Stil-Spezial: Sport-Style . Felix Sturm

„Wer der ganzen Welt etwas beweisen will, zeigt im grunde nur seine Komplexe“

Keiner tänzelt so elegant auf dem schmalen Grat zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz wie Box-Star Felix Sturm. Ein Champion weiß eben, was er kann, was er will – und was ihm steht. Ring frei für Deutschlands stilsichersten Kämpfer

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„Wer der ganzen Welt etwas beweisen will, zeigt im grunde nur seine Komplexe“

Der Boxer von seiner eleganten Seite – über den inneren und den äußeren Champion im Ring wie im Leben

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Ein Ferrari? Immobilien? Ich boxe, weil ich gewinnen will. Das macht den Unterschied
Das Sparring muss warten. Erst möchte Felix Sturm die Fragen parieren, die an diesem Nachmittag in seinem Gym in der Kölner Südstadt auf ihn einprasseln. Dann wird er vor den Augen des Playboy-Reporters seinen französischen Trainingspartner leerlaufen lassen. Beides typisch Felix: Der 34-jährige Rheinländer ist am besten, wenn er sein Gegenüber auskontern kann.

Playboy: Sie sind es gewohnt, dass alle zu Ihnen „Champion“ sagen, doch seit vorigem Herbst ist der WM-Titel weg. Fühlt sich das Leben seitdem anders an?
Sturm: Um Champion zu sein, braucht man nicht unbedingt einen Gürtel. Die Begeisterung war doch groß, alle haben gesagt, es war ein super Kampf. Warum es dann nicht geklappt hat, weiß ich selbst. Ich sehe mich trotzdem weiter als Champion.

Playboy: Woran lag es denn?
Sturm: Das wissen ich und mein Team, und das reicht. Wir müssen nicht nach Ausreden suchen.

Playboy: Ist es schwer, sich wieder anzustellen für einen Titel, den Sie schon mehrfach erobert haben?
Sturm: Die Titel sind gar nicht so inte­ressant, es geht um die Kämpfe. Der Reiz ist einfach, die Nummer eins zu sein. Den Aufwand, den ich im Training betreibe, hat kein Zweiter. Das Manko war zuletzt nur, dass ich zu viel gepowert und dabei die boxerischen Qualitäten vergessen habe.

Playboy: Wie hat Ihr Vertragssender auf den Rückschlag reagiert?
Sturm: Die wissen, dass jeder große Boxer schon mal verloren hat. Es war ne tolle Veranstaltung, und am Ende zählt nur das positive Echo. Ich habe bei diesem Sender als Champion angefangen und werde da auch als Champion abtreten.

Playboy: Wer darf Sie kritisieren?
Sturm: Meine Frau natürlich, mein Manager Roland – eigentlich alle in meinem Team. Es geht der ganzen Familie an die Nieren, wenn was nicht stimmt, sogar der Kleine (Sohn Mahir, 3 Jahre; d. Red.) kriegt das mit, wenn ich verbeult nach Hause komme. Für mich ist Familie keine Floskel. Das sind die wichtigsten Menschen in meinem Leben, für die zerreiße ich mich.

Playboy: Manche Beobachter reagieren fast hämisch, wenn bei Ihnen was schiefläuft. Warum werden Sie so oft als arrogant oder abweisend eingestuft?
Sturm: Für manche Reporter ist es doch ein gefundenes Fressen, wenn mal etwas nicht so toll läuft bei mir. Aber ich kann nicht jeden von denen mit VIP-Karten versorgen, damit er mich mag. Und ich muss auch niemandem erzählen, was ich für’n toller Typ bin. Für mich zählen die Leute, die mich wirklich kennen.

Playboy: Wer berät Sie, wie Sie rüberkommen oder welche Klamotten Ihnen stehen?
Sturm: In Modefragen berate eher ich meinen Manager und meinen PR-Berater.

Playboy: Sie tragen nicht so dick auf wie andere Boxer. Gehen Sie bewusst auf ­Distanz zur Szene?
Sturm: Wenn einer meint, er muss der ganzen Welt beweisen, wie reich und toll er ist, zeigt er im Grunde nur seine Komplexe. Ich brauche das nicht. Hier in Deutschland gibt es außerdem einen großen Neidfaktor und genug Leute, die finanzielle Probleme haben. Da muss man sich nicht produzieren.

Playboy: Und was sagt Ihre Frau zu Ihrem Style? Gibt die Ihnen Tipps?
Sturm: Wir gehen zusammen einkaufen, da berät der eine den anderen: Guck mal, wie findest du dies, wie findest du das? In manchen Sachen habe ich einen klassischen Geschmack, in anderen einen modernen. Hauptsache, ich fühl mich darin wohl. Das ist auch in der Musik so: Ich höre querbeet fast alles.

Playboy: Wie wichtig ist Ihnen der gehobene Lebensstandard?
Sturm: Es ist schön zu wissen, dass Geld da ist, wenn wir etwas unternehmen wollen. Ansonsten ist das Thema in unserer ganzen Familie absolut uninteressant.

Playboy: Sind das die bosnischen Wurzeln Ihres Vaters, der aus Mostar stammt?
Sturm: Es gibt auch Verwandte in Bielefeld, aber der Großteil der Familie ist in Bosnien. Ich bin vier Monate im Jahr dort. Mostar ist noch nicht vom Lauf der Zeit eingeholt, die Altstadt wurde von den Türken gebaut und nach dem Bürgerkrieg komplett restauriert. Das ist ein Rückzugsort, ich komme da schnell runter.

Playboy: Man hat auch schon den ehemaligen HSV-Star Sergej Barbarez bei Ihren Kämpfen am Ring gesehen. Gibt es hier ein richtiges Netz von bosnischen Sportlern?
Sturm: Ja, auch Edin Džeko (früher VfL Wolfsburg, jetzt Manchester City, d. Red.) ist ein enger Freund von mir, ich war neulich erst in Manchester. Der Edin spielt da mit dem Aleksandar Kolarov zusammen, einem Serben, die beiden sind gut befreundet. So ist es heute auch in Bosnien: Was damals war, juckt keinen mehr. Alle haben in diesem Krieg verloren, Kroaten, Serben, Muslime, jetzt arbeiten sie wieder mit­einander. Die wollen einfach leben und eine Zukunft haben.

Playboy: Ihre Frau Jasmin drängt sich nicht nach vorn, obwohl sie sehr vorzeigbar ist. Ist das zwischen Ihnen so abgesprochen?
Sturm: Sie möchte einfach im Hintergrund bleiben. Wir müssen auch nicht jedem zeigen, was für ein tolles Paar wir sind. Wir respektieren und lieben uns sehr, aber wir leben das für uns allein. Wenn man damit zu sehr nach draußen geht, kriegt man ­irgendwann nur eins auf den Deckel.

Playboy: Fragt Jasmin ab und zu, wie lange Sie noch mit Beulen heimkommen wollen?
Sturm: Sie sehnt den Tag herbei, wo das vorüber ist, klar. Sie hat ja auch den Hauptstress mit dem Kleinen, das ist nicht so einfach. Dafür haben wir nach meinen Kämpfen ganz andere Privilegien. Wir sind viel im Urlaub zusammen, bereisen die Welt ...

Playboy: Wie ernsthaft planen Sie eine zweite Karriere als Promoter?
Sturm: Das ist ein Langzeitprojekt ohne Fahrplan. Unsere erste Veranstaltung (im Dezember 2012; d. Red.) war nicht berauschend, aber wir verlieren dadurch nicht die Nerven. Ich zähle auf Susi Kentikian und ein, zwei neue Boxer, von denen ich mir viel verspreche. Außerdem haben wir einen Sender, der immer hinter uns steht.

Playboy: Wie groß könnte das Projekt in Zukunft noch werden?
Sturm: Wir werden immer ein kleiner, feiner Stall sein mit viel Qualität. Wir werden also nicht mit dem großen Sieb da durchfahren, damit am Ende drei, vier gute Leute übrig bleiben, und den Rest wie leere Bananenschalen wegschmeißen.

Playboy: Sie sind jetzt im zwölften Profijahr. Macht es noch Freude, sich zu quälen?
Sturm: Manche haben nur das Ziel, mal ’n Ferrari zu fahren oder ’n Immobilienhai zu werden. Die verzichten nicht für den Sport, fressen Gummibärchen, trinken Cola. Ich dagegen boxe, weil ich spektakuläre Kämpfe abgeben und gewinnen will. Das macht den Unterschied. Darum werde ich auch in drei, vier Jahren noch da sein.

Felix’ Sturmlauf

Nach einer sehr erfolgreichen Amateurkarriere wurde der 1979 in Leverkusen geborene Adnan Ćatić ab 2001 zu Felix Sturm, einem der populärsten Profiboxer in Deutschland. Seine Bilanz: 37 Siege und zwei Remis in 42 Kämpfen. Der begnadete Techniker war dreimal Weltmeister im Mittelgewicht und löste sich 2010 vom Boxstall Universum, um sich selbst zu vermarkten. Nach der knappen Punktniederlage in einem Duell um die Titelverteidigung gegen David Geale (September 2012) strebt er Mitte des Jahres eine WM-Revanche an. Sturm lebt in Köln und wird von Meistercoach Fritz Sdunek trainiert.

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  • Sweater: Kenzo über verypoolish.com, ca. 180 Euro

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  • Hemd: van Laack, ca. 300 Euro. Krawatte: Boss, ca. 50 Euro. Hose: Polo Ralph Lauren, ca. 300 Euro. Krawattennadel: Konen, ca. 30 Euro. Kind: privat

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  • Mantel: Burberry Prorsum, ca. 2500 Euro. Hemd: van Laack, ca. 300 Euro. Krawatte: Boss, ca. 50 Euro. Krawattennadel: Konen, ca. 30 Euro

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  • Sakko: Polo Ralph Lauren, Preis auf Anfrage. Hemd: Boss, ca. 100 Euro

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  • T-Shirt: Vintage 55 über verypoolish.com, ca. 60 Euro

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Interview: Bertram Job