Simone Thomalla . Freibad
Ein endlos langer Nachmittag in einem Schlosshotel. Verträumt bereitet sich Simone Thomalla in ihrer Suite auf ihr Rendezvous vor
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Begegnung mit der Femme fatale
Ein Treffen mit der Schauspielerin Simone Thomalla, deren warmer Charme selbst den eisigen Berliner Winter in die Knie zwingt
In so einer Situation, was macht man da? Es ist nicht wirklich unangenehm, aber es kommt auch nicht häufig vor, dass eine bildschöne Frau wie Simone Thomalla dazu einlädt, sich auf ihrem iPhone Nacktbilder anzuschauen. Nacktbilder VON IHR, auf denen sie sich in einem Schloss räkelt. Hallo?
Ein Winternachmittag, draußen macht Berlin, was es am besten kann – gleichzeitig eiskalt, ungemütlich und grau-nass sein –, und drinnen arbeitet Simone Thomalla daran, die Berliner Kälte – puff – verschwinden zu lassen. Das Restaurant, das sie vorgeschlagen hat, liegt dort am Ku’damm, wo die Geschäfte teurer, die Jugendlichen seltener und die reichen Russinnen häufiger werden. Sie trägt eine schwarze Lederjacke (kurz), ein schwarzes Wollkleid (sehr kurz), schwarze Strumpfhosen (sehr lang) und Stiefeletten (sehr hoch), auf denen sie laut eigener Aussage zehn Stunden lang rumlaufen kann, ohne müde zu werden.
Dabei lacht sie. Streicht sich eine Strähne aus dem Gesicht, die gleich wieder an ihren Lippen hängen wird, wenn sie wieder lacht. Als sie reinkam, sprintete ihr die Kellnerin entgegen, um den Mantel abzunehmen. Aber sie bedankte sich, kniff ein Auge zusammen und zeigte auf den Reporter. Die Thomalla: offen, äußerst zielstrebig, fackelt nicht lange rum. So erzählt sie bald, dass sie eigentlich immer allein erziehende Mutter war, egal, ob gerade mit Mann oder nicht.
Und sie erzählt davon, wie viel sich bei ihr im vergangenen Jahr verändert hat. Der Umzug nach Berlin. Das Alleinleben. Und wie seltsam das zuerst war. Aber dass es eben sein musste, da sie sich irgendwann vorher gefragt hatte, ob es das jetzt war. Oder ob da noch mehr kommt in ihrem Leben. Das erzählt sie ganz ehrlich. Doch trotz aller Offenheit braucht man bei Simone Thomalla einen Moment, um die öffentliche Simone von der privaten zu trennen. Bei ihr gehört es ja zu ihrem Image, echter zu wirken als andere Schauspielerinnen.
Sie spielt Frauen, die gelassen mit den Machospielchen der Männer umgehen. Sie schaut atemberaubend und verrucht aus – „die Katze geben“, wie sie das nennt. Gleichzeitig scheint sie immer mit den Augen zu zwinkern, sobald sie die Femme fatale mit Schmollmund mimt. Zugänglichkeit hin, bodenständige Bier-aus-dem-Kühlschrank-Werbespots her: So was irritiert. Ein Teil ihres Geheimnisses.Sie ist eine tolle Frau, die – in Deutschland eher selten – allen Impulsen widerstanden hat, sich als „Super-“ oder „Vollweib“ zu inszenieren. Schauspielerinnen, denen beim Interview schon Wasser mit Kohlensäure zu gefährlich für ihr Image wäre. An diesem kalten Nachmittag mit Simone Thomalla geht es eher um die Frage, ob wir zwei kleine Gläser Rotwein schnell hintereinander trinken oder lieber gleich große ordern. „Ich bin gespannt, wie es jetzt weitergeht“, sagt sie, als die Kellnerin große Gläser auf den Tisch stellt, „eigentlich läuft es zu gut, das ganze Jahr schon, irgendwann muss der Rückschlag kommen.“
Auch wenn es so wirkt, als habe das vergangene Jahr bei Simone Thomalla nur aus dem Auszug aus Rudi Assauers Gelsenkirchener Villa, Handgreiflichkeiten auf Sylt und jungen Handball-Nationaltorhütern bestanden, hat ihre Karriere kräftig angezogen. Die „Tatort“-Kommissarin spielt jetzt in einer Liga, in der sie Drehbücher ablehnen kann, in der sie es sich auch mal erlauben kann, in einem Filmhochschulfilm mitzuspielen, das gibt Pluspunkte als Charakterdarstellerin. Mit Anfang Vierzig ist sie in einem Alter, das den Karrieren vieler Schauspielerinnen einen Knick verpasst. Sie macht immer größere Sprünge nach oben. Deswegen die gute Laune.
Es hätte bei jeder anderen Frau im Blätterwald gerauscht, wenn sie sich einen 19 Jahre jüngeren Mann ausgesucht hätte. Darf eine Frau so was? Simone Thomalla darf anscheinend, schlägt ihr doch statt großer Empörung eine Sympathiewelle entgegen. Jetzt auch noch die Playboy-Bilder, von denen sie komplett begeistert ist: „Sie sind echt schön geworden.“ „Ich habe sie noch nicht gesehen“, gebe ich zu. Und dann sagt sie: „Hier, schau mal, auch egal, siehst sie ja eh irgendwann“, holt ihr iPhone raus und scrollt durch die Bildergalerie mit ihren Bildern: „Hier lache ich. Das mochte Antoine (Verglas, der Fotograf) so“, sagt sie über ein Bild, auf dem sie nackt auf dem Rücken liegt. „Mmmh“, mache ich dazu. Die Simone auf den Bildern gibt die Katze, während die Simone mir gegenüber zwinkert. Simone Thomalla muss los – zum Handball.
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