Evolutionsbiologen behaupten, Humor sei ein „costly signal“, ein fälschungssicheres Signal für geistige Fitness und deshalb ein Vorteil bei der Partnerwahl. Die Rolex kann unecht sein, der Porsche geliehen; aber wer Klavier spielen kann, hat sich das nicht erkauft, sondern über Jahre erarbeitet. Das signalisiert der Frauenwelt: „Schau her, ich hab neben Atmung und Verdauung noch Hirn übrig, um Musik zu machen, mir Witze auszudenken oder mich humanitär zu engagieren.“ Der sanfte und smarte Mann ist der Gewinner der Evolution – Ausnahmen bestätigen die Regel.
Gewinner sind auf alle Fälle Männer, die auf der Klaviatur der Komik spielen können. Männer lesen Playboy gern, nicht nur wegen der Artikel, sondern auch wegen der Witze! Denn auch für den Kenner der Materie gibt es hier immer wieder überraschendes Material. Aber wie zubereiten? Wer nicht kochen kann, sollte wenigstens Witze servieren können. Hier mein Rezept fürs Witzeerzählen, ohne sich dabei die Finger zu verbrennen: How to build a Brüller, oder: Wie man das Publikum weich kocht.
Besorgen: Eine frische Pointe – wenn es gerade keine frische im Kopf gibt, darf es auch eine tiefgefrorene sein, ruhig auch im Gefrierfach in den unteren Schubladen suchen. Da sind manchmal Perlen dabei, die ihr Haltbarkeitsdatum so was von überschritten haben, dass sie keiner mehr kennt, und dann sind die überraschend genießbar!
Vorbereiten: Pointe auftauen und auf Mikrowellentauglichkeit prüfen. (Eine Mikrowelle ist die kleinste gemeinsame Welle, auf der das Publikum mitschwingen kann.) Und immer daran denken: Man lacht über Dinge, die man wiedererkennt. Und versteht. Aber so noch nie verstanden hat.
Pointe putzen: Nun sorgfältig alle Worte entfernen, die nicht mehr ganz frisch und nicht notwendig sind. Rigoros. Was gestrichen ist, kann nicht durchfallen. Kill your darlings, weniger ist mehr!
Würzen: Liegt das gereinigte Pointengerüst vor Ihnen, können Sie es dem Anlass gemäß würzen und dekorieren. Bei vermeintlich intellektuellem Publikum streuen Sie gelassen ein paar Goethe-Zitate ein. Auf Privatsendern sollten Sie von Ihrem großen Latinum möglichst wenig Gebrauch machen.
Zubereiten: Kurz anbraten. Witze, die ganz durch sind, sind auch ganz schnell unten durch! Auf keinen Fall zu lange im eigenen Saft schmoren lassen.
Abschmecken: Ein Hauch von Anis und Analem ist willkommen – aber nicht übertreiben. Auf den Nachgeschmack achten, der sollte bekömmlich bleiben und sich erst im Abgang voll entwickeln. Pointen, die sich schon auf dem Teller und nicht erst im Kopf entfalten, gelten als Pointa praecox und sind bei beiden Geschlechtern zu Recht unbeliebt.
Servieren: Stolpern ist nur bei „Dinner for one“ erlaubt. Hat man mehr Zuschauer, sollte der Weg zur Pointe professionell kontrolliert beschritten werden. Das ist oft nicht der gerade Weg, sondern um die Ecke kommend, mit einer kurzen Pause kurz vor dem Exponieren. Diese Pause darf auch länger sein. Vielsagend-nichtssagende Blicke, Kopfwendungen und Luftholen, ohne tatsächlich mit der Sprache herauszurücken, während sich alle auf den Stühlen antizipatorisch-exaltorisch winden – diese Dinge sind dem absoluten Timing-Profi überlassen.
Und, zu guter Letzt: Do not repeat, if not necessary!
Dr. med. Eckart von Hirschhausen ]
buch-tipp
Er ist studierter Mediziner und Wissenschafts-journalist. Ein Millionenpublikum hat der 42-Jährige aber mit seinen Büchern (u.a. „Glück kommt selten allein”) und seinen Kabarettprogrammen (aktuelle Show: „Liebesbeweise”) erobert. Außerdem ist er seit Ende September mit der NDR-Talkshow „Tietjen und Hirschhausen” auf Sendung. Infos: www.hirschhausen.com
• Dr. med. Eckart von Hirschhausen
Er ist studierter Mediziner und Wissenschafts-journalist. Ein Millionenpublikum hat der 42-Jährige aber mit seinen Büchern (u.a. „Glück kommt selten allein”) und seinen Kabarettprogrammen (aktuelle Show: „Liebesbeweise”) erobert. Außerdem ist er seit Ende September mit der NDR-Talkshow „Tietjen und Hirschhausen” auf Sendung. Infos: www.hirschhausen.com
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