Stil-Spezial: Sport-Style . Nico Rosberg

„Ich will der Beste sein. Das heißt logischerweise: Weltmeister.“

Mit einem hochkarätig verstärkten Mercedes-Team startet er in dieser Saison den Großangriff in der Formel 1. Am Silverstone Circuit zeigt uns Silberpfeil-Pilot Nico Rosberg schon mal, wie man auf der Überholspur auftritt - mit Coolness und in robuster Montur

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„Ich will der Beste sein. Das heißt logischerweise: Weltmeister.“

Der Formel-1-Pilot zeigt, wie man auf die Überholspur wechselt – mit dem Willen zum Sieg und in robuster Montur

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Ich habe Blut geleckt. Das Gefühl, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen, macht süchtig. Davon will ich mehr haben.
Er ist leicht verspätet auf dem Privatflughafen in Oxford gelandet. Der Chauffeur der E-Klasse-Limousine, der uns zur Rennstrecke in Silverstone bringt, muss Gas geben. Eine Rückbank auf der Schnellstraße: ein idealer Ort, um mit Nico Rosberg, 27, in Ruhe zu reden. Auf dem Beifahrersitz hat seine Freundin Vivian Platz genommen, die - auch in Stilfragen - der wichtigste Bezugspunkt im Leben des Silberpfeil-Piloten ist.

Playboy: Herr Rosberg, wie schwierig ist es in einem Land, das mit Schumi und Vettel insgesamt zehn Formel1-Weltmeister-Titel gefeiert hat, Nico Rosberg zu sein?
Rosberg: Das ist der Blick von außen, nicht meiner. Ich bin in einer sehr privilegierten Situation. Dadurch, dass Michael weg ist, kann ich das Team noch stärker anführen. Ich bin in den letzten Wochen sehr viel in der Fabrik gewesen, da habe ich gespürt, dass meine Meinung, etwas zu bewegen und zu verändern, noch stärker gefragt ist.

Playboy: Konnte Ihnen die letzte Saison einen Fingerzeig geben, wohin Ihr Weg geht?
Rosberg: Zu Beginn hatten wir eine wirklich gute Phase: der Sieg in Shanghai, der zweite Platz in Monaco, dem prestigeträchtigsten Rennen. Zeitweise hatte ich die meisten WM-Punkte von allen Fahrern. Danach ging’s leider bergab. Leider. Aber ich habe auch Blut geleckt. Das Gefühl, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen, macht süchtig. Davon will ich mehr haben.

Playboy: Sie sind seit sieben Jahren in der Formel 1. Dachten Sie, Sie wären heute weiter?
Rosberg: Persönlich bin ich damit zufrieden, wo ich jetzt bin. Natürlich sind die Erfolge nicht so gewesen, wie ich mir das gewünscht hätte. Aber wir sind auf dem Weg der Besserung. Hätten Sie mich aber vor acht Jahren gefragt, hätte ich Ihnen sicher gesagt: „Ja, ich habe mir mehr vorgestellt.“

Playboy: Läuft Ihnen die Zeit davon?
Rosberg: Diese Angst habe ich nicht. Ich muss Geduld haben. Ich bin überzeugt, dass ich das beste Auto meiner Karriere noch bekommen werde. Die Silberpfeile verkörpern Rennsport-Geschichte wie kein anderes Team. Die Einzigen, die auf einem Silberpfeil in der Formel 1 gewonnen haben, sind Fangio, Stirling Moss und ich. Das muss man erst mal verarbeiten.

Playboy: Ihnen wird gern das Image des verwöhnten Schnösels angeheftet, weil Sie einen berühmten Vater haben und in Monaco aufgewachsen sind. Stört Sie das?
Rosberg: Ich bin nicht Ihrer Meinung, dass ich ein Schnösel-Image habe. Ich kann mich gar nicht darüber beklagen, wie in den letzten Jahren über mich geschrieben wurde. Was ich ein bisschen schade finde, ist, dass dieses Monaco oft schlecht gesehen wird. Man sieht dann auf RTL die Millionäre im „Hûtel de Paris“ sitzen und für Hunderte von Euro ihr Tatar essen. Das ist nicht mein Monaco.

Playboy: Sondern?
Rosberg: Monaco hat auch eine ganz normale Seite. Ich bin täglich mit dem Bus 45 Minuten in die Schule nach Nizza gefahren. Als Kind habe ich das ganze Jahr über am Strand Fußball gespielt. Mein Physio sagt immer: „Das gibt’s ja nicht. Ich sitze hier am Strand, esse ne Pizza, und die ist billiger als in Deutschland.“

Playboy: Thema Sparen: Mercedes produziert teuer, und es gibt Stimmen im Unternehmen, die Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Formel-1-Engagements äußern.
Rosberg: Mercedes hat ja gerade erst wieder sein volles Commitment gezeigt bei den Verhandlungen mit Bernie (Ecclestone, Rechteinhaber der Formel 1; d. Red.). Mercedes hat es in seiner Geschichte immer geschafft, sich den Erfolg zu erarbeiten. Gut, jetzt dauert es länger, es ist härter als andere Male, aber er wird kommen.

Playboy: Angeblich kostet die Formel 1 das Unternehmen 150 Millionen Euro pro Saison.
Rosberg: Die Formel 1 kostet das Unternehmen bei Weitem nicht so viel, auf keinen Fall einen dreistelligen Millionenbetrag. Aber wenn wir, wie in Shanghai, mit dem Silberpfeil gewinnen, dann ist das die gigantischste Imagewerbung. China mit seinem Megawachstum ist inzwischen einer der wichtigsten Absatzmärkte für Mercedes. Wenn ich dann ausgerechnet in Shanghai gewinne, der erste Sieg im Silberpfeil nach 55 Jahren, ein besseres Marketing gibt’s auf dieser Welt nicht für die Marke Mercedes.

Playboy: Der Umbruch ist offenkundig. Michael Schumacher weg, Sportdirektor Norbert Haug weg. Klingt nach Anfang vom Ende ...
Rosberg: Unser Anspruch ist, die absolut Besten zu sein und das Ding zu dominieren. So, wie wir zuletzt dastanden, war Dominanz nicht möglich, da ist ein Umbruch normal. Damit wir das beste Team werden können, das wir bisher noch nicht waren.

Playboy: Deswegen ist Niki Lauda jetzt der starke Mann?
Rosberg: Als ich jetzt in der Firma war, haben wir uns hingesetzt und Tacheles geredet. Immer sehr offen, nie hinter dem Rücken eines anderen. Was ich ihm sage, sage ich auch Ross (Ross Brawn, Teamchef des Mercedes-Rennstalls; d. Red.). Und es ist wichtig, diese Kritik auch anzunehmen. Niki wird wichtig für uns, er kann uns enorm helfen, in den nächsten Jahren zum ganz großen Erfolg zu kommen.

Playboy: Beneiden Sie manchmal Sebastian Vettel um die flachen Entscheidungsstrukturen bei Red Bull? Eigner Mateschitz kann sofort Millionen bereitstellen, bei einem Dax-Unternehmen wie Mercedes mosern Betriebsrat und Aktionäre.
Rosberg: Neidisch bin ich überhaupt nicht. Sebastian hat seinen Erfolg voll verdient. Er fährt super, aber ich schaue auf mich. Dem Misserfolg hinterherzutrauern bringt nichts. Im letzten Jahr haben wir 20 Prozent mehr Mitarbeiter dazubekommen. Wenn ich heute durch die Firma gehe, merke ich, da bewegt sich was. Und ich bin mittendrin in dieser Bewegung. Das ist aufregend.

Playboy: Von Michael Schumacher weiß man, dass er auch deshalb siebenmaliger Formel-1-Weltmeister geworden ist, weil er ein ausgezeichneter Analytiker war. Wie intelligent muss man sein, um ein exzellenter Rennfahrer zu werden?
Rosberg: Ein guter Rennfahrer ist eine Kombination aus Intuition und Reflexion. Ein guter IQ, eine gewisse Bauernschläue hilft enorm, würde ich sagen. In unserem Sport kann man so viel ändern, um schneller zu sein, die ganze Technik, die Abstimmung des Autos, ohne Mitdenken geht es nicht. Ich wollte ja mal Raumfahrt studieren. Mathe und Physik fand ich in der Schule sehr interessant, und die Kombination aus Rennsport-Hobby, Aerodynamik und Zahlen hat mich fasziniert. Wenn Sie so wollen: Heute bin ich Raumfahrer auf vier Rädern.

Playboy: Was haben Sie in den Jahren von Schumacher gelernt?
Rosberg: Ich bin einer, der ständig analysiert: Was machen die anderen besser als ich, wie kann ich mich selbst optimieren? Michaels Einstellung zum Sport war das Beeindruckendste. An ihr erkennt man, warum er siebenmaliger Weltmeister ist.

Playboy: Und jetzt kommt Lewis Hamilton. Sie beide gelten als gute Freunde. Was bedeutet Freundschaft in der Formel 1?
Rosberg: Wir sind tatsächlich gut befreundet. Mit 14 waren wir zwei Jahre lang Kollegen in einem Gokart-Team, und es waren spaßige Zeiten. Wir waren sehr erfolgreich, haben aber auch viel Quatsch zusammen gemacht. Schon damals haben wir gesagt, stell dir mal vor, wenn wir mal Teamkollegen wären in einem der Top-Teams der Formel 1 - wie cool wäre das denn? Und jetzt passiert das im Silberpfeil tatsächlich.

Playboy: Reden wir über Ihren Geschmack. Gibt es den Nico-Rosberg-Stil?
Rosberg: Ich interessiere mich sehr für Fashion. Ich ziehe mich gern mal cool an. Einen Nico-Rosberg-Stil gibt es aber nicht wirklich. Manchmal sportlich, manchmal sehr, sehr elegant. Ich trage zum Beispiel sehr gern Smoking.

Playboy: Wie sehr beeinflusst Ihre Freundin Vivian Ihr modisches Auftreten?
Rosberg: Vivian ist das Kreativtalent schlechthin. Ob das Kochen ist, die Einrichtung unserer Wohnung oder Mode, sie hat für alles einen Sinn. Ich kann mir schon selbst meine Klamotten rauslegen, aber wenn Vivian für mich einkauft, dann weiß ich zu einhundert Prozent, dass mir das auch steht.

Playboy: Apropos Geschmack: Sie gehen gern in Sterne-Restaurants, wie man hört. Normalerweise dominieren in Ihrer Altersklasse eher Pizza und Burger.
Rosberg: Ja, Nouvelle Cuisine macht echt Spaß, ich gehe sehr gern mal mit den Eltern zu einem Top-Koch. Aber mein absolutes Nummer-1-Gericht sind Nürnberger Würstchen mit Rösti, Sauerkraut und süßem Senf. Beim „Franziskaner“ in München. Dafür könnte ich sterben.

Playboy: Sind Rennfahrer nicht auf Diät?
Rosberg: Während der Saison achte ich darauf, dass ich mich ausgewogen und gesund ernähre. Gemüse, Obst, Eiweiß. Würstchen und Sauerkraut sind nichts fürs Cockpit. Die machen träge und langsam auf der Strecke.

Playboy: Ihre Freundin Vivian und Sie sind seit zehn Jahren liiert - klingt ungewöhnlich für den Formel-1-Jetset ...
Rosberg: Ungewöhnlich? Weiß ich nicht. Wie lange ist Michael schon verheiratet? Lange Partnerschaften sind nicht mehr ungewöhnlich für die Formel 1. Wenn die Saison vorbei ist, bin ich ein richtiger Stubenhocker. Fernsehschauen, lesen, unseren Gemüsegarten pflegen ...

Playboy: Gemüsegarten?
Rosberg: Ich habe einen eigenen Bio-Gemüsegarten. Mit Schaufel und Kehren pflegen wir liebevoll unser Beet. Wenn ich weg bin, kümmert sich jemand darum. Ich habe den allergrößten Respekt vor Gärtnern. Wenn ich den halben Tag darin werkle, dann tut mir der Rücken weh.

Playboy: Sie sind auch gefürchteter Karaokesänger. Ihr Standard-Gassenhauer?
Rosberg: Einer der coolen Events des Jahres ist die Weihnachtsfeier unseres Teams auf der Rennstrecke in Silverstone. Da machen wir „Rockaoke“, das ist Karaoke mit Live-Band. Vor der Bühne 1200 Menschen, und dann singe ich, wie letztes Jahr, „Where The Streets Have No Name“ von U2. Ich springe auf der Bühne auf und ab, und die Menge springt mit mir. In dem Moment war ich Rockstar. Wenn ich als Sänger genauso talentiert gewesen wäre, dann wäre ich gerne ein zweiter Bono geworden.

Playboy: Haben Sie noch den Traum, eines Tages als Weltmeister abzutreten?
Rosberg: Ich will der Beste sein, das heißt logischerweise: Weltmeister.

Sternwanderer
Nico Erik Rosberg ist Kosmopolit: Der Vater aus Finnland, die Mutter aus Deutschland, und er, 1985 in Wiesbaden geboren, lebt in Monaco. Seinen ersten Rennerfolg feierte der heute 27-jährige Sohn des F-1-Weltmeisters Keke Rosberg 2005 mit dem Gewinn der GP2-Serie. Ein Jahr später stieß er zu Williams Renault, für die er vier Jahre fuhr. Seit 2010 ist Mercedes sein Stall. Mit ihm gewann er 2012 sein erstes Rennen in Shanghai. In der nächsten Saison wird Lewis Hamilton sein neuer Teamkollege.

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  • Jeansjacke: Levi’s, ca. 90 Euro. Anstecker: Mercedes-Benz Accessories, ca. 25 Euro

    Jeansjacke: Levi’s, ca. 90 Euro. Anstecker: Mercedes-Benz Accessories, ca. 25 Euro

  • Bomberjacke: Burberry Prorsum, ca. 2100 Euro. Daunenhemd: Canada Goose, ca. 500 Euro. Hose: Mango, ca. 50 Euro

    Bomberjacke: Burberry Prorsum, ca. 2100 Euro. Daunenhemd: Canada Goose, ca. 500 Euro. Hose: Mango, ca. 50 Euro

  • Lederjacke: Diesel Black Gold, ca. 1150 Euro. Armband: Thomas Sabo, ca. 260 Euro

    Lederjacke: Diesel Black Gold, ca. 1150 Euro. Armband: Thomas Sabo, ca. 260 Euro

  • Lederjacke: Asos, ca. 140 Euro. Daunenhemd: Canada Goose, ca. 500 Euro. T-Shirt: Boss, ca. 20 Euro. Hose: Mango, ca. 50 Euro

    Lederjacke: Asos, ca. 140 Euro. Daunenhemd: Canada Goose, ca. 500 Euro. T-Shirt: Boss, ca. 20 Euro. Hose: Mango, ca. 50 Euro

 

Thilo Komma-Pöllath