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Uli Hoeneß . Bye-bye, Bayern-Boss

Uli Hoeneß tritt als Manager des FC Bayern München ab. Wir haben die engsten Freunde und ärgsten Feinde zu ihm befragt. Den Auftakt macht Marcel Reif

 

Marcel Reif über Uli Hoeneß Für manche ist er das Bayern-Schätzchen, für manche der Bayern-Miesmacher: Sky-Chefkommentator Marcel Reif, 60, kann es wohl keinem so richtig recht machen
Die Bayern liebt man, oder man hasst sie. Und beides aus demselben Grund – weil sie Erfolg haben. Ich bin weder Bayern-Freund noch Bayern-Hasser. Aber meine Kinder laufen in Bayern-Trikots herum. Und ich weiß, warum. Die Bayern sind zu dem Alphatier in der Bundesliga geworden. Und das ist Uli Hoeneß zu verdanken.
Er hat sehr früh erkannt, dass ein Club eine Identität braucht, eine Philosophie. Diese Mischung aus Schickimicki, Professionalität und Lederhose. Wenn wir in die Politik schauen, in die Wirtschaft: Wer bekommt das schon hin, so gut Abschied zu nehmen wie Uli Hoeneß? Jeder will abtreten und ein bestelltes Feld hinterlassen. Aber jeder will auch vermisst werden. Ihm traue ich allerdings zu, dass er das so gut macht, dass ihn im operativen Geschäft hernach keiner vermisst.
Was Hoeneß perfekt beherrscht hat: Irgendwo Rambazamba machen, alle stürzen sich drauf – und einen Meter daneben konnte er in Ruhe das tun, was ihm wirklich wichtig war.
Jetzt passiert ein Umbruch bei den Bayern, Hoeneß wollte ihn schon mit Klinsmann. Da sollte vieles anders gemacht werden, die Bayern wieder mal weit vor allen anderen. Das ist ja nicht ganz so ruhmreich verlaufen. In der fast kindlichen Lust, noch mal einen draufzusetzen, ist ihm ein Stück Realitätssinn verloren gegangen. Das war vielleicht sein einziger großer Fehler.
Mir hat er ein paarmal öffentlich in die Beine gegrätscht, das hat mich geärgert. Vor gefühlten Jahrzehnten hat er mich beim Abschlusstraining zur Seite genommen und gesagt: „Meine Frau meint, dass Ihre Kommentierung letzte Woche unter aller Kanone war.“ Da entgegnete ich: „Bei allem Respekt vor der fachlichen Kompetenz Ihrer Gattin – das müssen Sie sich schon selbst angucken.“
Andererseits: Man muss es schon zu etwas bringen, um von Uli Hoeneß eine ins Kreuz geboxt zu bekommen. Dann darf man sicher sein: a) Ich bin nicht allein, und b) ich bin nicht ganz unten.
Mag ich ihn? Ja, er hatte immer das Visier offen. Man wusste stets, woran man war, und man wusste, dass er immer nur, ganz gluckenhaft, das Wohl seiner Küken im Sinn hatte.
Ich wünsche ihm, dass das, was gerade bei den Bayern passiert, immer im Kontext der 30 Jahre gesehen wird, die er für den Verein gearbeitet hat. Und dass er das derzeitige Theater mit einer gewissen Gelassenheit sehen kann – wobei: Hoeneß und Gelassenheit, das passt nicht wirklich zusammen. Mir wird er fehlen. Ich fürchte, es wird ohne ihn ein Grad kälter im Fußball. Und vielleicht noch mehr.

Marcel Reif ]

Die Abschiedsgrüße von Marcel Reif, Christoph Daum, Reiner Calmund, Lothar Matthäus, Sepp Maier, Paul Breitner, Rainer Bonhof, Axel Dubelowski und Patrick Strasser an Uli Hoeneß sind in der Januar-Ausgabe des Playboy (ab 10.12. am Kiosk) sowie in lockerer Folge demnächt hier nachzulesen

 
 buch-tipp 

• Hier ist Hoeneß!

Hier ist Hoeneß

Wenn Uli Hoeneß anruft, meldet er sich mit »Hallo! Hier ist Hoeneß!«. Das hat sich seit 1979 nicht verändert. So lange schon lenkt er die Geschicke des FC Bayern München, den er in der finanziellen Krise übernahm und bis heute zu größtem Ruhm und Erfolg führte. Uli Hoeneß war und ist der FC Bayern, er ist sein Anwalt und sein erster Fan. Nach 30 Jahren legt er sein Manageramt nieder, um dem Verein künftig als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender zur Seite zu stehen. Zur Ruhe setzen wird er sich nicht. Denn Uli Hoeneß bleibt immer: Uli Hoeneß.

Als Fußballreporter der „Abendzeitung“ war die Beschäftigung mit Uli Hoeneß für Patrick Strasser, 34, in Fulltime-Job. Daher hat er ihm jetzt ein Buch gewidmet: „Hier ist Hoeneß!“ (Riva-Verlag, 19,90 Euro).

Infos: www.rivaverlag.de
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 Uli Hoeneß . (c) Illustration: Daniel Matzenbacher für Playboy
 

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