Mehr Sport

Toni Schumacher und Manuel Neuer

Der legendäre Torwart und sein legitimer Nachfolger über autogenes Training, den Egoismus des Schlussmanns und das Verhältnis zu ihren Händen

 

Manuel Neuer Junger Faustkämpfer: Manuel Neuer beginnt seine Karriere als Fünfjähriger beim FC Schalke 04 - im Tor. Mit 18 bekommt er den ersten Profivertrag bei Schalke - jenem Verein, für den er sich Samstag für Samstag auf der Fantribüne den Hals heiser schreit. 2006 absolviert Neuer sein erstes Länderspiel in der U21, dann sein erstes Bundesligaspiel und verdrängt Frank Rost vom Posten des Schalker Stammtorwarts. Die „Kicker“-Umfrage kürt ihn in seiner ersten Saison zum besten Torhüter der Bundesliga. 2009 steht Neuer erstmals im Tor der A-Nationalmannschaft, mit den Junioren holt er bei der EM in Schweden den Titel und kassiert während des ganzen Turniers nur ein Tor. Neuer, 24 Jahre alt, ist ledig und kinderlos.
Die Arena auf Schalke an einem spielfreien Tag ist ein trauriger Ort. Eine betonierte Leiche, die darauf wartet, Atem eingehaucht zu bekommen. Die Presselounge in der Arena an einem spielfreien Tag ist ein besonders trauriger Ort: Die Catering-Firma hat die Bar abgesperrt. Als man endlich, für Unsummen und über weite Wege, Kaltgetränke organisiert hat und eine Kanne mit schwarzer Flüssigkeit, die als Kaffee verkauft wird, kommt auch Torwart-Legende Harald Anton – besser bekannt als „Toni“ – Schumacher, 55, auf Touren. Schalke-Torwart Manuel Neuer, 32 Jahre jünger und ungefähr 87 Bänderrisse gesünder als Schumacher, ist eh auf Betriebstemperatur. Dafür hat Schalke-Trainer Quälix, äh: Felix Magath im Vormittagstraining schon gesorgt.

Playboy: Wie wird man eigentlich Torwart: Weil man schlechter Fußball spielen kann als alle anderen auf dem Platz?
Neuer: Ich wollte eigentlich Feldspieler werden, bei Schalke. Der Trainer hat dann gesagt, dass ich ins Tor muss, weil ich neu war. So ist das ja auch auf dem Bolzplatz: Der Letzte muss ins Tor. Ich habe das ganz ordentlich gemacht – sodass ich letztlich nie mehr aus dem Tor rausgekommen bin...

Playboy: Der letzte Depp muss ins Tor – war das auch bei Ihnen so, Herr Schumacher?
Schumacher: Nein, ich habe überall gespielt – vorne, im Mittelfeld, Verteidiger. Aber meine Mutter sagte: „Geh doch ins Tor, ist ein gemütlicher Job, da musst du nicht so viel laufen.“ So bin ich Torwart geworden. Und das Tolle für mich war, dass man ein anderes Trikot anhat, damit jeder sieht: Du hast deinen eigenen Raum, du bist der Einzige, der den Ball in die Hand nehmen darf.

Playboy: Der Torwart als Einzelkämpfer!
Schumacher: Genau, du bist Einzelkämpfer in einem Team, ein geiler Job. Wir sind dafür da, die Drecksarbeit für die anderen zu machen. Es ist ganz anders als bei den Feldspielern: Wenn Manuel 89 Minuten lang grandios spielt und fünf Bälle hält, die eigentlich drin sind, und dann kriegt er einen rein wie jetzt René Adler gegen Argentinien, dann hat er das Spiel verloren. Kevin Kuranyi kann, bitte nicht falsch verstehen, alle Bälle verstolpern, in der 89. Minute hat er Glück und hält die Birne hin – König!

Toni Schumacher Alter Handarbeiter: Harald Anton („Toni“) Schumacher gibt nach seiner Lehre zum Kupferschmied 1974 sein Debüt im Tor des 1. FC Köln. 1980 wird er mit der Nationalmannschaft Europameister, bei den WMs 1982 und 1986 Vizeweltmeister. 1987 schreibt er in seinem Buch „Anpfiff“ über Doping in der Bundesliga, fliegt deshalb aus dem Nationalkader und muss den 1. FC Köln verlassen. Er spielt für Schalke, wird türkischer Meister bei Fenerbahce Istanbul und beendet seine Karriere (drei Pokalsiege, zwei Meistertitel, 464 Bundesligaspiele) 1992 beim FC Bayern München. Nach diversen Trainerstationen betreibt er heute eine Sportmarketing-Firma. Schumacher, 56 Jahre alt, hat drei Kinder von zwei Ehefrauen.
Playboy: Wie ungerecht!
Neuer: Wir kennen den Job ja gar nicht anders. Man lernt von der Pike auf, keine Fehler machen zu dürfen, diese Verantwortung zu haben.

Playboy: Ist das nicht ein enormer Druck?
Neuer: Man wächst damit auf. Da braucht man auch gar nicht großartig mental irgendwas machen. Man muss nur klar im Kopf sein, muss wissen, was man kann. Dass dabei Fehler passieren, ist ganz normal.

Playboy: Herr Schumacher, Sie haben damals autogenes Training gemacht und als einer der Ersten in den Fußball eingeführt, oder?
Schumacher: Ja, und vor allem habe ich, wenn mir ein Fehler unterlaufen ist, den im Spiel immer einem anderen zugesprochen. Da war irgendeiner schuld, stand der Verteidiger falsch oder was auch immer. Denn warum soll ich mich während der 90 Minuten selbst schwächen? Erst abends in meinem Fitnessraum im Keller habe ich mir die Knochen blutig geschlagen am Sandsack, als Buße für meinen Fehler.

Playboy: Mal ehrlich: Will der Torwart überhaupt eine gute Verteidigung haben? Oder ist man nicht froh über ein paar Saftsäcke, die einen zeigen lassen, was man kann?
Neuer: In Pflichtspielen will man natürlich eine gute Verteidigung haben. Aber in Testspielen freust du dich schon über jeden Ball, den du aufs Tor bekommst, wo du zeigen kannst, was du draufhast. Aber ein Torwart, der nicht viel zu tun hat, zeigt, dass er seine Vorderleute gut organisieren kann, das wird häufig unterschätzt.

Playboy: Freut man sich als Torwart mehr über einen 5:1-Sieg oder über ein 1:0?
Schumacher: Ich glaube, das kann ich besser beantworten als der Manu... Torwarte sind Egoisten. Wenn du eine Null dastehen hast, hast du deinen Job gemacht. Aber wenn du 6:5 gewinnst, dann hast du fünf Dinger reinbekommen. Auch wenn die Mannschaft die drei Punkte holt – ich spiele lieber 0:0.

Neuer: Ich möchte natürlich am liebsten immer zu Null spielen. Aber am wichtigsten ist, dass wir die Spiele gewinnen.
Playboy: Herr Neuer, wenn Sie sich so ein Schumacher-Spiel aus den Achtzigerjahren ansehen, denken Sie sich dann nicht: „Mensch, hat’s der gemütlich gehabt damals“?

Neuer: Klar hat sich das Spiel verändert, aber damals hat man eben mit Rückpass gespielt, und der Torwart durfte den Ball mit der Hand aufnehmen. Heutzutage wird die Abwehr von uns oft rausgeschickt und dann der lange Ball geschlagen, so passt man sich den Zeiten an.
Schumacher: Schaut euch die Skispringer an, die früher mit den Händen vorausgesprungen sind – das war eben damals das Optimum. Und zu unserer Zeit war das Torwartspiel und überhaupt das ganze Mannschaftsspiel sicher nicht so schnell wie heute, aber es war absolute Weltspitze. Sonst wären wir zu meiner Zeit nicht zweimal ins Endspiel gekommen und wären auch nicht 1954 und 1974 Weltmeister geworden! Außerdem war ich einer, der nicht nur hinten im Tor stand, sondern ich habe auch versucht, Libero zu spielen.

Manuel Neuer „Man muss nur klar im Kopf sein, wissen, was man kann“: Mit der U21-Nationalmannschaft ist Manuel Neuer schon Europameister geworden. Um den Platz bei den „Großen“ kämpft er noch


Playboy: Wären Sie heute gern Torwart?
Schumacher: Ja, sehr gern, das würde mir liegen. Einen Pass konnten wir ja damals auch schon spielen. Für mich ist in erster Linie wichtig, dass ein Torwart gut dirigiert, dass er etwas darstellt, dass er eine gute Körpersprache hat und selbstbewusst ist. Das Fußballspielen kommt obendrauf.

Playboy: Der verrückte Torhüter, der sich selbst Zigaretten in den Arm brennt oder anderen das Ohr abbeißt – ist das eine andere Generation?
Neuer: Wenn so starke Charaktere wie Jens Lehmann und Oliver Kahn aufeinandertreffen, pusht das beide ins Extrem. Aber ich fühle mich nicht als der Verrückte, der unbedingt irgendwas machen will, damit er in der Presse erscheint. Ich konzentriere mich lieber auf mein Spiel und versuche immer, in allen Belangen noch ein paar Zentimeter herauszuholen.

Playboy: Herr Schumacher, sind Ihnen die Torhüter der neuen Generation ein Stück zu langweilig, zu korrekt, zu gelackt?
Schumacher: Ich war als 21-Jähriger auch nicht gleich so verrückt. Aber Tim Wiese, den zähle ich auch noch zu den Jungen, ist schon ein bisschen verrückter als Neuer und Adler. Durchaus positiv verrückt. Du musst das nicht kommentieren, Manuel...

Playboy: Würden Sie Manuel Neuer also raten, dass er ein bisschen verrückter wird?
Schumacher: Verrückter nicht. Aber wenn ich mir erlauben darf, das zu sagen, dann hätte ich gern, dass er ein bisschen extrovertierter wäre. Aber das muss er selber spüren, es muss von innen kommen.

Neuer: Ich verstehe das. Torhüter haben immer offen miteinander geredet.
Playboy: Herr Neuer, 8. Juli 1982, Halbfinale gegen Frankreich, 57. Spielminute. Was passiert da aus Ihrer Sicht: ein Foul, eine Attacke, körperliche Härte?

Neuer: Ich bin erst 1986 geboren und habe das Spiel noch nie gesehen.
Schumacher: Das weiß er, wenn überhaupt, nur vom Erzählen.

Playboy: Aber Sie haben den – sagen wir mal: Zusammenprall zwischen Schumacher und Patrick Battiston doch sicher mal auf YouTube gesehen, oder?
Neuer: Nein.

Toni Schumacher „Ich hätte gern, dass Manuel etwas extrovertierter wäre“, sagt Toni Schumacher, „Manuel muss Adler Druck machen, jede Woche, jedes Spiel.“


Playboy: Herr Schumacher, was sagen Sie heute: ein Foul? Die übliche Härte?
Schumacher: Wann ist Foul? Wenn der Schiedsrichter pfeift und wenn du die Gelbe Karte bekommst. Es gab Abstoß, also war’s kein Foul. Ich war sicher, ich krieg den Ball, deshalb bin ich so kompromisslos rausgestürmt. Ich habe mich bei Patrick Battiston entschuldigt für das, was damals passiert ist, bin mit ihm im Reinen, alles andere interessiert mich nicht.

Manuel Neuer fingert unter dem Tisch an seinem iPhone herum. Ist er gelangweilt? Checkt er seine Mails? Nein, er sucht die Szene auf YouTube. Sieht sie einmal, normal. Dann noch mal, in Zeitlupe, Großaufnahme. Als Schumacher im Video seine Hüfte nach links wegdreht, gegen Battistons Kopf, lacht Neuer laut auf. Wie das Publikum im Kino, nach einer besonders krassen Actionszene.

Neuer: Was hat er denn gehabt?
Schumacher: Was am Halswirbel...

Playboy: Eine Gehirnerschütterung, einen Halswirbelanbruch und zwei ausgeschlagene Zähne.
Schumacher: Soll ich Ihnen mal aufzählen, was ich im Laufe meiner Karriere alles hatte? Sie brauchen sich nur meine Finger anzugucken!
Neuer: Auch im Zweikampftraining oder bei Trainingsspielen kann es richtig zur Sache gehen. Da bleibt schon mal einer liegen. Der Trainer sagt da gar nichts zu, sondern es geht weiter. Man muss sich auch mal den Handballsport angucken: Die greifen richtig ins Gesicht und schlagen. Und dann kriegst du zwei Minuten Strafe...

Manuel Neuer schaut auf die Uhr, in einer Stunde muss die Mannschaft antanzen. Wissenschaftliche Tests sind heute Nachmittag angesetzt, die Sehfähigkeit der Spieler wird analysiert. Wer bei den Tests schlecht abschneidet, bekommt entweder Kontaktlinsen verpasst oder wird zu Sehtraining verdonnert, damit die Pässe und Flanken künftig genauer ankommen. Man könnte also über die Augen reden. Aber worüber muss mit Torhütern gesprochen werden? Richtig, über die Hände.

„Torwart? Ein geiler Job. Wir machen die Drecksarbeit“
Toni Schumacher


Playboy: Was für ein Verhältnis hat man als Torhüter eigentlich zu seinen Händen?
Neuer: Na ja, das ist das Wichtigste, womit man arbeitet.
Schumacher: Man kann schon mal mit einem dicken Henkel spielen, aber wenn sie zu angeschlagen sind, ist das ein Problem.

Playboy: Was für eine Handcreme benützen Sie?
Neuer: Gar keine. Nach dem Spiel warm duschen und mit Body Lotion eincremen, das ist alles.

Playboy: Schon mal einen Spieler gebeten, dass er Ihnen die Tasche in den Bus trägt?
Neuer: Nee, das gab es bei mir noch nie.

Playboy: Passt man als Torwart besonders auf die Hände auf?
Neuer: Das ist unser Kapital, und darauf muss man aufpassen.
Schumacher: Also, meine Hände waren damals extra versichert.

Playboy: Wie hoch?
Schumacher: Weiß ich nicht mehr. Vielleicht zwei Millionen Mark.

Playboy: Haben Sie eine Händeversicherung?
Neuer: Nein, das läuft über die Invaliditätsversicherung.

Playboy: Muss man als Torwart besonders aufpassen, wem man die Hand schüttelt?
Schumacher: Nein, die anderen müssen aufpassen. Denn die meisten von uns haben einen festen Händedruck.
Neuer: Ich lege immer Wert drauf, dass man die Handschuhe auszieht, wenn man sich vor dem Spiel die Hände gibt. Es gibt ja einige Spezis, die machen das nicht – das finde ich schwach.

Playboy: Haben Sie einen Lieblingsfinger?
Neuer: Immer der, der den Ball um den Pfosten lenkt. Ich habe ja noch keinen Ring um, deshalb ist der Ringfinger nicht der wichtigste.

Ein paar Tage vor dem Interview spielt Deutschland gegen Argentinien. Die Nummer 1 auf dem Rücken trägt dabei René Adler, Neuers Konkurrent von Bayer Leverkusen. Kurz vor der Pause verlässt er sein Gehäuse, unterläuft einen Ball – und kassiert das 0:1. Nicht so schlimm, wird Adler später sagen, war ja nur ein Freundschaftsspiel. Ein Freundschaftsspiel? Im Nationaltrikot? Gegen Argentinien? Für Neuer gibt es so etwas nicht:

Playboy: Zum Thema WM: Kann Deutschland in Südafrika Weltmeister werden?
Schumacher: Deutschland kann immer Weltmeister werden. Wenn die Nationalmannschaft nach Südafrika fährt, um Sechster zu werden – das geht nicht. Das Halbfinale ist eigentlich immer ein Muss.

Playboy: Sehen Sie das auch so?
Neuer: Ja. Wir waren mit der U21 letzten Sommer bei der Europameisterschaft in Schweden, und nach außen hieß es immer: „Wir wollen das nächste Spiel gewinnen.“ Aber wir hatten natürlich nur das Finale und den Titel vor Augen. Man denkt nicht daran, wen man im Viertelfinale kriegt...
Schumacher: Wenn du Weltmeister werden willst, musst du sowieso alle schlagen!

Playboy: Wenn Sie als Bundestrainer entscheiden müssten – wer steht dann bei der WM im Tor?
Schumacher: Das kann ich noch nicht sagen. Sage ich jetzt Adler, und der spielt jede Woche Bockmist, dann müsste ich mir die Freiheit nehmen, neu zu entscheiden.

Toni Schumacher Manuel Neuer und Toni Schumacher: Der eine hat bei zwei Weltmeisterschaften das Tor der deutschen Nationalmannschaft gehütet – der andere will dort noch hin. Zwei unterschiedliche Generationen, zwei unterschiedliche Temperamente – ein und dasselbe Handwerk.


Playboy: Sie haben keinen Favoriten?
Schumacher: Nein. Ich habe immer gesagt, Adler und Neuer machen das unter sich aus. Jogi Löw hat sich anscheinend für Adler entschieden, aber der hat ja deshalb keinen Persilschein. Manus Aufgabe ist es, ihm so viel Druck zu machen, jede Woche, mit jedem Spiel, dass René sagt: „Mann, Mann, Mann, ich kann mich keine Sekunde ausruhen, der Neuer gibt so viel Gas, ich darf keinen Fehler machen.“ Steckt Adler das weg, oder macht er sich darüber Gedanken? Und wenn er sich Gedanken macht, dann wird die eine oder andere Situation kommen, die ihn zu Fehlern verleitet.

Playboy: ... wie gegen Argentinien.
Schumacher: Gut, da sagt er, das ist ein Freundschaftsspiel, da gehe ich nicht so hin.

Playboy: Denkt man als Torwart so: „Ist ja nur ein Freundschaftsspiel?“
Neuer: Ein Länderspiel ist für mich kein Freundschaftsspiel.

Playboy: Finden Sie, dass derzeit ein fairer Wettbewerb um die Nummer eins im deutschen Tor abläuft?
Neuer: Ich hätte mir auf jeden Fall gewünscht, gegen Argentinien zu spielen. Aber damit muss man umgehen können und dann in den verbleibenden Pflichtspielen seine Leistungen bringen. Und im Training Gas geben.
Schumacher: Also ich an Manuels Stelle würde sagen: „Das, was ich im Verein gezeigt habe, würde ich auch gern in der Nationalmannschaft zeigen.“
Neuer: Und auch noch unter Druck, gegen Argentinien.
Schumacher: Genau, das war ja ein geiler Gegner, das ist ja nicht Burkina Faso oder so.

Ob Neuer für Deutschlands Nationalmannschaft im Tor stehen darf, ist ungewiss. Die Gerüchte allerdings, dass er in der Bundesliga demnächst für Bayern zwischen den Pfosten steht, reißen nicht ab.

Playboy: Herr Neuer, haben die Bayern den Torwart, den sie brauchen?
Neuer: Da bin ich der falsche Ansprechpartner.

Playboy: Was meinen Sie, Herr Schumacher, haben die Bayern den Torwart, den sie brauchen?
Schumacher: Wenn sie Deutscher Meister werden, dann haben sie ihn gehabt...

Playboy: Sollte Manuel Neuer nach München wechseln?
Schumacher: Wenn er Titel haben will, muss er zu Bayern wechseln, das ist eine Titelgarantie. Aber wenn der Felix auf Schalke bleibt und längerfristig etwas auf die Beine stellt, macht das sicherlich auch Sinn. Die Schalker haben fantastische Fans, wenn hier der Titel kommt, brennt die Bude!

Playboy: Angenommen, Schalke löst sich morgen auf, welcher Verein würde Sie dann am meisten reizen?
Neuer: Schalke. Sonst wüsste ich nichts.
Schumacher: England ist immer am unverfänglichsten, sag ManU oder so was... Dass die Bayern es versucht und angefragt haben, ist ja schon mal ne große Wertschätzung. Das tut immer gut. Und wenn jetzt noch Barcelona oder Manchester kommt, selbst wenn du nicht hingehst, weißt du immer noch: „Die besten Vereine der Welt sind interessiert an mir!“

Manuel Neuer schaut wieder auf die Uhr. Das Nachmittagstraining beginnt gleich. Für jede Minute, die er zu spät kommt, muss er 100 Euro in die Mannschaftskasse zahlen, das hat Magath eingeführt. Auf das Angebot des Playboy, die Spesen zu übernehmen, will Neuer nicht eingehen.

Playboy: Herr Schumacher, was hätten Sie gern von Manuel Neuer?
Schumacher: Ich kann die Spieler nicht verstehen, die aufhören, Fußball zu spielen, weil sie keine Lust mehr haben. Auch wenn ich kaputte Finger und Knie habe: Die Lust ist genau so da wie früher. Die Möglichkeit, auf dem Platz zu stehen, wie Manuel sie hat, die hätte ich gern. Aber auch wenn die Spieler heute bei Weitem mehr Geld verdienen als wir damals – die schönere Zeit hatten wir.

Playboy: Inwiefern?
Schumacher: Weil sie heute gläsern sind. Heute sind immer zwölf Kameras dabei. Wir sind früher vom Auswärtsspiel natürlich nicht heim zu unseren Frauen gefahren, sondern geschlossen in die Disco. Stell dir das mal vor, du fährst heute im Trainingsanzug nach Köln in die Disco? Undenkbar. Es war eine sehr schöne und verrückte Zeit, die wir erleben durften.

Playboy: Sie denken an „Schlucksee“ (am Schluchsee im Schwarzwald fand 1982 das legendäre Trainingslager für die WM in Spanien statt, Anm. d. Red.)?
Schumacher: Den „Schlucksee“ lassen Sie mich mal so erklären: Zu Beginn des Trainingslagers gab es nur einen, der hin und wieder angeln ging, um für sich sein zu können. Je länger das Trainingslager dauerte, desto mehr Angler hatten wir. Am Schluss waren es zehn...

„Ja, man lernt von der Pike auf, keine Fehler zu machen“
Manuel Neuer


Playboy: Herr Neuer, was hätten Sie gern von Toni Schumacher?
Neuer: Ich wüsste gern, wie meine Karriere verlaufen wird. Ich freue mich auf meine Zukunft, aber ich wüsste schon gern, was ich so alles erleben werde.
Schumacher: Der Manu sollte, wenn er einmal so alt ist wie ich, wenigstens ein Finale oder eine Europameisterschaft haben, irgendwas sollte dabeisein. Es gibt viele, viele gute Spieler, die ihre Karriere beenden und nix auf der Autogrammkarte stehen haben außer 450 Bundesligaspielen. Aber das ist letztendlich nichts Besonderes, das machen wir ja jede Woche.

Interview mit Toni Schumacher und Manuel Neuer:
Detlef Dresslein // Christian Thiele
]
Interview: Toni Schumacher und Manuel Neuer ↑
 
Meine Favoriten
Speichern Sie diese Seite in Ihren Favoriten.
Geben Sie hier eine Bemerkung ein:

... zu meinen Favoriten
 
 Toni Schumacher und Manuel Neuer
 

Kommentare