Eine Frage des Stils

Die Macke mit der Sportmode

Sportswear ohne Sport? Das geht gar nicht! Mein unsere Modekolumnistin Danijela Pilic

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  • Die Royal Tenenbaums können den Look tragen, aber die waren ja auch nicht ganz dicht

Anorak-City

Sportswear ohne Sport? Das geht gar nicht!

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  • Die Expertin: Danijela Pilic. Unsere Modekolumnistin erklärt Ihnen an dieser Stelle jeden Monat, wie Sie vor die Tür gehen dürfen - und wie Sie das besser nicht tun

    Die Expertin: Danijela Pilic. Unsere Modekolumnistin erklärt Ihnen an dieser Stelle jeden Monat, wie Sie vor die Tür gehen dürfen - und wie Sie das besser nicht tun

Als in diesem verregneten, traurigen Sommer so ausführlich und ausdauernd über das Wetter gejammert wurde, sagte ein Freund von mir: „Ich kann’s nicht mehr hören. Und überhaupt: Wer so viele Jack-Wolfskin-Klamotten kauft wie wir Deutschen, hat wahrscheinlich kein besseres Wetter verdient.“ Eine eigenwillige Logik, die Klima, Karma und Klamotten miteinander verbindet, doch falsch ist das nicht. Bei uns sind Outdoor- und Utility-Wear und Sportzeug so beliebt, dass sie auch abseits von Skipisten, Wanderwegen und Sportplätzen getragen werden. Das ist weder nötig noch nachvollziehbar, weder chic noch in Ordnung.

Skifahren macht Spaß, und wie man auf den vorherigen Seiten gesehen hat, gibt es dazu die entsprechend coole Kleidung. Doch hat diese abseits der Pisten nichts zu suchen, genauso wenig wie Wanderjacken in der Stadt oder Fleecepullover im Büro. Trekkingsandalen haben auf Asphalt nichts verloren, und Tennisjacken off court nichts an denen, die über 25 sind.

Im britischen Englisch steht das Wort „Anorak“ übrigens nicht nur für eine wetterfeste Jacke mit Kapuze, sondern auch für einen Geek oder Nerd, einen Spießer und komischen Kauz also. Genau das strahlt Funktionskleidung im Alltag aus: Sie wirkt seltsam und deplatziert. Hauptsache, bequem und praktisch und auf alles vorbereitet, vermutet man als Motivation des Trägers und wähnt ihn nicht in der Lage, sich dem Anlass entsprechend kleiden zu können. Gleiches denkt man bei Männern, die beim Betreten eines Geschäfts ihren Fahrradhelm nicht abnehmen. Schon gut, ihr Stadtkrieger und Anoraks, möchte man ihnen zurufen.

Wer aber unbedingt seine Sport- und Wanderkleidung tragen möchte, darf das auch: Er sollte hierfür einfach nur Sport machen oder wandern.
 

Danijela Pilic