24-Stunden-Rennen . Stuck für Stuck
Vater und Sohn fahren in einem Team Rennen. Und sind Freunde: Hans-Joachim und Johannes Stuck. Zwei Menschen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können
Bei strömendem Regen donnert dem Senior ein Auto hintendrauf. Dreher, Reparatur, 30 Minuten Zeitverlust – Platz fünf in der Schlusswertung. Besser, dem Alten ist das passiert. Denn man weiß nie, was hinterher getuschelt wird, wenn Familie Stuck gemeinsam Rennen fährt.
Es ist das alte Problem. Mütter gebären, lieben und verzeihen – Väter zeugen, führen und fordern. Kaum ein Gebilde ist so fragil wie das Verhältnis zwischen Vater und Sohn. Der Erfolg des Vaters kann für den Nachkommen ein Segen sein. Oder aber ein Fluch. Das Söhnchen, heißt es dann abfällig, ist doch nur dabei, weil es den großen Namen führt.
Doch die Verbindung zwischen Hans-Joachim Stuck und Sohn Johannes ist anderer Natur. Sie fahren gemeinsam Rennen, weil sie füreinander die absolute Top-Besetzung darstellen. Nicht die Verwandtschaft zählt, sondern nur der gemeinsame Erfolg.
„Bekloppt wie mein Vater”
Nach seiner ersten 1,5-Stunden-Schicht am Steuer des BMW Z4 M Coupé steht „Strietzel” Stuck erschöpft in der Box. Der Mann ist vom Stress, der bei Langstreckenrennen auch jungen Fahrern zusetzt, stark gezeichnet. Tiefe Augenringe, verklebte Haare, starrer Blick. Wild gestikulierend, schimpft er über das schwer zu beherrschende Fahrwerk. Sohn Johannes hört schweigend zu und stützt sich – wie zur Beruhigung des Vaters – auf dessen Schulter.
Hans-Joachim, selbst Sohn eines übermächtigen Vaters – des Bergrennen-Königs Hans Stuck –, ist nach Michael Schumacher Deutschlands beliebtester Rennfahrer. Nicht des Erfolgs wegen, da müssten andere vor ihm stehen. Aber wegen seiner bodenständigen, jovialen Art.
Auf jeden Fall ist der Schatten, den er wirft, ziemlich groß. Er hat die 24 Stunden auf der Nordschleife dreimal gewonnen, Le-Mans-Siege eingefahren und ist Deutsche-Tourenwagen-Meister geworden. Solche Erfolge sind es, die schon so viele Söhne berühmter Väter zerbrechen ließen.
Vielleicht ist es aber auch ihr grundverschiedener Lebensentwurf, der die beiden Stucks von diesen Biografien trennt. Hier „Strietzel” Stuck, der als einzige abgeschlossene Ausbildung einen Autoführerschein vorzuweisen hat. Dort der Sohn, der Schulen im schweizerischen Gstaad, im bayerischen Starnberg und im italienischen Varese besuchte und außer in Deutsch auch noch fließend in Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch parliert.
Hier der Vater, der sein Leben lang Autorennen fuhr, dort der Sohn, der noch in diesem Jahr sein Wirtschaftsstudium in München aufnehmen wird. Der Vater kann und will vor allem nur eines: Rennen fahren. Der Sohn kann das ebenfalls – er muss es aber nicht.
Dabei ist der junge Stuck, der den Rennsport nur so beiläufig zu betreiben scheint, gespenstisch schnell. Auf der 25-Kilometer-Runde an der Nordschleife im BMW Z4 M Coupé von Schubert Motorsport liegen Senior und Junior vielleicht zwei oder drei Sekunden auseinander. Das ist nichts. Ein Wimpernschlag.
„Herrlich. Nichts tat mehr weh.”
Es gibt deutlich langweiligere Alternativen, wie Väter die Wochenenden mit ihren Söhnen verbringen können. Und ungefährlichere: Wenn Stuck senior und junior gemeinsam etwas unternehmen, kann schon mal eine Herzquetschung, ein gebrochenes Brustbein oder eine Brustwirbelabsplitterung dabei herauskommen.
So geschehen Ende April 2007. Bei einem Langstreckenlauf auf der berüchtigten Nordschleife knallt der 56-jährige „Strietzel” Stuck mit rund 140 Sachen in ein anderes Auto. Die Telemetriedaten seines Rennwagens zeigen später, dass 9g auf Stucks Körper lasteten. Viel zu viel für einen menschlichen Organismus. Nicht jedoch für einen Rennfahrer. Nach drei Tagen verlässt er das Krankenhaus in Koblenz wieder. Zuahsue angekommen, weiß er nicht, wie er sitzen oder liegen soll. In der Garage steht ein alter Rennwagen. Stuck setzt sich vorsichtig in den engen Schalensitz: „Herrlich. Nichts tat mehr weh.”
Der Vater fährt mit dem berühmten „Popometer” – dem Gefühl im Hintern. Der Sohn analysiert, wertet aus und denkt nach. Doch am Ende bringt Johannes die Familienangelegenheit im besten Stuck’schen Sinne auf den Punkt: „Wir haben beide die Eier, schnell durch Kurven zu fahren.”
Jetzt klingt er ganz wie der Alte. Wenn er dann noch darauf hinweist, dass er am Schwedenkreuz – der Mutkurve auf der Nordschleife – in diesem Jahr einen Kilometer pro Stunde schneller war als der Vater, dann denkt er auch wie der Alte. Dann sind sich die beiden doch verdammt ähnlich. Und auch einig, was die Zukunft anbelangt.
Denn aus der dritten Reihe rückt schon der nächste Nachkomme an. Der 16-jährige Bruder, Ferdinand Stuck. Nach Großvater Hans, Vater Hans-Joachim und Sohn Johannes nun also Stuck Nummer vier.
„Der Kleine fährt jetzt schon schärfer als Johannes und ich zusammen”, sagt „Strietzel” Stuck. In zwei Jahren wollen sie als reines Familienteam am 24-Stunden-Rennen am Nürburgring teilnehmen. Das wäre eine echte Premiere: ein Vater mit seinen beiden Söhnen in einem Cockpit. „Und Großvater Hans – Gott hab ihn selig – wird uns dabei zuschauen”, sagt „Strietzel” Stuck. „Vom Himmel oder von der Hölle aus.”
Es ist das alte Problem. Mütter gebären, lieben und verzeihen – Väter zeugen, führen und fordern. Kaum ein Gebilde ist so fragil wie das Verhältnis zwischen Vater und Sohn. Der Erfolg des Vaters kann für den Nachkommen ein Segen sein. Oder aber ein Fluch. Das Söhnchen, heißt es dann abfällig, ist doch nur dabei, weil es den großen Namen führt.
Doch die Verbindung zwischen Hans-Joachim Stuck und Sohn Johannes ist anderer Natur. Sie fahren gemeinsam Rennen, weil sie füreinander die absolute Top-Besetzung darstellen. Nicht die Verwandtschaft zählt, sondern nur der gemeinsame Erfolg.
„Bekloppt wie mein Vater”
Nach seiner ersten 1,5-Stunden-Schicht am Steuer des BMW Z4 M Coupé steht „Strietzel” Stuck erschöpft in der Box. Der Mann ist vom Stress, der bei Langstreckenrennen auch jungen Fahrern zusetzt, stark gezeichnet. Tiefe Augenringe, verklebte Haare, starrer Blick. Wild gestikulierend, schimpft er über das schwer zu beherrschende Fahrwerk. Sohn Johannes hört schweigend zu und stützt sich – wie zur Beruhigung des Vaters – auf dessen Schulter.
Hans-Joachim, selbst Sohn eines übermächtigen Vaters – des Bergrennen-Königs Hans Stuck –, ist nach Michael Schumacher Deutschlands beliebtester Rennfahrer. Nicht des Erfolgs wegen, da müssten andere vor ihm stehen. Aber wegen seiner bodenständigen, jovialen Art.
Auf jeden Fall ist der Schatten, den er wirft, ziemlich groß. Er hat die 24 Stunden auf der Nordschleife dreimal gewonnen, Le-Mans-Siege eingefahren und ist Deutsche-Tourenwagen-Meister geworden. Solche Erfolge sind es, die schon so viele Söhne berühmter Väter zerbrechen ließen.
[ Vater Hans-Joachim Stuck (56 Jahre)

Nicht aber seinen Sohn. „Auf meine Art bin ich bestimmt genauso bekloppt wie mein Vater”, sagt Johannes. „Aber die Legende Stuck, wie er es ist, bekommt man heute einfach nicht mehr hin.” Vielleicht ist es genau diese Lässigkeit, die ihn vor dem Schicksal anderer Promi-Söhne verschonte.
Ausbildung: Führerschein mit 16 Jahren
Beruf: Rennfahrer, Premiere-Formel-1 Experte und Unternehmer
Charakter: Lausbub, unterhaltend, originell, witzig und bodenständig
Fähigkeit: schnell fahren
Zukunft: Rennen fahren und gewinnen
Eigenschaft: „sauschnell”
Beruf: Rennfahrer, Premiere-Formel-1 Experte und Unternehmer
Charakter: Lausbub, unterhaltend, originell, witzig und bodenständig
Fähigkeit: schnell fahren
Zukunft: Rennen fahren und gewinnen
Eigenschaft: „sauschnell”

Vielleicht ist es aber auch ihr grundverschiedener Lebensentwurf, der die beiden Stucks von diesen Biografien trennt. Hier „Strietzel” Stuck, der als einzige abgeschlossene Ausbildung einen Autoführerschein vorzuweisen hat. Dort der Sohn, der Schulen im schweizerischen Gstaad, im bayerischen Starnberg und im italienischen Varese besuchte und außer in Deutsch auch noch fließend in Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch parliert.
Hier der Vater, der sein Leben lang Autorennen fuhr, dort der Sohn, der noch in diesem Jahr sein Wirtschaftsstudium in München aufnehmen wird. Der Vater kann und will vor allem nur eines: Rennen fahren. Der Sohn kann das ebenfalls – er muss es aber nicht.
Dabei ist der junge Stuck, der den Rennsport nur so beiläufig zu betreiben scheint, gespenstisch schnell. Auf der 25-Kilometer-Runde an der Nordschleife im BMW Z4 M Coupé von Schubert Motorsport liegen Senior und Junior vielleicht zwei oder drei Sekunden auseinander. Das ist nichts. Ein Wimpernschlag.
„Herrlich. Nichts tat mehr weh.”
Es gibt deutlich langweiligere Alternativen, wie Väter die Wochenenden mit ihren Söhnen verbringen können. Und ungefährlichere: Wenn Stuck senior und junior gemeinsam etwas unternehmen, kann schon mal eine Herzquetschung, ein gebrochenes Brustbein oder eine Brustwirbelabsplitterung dabei herauskommen.
So geschehen Ende April 2007. Bei einem Langstreckenlauf auf der berüchtigten Nordschleife knallt der 56-jährige „Strietzel” Stuck mit rund 140 Sachen in ein anderes Auto. Die Telemetriedaten seines Rennwagens zeigen später, dass 9g auf Stucks Körper lasteten. Viel zu viel für einen menschlichen Organismus. Nicht jedoch für einen Rennfahrer. Nach drei Tagen verlässt er das Krankenhaus in Koblenz wieder. Zuahsue angekommen, weiß er nicht, wie er sitzen oder liegen soll. In der Garage steht ein alter Rennwagen. Stuck setzt sich vorsichtig in den engen Schalensitz: „Herrlich. Nichts tat mehr weh.”
[ Sohn Johannes Stuck (20 Jahre)

Erst seit diesem Jahr fahren die beiden in der VLN, der Langstreckenmeisterschaft, zusammen. Und landeten mit ihren Teamkollegen Claudia Hürtgen und dem Schweden Richard Göransson schon mehrfach auf dem Podium. Wobei der Jüngling gelegentlich die schnellsten Rundenzeiten hinlegte.
Ausbildung: Abitur 2006, fünfsprachig: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italenisch
Beruf: Student und Rennfahrer
Charakter: erwachsen, bedacht, stoisch
Fähigkeit: schlau fahren
Zukunft: Studium, Examen, Beruf - und in der Freizeit Rennsport
Eigenschaft: „sauschnell”
Beruf: Student und Rennfahrer
Charakter: erwachsen, bedacht, stoisch
Fähigkeit: schlau fahren
Zukunft: Studium, Examen, Beruf - und in der Freizeit Rennsport
Eigenschaft: „sauschnell”

Der Vater fährt mit dem berühmten „Popometer” – dem Gefühl im Hintern. Der Sohn analysiert, wertet aus und denkt nach. Doch am Ende bringt Johannes die Familienangelegenheit im besten Stuck’schen Sinne auf den Punkt: „Wir haben beide die Eier, schnell durch Kurven zu fahren.”
Jetzt klingt er ganz wie der Alte. Wenn er dann noch darauf hinweist, dass er am Schwedenkreuz – der Mutkurve auf der Nordschleife – in diesem Jahr einen Kilometer pro Stunde schneller war als der Vater, dann denkt er auch wie der Alte. Dann sind sich die beiden doch verdammt ähnlich. Und auch einig, was die Zukunft anbelangt.
Denn aus der dritten Reihe rückt schon der nächste Nachkomme an. Der 16-jährige Bruder, Ferdinand Stuck. Nach Großvater Hans, Vater Hans-Joachim und Sohn Johannes nun also Stuck Nummer vier.
„Der Kleine fährt jetzt schon schärfer als Johannes und ich zusammen”, sagt „Strietzel” Stuck. In zwei Jahren wollen sie als reines Familienteam am 24-Stunden-Rennen am Nürburgring teilnehmen. Das wäre eine echte Premiere: ein Vater mit seinen beiden Söhnen in einem Cockpit. „Und Großvater Hans – Gott hab ihn selig – wird uns dabei zuschauen”, sagt „Strietzel” Stuck. „Vom Himmel oder von der Hölle aus.”
Redaktion: Michael Gösele ]
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