Ralf Husmann meint . „Ein Fehler der Natur“

Zwischen dem Mann und seinem besten Stück ist es in etwa so wie mit seinem Fußballverein – behauptet unser Kolumnist Ralf Husmann

 

Ralf Husmann . Kolummne für Playboy Ralf Husmann, 45, – Schmidt, Pocher, Stromberg – ohne ihn wären sie nur halb so komisch. Für alle hat er schon Pointen und Dialoge geschrieben. Sein aktuelles Buch: „Nicht mein Tag“(Scherz Verlag, 13,90 Euro)
Ich glaube, Darwin stimmt nicht. Die Evolutionsnummer mag ja bei Pflanzen und Tieren hinhauen, aber beim Menschen hab ich so meine Zweifel. Zum Beispiel der Penis. Nach all den Tausenden von Jahren, in denen es jetzt schon Menschen gibt, soll das die beste Lösung der Natur sein? Wirklich, Natur? Du bist auf keine brauchbare Alternative gekommen?

Das Verhältnis des Mannes zu diesem Teil seines Körpers ist so wie zwischen dem Mann und seinem Fußballverein. Man glaubt, man hat den besten, obwohl rein empirisch alles dagegen spricht (soll heißen: Es gibt ja auch Fans von zum Beispiel dem VfL Bochum). Man redet viel darüber, obwohl er in der Regel nur einmal die Woche zum Einsatz kommt (und es gibt ja auch noch Winter- und Sommerpause, Spielausfälle usw.). Man hat zeit seines Lebens nur einen, und man teilt seine Liebe zu ihm hauptsächlich mit anderen Männern, will aber keinesfalls für schwul gehalten werden. Angeblich gibt es Frauen, die beides gut finden, also Penis und Fußballverein, aber die sind vielen Männern nicht geheuer, denn die meisten Männer glauben, dass die meisten Frauen von beidem keine Ahnung haben. Kurz gesagt, das alles macht überhaupt keinen Sinn. Fußballvereine und Penisse lenken nur von den eigentlichen Dingen des Lebens ab. Und das kann doch nicht im Interesse der Natur sein!

Ich musste zum Beispiel neulich bei mir im Büro eine Praktikantin einstellen. Das heißt, genau genommen hätte ich auch einen Praktikanten einstellen können. Theoretisch. Wenn die Natur schlauer wäre. Hätte die Natur nämlich nur für fünf Cent Grips, hätte sie es so eingerichtet, dass man bei Vorstellungsgesprächen den Penis zu Hause lassen kann. In der Schublade, im Schrank, in einer TupperDose. Wie auch immer. Dann könnte man in Ruhe nach vernünftigen Kriterien entscheiden. Aha, gutes Abitur, gute Beurteilungen, 1-a-Bewerbungsschreiben: Willkommen an Bord, Lukas, schade Liliana! So aber hatte ich wie immer meinen Penis dabei und habe deswegen natürlich Liliana genommen und Lukas nach Hause geschickt. Liliana heißt in Wirklichkeit anders, sieht aber genauso aus. Liliana steht jetzt täglich ausführlich in meinem Blickfeld und kopiert, geht ans Telefon oder sitzt. Wie soll ich da meine Arbeit machen? Auf der Arbeit hat ein Penis nichts verloren, Herr Darwin! Und Arbeit gibt’s ja schon deutlich länger als Fußballvereine. Da hätte man zwischenzeitlich schon mal über eine andere Lösung nachdenken können!

Ich habe zu Hause beiläufig erzählt, wie blöd Liliana ist, wie unfähig, wie billig und wie so ganz und gar nicht mein Fall, so beiläufig, dass Ramona skeptisch wurde und mich unter einem Vorwand im Büro besucht hat. Ausgerechnet an einem Tag, wo Liliana aussah wie Chantal. Liliana war entsprechend dann auch noch blöd genug, Ramona gegenüber zu erwähnen, dass sie dachte, ich sei Single, nur weil ich ihr gegenüber zwei-, dreimal erwähnt hatte, ich sei Single. Wobei, wenn ich „ich“ sage, meine ich natürlich „Penis“. Ich selbst hätte das ganz anders formuliert. Jetzt ist die Luft zu Hause zum Schneiden. Ich wäre froh, wenn das Fleisch in der Kantine so wäre, wie die Luft zu Hause ist. Das Ziel der Natur ist aber doch, dass die Art erhalten wird, dass man sich also fortpflanzt oder zumindest daran arbeitet. Daran ist momentan zwischen Ramona und mir nicht zu denken. Der Penis hat sich also ins eigene Fleisch geschnitten. Glückwunsch. Ich hoffe, die Evolution ist stolz auf sich.

Ralf Husmann ]

 
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  Ralf Husmann . (c) Illustration: Daniel Matzenbacher für Playboy
 

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