleben sind und so über Generationen hinweg daran gewöhnt wurden, Kompromisse zu machen.

Playboy: Seit 1977 arbeiten Sie als Schauspieler. Sie haben mit Bergman und Tarantino gedreht. Gab es für Sie eigentlich einen Plan B?
Berkel: Ich wusste immer: Schauspieler sein ohne Erfolg ist ein sehr bitteres Leben, auch finanziell. Es gibt in dem Beruf eine dünne Spitze, die kann gut leben. 20.000 Euro im Jahr ist das Durchschnittseinkommen eines Schauspielers. Dabei denken alle, dass wir den ganzen Tag über den roten Teppich rennen.

Playboy: Man bekommt ausschließlich von denen was mit, die ganz oben stehen.
Berkel: Der große Unterschied ist eben der: Ein mittelmäßiger Arzt oder Anwalt kann von seiner Arbeit gut leben - und dabei auch ein sinnvolles Leben führen. Aber ein Schauspieler, der die Rollen, die er gern spielen würde, nicht kriegt, hat kein erfülltes Leben. Ich hatte mir eine ganz klare Grenze gesetzt: Wenn ich es bis 30 nicht geschafft habe, lasse ich es. Es kam dann ja auch nicht dazu. Mit 26 war mir klar, dass ich weitermachen konnte.

Playboy: Jetzt wird’s spannend.
Berkel: Ich war in Düsseldorf am Theater und bekam nicht die Rollen, die ich wollte. Manchmal habe ich vor Frustration in die Tischkante gebissen. Eines Tages stand ich vorm Schauspielhaus, diesem Schiff, und sagte: Ich gehe hier nicht weg, bis einer von uns gewonnen oder verloren hat. Entweder knack ich dich oder du mich. Von dem Moment an ging’s bergauf.

Playboy: Klingt im Nachhinein natürlich beeindruckend.
Berkel: Es gab auch Phasen der extremen Unsicherheit, wo es nicht weiterging. Erfolg bringt einen aber nicht weiter. Wirklich lernen kann man nur vom Misserfolg.

Playboy: Herr Berkel, wir sind gleich da, wir sprechen nachher weiter. Hoffentlich bekomme ich dieses Gefährt hier eingeparkt ...

Fotograf, Assistent und die Playboy-Stilredaktion warten am Strand von Ahrenshoop auf die wertvolle Fracht aus Berlin. Vor der Arbeit gibt’s Kaffee. Fischbrötchen sind nicht so Berkels Ding. Am Strand haben wir einen Strandkorb angemietet, da sind alle Klamotten sorgfältig drapiert. Aber wir haben die Rechnung ohne Christian Berkel gemacht: Der hat nämlich eine große schwarze Ledertasche dabei - voll gepackt mit seinen eigenen Sachen. Es wird umdisponiert. Wir wollen schließlich was von ihm lernen. Dann geht’s los: Berkel im Strandkorb, Berkel beim Angeln im Wasser, Berkel in den Dünen. Am Strand wird viel getuschelt: „Ist das nicht dieser Kriminalist?“ Ja, genau, der aus dem ZDF! Um 17 Uhr treten wir die Rückfahrt nach Berlin an.

Playboy: Wir waren ganz baff, als Sie Ihre Klamotten ausgepackt haben. Geht Andrea Sawatzki mit Ihnen einkaufen?
Berkel: Umgekehrt. Ich kenne mich genauso gut aus und kaufe öfter für sie ein.

Playboy: Wo informieren Sie sich?
Berkel: In Köln gibt es einen Laden, der heißt K.H. Der coolste Ort in ganz Deutschland. Der Kurt bedient auch nicht jeden. Der sagt: „Geh lieber zu Armani, die haben das Richtige für dich.“ Alles, was ich über Kleidung und Stil weiß, weiß ich vom Kurt.

Playboy: Wie beschreiben Sie Ihren Stil?
Berkel: Meine Klamotten spiegeln mich. Ich will gar nicht, dass die Leute sehen, dass meine Sachen teuer sind. Privat trage ich viel Schwarz, da muss ich mir über Farbkombinationen keine Gedanken machen.

Playboy: Das sieht schon alles sehr individuell aus, Sie tragen ja auch Schmuck. Wie halten Sie es mit offiziellen Anlässen?
Berkel: Mal erfülle ich die Erwartungen und mal nicht. Dabei geht’s mir nicht ums Prinzip, eher um mein Gefühl. Ich kann nur überzeugen, wenn ich mich gebe, wie ich bin.

Playboy: Haben Sie eigentlich Hunger? Wollen wir mal anhalten und was essen?
Berkel: Nein danke, geht schon.

Playboy: Sie sind nicht gerade groß gewachsen für einen Mann, haben eine Glatze. Probleme damit?
Berkel: Beim Selbstbewusstsein geht es ja gerade darum, sich selbst bewusst zu sein - und nicht darum, alles zu haben. Ich kenne genug Männer und Frauen, die als modellhaft schön gelten - keiner von denen hat ein gesundes Selbstbewusstsein. Gerade schöne Frauen sind häufig sehr unsicher. Die spüren den Druck, so attraktiv zu bleiben. Für Männer ist es noch schwerer. Wenn ein Mann nur für sein Aussehen gelobt wird, dann wird er in den wirklich wichtigen Bereichen des Lebens offenbar nicht ernst genommen.

Playboy: Haben Sie das immer schon so abgeklärt gesehen?
Berkel: Nö, aber an der Größe habe ich mich nie wahnsinnig gestoßen, weil mein Vater noch deutlich kleiner war und absolut kein Problem damit hatte. Als ich mit 15 merkte, dass ich haartechnisch genetisch gesehen den falschen Teil geerbt hatte, hat mich das schon stark beschäftigt.

Playboy: Was dagegen unternommen?
Berkel: Mit 16 wollte ich nach Amerika reisen. Da habe ich in der Klasse gesagt: „Leute, wenn ihr 100 Mark zusammenschmeißt, lasse ich mir eine Glatze schneiden.“ Das hat mir natürlich keiner zugetraut. Doch ich wollte wissen, wie ich ohne Haare aussehen würde - und das Geld brauchte ich auch. Es hat ja keinen Sinn, vorm Schicksal wegzulaufen.

Playboy: Haben Sie einen Lehrsatz, der Sie Ihre Karriere lang begleitet?
Berkel: Eher eine Geschichte. Als ich fünf Jahre alt war, haben wir meinen kranken Großvater in Weimar besucht. Meine Mutter sagte mir, dass er mir etwas schenken wollte. Sie bat mich, mir im erstbesten Geschäft irgendetwas auszusuchen, weil er schon schwach war. Sie wollte mir in Berlin dann etwas kaufen, was mir wirklich gefällt. Ich wollte ein kleines Segelboot haben und tat also im ersten Geschäft so, als würde mir eines gefallen. Mein Großvater sah mir das an und bestand darauf, so lange mit mir durch Weimar zu marschieren, bis ich das Boot fand, das ich wirklich mochte. Das hat mich nie losgelassen: Steh zu deinen Wünschen und formuliere sie, sonst können sie nicht in Erfüllung gehen.

Playboy: Was ärgert Sie am deutschen Film?
Berkel: Es gibt zu viele Bedenkenträger. Wenn einer mit einer noch nie da gewesenen Idee kommt, sagt gleich jemand: „Das haben wir noch nicht gemacht. Ob das überhaupt funktioniert?“ Und so wird immer dieselbe Art Film abgeliefert. Wir sind übrigens gleich da, Sie müssen da vorn links abbiegen.
 

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  • Schwarze LEDERJACKE (ma+, ca. 2800 Euro) und hochgestellter Kragen signalisieren auch bei Windstille: Mich haut keine Böe um. Das weiße T-SHIRT (Kris Van Assche, ca. 140 Euro) mit weitem Ausschnitt unterstreicht, dass Sie auch eine sensible Seite haben - die perfekte Kombination

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  • Locker hält dieser leichte Baumwoll-MANTEL (Mihara Yasuhiro, ca. 1300 Euro) jedem Novemberwind stand. Er ist mit Fleece gefüttert. Der weiße GÜRTEL (Ann Demeulemeester, ca. 240 Euro) bricht lässig die herbstlich-dunkle Geschlossenheit von PULLOVER (Lagerfeld, ca. 550 Euro) und HOSE (ma+, ca. 850 Euro)... Locker hält dieser leichte Baumwoll-MANTEL (Mihara Yasuhiro, ca. 1300 Euro) jedem Novemberwind stand. Er ist mit Fleece gefüttert. Der weiße GÜRTEL (Ann Demeulemeester, ca. 240 Euro) bricht lässig die herbstlich-dunkle Geschlossenheit von PULLOVER (Lagerfeld, ca. 550 Euro) und HOSE (ma+, ca. 850 Euro)

    Locker hält dieser leichte Baumwoll-MANTEL (Mihara Yasuhiro, ca. 1300 Euro) jedem Novemberwind stand. Er ist mit Fleece gefüttert. Der weiße GÜRTEL (Ann Demeulemeester, ca. 240 Euro) bricht lässig die herbstlich-dunkle Geschlossenheit von PULLOVER (Lagerfeld, ca. 550 Euro) und HOSE (ma+, ca. 850 Euro)... Locker hält dieser leichte Baumwoll-MANTEL (Mihara Yasuhiro, ca. 1300 Euro) jedem Novemberwind stand. Er ist mit Fleece gefüttert. Der weiße GÜRTEL (Ann Demeulemeester, ca. 240 Euro) bricht lässig die herbstlich-dunkle Geschlossenheit von PULLOVER (Lagerfeld, ca. 550 Euro) und HOSE (ma+, ca. 850 Euro)

  • So ein Kunstfell-MANTEL (Paul Smith, ca. 1600 Euro) ist für echte Kerle, die auch in der Stadt immer auf der Jagd sind. Da er ein ziemlich auffälliger Akzent an trüben Tagen ist, muss der Rest des Outfits einfach sein: Perfekt sind ein weißes T-SHIRT (Kris Van Assche, ca. 140 Euro) und eine Stoff-HO

    So ein Kunstfell-MANTEL (Paul Smith, ca. 1600 Euro) ist für echte Kerle, die auch in der Stadt immer auf der Jagd sind. Da er ein ziemlich auffälliger Akzent an trüben Tagen ist, muss der Rest des Outfits einfach sein: Perfekt sind ein weißes T-SHIRT (Kris Van Assche, ca. 140 Euro) und eine Stoff-HO

  • Zeit, um innezuhalten: Setzen Sie auf zeitlose Dinge, und schweifen Sie modisch nicht ab: MANTEL (Hugo, ca. 500 Euro), T-SHIRT (Kris Van Assche, ca. 140 Euro), HOSE (ma+, ca. 850 Euro), ARMBAND (Chrome Hearts, ca. 1500 Euro). Gegenmittel bei Schwermut: ein schweres Accessoire wie die UHR: (Jaeger-Le

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  • Weiß sticht an dunklen Tagen. Aber Creme ist das zehnmal bessere Weiß, zumindest wenn es als eleganter MANTEL (Salvatore Ferragamo, ca. 1800 Euro) getragen wird. Und wenn der Kontrast zum Rest wie HOSE (ma+, ca. 850 Euro) und SCHUHE (Jimmy Choo, ca. 13.000 Euro) stimmt

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Biographie

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Realistischer Träumer 1957 in Berlin geboren, will Christian Berkel schon als Kind Schauspieler werden - da weiß er noch nicht einmal, was ein Regisseur ist. 1977 hat er den Traum bereits wahr gemacht und spielt in Ingmar Bergmans „Das Schlangenei“ - von da an gibt’s nur eine Richtung: bergauf. Wir sahen Berkel u. a. in „Das Experiment“, „Der Untergang“, „Inglourious Basterds“ und „Der Mann mit dem Fagott“. Seit 2006 ermittelt Berkel als „Der Kriminalist“ im ZDF - die neuen Folgen gibt’s ab 11. November. Am 28.11. läuft der Spielfilm „Das dunkle Nest“ (ZDF). Berkel lebt mit der Schauspielerin Andrea Sawatzki in Berlin, das Paar hat zwei Söhne.

Kira Brück