Ralf Husmann, 45, – Schmidt, Pocher, Stromberg – ohne ihn wären sie nur halb so komisch. Für alle hat er schon Pointen und Dialoge geschrieben. Sein aktuelles Buch: „Nicht mein Tag“(Scherz Verlag, 13,90 Euro)
Als wir wieder zu Hause waren, fragte Ramona mich, ob ich an Jürgens Stelle zurückgeschlagen hätte. „Ich kann ja schlecht auf der einen Seite gegen den Irakkrieg sein, mich aber auf der anderen Seite hier rumprügeln“, war meine Antwort. Im Scherz.
Von Ramona kam aber nur ein „Hmm“. Ein ähnliches „Hmm“, wie Frauen es auch bei Impotenz äußern. Ein gesummt gelogenes „Ist doch nicht schlimm“. So ein „Hmm“ hab ich auch schon gehört, wenn man handwerklich nicht so begabt ist. „Hmm“ mit dem Unterton: „Ist ja süß, so was kannst du also auch nicht.“
Aber nur weil man einen Penis hat, muss man nicht automatisch einen Teppichboden verlegen können! Das müsste eigentlich auch einer Frau einleuchten. Dafür kann ich kochen, und Ramona kann nicht mal eine Vitamintablette auflösen, da sag ich ja auch nichts. Irgendwie hat mich das „Hmm“ jedenfalls geärgert.
Früher fand Ramona es toll, dass ich weiß, was ein Twinset ist, und trotzdem nicht schwul bin. „Neue Männer braucht das Land“, hieß es mal, aber Ina Deter ist so weg vom Fenster wie Goldkantengardinen. Und wir sollen in heiklen Situationen wieder so reagieren wie ein voll tätowierter Kirmesheini, der entwicklungstechnisch eher näher am „alten“ Mann ist (= Neandertaler). Sieht Ramona nicht so. Sie hat was von „Zivilcourage“ erzählt. Nur, wenn’s eng wird, ist mir uniformierte Courage lieber, sprich Polizei oder Hells Angels. Die tragen ja ihre Kutte auch, um zu zeigen: „Ich bin nicht allein, und zusammen machen wir euch fertig.“ Mein Button-down-Hemd drückt das nicht aus.
Und zivile Courage ist auch schwer zu delegieren. Zum Teppichbodenverlegen kann man jemanden rufen, der sich damit auskennt. Prügeln muss man schon selber machen, wenn man keine albanischen Verwandten hat. Ich sehe ja auch ein, dass Gewalt in manchen Zusammenhängen nötig ist: Wenn der Torero den Stier totquatscht, würde da kein Mensch hingehen. Und wäre Jesus mit 83 an Altersschwäche gestorben, gäbe es heute die ganzen Kirchen nicht. Aber weder Stierkampf noch Christentum sind doch bei uns noch richtig hip.
Aber diese Argumente haben Ramona nicht beeindruckt. Deswegen habe ich mir Pfefferspray gekauft und gehofft, dass Ramona und ich dumm angequatscht werden. Ich bin extra mit ihr in die sozialen Brennpunkte gefahren. Aber nichts. Dann war neulich beim Italiener Ramonas Risotto ein bisschen laff, und mein Versuch, mit dem Pfefferspray nachzuwürzen, ist ins Auge gegangen. In ihr Auge. Der Abend war dann auch wieder gelaufen. Aber sie muss einsehen, dass es den Kuschel-Knüppel nicht gibt und Charles Bronson keine romantischen SMS schreibt. Und wenn sie demnächst wieder mit ihrem Bärchen-Nachthemd ins Bett kommt, dann mach ich auch mal „Hmm“.
Ralf Husmann ]
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