La Schöneberger
Fernseh-Diva Barbara Schöneberger über die Kunst der Selbstironie, Testosteron-Helden — und warum es gar nicht so leicht ist, Bikinis zu tragen
Playboy: Frau Schöneberger, Reden ist ziemlich wichtig für Sie, oder?
Schöneberger: Ja, für mich ist Sprechen immer ein Indikator von: „Es ist alles in Ordnung.“ Deshalb kann ich es immer schwer ertragen, wenn nicht miteinander gesprochen wird.
Playboy: Sie klingen heute heiser, und Sie trinken Tee mit Zitrone. So ganz ohne Stimme — ist das sehr schlimm?
Schöneberger: Sprachlosigkeit ist nervig. Ich finde es auch ganz furchtbar, in einem Land zu sein, in dem man die Sprache nicht spricht. Wo man sich nicht so ausdrücken kann, wie man es gewohnt ist. Das nervt extrem.
Playboy: Wo können Sie mit dieser Einstellung so überall hinreisen?
Schöneberger: Österreich geht noch gut und auch die Schweiz.
Playboy: Immerhin.
Schöneberger: Na ja, wenn ich mich entscheiden müsste, was ich hergeben müsste, würde ich immer die Sprache hergeben. Ich würde lieber sehen und hören und riechen wollen als sprechen können.
Playboy: Das sagen ausgerechnet Sie?
Schöneberger: Ja. Haben Sie schon mal Sex gehabt, ohne zu riechen?
Playboy: Nicht, dass wir uns daran erinnern könnten ...
Schöneberger: Eben. Kann man auch gleich lassen! Riechen ist extrem wichtig!
Playboy: Wenn man Sie so beobachtet, fragt man sich: Denkt die wirklich so schnell, wie sie redet?
Schöneberger: Doch, ich denke schnell. Aber Sie haben Recht, ich rede auch wirklich schnell. Vor Kurzem habe ich mich bei „Kerner“ gesehen, nachts, da habe ich reingeschaltet und dachte mir: „Wer setzt mir eigentlich die Pistole auf den Rücken, dass ich immer so schnell rede?“
Playboy: Und, wer ist es?
Schöneberger: Das lernt man, wenn man in diese Shows geht. Das „Harald-Schmidt-Gast-Syndrom“, wo du genau weißt: „Es könnte in sechs Minuten schon zu Ende sein, also lass uns richtig Gas geben!“
Playboy: Bereuen Sie manchmal Dinge, die Sie gesagt haben?
Schöneberger: Nein. Ich finde auch nicht, dass ich so außergewöhnlich schlimme oder unüberlegte Dinge sage.
Playboy: Haben Sie den Anspruch, dass man alles, was Sie öffentlich sagen, auf die Goldwaage legen kann?
Schöneberger: Nein, überhaupt nicht, im Gegenteil: Ich versuche, alle Äußerungen, die mich und meinen Job betreffen, mit Ironie zu ummanteln. Selbstironie ist doch die einzige Möglichkeit, sich überhaupt in diesem Geschäft zu bewegen. Man muss schon immer signalisieren: „Hallo, Freunde, ich weiß, womit ich mein Geld verdiene. Ich rette keine Leben, ich sorge nicht dafür, dass die Welt sich weiterdreht. Sondern ich stehe in einem engen Kleid, das glitzert, auf einer Bühne und unterhalte Menschen!“
Playboy: Dieses Blondinen-Ding war immer nur ironisch gemeint?
Schöneberger: Ja, daran bin ich ja selber schuld. Wenn man seine Sendung „Blondes Gift“ nennt, muss man natürlich davon ausgehen, dass in jeder Anmoderation das Adjektiv „blond“ vorkommt. Eine Zeit lang war es mir wurscht, war ja Cross-Promotion. Aber heute über die Haarfarbe zu reden, ist so weit weg, wie Anfang der 80er-Jahre Äthiopier-Witze zu machen. Ich wäre heute mit jeder anderen Haarfarbe an dem Punkt, an dem ich bin. Die war nie entscheidend.
Playboy: Sondern?
Schöneberger: Entscheidend waren immer die Brüste! (lacht)
Playboy: Alle beide?
Schöneberger: Die linke mehr ... Nein echt, ich gehe auch manchmal mit schwarzer Perücke raus.
Playboy: Und dann?
Schöneberger: Großer Erfolg! Riesenresonanz! Wenn ich mich selber machen würde, dann würde ich mich eh anders machen. So wie Penélope Cruz in „Vanilla Sky“, wo sie mit einer großen Woolrich-Jacke reinkommt und androgyn, dünn, zerbrechlich und französisch aussieht ...
Playboy: Dann müssten Sie aber auch mit Tom Cruise in die Kiste ...
Schöneberger: Das wäre natürlich scheiße.
„Ich will das ganze Repertoire spielen, von kleines Mädchen bis Vamp“
Playboy: Sie trugen als Kind Zahnspange und Brille. Ab wann galten Sie als schön?
Schöneberger: Bis ich 14 war, ging gar nichts. Diese rosarote Brille hat mich ferngehalten von vielen Dingen. Im Skilager wurde ich nie gefragt, ob ich tanzen möchte. Das war zwar schlimm, aber es saß nicht so tief, dass es wirklich pathologisch wurde.
Playboy: Und dann, mit 14?
Schöneberger: Da wurde ich gefragt. Aber ehrlich gesagt, lebe ich heute mit mir am besten. Wenn ich Bilder sehe von mir vor zehn Jahren, könnte ich natürlich heulen, weil man zehn Jahre jünger und wahnsinnig dünn war, und alles war ganz toll. Aber damals habe ich mich gar nicht so gefühlt.
Playboy: Was muss ein Mann haben, damit Sie ihn schön finden?
Schöneberger: Die sexysten Männer sind mit Sicherheit nicht die, die den Schönheitspokal gewinnen. Ich gehöre auch nicht zu den Frauen, die einen Mann durch ein Trimm-dich-Programm laufen lassen, wenn sie ihn erobert haben.
Playboy: Haben Sie trotzdem einen Traummann?
Schöneberger: Ja, Zinedine Zidane ist der Inbegriff dessen, was ich gut finde. Testosteron und nicht wissen, wohin damit — super! Ich habe mir neulich sogar aus einer Zeitung sein Porträt rausgerissen, seitengroß!
Playboy: Hat sich schon einmal ein Mann für Sie geprügelt?
Schöneberger: Ja. Und es gab Situationen, wo ich das eigentlich ganz cool fand.
Playboy: Damit kann man also bei Ihnen punkten?
Schöneberger: Ein schneller Griff an den Kragen und eine deutliche Ansage — man muss ja nicht gleich hauen. Einer ist mal in der Fußgängerzone auf acht Typen losgegangen, die geschrien haben: „Ey, Barbara, isch find disch geil!“ Er in seinem mundgeblasenen Anzug und den fußgenähten Schuhen, das fand ich schon ziemlich gut.
Playboy: Haben Sie denn ein klares Beuteraster?
Schöneberger: Ich habe kein Beuteraster. Ich habe immer versucht, meine Erfahrungen möglichst breit zu streuen.
Playboy: Ist Ihnen das gelungen?
Schöneberger: Na ja, ich habe erst versucht, nach Berufsgruppen vorzugehen ...
Playboy: ... von A wie Architekt bis Z wie Zahnarzt?
Schöneberger: Genau, und dann nach Jahrgängen. Wenn man anfängt, Merkmale zu kombinieren, ergeben sich unglaubliche Zahlenpyramiden: blonder Zahnarzt, braunhaariger Zahnarzt, blonde kurze Haare usw. Da ergibt sich dann wirklich viel.
Playboy: Eher jünger oder eher älter?
Schöneberger: Auch da habe ich versucht, mich nicht festzulegen.
Playboy: Sie haben sich immerhin zweimal verlobt ...
Schöneberger: Auch das gehört dazu. Das geht ja meist mehr vom Mann aus. Einmal hatte ich einen Ring aufgesteckt bekommen, mit einem lustigen Spruch dazu. Ist aber schon zehn Jahre her. Und das andere Mal hat es einfach nicht geklappt. Ist doch auch okay, man kann doch nach Hamburg ziehen, ein Haus kaufen, den Riesenalarm machen und dann sagen: „Nein, vielen Dank, es ist doch nicht das Richtige. Ich ziehe wieder zurück nach Berlin!“
Playboy: Sind Sie mit Ihren Exen immer noch im Gespräch?
Schöneberger: Ja, das ist mir wahnsinnig wichtig. Ich würde darunter leiden, wenn da verbrannte Erde hinterlassen ist, so dass man nicht mehr anrufen kann.
Playboy: Sie werden oft als „Antifeministin“ bezeichnet ...
Schöneberger: „Postfeministin“ würde es besser treffen. Emanzipiert sein heißt für mich, dass jede Frau sich so verhalten kann, wie sie es gern möchte — ohne dass man blöd guckt. Wenn eine Frau heute sagt: „Ich würde gern zu Hause bleiben und mich um meine Kinder kümmern“, ist das für mich genauso feministisch wie zu sagen: „Ich mache irgendwie mein Business und kriege keine Kinder.“ Oder: „Ich kriege welche und bekomme das alles unter einen Hut.“ Ich habe nur ein Problem damit, zu einem Mann zu ziehen und dann zu sagen: „Guck mal, die Tasche ist schön!“ Und dann kauft er sie mir.
Playboy: Sterben die Machos aus?
Schöneberger: Na hoffentlich nicht!
Playboy: Warum?
Schöneberger: Es gibt eine inspirierende Art von Machismo. Ich will einen, der ab und zu mal fragt: „Ist das recht so?“ Aber der dann auch mal nicht fragt. Ich will ja auch das ganze Repertoire spielen, von kleines Mädchen bis Vamp. So erwarte ich auch von einem Mann, dass er mehrere Rollen draufhat.
Playboy: Ein gut dosierter Macho also — etwa so ein Mann wie Flavio Briatore?
Schöneberger: Es sollte sich schon noch im ästhetischen Bereich bewegen. An dem nervt mich, dass der immer diese Weiber an seiner Seite hat, die nichts können außer Bikini tragen.
Playboy: Muss man auch können!
Schöneberger: Das stimmt, Bikini tragen ist schwer!
Playboy: Haben Sie einen Mann schon mal ausgehalten? Vielleicht einen Studenten, dem Sie die Flugtickets geschickt haben oder so?
Schöneberger: Ich habe mal einen jungen Künstler etwas unterstützt ...
Playboy: Mäzenatentum also.
Schöneberger: Ja, so ähnlich, das hat mir auch gut gefallen. Aber man kommt aus diesem Schema nicht mehr raus. Wenn du einem Typen den Flug, das Essen und seine Klamotten bezahlt hast, wird der einfach nicht mehr zum Helden.
Playboy: Ein Partner, der brav von neun bis fünf ins Büro geht und anonym seinem Job nachgeht, im Maschinenraum des Landes sozusagen — während Sie dauernd im Blitzlichtgewitter stehen: Kann so etwas funktionieren?
Schöneberger: Doch, aber der Mann muss schon ausgestattet sein mit einem großen Selbstbewusstsein und in sich ruhen. Viele versuchen, sich mit mir zu messen.
Playboy: Wie denn?
Schöneberger: Die wollen dann mit mir über Aktienanlagen reden oder so, nur um zu beweisen, dass sie auch irgendwas auf die Seite gelegt haben. Sehr lustig!
Playboy: Hat ein Mann schon einmal was für Sie gesungen?
Schöneberger: Nein, oh Gott! Ich bin sehr konservativ, was den Aktionsradius eines Mannes angeht, da halte ich es wie mit Männerschuhen, Männerfrisuren und Männeranzügen: nichts Witziges, nichts Peppiges, nichts Freches!
Playboy: Haben Sie schon mal einem Mann ein Liebeslied gesungen?
Schöneberger: Auch nicht. Das gehört zu meinem Berufsleben und hat im Privaten nichts zu suchen.
Playboy: Das deutsche Talk-Fernsehen ist von Frauen dominiert: Maischberger, Illner, Will, Sie. Woran liegt das?
Schöneberger: Weil den Rest die Männer machen. Das ist wahrscheinlich so ein Deal, nach dem Motto: „Ihr kriegt nichts außer dem Talk.“
Playboy: Eine Emanzipationsfassade sozusagen?
Schöneberger: Genau. Ich finde es aber gut, dass das alles gestandene Frauen sind und nicht so Girlies mit Arschgeweih. Die machen das alle grandios, ich bin ein großer Frauenfan.
Playboy: Können Frauen das besser, in einer Talkshow sitzen und zuhören?
Schöneberger:: Frank Plasberg macht das auch gut. Ich glaube, das hat nichts damit zu tun, ob man jetzt Mann oder Frau ist.
Playboy: In der „NDR Talk Show“, die Sie jetzt moderieren, wirken Sie sehr zurückgenommen ...
Schöneberger: ... das finde ich toll. Das wird jetzt auch von mir erwartet.
Playboy: Steht das so im Arbeitsvertrag, „zurückgenommenes Auftreten“?
Schöneberger: Wenn man erfüllt, was erwartet wird, dann heißt es: „Die ist ja gar nicht mehr so lustig wie vorher.“ Wenn man es nicht erfüllt, heißt es: „Die quatscht ja die ganze Zeit dazwischen.“ Das ist das Problem.
Playboy: Erinnern Sie sich an diesen Moment, wo Sie sich sagten: „Ich will zum Fernsehen“?
Schöneberger: Gab es nicht, ich wollte das nur machen, um mein Studium zu finanzieren. Dieses „Ich will unbedingt zum Fernsehen“ darf man eh nicht sagen. Das klingt so nach Britney Spears. Ich finde, zum Fernsehen muss man zufällig kommen. Es muss alles eine Kette von Missverständnissen sein, wo man dann irgendwann sagt: „Ich bin da irgendwie hängengeblieben.“
Playboy: Sind Sie dennoch stolz auf Ihre Arbeit?
Schöneberger: Stolz bin ich auf meine Konzerte und die CD.
Playboy: Weil?
Schöneberger: Weil es zum ersten Mal so war, wie ich es wollte.
Playboy: Nämlich?
Schöneberger: Gut!
Playboy: Im Unterschied zu?
Schöneberger: Vielen Sachen, die anders liefen, als ich es wollte. Oder wo ich gar nicht wusste, wie ich es will, weil ich keine eigene Meinung hatte.
Playboy: Freuen Sie sich schon auf den Start Ihrer Tournee?
Schöneberger: Ja, eine Mischung aus Freude und Panik. Es ist toll, auf einer Bühne zu stehen und zu singen!
Playboy: Das ist die Freude. Und die Panik, wie sieht die aus?
Schöneberger: Manchmal singt man und geht aus sich raus und vergisst, wo man ist, warum man das macht und wie man heißt. Dann ist es schwer, in das Lied zurückzufinden. Ich habe immer Angst vor Blackouts.
Playboy: Schon passiert?
Schöneberger: Nein, nicht wirklich. Die dauern ja auch nur kurz, das merkt der Zuschauer gar nicht.
Playboy: Gibt es gar keine Momente für Sie, in denen Sie unzufrieden sind mit sich?
Schöneberger: Selten. Meine Hauptarbeit findet ja außerhalb des Fernsehens statt, ich moderiere Veranstaltungen und Galas. Das sitzt einfach, ich kann das. Man kann mich nachts um drei wecken, vor 2000 Leute stellen und sagen: „Hier, das ist jetzt der Vorstand von Siemens, und jetzt mach du die Diskussionsrunde.“
Playboy: Ihr Vater ist Musiker. Gefällt ihm die Platte?
Schöneberger: Ja, meine Eltern sind sehr stolz. Sonst sind sie eher kritisch, hatten anfangs ein Problem damit, dass ihre Tochter im Fernsehen unterwegs ist. Aber das jetzt finden sie gut. Sie sind der Ansicht, dass ich mich damit in die richtige Richtung entwickelt habe.
Playboy: Sind Sie eigentlich immer fröhlich?
Schöneberger: Ist das Ihr Eindruck? Denken Sie, dass ich die ganze Zeit durch die Gegend laufe und mir auf die Schenkel schlage vor lauter Witzigkeit?
Playboy: Ehrlich gesagt, nein.
Schöneberger: Sehen Sie, ich bin total normal, wie Sie auch. Ich gehe jetzt gleich nach Hause und bohre in der Nase und lege mich vor den Fernseher. Und versuche, nicht mehr zu reden.
Schöneberger: Ja, für mich ist Sprechen immer ein Indikator von: „Es ist alles in Ordnung.“ Deshalb kann ich es immer schwer ertragen, wenn nicht miteinander gesprochen wird.
Playboy: Sie klingen heute heiser, und Sie trinken Tee mit Zitrone. So ganz ohne Stimme — ist das sehr schlimm?
Schöneberger: Sprachlosigkeit ist nervig. Ich finde es auch ganz furchtbar, in einem Land zu sein, in dem man die Sprache nicht spricht. Wo man sich nicht so ausdrücken kann, wie man es gewohnt ist. Das nervt extrem.
Playboy: Wo können Sie mit dieser Einstellung so überall hinreisen?
Schöneberger: Österreich geht noch gut und auch die Schweiz.
Playboy: Immerhin.
Schöneberger: Na ja, wenn ich mich entscheiden müsste, was ich hergeben müsste, würde ich immer die Sprache hergeben. Ich würde lieber sehen und hören und riechen wollen als sprechen können.
Playboy: Das sagen ausgerechnet Sie?
Schöneberger: Ja. Haben Sie schon mal Sex gehabt, ohne zu riechen?
Playboy: Nicht, dass wir uns daran erinnern könnten ...
Schöneberger: Eben. Kann man auch gleich lassen! Riechen ist extrem wichtig!
Playboy: Wenn man Sie so beobachtet, fragt man sich: Denkt die wirklich so schnell, wie sie redet?
Schöneberger: Doch, ich denke schnell. Aber Sie haben Recht, ich rede auch wirklich schnell. Vor Kurzem habe ich mich bei „Kerner“ gesehen, nachts, da habe ich reingeschaltet und dachte mir: „Wer setzt mir eigentlich die Pistole auf den Rücken, dass ich immer so schnell rede?“
Playboy: Und, wer ist es?
Schöneberger: Das lernt man, wenn man in diese Shows geht. Das „Harald-Schmidt-Gast-Syndrom“, wo du genau weißt: „Es könnte in sechs Minuten schon zu Ende sein, also lass uns richtig Gas geben!“
Playboy: Bereuen Sie manchmal Dinge, die Sie gesagt haben?
Schöneberger: Nein. Ich finde auch nicht, dass ich so außergewöhnlich schlimme oder unüberlegte Dinge sage.
Playboy: Haben Sie den Anspruch, dass man alles, was Sie öffentlich sagen, auf die Goldwaage legen kann?
Schöneberger: Nein, überhaupt nicht, im Gegenteil: Ich versuche, alle Äußerungen, die mich und meinen Job betreffen, mit Ironie zu ummanteln. Selbstironie ist doch die einzige Möglichkeit, sich überhaupt in diesem Geschäft zu bewegen. Man muss schon immer signalisieren: „Hallo, Freunde, ich weiß, womit ich mein Geld verdiene. Ich rette keine Leben, ich sorge nicht dafür, dass die Welt sich weiterdreht. Sondern ich stehe in einem engen Kleid, das glitzert, auf einer Bühne und unterhalte Menschen!“
Playboy: Dieses Blondinen-Ding war immer nur ironisch gemeint?
Schöneberger: Ja, daran bin ich ja selber schuld. Wenn man seine Sendung „Blondes Gift“ nennt, muss man natürlich davon ausgehen, dass in jeder Anmoderation das Adjektiv „blond“ vorkommt. Eine Zeit lang war es mir wurscht, war ja Cross-Promotion. Aber heute über die Haarfarbe zu reden, ist so weit weg, wie Anfang der 80er-Jahre Äthiopier-Witze zu machen. Ich wäre heute mit jeder anderen Haarfarbe an dem Punkt, an dem ich bin. Die war nie entscheidend.
Playboy: Sondern?
Schöneberger: Entscheidend waren immer die Brüste! (lacht)
Playboy: Alle beide?
Schöneberger: Die linke mehr ... Nein echt, ich gehe auch manchmal mit schwarzer Perücke raus.
Playboy: Und dann?
Schöneberger: Großer Erfolg! Riesenresonanz! Wenn ich mich selber machen würde, dann würde ich mich eh anders machen. So wie Penélope Cruz in „Vanilla Sky“, wo sie mit einer großen Woolrich-Jacke reinkommt und androgyn, dünn, zerbrechlich und französisch aussieht ...
Playboy: Dann müssten Sie aber auch mit Tom Cruise in die Kiste ...
Schöneberger: Das wäre natürlich scheiße.
„Ich will das ganze Repertoire spielen, von kleines Mädchen bis Vamp“
Playboy: Sie trugen als Kind Zahnspange und Brille. Ab wann galten Sie als schön?
Schöneberger: Bis ich 14 war, ging gar nichts. Diese rosarote Brille hat mich ferngehalten von vielen Dingen. Im Skilager wurde ich nie gefragt, ob ich tanzen möchte. Das war zwar schlimm, aber es saß nicht so tief, dass es wirklich pathologisch wurde.
Playboy: Und dann, mit 14?
Schöneberger: Da wurde ich gefragt. Aber ehrlich gesagt, lebe ich heute mit mir am besten. Wenn ich Bilder sehe von mir vor zehn Jahren, könnte ich natürlich heulen, weil man zehn Jahre jünger und wahnsinnig dünn war, und alles war ganz toll. Aber damals habe ich mich gar nicht so gefühlt.
Playboy: Was muss ein Mann haben, damit Sie ihn schön finden?
Schöneberger: Die sexysten Männer sind mit Sicherheit nicht die, die den Schönheitspokal gewinnen. Ich gehöre auch nicht zu den Frauen, die einen Mann durch ein Trimm-dich-Programm laufen lassen, wenn sie ihn erobert haben.
Playboy: Haben Sie trotzdem einen Traummann?
Schöneberger: Ja, Zinedine Zidane ist der Inbegriff dessen, was ich gut finde. Testosteron und nicht wissen, wohin damit — super! Ich habe mir neulich sogar aus einer Zeitung sein Porträt rausgerissen, seitengroß!
Playboy: Hat sich schon einmal ein Mann für Sie geprügelt?
Schöneberger: Ja. Und es gab Situationen, wo ich das eigentlich ganz cool fand.
Playboy: Damit kann man also bei Ihnen punkten?
Schöneberger: Ein schneller Griff an den Kragen und eine deutliche Ansage — man muss ja nicht gleich hauen. Einer ist mal in der Fußgängerzone auf acht Typen losgegangen, die geschrien haben: „Ey, Barbara, isch find disch geil!“ Er in seinem mundgeblasenen Anzug und den fußgenähten Schuhen, das fand ich schon ziemlich gut.
Playboy: Haben Sie denn ein klares Beuteraster?
Schöneberger: Ich habe kein Beuteraster. Ich habe immer versucht, meine Erfahrungen möglichst breit zu streuen.
Playboy: Ist Ihnen das gelungen?
Schöneberger: Na ja, ich habe erst versucht, nach Berufsgruppen vorzugehen ...
Playboy: ... von A wie Architekt bis Z wie Zahnarzt?
Schöneberger: Genau, und dann nach Jahrgängen. Wenn man anfängt, Merkmale zu kombinieren, ergeben sich unglaubliche Zahlenpyramiden: blonder Zahnarzt, braunhaariger Zahnarzt, blonde kurze Haare usw. Da ergibt sich dann wirklich viel.
Playboy: Eher jünger oder eher älter?
Schöneberger: Auch da habe ich versucht, mich nicht festzulegen.
Playboy: Sie haben sich immerhin zweimal verlobt ...
Schöneberger: Auch das gehört dazu. Das geht ja meist mehr vom Mann aus. Einmal hatte ich einen Ring aufgesteckt bekommen, mit einem lustigen Spruch dazu. Ist aber schon zehn Jahre her. Und das andere Mal hat es einfach nicht geklappt. Ist doch auch okay, man kann doch nach Hamburg ziehen, ein Haus kaufen, den Riesenalarm machen und dann sagen: „Nein, vielen Dank, es ist doch nicht das Richtige. Ich ziehe wieder zurück nach Berlin!“
Playboy: Sind Sie mit Ihren Exen immer noch im Gespräch?
Schöneberger: Ja, das ist mir wahnsinnig wichtig. Ich würde darunter leiden, wenn da verbrannte Erde hinterlassen ist, so dass man nicht mehr anrufen kann.
Playboy: Sie werden oft als „Antifeministin“ bezeichnet ...
Schöneberger: „Postfeministin“ würde es besser treffen. Emanzipiert sein heißt für mich, dass jede Frau sich so verhalten kann, wie sie es gern möchte — ohne dass man blöd guckt. Wenn eine Frau heute sagt: „Ich würde gern zu Hause bleiben und mich um meine Kinder kümmern“, ist das für mich genauso feministisch wie zu sagen: „Ich mache irgendwie mein Business und kriege keine Kinder.“ Oder: „Ich kriege welche und bekomme das alles unter einen Hut.“ Ich habe nur ein Problem damit, zu einem Mann zu ziehen und dann zu sagen: „Guck mal, die Tasche ist schön!“ Und dann kauft er sie mir.
Playboy: Sterben die Machos aus?
Schöneberger: Na hoffentlich nicht!
Playboy: Warum?
Schöneberger: Es gibt eine inspirierende Art von Machismo. Ich will einen, der ab und zu mal fragt: „Ist das recht so?“ Aber der dann auch mal nicht fragt. Ich will ja auch das ganze Repertoire spielen, von kleines Mädchen bis Vamp. So erwarte ich auch von einem Mann, dass er mehrere Rollen draufhat.
Playboy: Ein gut dosierter Macho also — etwa so ein Mann wie Flavio Briatore?
Schöneberger: Es sollte sich schon noch im ästhetischen Bereich bewegen. An dem nervt mich, dass der immer diese Weiber an seiner Seite hat, die nichts können außer Bikini tragen.
Playboy: Muss man auch können!
Schöneberger: Das stimmt, Bikini tragen ist schwer!
Playboy: Haben Sie einen Mann schon mal ausgehalten? Vielleicht einen Studenten, dem Sie die Flugtickets geschickt haben oder so?
Schöneberger: Ich habe mal einen jungen Künstler etwas unterstützt ...
Playboy: Mäzenatentum also.
Schöneberger: Ja, so ähnlich, das hat mir auch gut gefallen. Aber man kommt aus diesem Schema nicht mehr raus. Wenn du einem Typen den Flug, das Essen und seine Klamotten bezahlt hast, wird der einfach nicht mehr zum Helden.
Playboy: Ein Partner, der brav von neun bis fünf ins Büro geht und anonym seinem Job nachgeht, im Maschinenraum des Landes sozusagen — während Sie dauernd im Blitzlichtgewitter stehen: Kann so etwas funktionieren?
Schöneberger: Doch, aber der Mann muss schon ausgestattet sein mit einem großen Selbstbewusstsein und in sich ruhen. Viele versuchen, sich mit mir zu messen.
Playboy: Wie denn?
Schöneberger: Die wollen dann mit mir über Aktienanlagen reden oder so, nur um zu beweisen, dass sie auch irgendwas auf die Seite gelegt haben. Sehr lustig!
Playboy: Hat ein Mann schon einmal was für Sie gesungen?
Schöneberger: Nein, oh Gott! Ich bin sehr konservativ, was den Aktionsradius eines Mannes angeht, da halte ich es wie mit Männerschuhen, Männerfrisuren und Männeranzügen: nichts Witziges, nichts Peppiges, nichts Freches!
Playboy: Haben Sie schon mal einem Mann ein Liebeslied gesungen?
Schöneberger: Auch nicht. Das gehört zu meinem Berufsleben und hat im Privaten nichts zu suchen.
Playboy: Das deutsche Talk-Fernsehen ist von Frauen dominiert: Maischberger, Illner, Will, Sie. Woran liegt das?
Schöneberger: Weil den Rest die Männer machen. Das ist wahrscheinlich so ein Deal, nach dem Motto: „Ihr kriegt nichts außer dem Talk.“
Playboy: Eine Emanzipationsfassade sozusagen?
Schöneberger: Genau. Ich finde es aber gut, dass das alles gestandene Frauen sind und nicht so Girlies mit Arschgeweih. Die machen das alle grandios, ich bin ein großer Frauenfan.
Playboy: Können Frauen das besser, in einer Talkshow sitzen und zuhören?
Schöneberger:: Frank Plasberg macht das auch gut. Ich glaube, das hat nichts damit zu tun, ob man jetzt Mann oder Frau ist.
Playboy: In der „NDR Talk Show“, die Sie jetzt moderieren, wirken Sie sehr zurückgenommen ...
Schöneberger: ... das finde ich toll. Das wird jetzt auch von mir erwartet.
Playboy: Steht das so im Arbeitsvertrag, „zurückgenommenes Auftreten“?
Schöneberger: Wenn man erfüllt, was erwartet wird, dann heißt es: „Die ist ja gar nicht mehr so lustig wie vorher.“ Wenn man es nicht erfüllt, heißt es: „Die quatscht ja die ganze Zeit dazwischen.“ Das ist das Problem.
Playboy: Erinnern Sie sich an diesen Moment, wo Sie sich sagten: „Ich will zum Fernsehen“?
Schöneberger: Gab es nicht, ich wollte das nur machen, um mein Studium zu finanzieren. Dieses „Ich will unbedingt zum Fernsehen“ darf man eh nicht sagen. Das klingt so nach Britney Spears. Ich finde, zum Fernsehen muss man zufällig kommen. Es muss alles eine Kette von Missverständnissen sein, wo man dann irgendwann sagt: „Ich bin da irgendwie hängengeblieben.“
Playboy: Sind Sie dennoch stolz auf Ihre Arbeit?
Schöneberger: Stolz bin ich auf meine Konzerte und die CD.
Playboy: Weil?
Schöneberger: Weil es zum ersten Mal so war, wie ich es wollte.
Playboy: Nämlich?
Schöneberger: Gut!
Playboy: Im Unterschied zu?
Schöneberger: Vielen Sachen, die anders liefen, als ich es wollte. Oder wo ich gar nicht wusste, wie ich es will, weil ich keine eigene Meinung hatte.
Playboy: Freuen Sie sich schon auf den Start Ihrer Tournee?
Schöneberger: Ja, eine Mischung aus Freude und Panik. Es ist toll, auf einer Bühne zu stehen und zu singen!
Playboy: Das ist die Freude. Und die Panik, wie sieht die aus?
Schöneberger: Manchmal singt man und geht aus sich raus und vergisst, wo man ist, warum man das macht und wie man heißt. Dann ist es schwer, in das Lied zurückzufinden. Ich habe immer Angst vor Blackouts.
Playboy: Schon passiert?
Schöneberger: Nein, nicht wirklich. Die dauern ja auch nur kurz, das merkt der Zuschauer gar nicht.
Playboy: Gibt es gar keine Momente für Sie, in denen Sie unzufrieden sind mit sich?
Schöneberger: Selten. Meine Hauptarbeit findet ja außerhalb des Fernsehens statt, ich moderiere Veranstaltungen und Galas. Das sitzt einfach, ich kann das. Man kann mich nachts um drei wecken, vor 2000 Leute stellen und sagen: „Hier, das ist jetzt der Vorstand von Siemens, und jetzt mach du die Diskussionsrunde.“
Playboy: Ihr Vater ist Musiker. Gefällt ihm die Platte?
Schöneberger: Ja, meine Eltern sind sehr stolz. Sonst sind sie eher kritisch, hatten anfangs ein Problem damit, dass ihre Tochter im Fernsehen unterwegs ist. Aber das jetzt finden sie gut. Sie sind der Ansicht, dass ich mich damit in die richtige Richtung entwickelt habe.
Playboy: Sind Sie eigentlich immer fröhlich?
Schöneberger: Ist das Ihr Eindruck? Denken Sie, dass ich die ganze Zeit durch die Gegend laufe und mir auf die Schenkel schlage vor lauter Witzigkeit?
Playboy: Ehrlich gesagt, nein.
Schöneberger: Sehen Sie, ich bin total normal, wie Sie auch. Ich gehe jetzt gleich nach Hause und bohre in der Nase und lege mich vor den Fernseher. Und versuche, nicht mehr zu reden.
Interview: Mareike Ludwig / Christian Thiele ]
Interview aus Playboy Magazin 04/08 für Playboy Online
[ „Die Haarfarbe war nie entscheidend. Entscheidend waren immer die Brüste!“
>> Eigentlich gefällt Barbara Schöneberger ihr Name überhaupt nicht. Wenn sie es sich aussuchen könnte, würde sie lieber „La Schöneberger“ heissen. „Also nur mit 'La' als Vorname — damit könnte ich auch im europäischen Ausland wirken“, sagt sie. Für eine internationale Karriere stehen die Vorzeichen gerade tatsächlich gut: Ihre erste CD, „Jetzt singt sie auch noch!“, verkauft sich hervorragend, und ab dem 6. April geht sie mit ihrem Bühnenprogramm auf grosse Tournee.
Bekannt wurde die 34-jährige Moderatorin durch ihre Sendung „Blondes Gift“. Seit Januar dieses Jahres sind Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt die neuen Gastgeber der „NDR Talk Show“.
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Babs hat einfach alles was
einfach sympatisch
Ja aber sie hat hübsche
Wenn Träume "wahr" würden ....
nun....
hmm...
Lokalpatriotist...
Superweib und Traumfrau zugleich
Wahnsinns Frau
Tolle Frau