Ralf Husmann, 45, – Schmidt, Pocher, Stromberg – ohne ihn wären sie nur halb so komisch. Für alle hat er schon Pointen und Dialoge geschrieben. Sein aktuelles Buch: „Nicht mein Tag“(Scherz Verlag, 13,90 Euro)
Ich hab also bei Ramona Kopfschmerzen vorgetäuscht, wie Erich Schiller, wenn Mutter Beimer wieder rollig ist. Kopfschmerzen und leichtes Fieber. Anschließend war ich mit meinem Kumpel Möhre und ein paar anderen Jungs beim Kickern. Möhre hat bei Facebook zwei Fotos von diesem Abend eingestellt, und irgendwie ist seine Ex-Putzfrau sowohl mit ihm als auch mit Ramonas Frauenarzthelferin verlinkt oder was weiß ich, jedenfalls war innerhalb weniger Klicks mein Grippe-Alibi so glaubwürdig wie ein Wahlversprechen der FDP. Für Michi und Petra bin ich im Ansehen jetzt ungefähr auf gleicher Höhe mit Investmentbankern, und Ramona hat mich mit Begriffen bedacht, für die man mir früher den Mund mit Kernseife ausgewaschen hätte. Das dauerte keine 48 Stunden - und ich bin nur ein kleiner Kolumnist! Der Kollege Woods hingegen ist Weltstar und verheiratet und hat nicht ’ne Runde „Siedler“ geschwänzt, sondern dem Vernehmen nach alles weggeknuspert, was zwei Implantate und aufgespritzte Lippen hatte. Und trotzdem wusste das keiner, inklusive seiner Frau. How the fuck is that possible! (Empörung ist auf Englisch am besten!)
Hierzulande beschwert sich jeder, der bei GZSZ dreimal hinten durchs Bild gegangen ist, dass einem die Fotografen an den Schuhen klebten wie Hundescheiße. Aber bei einem Megastar wie Tiger Woods sagen die Paparazzi: „Ach nö, lass, das mit dem Knipsen ist ja auch lästig für den Mann“? Da stimmt doch was nicht! Entweder rufen alle Sarah Connors selbst die „Bild“ an, bevor sie zu ihren Diegos fahren, oder ich werde demnächst mit Paparazzi-Fortbildungen reich. Allerdings ist auch erstaunlich, dass von einem moralisch maximal leicht zweifelhaften Kickerabend schon Amateurfotos im Netz kursieren, die um vier bis fünf Ecken bei meiner Freundin landen, während Freund Woods allen möglichen Silikonwundern seinen privaten Putter in den Hals hängt und offenbar kein Mensch in der Nähe ein Fotohandy dabeihat. Deswegen wirkte der Mann jahrelang sexuell wie ein dunkelhäutiger Kerner. Wie kann das sein? Ich hab mich nie für Golf interessiert, Herr Woods war mir immer schnurz. Aber jetzt hab ich die allergrößte Hochachtung vor ihm.
Ich würde ihm jedenfalls etliche neue Werbeverträge geben. Oder zumindest einen Buchvertrag für den Ratgeber „Wie man sich nicht erwischen lässt“. Letztlich ist Frau Woods ihrem Mann dann natürlich doch draufgekommen, hat ihm offenbar die Heckscheibe zertrümmert, ein Handy auf den Zahn geworfen und ihn auf um die 300 Millionen Dollar verklagt. Ich dagegen muss jetzt ein Jahr lang donnerstags mit Ramona zu Michi und Petra. Gestern ging’s los. Ich habe Lehmkarten gegen Holzkarten getauscht und gelernt, dass der Räuber nicht an Siedlungen von Spielern platziert werden darf, die weniger als drei Siegpunkte haben. Auch in der Niederlage ist Tiger Woods noch so viel cooler.
Ralf Husmann ]
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