Ralf Husmann meint . „Reisewarnung“

Die Herzensdame wollte Tapetenwechsel, also fuhr unser Kolumnist Ralf Husmann („Stromberg“) mit ihr nach Bali. Paarurlaub – ein Ausflug ins Paradies?

 

Ralf Husmann . Kolummne für Playboy Ralf Husmann, 45, – Schmidt, Pocher, Stromberg – ohne ihn wären sie nur halb so komisch. Für alle hat er schon Pointen und Dialoge geschrieben. Sein aktuelles Buch: „Nicht mein Tag“(Scherz Verlag, 13,90 Euro)
Wörter lügen nicht. Zum Beispiel „Ferienparadies“. Das Wort hätte mich eigentlich stutzig machen müssen, denn das Paradies ist ja der Ort, an dem für Adam und Eva der ganze Ärger anfing. So weit hab ich aber nicht gedacht, als Ramona mir Bilder von Hotels im Ferienparadies Bali zeigte, verbunden mit diesem speziellen Nölton, den schon kleine Mädchen beherrschen, wenn sie etwas haben wollen. Ob es nun um Barbie oder Bali geht, ändert am Tonfall eigentlich nichts. „Och, guck doch mal, die sehen doch schon aus wie wir!“, hieß es angesichts eines Werbefotos, auf dem eine Art schwuler Soap-Darsteller sich mit einer blonden Sparkassenangestellten am Strand in Liegestühlen rekelte, während ein befrackter Einheimischer so tat, als brächte er den beiden gern bunte Getränke. Kein Stück sahen die aus wie wir, fand ich. „Ich kann den Winter hier nicht mehr sehen, und ein Urlaub täte uns ganz gut“, sagte Ramona, jetzt nicht mehr nölig, sondern sehr bestimmt.

„Ein Urlaub täte uns ganz gut“ heißt übersetzt: „So dolle läuft es nicht mit uns, Freundchen!“ Ich hatte also offenbar die Wahl zwischen Bali und Beziehungsgespräch. Kurze Zeit später saßen wir im Flieger. Die „Insel der Götter“ sollte es richten - nur: Die Götter der Insel sind entweder kaputt oder dafür nicht zuständig. Das fängt mit dem Jet-Lag an. Ich wollte vögeln, Ramona wollte schlafen, fummelte wiederum später sinnlos an mir herum, als meine innere Uhr auf „snooze“ stand. Der Strand war dafür exakt so wie auf den Bildern, die bunten Getränke gab es auch, nur ich sah nicht aus wie der schwule Soapie, sondern wie eine Warntafel beim Hautarzt. Wenn man sich mit einer mozzarellafarbenen Haut an den Strand legt, reicht eine Stunde für einen 1-a-Sonnenbrand, Lichtschutzfaktor hin oder her.

Abends stellten wir fest, dass ein Sonnenbrand an ihrem und meinem Bauch ein gutes Verhütungsmittel ist. Aber man kann ja auch reden. Über Bekannte, Freunde, Familie, die anderen Gäste, das schöne Wetter, das prima Hotel, das Leben. Und schon ist eine Stunde Urlaub rum. Bleiben noch acht, neun, zehn weitere. An diesem Tag. Und jedem weiteren. Lesen. Hmm. Auch schön. Oder Sport. Ich finde nicht, dass ich beim Tennis „immer alles besser weiß“. Nur, so wie Ramona den Schläger bei der Rückhand hält, ist es kein Wunder, dass der Ball ständig ins Netz geht. Das Meer war toll, die Fische so bunt wie die Getränke, aber ehrlich gesagt, sind die auch die Einzigen, die da Sex haben sollten, um noch mal auf das Thema zu kommen. Erstens sind die Buchten so einsam dann auch wieder nicht und zweitens die Sache mit der Strömung und dem Salzwasser überall. Kultur. Kann man machen. Auch bei 32 Grad und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Bei uns meide ich Kirchen wie der Teufel das Weihwasser, auf Bali guck ich Tempel. Wir ergänzten uns: Ramona las Erklärungen über Sehenswürdigkeiten vor, und ich vergaß sie gleich wieder.

Ich fand, Bali ist wie Angelina Jolie: sehr schön, aber seltsam und auf Dauer nichts für mich. Abends essen und bunte Getränke. Erholung ist anstrengend. Ramona erwischte mich am Computer im Business-Center bei den Bundesliga-Ergebnissen im Internet. Ramona nölte. Ihre Stimme lag auf einer ähnlichen Frequenz wie die Mücken in unserem Zimmer. Wir haben trotzdem Fotos gemacht, die Ramona, jetzt strahlend braun, überall rumzeigt: Wir beide lümmeln auf Liegen am Strand, und ein Einheimischer bringt bunte Getränke. Pures Glück. Im Gegensatz zu Wörtern lügen Fotos nämlich wie Pinocchio. Aber darüber reden wir beide erst mal nicht. Dafür war der Urlaub zu teuer.

Ralf Husmann ]

 
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  Ralf Husmann . (c) Illustration: Daniel Matzenbacher für Playboy
 

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