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Bushido tangiert die Meinung andere Menschen eher peripher

Bushido ist für viele der Untergang des Abendlandes, der Krawallmacher der Nation. Im PLAYBOY-Interview war Bushido vor allem: ganz anders, als wir dachten

 

Bushido im Playboy-Interview Am Allerwertesten vorbei. Was andere über ihn denken, ist Bushido egal. ein Gespräch über Dpressionen, die Doppelmoral der Deutschen und über die höchste Instanz in seinem Leben – Mama
Von einem, der zu den härtesten Gangster-Rappern Deutschlands zählt, dessen Delikte-Liste im Archiveintrag genauso lange ist wie die seiner Werke, der Lieder singt von Nutten, Koks und davon, dass die Welt ein Arschfick sei – von so einem würde man so einiges erwarten. Aber nicht, dass er so anrührend höflich ist. Wo er denn sitzen solle, damit man zum Interviewen die besten Voraussetzungen habe, fragt er. Und was man trinken wolle: Wasser, Cola? Vielleicht ein paar Kekse dazu? Es ist einer dieser erstaunlich warmen Novembertage in München, und Bushido ist in T-Shirt und Jogginghose in den Constantin-Büros erschienen. Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Uli Edel sind dort gerade schwer damit beschäftigt, das Bushido-Biopic „Zeiten ändern Dich“ – mit Bushido in der Hauptrolle des Bushido – fertigzustellen. Für das mitgebrachte Geschenk bedankt er sich gefühlte fünfmal und packt es dann so behutsam aus, als wäre es die Windel seines Erstgeborenen.

Playboy: Das Papier darf ruhig kaputt gehen – ich hätte sowieso gedacht, dass Sie eher ein Aufreißer sind.
Bushido: (lacht) Ja, normalerweise bin ich das, aber bei Geschenken ist das für mich eine Art Respekt. Gerade wenn die Person, die mir das geschenkt hat, dabei ist (packt weiter aus). Ah super, ein Playboy-Bademantel! Damit werde ich auf Tour in meinem Bus rumlaufen. Ein Kollege hat mir zwar mal einen Bademantel mit meinem Bushido-Logo geschenkt, aber ich schmücke mich nicht gern mit eigenen Federn. Das sieht sonst so aus, als bräuchte ich irgendwie eine ganz krasse Prothese.

Playboy: Na ja, Sie tragen Ihr Logo auf den Hals tätowiert ...
Bushido: Das Lustige ist, dass diese Tätowierung und auch der Berlin-Schriftzug auf meinem Arm von Specter entworfen wurden. Einem der Gründer von Aggro Berlin, mit denen ich später richtig im Streit lag. Das ist so, wie wenn man den Namen seiner Exfreundin auf den Arm tätowiert hat. Jeden Tag, wenn du aufwachst, guckst du runter, und da steht ihr Name ...

Playboy: Sie könnten die Tattoos ja weglasern lassen.
Bushido: Nein, das würde ich nicht tun. Ich habe mich immer mit allem abgefunden, was ich gemacht habe. Bei positiven Sachen ist das leicht. Aber bei mir war es so, dass ich selbst schlimme Dinge nie bereut habe. Trotzdem kann man nicht sagen, ich hätte kein Gewissen. Kennen Sie „Dexter“?

„Die Meinung anderer Menschen tangiert mich eher peripher“
Bushido

Playboy: Diese Fernsehserie, in der ein Serienmörder andere Mörder jagt?
Bushido: Genau. Da entsteht ja auch leicht der Gedanke, dass Dexter kein Gewissen hat, weil er Menschen umbringt und es ihm vollkommen egal ist. Aber im Endeffekt hat er seinen eigenen Kodex, seine eigene Moral, die völlig losgelöst ist vom Rest der Gesellschaft.

Playboy: Sie würden also sagen, Sie sind ein moralischer Mensch?
Bushido: Absolut. Was mir viele Menschen nicht abkaufen wollen, weil sie im ersten Augenblick Sachen sehen, die ihren eigenen Moralvorstellungen nicht entsprechen. Ich hab die Schule abgebrochen, ich hab Drogen verkauft – das ist natürlich alles nicht okay. Aber der Punkt ist: Ich würde niemandem raten, das zu tun. Ich hatte auch schon Gruppensex, aber ich würde niemals sagen: „Ey Jungs, versucht mal, mit vier Kumpels eine Frau zu vögeln.“ Ich möchte nur die Tatsache, dass ich das gemacht habe, nicht verheimlichen.

Playboy: Jeder darf alles über Sie wissen?
Bushido: Ich habe zwei, drei Geheimnisse, die ich nicht unbedingt erzählen möchte. Aber ich hätte mit fast nichts ein Problem, wenn es rauskommen würde. Wenn jetzt einer sagt: „Ich hab dich gestern auf Koka in einem Sado-Maso-Club in Hamburg gesehen“, dann würde ich sagen: „Hab ich nicht aufgepasst“. Ich würde von dem keine einstweilige Verfügung verlangen und den verklagen, weil er mich dort gesehen hat. Es kann mir ja nichts passieren. Solange meine Mama nicht zu mir sagt, dass das nicht okay war, ist mir das doch Latte.

Playboy: Mutter ist die höchste Instanz?
Bushido: Ja, klar. Wir leben in einem Rechtsstaat, und wenn du bei Rot über die Ampel fährst, nehmen sie dir den Führerschein weg. Aber mir kann doch sonst niemand was tun. Die Meinung anderer Menschen tangiert mich eher peripher.

Playboy: In „Zeiten ändern Dich“ hat Hannelore Elsner den Part Ihrer Mutter übernommen – wie ist es dazu gekommen?
Bushido: Noch bevor wir uns darüber Gedanken gemacht haben, war ich mit Bernd Eichinger in Berlin beim Filmpreis. Ich weiß noch, wie ich da im Anzug reingekommen bin und die Schauspieler alle gekotzt haben, weil ich mit Bernd und seiner Frau ganz vorne in der ersten Reihe saß. Die arbeiten ihr Leben lang und lutschen so viele Schwänze dafür, dass sie einmal da sitzen, wo ich saß!

Playboy: Haben sie nur komisch geschaut oder auch was gesagt?
Bushido: Ach, die gucken doch nur! Nach dieser sehr langweiligen Preisverleihung sind wir eben ins „Borchardt’s“ gegangen, wo auch Hannelore Elsner war. Ich wollte ein bisschen mit ihr flirten, und wir sind ins Gespräch gekommen. Wir haben uns aus unserem Leben erzählt, und irgendwann ist uns aufgefallen, dass es da sehr viele Parallelen gibt. Aus dieser Gaudi-Unterhaltung ist dann was ganz Ernstes geworden, sodass ich nach einer Stunde fast weinend an ihrem Busen lag.

Playboy: Weil Sie das Gespräch so mitgenommen hat?
Bushido: Das hat mich berührt, ja. Auf einmal dachte ich: „Krass. Scheiße, Alter.“ Ich hab nach links und rechts geguckt und beschlossen: „Nein, ich kann jetzt nicht weinen.“ Ich hab dann gesagt: „Ach, Mensch, Hannelore – danke, ne“, und wir haben uns in den Arm genommen.

Playboy: ... und dann wurde sie Ihre Film-Mutter?
Bushido: Ja, Bernd ist später auf die Idee gekommen, und sie war sofort einverstanden.

Playboy: Sie sind jetzt 31 Jahre alt und wohnen immer noch mit Ihrer Mutter zusammen ...
Bushido: Bauer Heinrich aus „Bauer sucht Frau“ wohnt auch noch mit seiner Mutter zusammen! Es gibt viele Gründe, warum erwachsene Männer mit ihren Müttern zusammenwohnen. Bei mir sind es einfach Liebe und Respekt.

Bushido im Playboy-Interview Mutter-Kind-Bindung. Seine Mama geht ihm über alles, ihren Namen trägt Bushido sogar auf den Arm tätowiert: Luise Maria
Die Mama. Auf die lässt er nichts kommen, sie ist überall in seinem Leben: In seinem Haus im verschnarcht-vornehmen Berlin-Dahlem, wo sie den Haushalt schmeißt. Auf seinem Unterarm, auf dem in verschnörkelt tätowierten Lettern ihr Name prangt. Und in seiner Autobiografie, die mit der Widmung „Für Mama“ beginnt und mit den Worten „Danke, Mama!“ endet. Bei ihr wuchs er nach der Trennung der Eltern auf, mit wenig Geld, aber offensichtlich sehr viel Liebe. Deshalb spielt Mama auch in „Zeiten ändern Dich“, der Verfilmung seines Lebens, eine wichtige Rolle.

Playboy: Worauf ich eigentlich hinauswollte: Ihre Mutter kocht für Sie und macht Ihre Wäsche. Ist das Ihr Frauenbild?
Bushido: Natürlich nicht, das ist völliger Quatsch. Einen halbwegs intelligenten Mann, der in einer westlichen Kultur aufgewachsen ist, können Sie doch 2009 nicht fragen, ob er so ein Weltbild hat.

Playboy: Wie emanzipiert sind Sie denn? Würden Sie zum Beispiel auch in Elternzeit gehen, wenn Sie Vater werden?
Bushido: Was heißt Elternzeit?

Playboy: Dass man sich von seinem Job freistellen lässt und zu Hause auf die Kinder aufpasst.
Bushido: Das ist bei mir ein bisschen schwierig, ich habe ja keine festen Arbeitszeiten. Aber wenn ich keinen Film drehe und kein Album mache, bin ich sowieso zu Hause.

Playboy: Sie hatten immer ein schwieriges Verhältnis zu Ihrem Vater. Freuen Sie sich darauf, es eines Tages bei Ihren eigenen Kindern besser machen zu können?
Bushido: Ich weiß nicht, ob ich es besser mache. Aber wenn ich mal Kinder habe, will ich versuchen, ihnen das Bestmögliche mitzugeben. Das ist von meiner Seite aus der nächste Punkt. Bisher habe ich ein sehr egoistisches Leben geführt: Schule abbrechen, Drogen nehmen, in die Disco gehen, Frauen klarmachen, auf der Toilette vögeln, blablabla. Heutzutage ist das bei mir eher relaxt. Ich gehe nicht mal mehr auf Partys, weil ich keinen Bock drauf habe. Aber früher bin ich da wie mit einem Köpfer in den Pool gesprungen. Ich habe Sachen gemacht, die wollen Sie gar nicht wissen.

Playboy: Doch, klar, Sie sprechen schließlich mit dem Playboy.
Bushido: Also, ich bin sexuell sehr bewandert, sagen wir es mal so. In allen möglichen Formen und Arten.

Playboy: Stimmt es, dass Sie schon 700 Frauen hatten?
Bushido: Wenn man Prostituierte mit einrechnet und alle Frauen, die man so normal kennen lernt, dann kann das stimmen. Aber rechnen Sie das mal auf 17 Jahre – das sind nicht mal 70 im Jahr.

Playboy: Ich zum Beispiel liege deutlich drunter.
Bushido: Das ist natürlich super als Frau. Obwohl ich Sie nicht verurteilen würde, wenn Sie genauso viele hätten. Aber was soll ich denn machen? Wenn ich auf Tour gehe, habe ich jeden Tag mindestens eine. Rechnen Sie das mal auf sechs Wochen: Das sind 42 Tage, dann ziehen wir einen Off-Day pro Woche ab, also minus sechs, sind 36. Da ist man locker bei 30, 35 in einem Monat.

Playboy: Geht schnell dann, ja.
Bushido: Da kann man auch mal drei Monate Pause machen und hat trotzdem diesen Schnitt. Keine Ahnung, lass es 600 sein oder 400 oder 800. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen.

Playboy: Warum geht es eigentlich in Ihren Songs so oft um Gangbangs?
Bushido: So oft geht’s da nicht mehr um Gangbangs, weil „Gangbang“ von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien sofort indiziert wird. Da gehe ich dann hin und rede mit der Dame, und die sagt mir: „Bushido, du weißt, Gewalt und Sex sind Scheiße.“ – „Ja, Sie haben Recht, Frau Meier. Tut mir leid.“ Mein Leben wird nicht enden, wenn ich nicht mehr über Gangbang rappen kann.

Playboy: Stimmt es, dass Sie auf Tour einen Gangbang-Koordinator hatten?
Bushido: Ja, klar. Aber der war parallel auch mein Frisör.

„Wenn ich auf Tour gehe, habe ich jeden Tag mindestens eine“
Bushido

Playboy: Das heißt, er hat Ihnen die Haare und dann die Mädels zurechtgelegt?
Bushido: Das Problem ist, dass ich bei Konzerten nie im Leben selbst in diese Menge rausgehen könnte, um nach Frauen zu schauen. Dann habe ich die ganze Halle am Arsch, die Fotos und Autogramme haben möchte. Deswegen hatte ich dann jemanden, der bestimmten Damen goldene Bändchen gegeben hat. Die durften nach der Show in die All-Access-Area.

Playboy: Vor ein paar Monaten haben Sie in einem Interview erzählt, dass Sie bei einem Psychiater in Behandlung waren. Wegen Depressionen – einem Thema, das zur Zeit öffentlich stark diskutiert wird ...
Bushido: ... das geht mir gerade so auf den Sack, dass sich alles nur noch um dieses Thema dreht.

Playboy: Weil es Sie persönlich berührt?
Bushido: Es berührt mich null Prozent, im Gegenteil, es macht mich sogar sauer. Ich weiß, dass ich durch meine Anschauung diesem Thema gegenüber Probleme kriegen kann, aber für mich ist das eine Schweinerei, dass ganz Deutschland jetzt so einen riesen Staatsakt draus macht. Ich persönlich finde Selbstmord einfach nicht okay. Als Mann einer Frau, als Familienvater, als Mensch, der Verpflichtungen hat, ist das absolut unverantwortlich.

Playboy: Aber Sie hatten doch selbst Depressionen und müssten diese Verzweiflung nachempfinden können.
Bushido: Ja, natürlich. Ich hatte Depressionen. Aber ich habe nie mit dem Gedanken an Selbstmord gespielt. Zumal ich, glaube ich, gar nicht den Mut hätte, mich umzubringen. Ich würde niemals so weit gehen und schlecht über einen Selbstmörder reden. Egal, ob das jetzt ein Sportler ist oder der türkische Nussverkäufer aus Kreuzberg. Aber was das so losgetreten hat – das widert mich einfach an. Ich habe gestern eine Talkshow gesehen, in der es darum ging, dass der Druck im Fußball zu groß ist. Darüber wird dann 20 Minuten geredet, damit man seine Seele reinwaschen kann, und dann schließt man mit dem Thema wieder ab. Das ist doch scheinheilig.

Playboy: Aber genau das ist es, was die Menschen beschäftigt – dass in unserer Gesellschaft so ein enormer Druck herrscht. War es denn für Sie als GangsterRapper kein schwerer Schritt, öffentlich zu bekennen: „Ich habe Depressionen“?
Bushido: Mal Gegenfrage: Was hätte denn passieren können?

Playboy: Man wird nach außen hin viel verletzlicher – gerade wenn man sonst den harten Kerl markiert.
Bushido: Na, sicherlich. Man bietet Angriffsfläche. Es ist wie im Windkanal: Je stromlinienförmiger du bist, desto besser kommst du durch. Und wenn du dich als Quadrat reinstellst, fällst du um. Aber mich hat bisher nichts umhauen können. Und wenn ich sage, ich war beim Psychologen, weil ich wissen wollte, ob ich verrückt werde, dann ist das halt Fakt. Da darf man niemanden dafür auslachen. Und wer es doch macht, zeigt damit nur seine eigene Schwäche und nicht meine.

Playboy: Machen Ihnen diese psychischen Probleme schon lange zu schaffen?
Bushido: Meine Psyche war wahrscheinlich immer ein bisschen im Eimer. Ich habe mich schon mit 14, 15 nicht superwohl gefühlt. Ich habe zum Beispiel auch mit diesen ganzen Drogen nur aufgehört, weil ich dachte, dass ich verrückt werde. Ich habe ja außer Heroin und Crack alles durchprobiert: von der ersten Zigarette zum Joint und zur ersten Ecstasy-Pille, LSD, Micros, Speed, Pep, Ritalin, ich habe Pilze gefressen und Kakteen – aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass ich hängenbleibe. Die Leute kamen zu mir und haben gesagt: „Bombe, Alter, du hast mit den Drogen aufgehört.“ Aber im Endeffekt habe ich das nur wegen meiner Paranoia sein lassen. Es ist wie mit den Zigaretten: Ich war zwölf Jahre lang starker Raucher und habe von einem Tag auf den anderen aufgehört, weil ich Paranoia vor Lungenkrebs bekam.

Playboy: Und wie geht es Ihnen heute?
Bushido: Ich habe meine Hochs und Tiefs, aber ich würde das nicht unbedingt als Depressionen bezeichnen. An manchen Tagen bin ich extrem schlecht gelaunt, obwohl es keinen Grund dafür gibt. Dann sitze ich in meinem 200.000-Euro-Auto und denke: „Alles scheiße irgendwie ...“ In der kalten Jahreszeit ist es schlimmer. Aber du musst dir bewusst machen, dass das der Lauf der Dinge ist. Wenn du jedes Mal wieder einen Kampf gegen Herbst und Winter führst, dann wird das zu anstrengend. Deswegen sage ich mir: „Alles cool, ja? Nach dem Winter kommt der Frühling.“

Zwei Wochen später, in einem Mehrfamilienhaus in Berlin-Steglitz. Adventsschmuck im Treppenhaus, „Willkommen“-Fußmatten vor den Wohnungstüren. Im Dachgeschoss, der Junggesellenbude eines Freundes, bastelt Bushido mit ein paar Kumpels am neuen Album. Er wohnt nur wenige Minuten entfernt, will aber nicht, dass die Jungs bei ihm rauchen und alles dreckig machen. Es herrscht Schullandheim-Stimmung: Wenn Bushido nicht gerade in der Tonkabine steht, kleben sie mit Sekundenkleber Geld an Möbeln fest, ritzen auf dem Couchtisch herum oder machen Telefonstreiche. Gerade kommen sie vom Einkaufen im Supermarkt zurück und schmieren sich Brote. Mit „Alter Schwede“-Käse.

Playboy: Bushido, wie wird man eigentlich Gangster-Rapper?
Bushido: Ich wurde Gangster-Rapper, weil andere Leute mich dazu gemacht haben. Ich hatte bestimmte Inhalte in meinen Songs, die für mich wichtig waren. Meine Freunde und ich, wir haben unsere Musik nicht so gemacht wie die Leute aus Hamburg, Stuttgart oder München, die gerappt haben, dass sie voll froh sind, weil sie ihr Abitur mit 1,4 bestanden haben und ihr Studium beginnt.

Playboy: Was haben Sie anders gemacht?
Bushido: Wir haben dann „Carlo Cokxxx Nutten“ aufgenommen, und das war im deutschen HipHop die absolute Kontinentalverschiebung. Carlo Colucci – das ist eine Klamottenfirma, Koks ist eine Droge, und Nutten sind Prostituierte. Das sind drei Inhalte, die im deutschen Rap nie ihren Platz hatten. Wir Berliner waren aggressiv, destruktiv und aufs Derbste beleidigend. Aber damit war jedes Battle gegessen.

Playboy: Sie meinen, Sie nutzen diese aggressive Sprache, um Ihren Platz zu behaupten?
Bushido: Natürlich – das ist wie im Tierreich. Wenn einer in deinem Rudel es schafft, stärker zu sein als du, bist du nicht mehr der Anführer und kannst deine Frauen nicht mehr bumsen. Es ist wie bei den Löwen. Punkt.

Playboy: Wie kommt es, dass Sie sich im normalen Leben ganz anders ausdrücken?
Bushido: Das kann man doch alles abschalten. Was sagt das denn über mich als Menschen aus, wenn ich zu einer gewissen Zeit einer bestimmten Beschäftigung nachgehe? Das ist wie bei einem Profiboxer. Der haut sich beim Training mit jemandem die Fresse ein und geht dann nach Hause. Wenn seine Freundin ihn dann fragt, ob er was essen möchte, gibt er ihr keinen Kinnhaken, sondern sagt: „Ja, klar, Schatz, gerne.“

Playboy: Trotzdem gibt es in Deutschland eine Menge Menschen und Organisationen, mit denen Sie auf Grund Ihrer Texte im Clinch liegen. Wer von denen ist Ihr schlimmster Feind: Menschenrechtsorganisationen, Schwulen- und Lesbenverbände, Lehrer, Politiker, Feministinnen oder die Bundesprüfstelle?

„Es gibt viele Gründe, warum erwachsene Männer bei ihren Müttern wohnen“
Bushido

Bushido: Die versuchen alle, mir auf die eine oder andere Weise das Leben schwerzumachen. Aber die Bundesprüfstelle müssen Sie aus der Liste rausnehmen, die sehe ich nicht als Feind. Die Lehrer haben mittlerweile ihre eigenen Probleme. Und von den anderen auf der Liste könnte ich jetzt nicht sagen, wer besonders schlimm ist.

Playboy: Haben Sie eigentlich manchmal Angst, dass Sie morgens aufwachen und sich kein Mensch mehr über Sie ärgert?
Bushido: Das wird niemals passieren. Weil ich a) viel zu asozial bin und b) sich dieses Land über bestimmte Dinge immer aufregen wird. Die Menschen machen alle den gleichen Scheiß, den ich auch mache, aber sie brauchen diese Doppelmoral.

Playboy: Deutschland braucht Bushido, um sich über ihn aufregen zu können?
Bushido: Natürlich. Alle Menschen, die was zu verheimlichen haben, brauchen jemanden, auf den sie das projizieren können. Wenn ich bei Kerner sitze und sage „Du, Johannes B., ich war gestern im Puff“, dann rufen die Buh und zeigen mit dem Finger auf mich. Weil das eine Ablenkung von ihren eigenen Sünden und Lügen ist.
Interview mit Bushido: Mareike Ludwig ]
Bushido im Playboy-Interview Derbe Töne: Rap bedeutet für Bushido Kräftemessen – schließlich muss sich der Rudel-Anführer behaupten
„Zeiten ändern Dich“ startet am 4.2. in den Kinos. Für die Verfilmung von Bushidos Leben stellte Produzent Bernd Eichinger seinem Hauptdarsteller prominente Unterstützung an die Seite: unter anderen Hannelore Elsner, Uwe Ochsenknecht und Moritz Bleibtreu. Die Rolle des jungen Bushido übernimmt Elyas M’Barek.
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Bushido & Lars Amend: Bushido

Kein anderer Rapper in Deutschland wird so kritisch betrachtet wie Anis Mohamed Youssef Ferchichi alias Bushido. Kaum andere Rapp-Texte werden so kontrovers diskutiert wie seine. Jetzt schrieb der Rapper zusammen mit dem Autor Lars Amend seine Geschichte auf. Die limitierte Goldausgabe des Buches gibts beim Rivaverlag. Infos: Buch von Bushido
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>> Zu seinem Künstlernamen inspirierte ihn ein Playstation-Spiel: Bushido, ein Kodex der Samurai, bedeutet im Japanischen „Weg des Kriegers“. Der Name, den seine Eltern ihm gaben, klingt friedlicher: Anis Mohamed Ferchichi. Sein Vater, ein gebürtiger Tunesier, verlässt die Familie früh, Bushido wächst mit dem Halbbruder bei der Mutter in Berlin-Tempelhof auf. Nach mehreren Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz absolviert er eine staatlich geförderte Ausbildung zum Maler und Lackierer. Seine Rap-Karriere startet er bei dem Label „Aggro Berlin“, später gründet er sein eigenes Label „Ersguterjunge“. Seine Musik wird mit mehreren Gold- und Platinschallplatten ausgezeichnet, allerdings landen einige Lieder auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. „Bushido“, die Autobiografie des 31-Jährigen (gemeinsam mit Lars Amend, Riva-Verlag, 19,90 Euro), verkaufte sich mehr als 200.000-mal – und wurde nun fürs Kino adaptiert.
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