Ralf Husmann, 45, – Schmidt, Pocher, Stromberg – ohne ihn wären sie nur halb so komisch. Für alle hat er schon Pointen und Dialoge geschrieben. Sein aktuelles Buch: „Nicht mein Tag“(Scherz Verlag, 13,90 Euro)
Mein Kumpel Wolfgang will heiraten und hat mich gefragt, ob ich den Trauzeugen mache. Ich fühlte mich geehrt und habe zugesagt. Trauzeuge, dachte ich, ist eine Art Hochzeitsblinddarm. Das heißt, man erwartet, dass einer da ist – aber er hat keinen konkreten Zweck. Wolfgang hat gelacht und gesagt, wegen genau solcher Sätze habe er mich ausgewählt, denn es müsse traditionell auch einer von der Bräutigamseite eine Rede halten, und sein Vater habe rhetorisch schon bei der Beerdigung seines Onkels „verkackt“. „Und du machst doch beruflich was mit Wörtern“, waren Wolfgangs Worte. Nun sitze ich da.
„Ehe ist wie Boxen, es geht um zwei Leute und einen Ring, und oft genug haut’s einen um ...“ Geht auch, aber zwei Vergleiche hintereinander – sprachlich nicht schön. Ehe ist aber auch echt ein ausgelutschtes Thema. Wie heißt die alte Regel? Bei festlichen Reden und Beleidigungen immer persönlich werden. Also, was kann ich über Wolfgang sagen? Ein netter Kerl, macht irgendwas mit Pharma, VfB-Stuttgart-Fan und ein bisschen geizig. Wie immer, wenn mir nichts einfällt, mache ich eine Flasche auf. In Bier und Wein liegt bekanntlich die Wahrheit, und die ist: Ich kenne Wolfgang nicht gut. Männer sind meistens wie Deutschland und die Schweiz: Man existiert jahrelang nebeneinander und geht davon aus, dass der andere ähnlich ist wie man selbst, hat aber letztlich keine Ahnung.
Das sage ich Wolfgang am Telefon, und seine Antwort ist, dass er seine Zukünftige deutlich kürzer kennt als mich, sie aber trotzdem heiratet, da sollte ich ja wohl eine blöde Rede hinkriegen. Offenbar hat auch Wolfgang schon ein Bier auf. Rein rechtlich braucht man heute keinen Trauzeugen mehr, sage ich, um sauber aus der Nummer rauszukommen. Rein rechtlich, sagt Wolfgang, braucht man den ganzen Zinnober nicht, keinen Smoking, keinen Brautstrauß, keine Dosen am Auto. Macht man aber trotzdem. Der Frau zuliebe. „Aber sag das bloß nicht in deiner Rede!“, sagt Wolfgang. Da zwei heterosexuelle Männer am Telefon nicht über Liebe sprechen, will ich wissen, ob so gefühlsmäßig alles läuft zwischen ihm und seiner Frau. Er rülpst und sagt, ich solle jetzt kein Fass aufmachen. In meinen Kolumnen würde ich auch nur ein paar Gags aneinanderhängen, die schlau klingen, mehr müsse ich auch jetzt nicht tun. Und da ist das Fass, das ich nicht aufmachen soll, übergelaufen. Deswegen scheitern so viele Ehen, denke ich: weil man den Mann für einen netten Kerl hält, aber erst per Hochzeit herausfindet, dass er ein Arschloch ist.
Wenn es um ein sinnentleertes Ritual geht, kann man auch Weihnachten mit der Familie verbringen oder zum Valentinstag Blumen kaufen, sage ich später zu Ramona, dafür muss man nicht heiraten. Wenn’s um die Frau für den Rest des eigenen Lebens geht, sollte man schon mehr wollen als ein paar aneinandergereihte Gags. Für so was stünde ich nicht zur Verfügung, bei Kolumnen nicht und schon gar nicht bei Hochzeiten, sage ich und zerreiße die beiden Gags, die ich schon aufgeschrieben hatte. Das muss Ramona irgendwie in den falschen Hals gekriegt haben, in den romantischen nämlich, denn sie ist plötzlich ganz wuschig und sagt, dass sie gar nicht wusste, dass ich mir so viel Gedanken über die Ehe mache und dass sie das toll findet und ob wir zwei nicht auch heiraten wollen. Und dann sitze ich da und sage, dass die göttliche Ordnung nicht vorsieht, dass die Frau diese Frage stellt oder weiß, was Abseits ist. Ramona sieht mich an, als wäre ich ein Arschloch. Aber das Thema ist trotzdem nicht aus der Welt, das weiß ich. Danke, Wolfgang.
Ralf Husmann ]
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