Sebastian Koch . Rollenkuenstler

»Ich bin niemand, der mit der Mode geht«

Kostümwechsel? Am liebsten nur für neue Rollen. Kurz bevor Schauspieler Sebastian Koch mit Bruce Willis den neuesten „Die Hard“-Streifen zu drehen begann, zeigte er uns noch, wie ein Mann mit eigenem Stil und eleganten Anzügen den Modesommer 2012 übersteht

I read the articles

»Was Menschen tragen, zeigt viel von ihrem inneren Zustand, auch wenn sie nicht darauf achten«

alles anzeigen

Bild 1 von 5

  • »Was Menschen tragen, zeigt viel von ihrem inneren Zustand, auch wenn sie nicht darauf achten« 

ANZUG: ca. 2200 Euro. HEMD: ca. 270 Euro. KRAWATTE: ca. 135 Euro. Alles Ermenegildo Zegna

    »Was Menschen tragen, zeigt viel von ihrem inneren Zustand, auch wenn sie nicht darauf achten« ANZUG: ca. 2200 Euro. HEMD: ca. 270 Euro. KRAWATTE: ca. 135 Euro. Alles Ermenegildo Zegna

  • »Wie werden wir Sie nie zu Gesicht bekommen?« »In Bermudashorts und gelbem Polohemd, das ist unglaublich unsexy« 
ANZUG: Windsor, ca. 600 Euro. HEMD: Jil Sander, ca. 420 Euro. SCHUHE: Ermenegildo Zegna, ca. 380 Euro

    »Wie werden wir Sie nie zu Gesicht bekommen?« »In Bermudashorts und gelbem Polohemd, das ist unglaublich unsexy« ANZUG: Windsor, ca. 600 Euro. HEMD: Jil Sander, ca. 420 Euro. SCHUHE: Ermenegildo Zegna, ca. 380 Euro

  • DREITEILER: Boss Black, ca. 500 Euro. SHIRT: Bally, ca. 400 Euro. SCHUHE: Boss Black, ca. 280 Euro

    DREITEILER: Boss Black, ca. 500 Euro. SHIRT: Bally, ca. 400 Euro. SCHUHE: Boss Black, ca. 280 Euro

  • ANZUG: Hackett, ca. 800 Euro. SHIRT: COS, ca. 50 Euro

    ANZUG: Hackett, ca. 800 Euro. SHIRT: COS, ca. 50 Euro

  • JACKE: ca. 1400 Euro. PULLOVER: ca. 540 Euro. HOSE: Preis auf Anfrage. Alles Ermenegildo Zegna. UHR: IWC, ca. 10.300 Euro

    JACKE: ca. 1400 Euro. PULLOVER: ca. 540 Euro. HOSE: Preis auf Anfrage. Alles Ermenegildo Zegna. UHR: IWC, ca. 10.300 Euro

Warum hat eigentlich noch niemand Sebastian Koch als lebensweisen Barista besetzt? Sieht auf jeden Fall sehr überzeugend aus, wie er da in seinem Berliner Büro die Kaffeemaschine glucksen und zischen lässt, nebenbei ein wenig Hauptstadt-Small-Talk hält und gut gelaunte Geschäftigkeit verbreitet. Gibt aber auch verdammt viel zu tun gerade in seinem Leben: Bruce Willis bei dessen neuestem Action-Kracher aushelfen, 50 werden - und dem Playboy lässige Outfits für heiße Tage vorführen.

Playboy: Herr Koch, Modeln statt Schauspielern, ist das was, das Ihnen Spaß macht?
Koch: Früher mochte ich das gar nicht, aber inzwischen habe ich ein bisschen die Scheu verloren. Das ist wie bei einem Interview: Wenn die Fragen gut sind, dann erzählt man gern.

Playboy: Spielen Sie beim Fotografieren vor der Kamera auch eine Rolle?
Koch: Nee, das möchte ich eben nicht! Da geht es dann wirklich um mich. Diese Foto-Shootings, die so overacted sind - das gefällt mir nicht, das ist einfach nicht mein Ding.

Playboy: Welches Kleidungsstück vom Shooting mochten Sie besonders?
Koch: Den Strickpullover mochte ich gern. Und diesen grauen Anzug, den ich auf dem Sofa trage.

Playboy: Sind Sie ein Anzugtyp?
Koch: Das sind so Launen. Es gibt Phasen, in denen ich das ganz toll finde und mich in so einem Anzug einfach wohlfühle. Und manchmal komme ich mir damit overdressed vor. In letzter Zeit werden die Anzugsphasen, aus welchem Grund auch immer, weniger.

Playboy: Ihre heißeste Anzugsphase?
Koch: Mit Mitte 20 fand ich das besonders cool. In dieser Zeit habe ich viele Anzüge, meist schwarze oder graue aus den 20er-Jahren, getragen. Der Theaterfundus stand uns Schauspielern jederzeit offen. Eigentlich habe ich mich für Mode nie interessiert. Ich dachte immer, das ist affig und hat mit mir nichts zu tun. Aber dann habe ich einen Film von Wim Wenders über Yohji Yamamoto gesehen, in dem er sagt, dass er in den Stoffen und Schnit ten nach Geschichten sucht, dass die ein Vorleben haben müssen. Das hat mir total eingeleuchtet, weil ich genau das gemacht habe.

Playboy: Ihr Lieblingsanzug mit Geschichte?
Koch: Einen dieser Theater-Anzüge habe ich fünf oder sechs Jahre nahezu jeden Tag angehabt, plus/minus. Ich habe den so lange getragen, bis er durchsichtig war. Und dann habe ich ihn unterlegen lassen, damit ich ihn noch mal ein Jahr länger tragen konnte. Auch mit Schuhen geht es mir so, ich hänge immer sehr an ein paar Sachen, die ich sehr ausgiebig trage.

Playboy: Ist das eine typisch männliche Eigenschaft?
Koch: Ja vielleicht, wenn mir was gefällt, würde ich es am liebsten zwei-, dreimal kaufen. Weil ich weiß, dass ich das dann auch in fünf Jahren noch mag. Ich bin niemand, der mit der Mode geht.

Playboy: Für aktuelle Trends interessieren Sie sich also eher wenig?
Koch: Klar probiert man auf dem roten Teppich auch mal was aus. Aber ich bin nicht sehr modisch. Da war mal dieses Flieder vor zwei Jahren, eine unsägliche Farbe. Aber in der sogenannten High Society haben das auf einmal alle getragen. So was finde ich ganz merkwürdig: Einer gibt was vor, alle anderen machen es nach, und alle tun dann wahnsinnig individuell, als ob sie irgendwas entdeckt hätten.

Playboy: In welchem Outfit werden wir Sie nie im Leben zu Gesicht bekommen?
Koch: In Bermudashorts und gelbem Polohemd, das ist so unglaublich unsexy.

Playboy: Ist aber immer noch eine recht beliebte Kombination auf deutschen Straßen.
Koch: Ja, Wahnsinn, ich habe auch keinen blassen Schimmer, warum. Ich wüsste keine Frau, die das in irgendeiner Form attraktiv findet. Und trotzdem halten die Männer da eisern durch.

Playboy: Wann haben Sie sich das letzte Mal von einer Frau die Klamotten rauslegen lassen?
Koch: Meine Tochter hat ein ziemlich gutes Gespür dafür, was mir steht. Wenn ich wirklich nicht weiterweiß, dann muss sie das entscheiden. Und das macht sie immer sehr gut.

Playboy: Was ist das beste Outfit für ein Rendezvous mit einer Frau, die perfekte Verführer-Uniform?
Koch: Da kommt es natürlich darauf an, wen man trifft. Und wie man sich selbst zeigen will. Perfekt gibt es in dem Fall nicht, das Wichtigste ist, dass ich mich wohlfühle.

Playboy: Die „Bunte“ hat Sie mal als „Sexsymbol der intellektuellen Frau“ bezeichnet. Wie gefällt Ihnen das?
Koch: Ich weiß nicht. Was heißt das denn überhaupt: „Sexsymbol der intellektuellen Frau“?

Playboy: Dass schlaue Frauen Sie scharf finden?
Koch: (überlegt eine Weile und grinst dann) Ja, das ist sehr schön, das gefällt mir eigentlich. Aber in Deutschland werden immer so Schlagwörter gesucht, man wird ständig in Schubladen gepackt. Und ich lasse das nicht gern mit mir machen. Ich habe immer versucht, mich über die Auswahl meiner Rollen zu definieren. Das ist für die Boulevardblätter zwar nicht sehr interessant, weil der Wiedererkennungswert fehlt, aber mir macht es nach wie vor mehr Spaß, immer wieder in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen.

Playboy: Wenn Sie an all diese Rollen zurückdenken - was war da das tollste Kostüm?
Koch: Die Jacke vom Seewolf. Aus Seehundfell, eigentlich viel zu üppig, zu wuchtig. Aber der wohnt ja in diesen Klamotten. Der hat, glaube ich, gar nichts anderes! Das hat mir irre gut gefallen.

Playboy: Eine Jacke aus kleinen süßen Seehunden? Das ist aber politisch sehr inkorrekt . . .
Koch: (lacht) Nee, nee, das glaube ich nicht, dass das kleine süße Seehunde waren. So borstig, wie die Jacke war, war das wahrscheinlich ein alter Seehund.

Playboy: Wie wichtig ist ein Outfit für eine Rolle generell?
Koch: Sehr wichtig. Absolut. Was die Menschen tragen, zeigt viel von ihrem inneren Zustand, auch wenn sie nicht drauf achten. Kleider erzählen tatsächlich viel über Leute.

Playboy: „Speer und Er“, „Stauffenberg“, „Black Book“ - Sie haben viele Filme in Uniform gedreht. Was macht das mit einem?
Koch: Na ja, eine Uniform ist Schutz. Man verliert damit seine Individualität und unterstellt sich einer Sache. Speer zum Beispiel hat am Anfang sehr widerwillig, aber später sehr leidenschaftlich Uniform getragen. Der hat in dieser Uniform eine ganz andere Haltung gekriegt, das kann man auf alten Dokumentaraufnahmen deutlich sehen. Das finde ich immer wieder spannend, was das mit Leuten macht. Auch wenn Sie beobachten, wie manche Schaffner oder Polizisten ihre Uniform tragen - das ist gespenstisch, wie mächtig sie sich fühlen.

Playboy: Was reizt Sie eigentlich an diesen ganzen historischen Rollen?
Koch: In welchem Jahrhundert ein Film spielt, ist mir völlig wurscht. Es geht mir um das Drehbuch, um die Rolle und um die Leute, die da mitmachen, in dieser Reihenfolge. Wenn Geschichte so viel Kraft hat, dass sie nach Jahrzehnten noch mal ausgegraben und verfilmt wird, hat das meist eine Berechtigung. Mir war auch immer wichtig, dass man über die deutsche Geschichte redet, vor allem über die Nazi-Zeit. Aber um noch mal einen Film in dieser Zeit zu machen, müsste das wirklich ein Hammerprojekt sein. Ich glaube, ich habe da meinen Beitrag geleistet.

Playboy: Jetzt steht ja auch erst mal ein anderes Projekt auf der Agenda: Während unseres Shootings haben Sie die Zusage für eine Rolle in Bruce Willis’ „Die Hard 5“ bekommen . . .
Koch: Ja, die Vertragsverhandlungen haben sich länger hingezogen, und dann kam während der Playboy-Aufnahmen per Telefon das endgültige Go.

Playboy: Sie spielen einen Russen. Den Bösewicht?
Koch: Das ist alles Spekulation! Im Moment kann ich nur sagen, dass wir in Budapest drehen und dass es sehr aufregend ist, in einer so großen Hollywood-Produktion zu spielen. Das sind ganz andere Dimensionen, da kostet ein einziger Drehtag so viel wie bei uns ein Independent-Film.

Playboy: Ist es das, was Sie reizt?
Koch: Nein, ich finde die Abwechslung toll. Mein letztes Projekt war genau das Gegenteil: Mit Mike Figgis, dem Regisseur von „Leaving Las Vegas“, haben wir einen Film in nur 22 Tagen und mit ganz kleinem Budget gemacht.

Playboy: Davor war es eine ganze Weile lang ziemlich ruhig um Sie. Warum?
Koch: Ich hatte über mehrere Jahre viel und sehr intensiv gedreht. Ich wollte mich eine Zeit lang keiner Herausforderung mehr stellen, ich war überreizt. Einfach nur drehen, ohne diese Lust, das macht mir keinen Spaß, das kann ich nicht. Und deshalb habe ich ein Jahr Pause gemacht.

Playboy: Was hätten Sie gemacht, wenn nach dem Jahr alle gesagt hätten: „Sebastian Koch - den wollen wir nicht mehr“?
Koch: Da habe ich nie drüber nachgedacht. Diese Angst war nicht da, dass es nicht weitergeht, überhaupt nicht.

Playboy: Sie sind gerade 50 geworden - mit großer Party oder stillem Rückzug?
Koch: Eigentlich wollte ich ein Riesenfest machen, aber dann kamen die Dreharbeiten zu „Die Hard“ dazwischen.

Playboy: Ist es sehr schlimm, an seinem 50. Geburtstag ausgerechnet „Stirb langsam“ zu drehen?
Koch: (lacht) Das ist nicht so tragisch! Schade ist nur, dass das Fest verschoben werden musste.

Playboy: Die Zahl 50 macht Ihnen also keine Angst?
Koch: Nö. Zahlen machen mir keine Angst. Sagen wir mal so: Dass ich nicht mehr überall runterspringe, macht mir ab und zu Angst, dass der Körper nicht mehr so belastbar ist wie vor 20 Jahren, das ärgert mich manchmal. Altwerden ist nichts für Feiglinge, diesen herrlichen Satz gibt es ja. Mit 50 ist das noch kein so großes Thema, aber man ahnt bereits, was vielleicht auf einen zukommt. Man rückt näher. Die Zeit vergeht schneller, je älter man wird - das ist auch etwas, das ich ganz deutlich spüre.

Playboy: Ihre Wochen sind jetzt kürzer als früher?
Koch: Und ein Jahr rutscht einfach so durch. Letzten Silvester dachte ich: Sag mal, das war doch gerade erst ein paar Monate her . . .? Ich hatte dann ein Gespräch mit einem 70-Jährigen, und der sagte mir: „Du, das geht jetzt immer schneller.“ (lacht)

Playboy: Um zum Schluss noch mal den Bogen zum 40. Playboy-Jubiläum und dem Thema Mode und Stil zu schlagen: Welche Extravaganzen sollte sich ein Mann ab 40 verkneifen?
Koch: Haare färben, sodass man es sieht. Diese voranschreitende Zeit des Älterwerdens dermaßen zu torpedieren, finde ich gaga. Da muss ich dann aufpassen, dass ich nicht lache.
 

Biographie

Viele Köche

alles anzeigen

Er war Albert Speer („Speer und Er“, 2005), Andreas Baader („Todesspiel“, 1997), „Stauffenberg“ (2004), Klaus Mann („Die Manns“, 2001), „Der Seewolf“ (2009) und der Dramatiker Georg Dreyman im oscarprämierten „Das Leben der Anderen“ (2006). Kein Wunder, dass Sebastian Koch irgendwann eine Auszeit brauchte. Nach einem Jahr selbst verordneter Schauspielpause stand er unter anderem für den Thriller „Suspension of Disbelief“ und die Bernhard-Schlink-Verfilmung „Das Wochenende“ vor der Kamera, die noch 2012 im Kino starten soll. Mit seinen Lesungen, bei denen er Auszüge aus Arthur Schnitzlers „Die Traumnovelle“ vorträgt, tritt der 50-Jährige auf diversen deutschen Bühnen auf.

Mareike Opitz; Produktion: Samira Fricke