Harte Landung

Der Tod springt immer mit – Klippenspringen gehört zu den gefährlichsten Sportarten der Welt. Dennoch weiß man hierzulande kaum etwas über den Extremsport. Vor der WM Ende Juli in Barcelona ist es höchste Zeit, das zu ändern: sechs Fakten über den kontrollierten Sturz vom Felsen

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1. Zahlen

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Eins ..., zwei ... In drei
Sekunden ist alles vorbei: Männer springen beim Klippenspringen aus 28 Meter Höhe (Frauen aus 18 bis 23 m). Dabei beschleunigen sie auf bis zu 85 km/h. Der Aufprall auf dem Wasser ist neunmal härter als beim Sprung vom 10-Meter-Brett. Bei ihren Schrauben und Salti sind die Springer 2 bis 3 g ausgesetzt – weniger als drei Dutzend Menschen auf der Welt überstehen einen solchen Fall unfallfrei.
 

2. Historie

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Klippenspringen gehört zu den ältesten Extremsportarten der Welt. Im späten 18. Jahrhundert sprang King Kahekili, der letzte unabhängige Stammesführer auf Maui, von einem 15 Meter hohen Lava-Felsen – eine Mutprobe, die ihm seine Krieger nachmachen mussten, um in die Armee aufgenommen zu werden. Als Gründungsort des Sports gilt jedoch La Quebrada, „die Schlucht“, in Acapulco, Mexiko (rechts im Bild). Die berühmte 35 Meter hohe Klippe wurde erstmals 1934 bezwungen, und zwar von dem damals 13-jährigen Perlentaucher Enrique Apac Rios.

3 Locations

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Geschliffene Felsen, smaragdgrünes Wasser und eine atemberaubende Aussicht – Klippenspringen bietet mehr als nur todesmutige Männer. Die besten Locations zum Klippenspringen finden Sie im Hafen des italienischen Malcesine und in Jalta, Ukraine. Ebenfalls empfehlenswert: die Vulkaninseln der Azoren, die thailändische Küstenstadt Krabi und Wadi Shab in der Wüste von Oman.
 

4 Weltrekord

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Den Springern der Cliff Diving World Series geht es weniger um Rekorde. Sie wollen ihrem Publikum vielmehr spektakuläre Sprünge bieten. Der dreimalige Weltmeister Gary Hunt sprang 2009 erstmals einen dreifachen Rückwärtssalto mit vierfacher Schraube – der höchste Schwierigkeitsgrad, der je erreicht wurde. Konkurrent Orlando Duque bekam einst von allen sieben Punktrichtern die Höchstwertung 10,0: Besser geht’s nicht.

5 Unfälle

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Im Dschungel von Kolumbien knallte Joey Zuber 2008 aus 28 Metern auf eine Untiefe im Fluss: Das Schienbein bohrte sich durchs Knie und zertrümmerte den Oberschenkel. Er musste neunmal operiert werden – und hatte danach ein zwölf Zenti­meter kürzeres Bein. Klippenspringen gehört zu den riskantesten Sportarten der Welt, jahrelanges Training ist Grundvoraussetzung. Wer es nicht schafft, mit den Zehen voran einzutauchen, hat ein Problem: geplatzte Trommelfelle, gebrochene Schultern, Prellungen, Schürfwunden und Quetschungen stehen auf der Tages­ordnung.

6 Legende

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Er ist Kolumbianer, 38 Jahre alt, Typ Latin Lover und gilt als die lebende Legende im Klippenspringen: Orlando Duque begann seine Karriere als Kunst- und Turmspringer. Doch der Adrenalin-Junkie brauchte mehr. So kam er zum Klippenspringen. Bis heute gewann er neun WM-Titel und ist der einzige Profi, der von diesem Sport leben kann. Zuletzt legte er nach einem komplizierten Sprunggelenksbruch ein Comeback hin – beim Fallschirmspringen.
 

Thomas Becker