Ralf Husmann, 45, – Schmidt, Pocher, Stromberg – ohne ihn wären sie nur halb so komisch. Für alle hat er schon Pointen und Dialoge geschrieben. Sein aktuelles Buch: „Nicht mein Tag“(Scherz Verlag, 13,90 Euro)
Wir hatten „Monopoly“ gespielt, und sie war der Meinung, auf dem „Frei Parken“-Feld passiere gar nichts, während ich weiß, dass man dort die gesamte Kohle bekommt, die die Spieler an Steuern, Strafen usw. zahlen müssen. Das Spielregelheftchen war weg, das Internet machte widersprüchliche Aussagen, und ich warf ihr schließlich ihr Hotel vom Opernplatz ins Auge, unabsichtlich natürlich. Einen Tag später hat sie die Koffer gepackt und den Status bei Facebook auf „Single“ gesetzt. Es lief insgesamt nicht mehr so rund mit uns in letzter Zeit.
Ich hätte nicht gedacht, dass sie mir so fehlen würde. Ich hing durch wie eine Hängematte. Es war, als hätte man echtes Bier durch ein alkoholfreies ersetzt: Äußerlich war ich wie immer, aber das Wichtigste fehlte. Und ich fand, alles war meine Schuld.
Da faselt Möhre von Elfmeterschießen. „Was soll das heißen“, frage ich, „mit so einer Frau?“ Möhre verheddert sich alkoholbedingt in einer Erklärung. Thilo meint, in seinen Augen sei Ramona eine Art iPhone, wo es auch hauptsächlich ums Image geht, ums Aussehen, ums Haben. „Telefonieren kannste mit anderen sogar besser“, lallt er, und beteuert, er meine telefonieren jetzt nicht im Sinne von vögeln, sondern mehr allgemein. „Nix gegen die Ramona“, schließt Siggi an, auch nicht mehr nüchtern, aber ihn habe sie immer an Yoko Ono erinnert, die damals John Lennon erschossen hat. Nicht vom Aussehen, aber von der Mentalität. Siggi fügt an, dass die Beatles danach nie mehr dieselben waren und dass Ajax Atemnot praktisch die Beatles der Thekenmannschaften sind und ich seit Ramona auch kaum noch zum Training gekommen sei. Der Rest der Mannschaft legt kräftig nach. Die Ramona war ein Drachen, ein Teufel, heißt es. Mich träfe überhaupt keine Schuld, sagen alle. Ich sei verführt worden. Ich hätte gar nicht gewusst, worauf ich mich einlasse. Ich war Deutschland, sie war Hitler.
An unserer Theke ist eine Stimmung wie Ende Mai 45. Alle sind immer schon dagegen gewesen, jetzt wo Adolf weg ist bzw. eben Ramona. Nervig sei sie gewesen, rechthaberisch, anstrengend, besserwisserisch. Ich komme mir vor wie Guido Knopp. Lauter Zeitzeugen erzählen mir, wie es früher angeblich war. Sie erinnern an gemeinsame Abende mit Ramona, nach denen alle schon wussten, wie es enden würde. Alle außer mir. „Und warum habt ihr nichts gesagt?“ Auf diese Frage höre ich mehr Binsen als auf Fragen von Rolf Töpperwien. Nicht auszudenken, wie viele Beziehungen, Trennungen und Diktaturen zu vermeiden wären, wenn die Leute rechtzeitig die Schnauze aufmachen würden. Ich bin stinksauer auf die Jungs, sage aber nichts. Wozu auch? Bringt eh nichts. Und dann schreibt Ramona eine SMS. Dass ich ihr fehle und dass wir was hatten, was man nicht einfach so wegschmeißt wie ein Hotel auf dem Opernplatz. Ich bin gerührt. Vielleicht auch nur besoffen. So eine SMS hat Hitler nicht geschickt, aber Vergleiche hinken immer. Ich guck demnächst die ganzen Dokus, in denen die Leute erklären, wie die DDR nach dem Dritten Reich möglich war. Irgendwas muss ich meinen Jungs sagen, wenn Ramona wieder bei mir einzieht.
Ralf Husmann ]
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