Gunter Sachs . Die besten Interviews aus dem deutschen Playboy

Gunter Sachs

Gunter Sachs war der einzige wahre Playboy, den Deutschland je hatte – und sagte vor einem Jahr viel zu früh „goodbye!“. Deshalb hier noch einmal das große Playboy-Interview vom Sommer 2004

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Intro

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Er segelte mit Alain Delon, dinierte mit Romy Schneider und brauste mit Kaiserin Soraya im Ferrari durch Nizza. Trotz seines extravaganten Lebensstils war Gunter Sachs alles andere als ein verwöhnter Industrie-Erbe. Der Sohn eines Kugellagerfabrikanten und einer Opel-Enkelin betätigte sich als Kunstsammler, Fotograf und Dokumentarfilmer. Und das mit der gleichen Leidenschaft, mit der er Frauen verführte. Der Grand Prix in Monaco, die Partys in Saint-Tropez: Wo immer der Deutschschweizer auftauchte, scharte sich die Society mit ihren schönsten Damen um ihn. Sachs blieb dabei immer mit beiden Beinen auf der Erde – nur einmal nicht: Um Brigitte Bardot seine Liebe zu beweisen, ließ er vom Hubschrauber aus auf ihr Grundstück rote Rosen regnen. Die beiden heirateten 1966. Sachs führte wie kein anderer ein Leben voller Glanz – dem er am 7. Mai 2011 ein Ende setzte. Er erschoss sich, wie es schon 1958 sein Vater getan hatte. Um den großen Gentleman zu ehren, lassen wir ihn hier noch einmal zu Wort kommen – mit dem Playboy-Interview, das 2004 in der Juli-Ausgabe erschien.
 

Interview

Mein Antrieb ist Ästhetik

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Ein Playboy ist ein gebildeter, vermögender Mann, der Frauen verehrt – und zu bezaubern liebt
Er ist der Einzige wahre Playboy, den Deutschland je hatte. Hier spricht Gunter Sachs über die grössten Leidenschaften seines Lebens: Schöne Frauen, Geschwindigkeit, Kunst und seine Fotografie.

Playboy: Herr Sachs, immer schon lieben Sie Rasanz, schöne Frauen und Ästhetik. Was hat Geschwindigkeit mit Erotik zu tun?
Sachs: Beide sind atemberaubend — und gefährlich. Gemeinsam erzeugen sie eine berauschende, geheimnisvolle Dimension.

Playboy: Mit welchem Fahrzeug schätzen Sie die Geschwindigkeit am meisten?
Sachs: Auf dem Motorrad mit einer Beifahrerin und ohne Helm im Wind. Ich habe mir neulich in den USA eine Kawasaki 1200 gekauft. Die gewaltige Kraft zwischen den Schenkeln wirkt wie von tausend Pferden, die gezähmt werden wollen.

Playboy: Hat Geschwindigkeit Ihnen je Angst gemacht?
Sachs: Ja, aber eigentlich nur vor einer irrwitzigen Fahrt, nie während der Action. Anders war's bei Autorennen. Wenn man zu zweit auf dem alten Nürburgring die Fuchsröhre runterjagte, da war abenteuerlich gar kein Wort dafür. Unten im Knick stand Wasser, und es ging drum, wer als Erster bremst. Da dachte ich dann an die kommende Nacht mit Tatjana — und ich ließ dem anderen die Vorfahrt. Vielleicht waren es zu viele Tatjanas, die aus mir nur einen mittelmäßigen Rennfahrer machten.

Playboy: Wann schätzen Sie Langsamkeit?
Sachs: Bei lasziven Frauen.

Playboy: Wer war Ihre erste Eroberung?
Sachs: Die Lateinlehrerin. „Dein Bruder und ich fahren zehn Tage nach Lugano, und du bleibst da“ — sprach die Frau Mama. Ich musste in den Ferien Latein für eine Zusatzprüfung büffeln. Die Lehrerin, Fräulein Pfefferli, kam am nächsten Tag. Sie war 24 und hübsch, ich war 16. „Eine Stunde darf Gunti täglich in die Pilze — falls er gut arbeitet.“ Oh ja, ich fand Pilze und brachte sie zum schönen Fräulein. Die zeigte mir ihre gefundenen Schwämme, die noch nicht gepflückt waren. Sie bückte sich und sagte „Die sind aber schön“ und hob das Bein bei jedem Fund wieder in meine Blickrichtung. Verben und Ablativ der toten Sprache mussten dem Ursprung des Lebens weichen. Uns fegte Amor rücksichtslos durch die Wälder. Am Tag lagen wir auf lauschigen Moosfeldern, nachts schoss Amor uns dann in die Daunen. Nach zehn Tagen kam Mutter zurück: „Wie war Gunti denn?“ — „Frau von Opel, ich muss Ihnen die Wahrheit sagen. Er war sehr faul und wird die Prüfung nicht schaffen.“ Was für ein Biest, dachte ich mir. Und trotzdem habe ich den Glauben an die Frauen nie verloren.

Playboy: Was unterscheidet Frauen und Männer?
Sachs: Frauen wollen glauben — die Männer wollen wissen. Männer fliegen auf den Mond, um seine dunkle Seite zu erkennen — die Frauen ertasten sie. Wo der Mann nach einer bestimmten Gesetzmäßigkeit denkt und handelt, tun Frauen dies nach einer verborgenen Gesetzlosigkeit, deren Schwungrad die Intuition ist. Ich halte Frauen, nicht nur wegen ihrer biologischen Veranlagung, für das Überleben der Menschheit für wichtiger als das männliche Geschlecht.

Playboy: Sie haben Mathematik studiert. Welche Rolle spielt sie in Ihrem Leben?
Sachs: Ich glaube, von meinem Mathematikstudium habe ich vor allem die Klarheit mitbekommen, wie man Probleme angeht.

Playboy: Nennen Sie uns ein Beispiel?
Sachs: Wenn ich ein Haus baue, beginne ich nicht mit dem Speicher, und bei Frauen falle ich nicht ins Haus.

Playboy: In den 60er- und 70er-Jahren haben Sie Hunderttausende in Casinos gewonnen. Was war Ihr Trick?
Sachs: Erfolg bei Frauen, Glück im Spiel. Mit Tricks sitzt man im Casino gleich im Kittchen. Erstaunlicherweise gewann ich zu jener Zeit meistens dann, wenn ich mit vielen Freunden und Mädchen da war. Wir waren schon geneigt, an übersinnliche Kräfte zu glauben. Aber das Casino holte uns bald wieder auf den Teppich zurück. Heute spiele ich nur noch das Goldgräber-Würfelspiel „Craps“. Da geht es ungezwungener und lustiger zu als beim Roulette und man hat viel bessere Chancen. Ich bin deswegen sicher, dass das klassische französische Roulette in den nächsten Jahren mehr und mehr aus den Casinos verschwinden wird. Es kostet mehr und bringt weniger. Die einarmigen Banditen erfreuen sich widersprüchlicherweise höchster Beliebtheit, obwohl der Betreiber die Gewinnchance der Maschine selbst ein-stellen darf.

Playboy: Auf welchen der fünf Sinne könnten Sie am ehesten verzichten?
Sachs: Schmecken — dann wäre die Auswahl der Restaurants einfacher, andererseits der Abend ohne Genuss. Ich entscheide mich mal, das Riechen zu opfern.

Playboy: Was sehen Sie ungern?
Sachs: Ich erinnere mich an eine Fotografie, für die einem jungen Fotografen bei einer Ausstellung ein erster Preis verliehen wurde. Das Bild zeigte eine öde Garage mit einer Glühbirne ohne Schirm, die fahles Licht spendete. In der Mitte des Raumes stand eine Toilette. Darauf saß eine alte Frau, die von vielen Falten gezeichnet und, wie es aussah, traurig war. Sie wirkte ungepflegt. Ihr Rock oder Schal lag vor ihr auf dem Beton. Sie verrichtete ihre Notdurft. Papier lag neben ihr zwischen Ölflecken. Das Klo konnte keinen Abfluss haben, es stand zu weit im Raum. Die Szene war zweifellos gestellt. Ein gewollt sozialkritisches Bild. Wer macht solche Fotos, fragte ich mich. Toiletten im Zwielicht munkeln von Kunst — und die Morgensonne in den Haaren eines erwachenden Mädchens ist Kitsch. So wollten es die Prediger der Antikunst, die politische Linke und manche spekulierenden Rechten. Sogar Auktionshäuser mit klangvollen Namen schrien um des Königs neue Kleider. Jene Leute sollen psychologische Abhandlungen lesen oder schreiben, aber nicht mit schlecht getürkten Bildern die Welt verbessern wollen oder Profit aus ihr schlagen.

Playboy: Welche optischen Eindrücke machen Sie glücklich?
Sachs: Seit meiner Kindheit Himmelserscheinungen. Klare Sternennächte, zerrissene Föhnhimmel, romantische Wolkenbildungen. Der Himmel ist für mich die größte Leinwand der Welt.

Playboy: Wenn Sie etwas ästhetisch beurteilen: mit dem Kopf oder dem Bauch?
Sachs: Juwelen beurteile ich überwiegend mit dem Kopf. Meine Fotografie kommt meistens aus dem Bauch.

Playboy: Wenn Sie Kunst sehen — wie lange dauert es, bis Sie wissen: Das gefällt mir?
Sachs: Bei einem Kunstwerk habe ich zuvor einige Fragen: Wer ist der Künstler, in welchem Jahr entstand das Bild? Es ist ja ein Unterschied, ob die Hände von Dürer sind oder vom Zeichenlehrer.

Playboy: Wenn Sie eine Frau sehen — wie lange dauert es da?
Sachs: Die Schönheit von Frauen sehe ich meistens unverzüglich. Auch wenn sie durch unpassende Frisuren, Kleider oder Schminke verdeckt ist. Die Fotogenität kann ich vermuten, aber erst durch Aufnahmen wirklich feststellen. Das weibliche Schönheitsideal ist übrigens nicht nur eine Frage des persönlichen Geschmacks, sondern oft geprägt vom Zeitgeist. Bei Rubens hätten meine Modelle keinen Anklang gefunden — aber bei reinen Ästheten jener Zeit schon. Der Goldene Schnitt überdauert alle Moden.

Playboy: Welche Frauen sind besonders schön?
Sachs: Die Mädchen aus Ostpreußen. Geborene Models. Besonders lange Beine und hohe slawische Wangenknochen sind die Ingredienzien der Schönheit. Sie haben alle etwas Katzenhaftes, und: Die Ostpreußinnen hatten wundervoll lautere Charaktere.

Playboy: Kann eine Frau eine optische Täuschung sein, also mehr versprechen, als sie ist?
Sachs: Genau so wie eine Fata Morgana, die das Nirwana verspricht.

Playboy: War das für Sie je eine Gefahr?
Sachs: Mit viel Übung kann ein geübtes Auge eine Fata Morgana von einer echten Oase unterscheiden.

Playboy: Welche schönen Frauen werden alle Moden überdauern?
Sachs: Brigitte Bardot als erotisches Sinnbild, Greta Garbo als eine kühle Statue, Grace Kelly als die klassische Schönheit, Ava Gardner als Femme fatale — und meine Frau Mirja als ein Beispiel von Natürlichkeit. So empfinde ich sie, zumindest ihre Aura.

Playboy: Zur Kunst: Aus welcher Motivation heraus entstand Ihre Kunstsammlung?
Sachs: Aus der Freude am Neuen und aus Freundschaften mit vielen Künstlern, die ich damals oft in der Brasserie „Coupole“ traf. Die „Coupole“ war das zweite Wohnzimmer der Pariser Boheme und ein Schmelztiegel von Künstlern aller Art, in dem ich mich sehr wohl fühlte. Man traf dort arrivierte ebenso wie nicht arrivierte Künstler. Dazu Schriftsteller, gute Journalisten und intellektuelles Strandgut als Füllung zwischen den großen und kleinen Brocken.

Playboy: Erinnern Sie sich, was Sie gedacht haben, als Sie die ersten Warhols sahen?
Sachs: Als Erstes sah ich die „süffigen“ Werke von ihm: Marilyn Monroe, Elizabeth Taylor und seine Flowers. Das fand ich gut, aber nicht Epoche machend. Dann mit den Campbell-Dosen, den Coca-Cola-Flaschen und den Car-Crash-Bildern fand ich ihn sehr interessant. Als ich dann in sein frühestes Werk eintauchte und den Superman von 1960 sah, der auch ein Schlüsselbild für Roy Lichtenstein war, und das Nasen-Bild „Before and After“, bekam ich großen Respekt. Und die wenigen Filme, die ich von ihm sah, enthielten wirklich neuen Zunder. Ich erinnere mich noch, als wir uns einmal in Saint-Tropez trafen und er mir unbedingt Ausschnitte aus seinem Film „Chelsea Girls“ zeigen wollte. Kurz entschlossen fuhren wir mit einigen meiner Freunde im Motorboot nach Cannes zum „Carlton“. In seinem Zimmer gab es zwar einen Projektor, aber keine Leinwand. Und die Wände des Hotelzimmers waren mit einem üppigen Muster dekoriert. Ein Freund sagte, er wolle ein Betttuch holen. Andy winkte ab: „Nicht nötig, wir projizieren einfach auf die Wand.“ Die Art, wie er mit seinem Werk umging, rief bei mir als Filmemacher und Perfektionist die allergrößte Hochachtung hervor.

Playboy: Sie waren einmal Direktor eines Museums in München. Wie kam das?
Sachs: Constantin von Bayern, der von meiner sehr frühen Sammlung moderner Kunst gehört hatte, bat mich, meine Bilder für eine Ausstellung seines Kunstvereins in der Villa Stuck nach München zu schicken. Da ich wusste, dass es zu jener Zeit kaum Vergleichbares in Deutschland gab, sagte mir der Gedanke zu, die deutschen Sammler etwas wachzurütteln. Der Prinz, der Ort und der Verein gefielen mir, die Ausstellung machte von sich reden, und die Idee, neue Strömungen, junge Künstler und Avantgarde zu zeigen, sollte Kreise ziehen. So gründeten wir bald darauf das Modern Art Museum Munich, welches in Deutschland nachhaltig das Interesse an der Moderne weckte. Unsere damalige Vision des „Musée engagée“ war somit auch ein Quäntchen Vorläufer der Münchner Pinakothek der Moderne.

Playboy: Kaufen Sie noch Kunst?
Sachs: Selten. Wenn, dann Surrealisten oder Werke, um meine Sammlung abzurunden. Meist bin ich dann geschockt, dass ich für diese Bilder Hunderttausende Dollars bezahlen muss anstatt wie damals 8000 Francs.

Playboy: Haben Sie je Bilder verkauft?
Sachs: Ich verkaufe dann und wann Bilder von Künstlern, von denen ich mehrere Werke besitze, um die Sammlung zu veredeln.

Playboy: Haben Sie je Warhol verkauft?
Sachs: Ja, „Car Crash“, das war auf Dauer doch etwas viel, beim Mittagessen immer auf die Verkehrstoten zu schauen. Der Verkaufserlös deckte meine gesamten bisherigen Investitionen für Kunst.

Playboy: Gibt es eine Beziehung zwischen Ihrer Kunstsammlung und Ihren Fotos?
Sachs: Ja, ich liebe den Surrealismus. Das ist ein weites Land — und es hat noch viel Platz in seinen Mauern. Dort fotografiere ich meinen Surrealismus. Surreale Gedanken funken in jedem Kopf.

Playboy: Wie kamen Sie zur Fotografie?
Sachs: Durch den Film. Ich hatte gerade meinen letzten eigenen Dokumentarfilm gedreht, da kam ein Anruf aus Afrika von meinem Freund Gérard. „Wir sitzen hier mit guter Ausrüstung, aber keiner kann einen Film konzipieren. Wenn die ein Gnu filmen und einer schreit, da hinten badet eine nackte Swahili, läuft das ganze Team samt Kameramann hin.“ Ich flog nach Nairobi und hatte im Flieger das Grundgerüst für den Film ausgearbeitet. Als Titelsequenz sah ich ein auftauchendes Nilpferd, das sein Maul aufreißt, und als Standbild erscheinen die Titel im riesigen Rachen. Ich machte mich also auf zu einem bei Nilpferden beliebten Fluss. Dort legte ich mich auf eine Anhöhe und beo-bachtete, im Lehm liegend, die Viecher beim Tauchen. Da ich einen Vorlauf mit ruhigem Wasser brauchte, musste ich filmen, bevor der Hippo hochkam. Hielt ich meine Kamera dorthin, wo er untergetaucht war, tauchte er ständig woanders auf. Stunden vergingen, und ich hatte bereits einen Sonnenbrand im Genick, aber noch kein Nilpferd im Kasten und Rollen und Rollen Film verschossen. Da sagte ich mir — im Lehm klebend: „Ab jetzt nur noch Fotografie, und zwar Mode oder Akt mit Air-Condition.“

Playboy: Was passierte mit dem Film?
Sachs: Meine Freunde schnitten den Film gemeinsam, wobei das wiederum der Swahili-Szene ähnelte. Ich glaube, es war einer der schlechtesten Streifen, den das Festival von Cannes je als Eröffnungsfilm gesehen hatte. Robert Favre Le Bret, der damalige Präsident des Festivals, musste sich knirrschend entscheiden, entweder Zinnemanns oscargekrönten „A Man for All Seasons“ zu zeigen. Oder eben Gérards Afrika-Film „Batouk“, den dann aber in Anwesenheit von Brigitte Bardot. Es war ein Bubenstück, was BB für ihre Freunde ausgeheckt hatte. Denn sie war bis dahin noch nie — auch für eigene Filme — auf dem Festival erschienen. Favre Le Bret entschied sich für die schöne Französin. Mein Name stand leider im Vorspann. Während der Vorführung wusste ich bereits, wann die ersten Pfiffe einsetzen würden. Ich hatte mich um eine knappe Minute verrechnet — zu Gunsten des Films. Man war ja schließlich in Cannes.

Playboy: Was wollen Sie mit Ihrer Fotografie ausdrücken?
Sachs: Das Positive und das Schöne. Man vermittelt meistens, wovon man etwas versteht.

Playboy: Warum sind Frauen Ihr bevorzugtes Thema in der Fotografie?
Sachs: Das hatte ich mir ja so vorgenommen. Ein Iltis hätte auch am liebsten ein Iltisweibchen fotografiert.

Playboy: Was muss eine Frau haben, damit sie für Sie als Fotomodell in Frage kommt?
Sachs: Am liebsten arbeite ich mit Models, die eine Ballettausbildung haben. Da stimmt jede Bewegung — auch in der Erstarrung. Die Synchronisation des Körpers, und das Ganze mit der richtigen Mimik, macht ein Spitzenmodel aus. Haben die Mädchen dieses Können nicht, kommt man auch hin — aber es braucht mehr Zeit und mehr Aufnahmen.

Playboy: Welche technischen Entwicklungen beim Fotografieren faszinieren Sie?
Sachs: Computeranimierte Fotografie empfinde ich als wichtige Stufe zu mehr künstlerischer Freiheit und Kreativität. Wollte man früher eine Mondsichel über den Hütten aufnehmen, musste man Stunden, manchmal Tage warten. Heute ist es ein Mausklick. Aber soll Warten Kunst sein?

Playboy: Sie haben Ihre Kunstsammlung, Ihre Fotos und weitere Exponate im vergangenen Jahr in Hamburg mit großem Erfolg präsentiert. Nun gehen Sie vom 18. Juni an mit Ihren Fotografien in die Münchner Galerie Andreas Baumgartl. Was hat Sie dazu gebracht?
Sachs: Nach der Hamburger Ausstellung kam man mit dem Vorschlag auf mich zu, die wichtigsten Bilder aus den letzten 30 Jahren in einer limitierten Edition zusammenzufassen, darunter nie gezeigte und neue Bilder. Mir gefiel diese Idee, und so kam ich mit der Galerie zusammen. Ein Grund war auch, dass ich meine Erlöse aus der Fotografie stets der Stiftung meiner Frau für Kinder in Not zur Verfügung stelle. Stiftung, Frau und Kinder werden sich gewaltig freuen. Und was auch wichtig ist: Man kann nicht dauernd im Elfenbeinturm sitzen — man muss manchmal raus und sich mit Gleichen wetzen!

Playboy: Wie viel haben Sie so der Stiftung bereits eingebracht?
Sachs: Mit den Erlösen aus meinem Fotoband „T“, 1,4 Millionen Mark, wurde 1987 die Stiftung gegründet. Unterstützt wurden wir dabei auch von Thomas Gottschalk, der das Buch in seiner allerersten „Wetten, dass...?“-Sendung vorgestellt hatte. Danach folgten Ausstellungen und Auktionen in vie-len Ländern, so dass mit den Jahren ein an-sehnliches Bündel zusammengekommen ist.

Playboy: Sie sind in vielerlei Hinsicht ein Pionier. Sie haben St-Tropez als Ferienort entdeckt, avantgardistische Dokumentarfilme gedreht und Pop-Art salonfähig gemacht. Welche anderen Ihrer Entdeckungen werden wir erst in zehn Jahren schätzen lernen?
Sachs: Meinen statistischen Nachweis, dass bestimmte astrologische Konstellationen einen Einfluss auf das menschliche Verhalten haben. Dafür haben wir Millionen Daten ausgewertet und die Ergebnisse in dem Buch „Die Akte Astrologie“ veröffentlicht. Wir haben dabei nicht nach oben in den Sternenhimmel geschaut, sondern nach unten auf die nüchternen Zahlen, die uns öffentliche Ämter gegeben hatten.

Playboy: Sie stammen aus einem Haus mit konservativen Grundwerten, genossen aber die freien 60er- und 70er-Jahre in vollen Zügen. Ist das ein „Clash of Culture“, den Sie erlebt haben, ausgelebt haben?
Sachs: Nach dem Krieg war die Welt in einer besonderen Aufbruchstimmung, und ich wollte sie erobern. Damals besuchte ich ein Internat am Genfer See, wo viele Eltern, vor allem aus dem europäischen Adel, ihre Kinder hinschickten. So ging ich mit vielen internationalen Mitschülern und sicher einem Dutzend Königskindern zur Schule und später auf die Universität. Diese Einflüsse waren gewiss ein wichtiger Grund, weshalb ich die Welt bereisen und erforschen wollte. Dabei achtete ich (fast) immer darauf, mein Elternhaus in Ehren zu halten. Schon damals war ich interessiert an allem Neuen, ob Sport oder Kunst, und an schönen Mädchen.

Playboy: Was ist das Beste, das Ihnen zum Begriff „Playboy“ einfällt?
Sachs: Ein gebildeter, sportbegeisterter und vermögender junger Mann, der Frauen verehrt — und zu bezaubern liebt.

Playboy: Was das Schlechteste?
Sachs: Das war vor etwa zwei Jahren im TV: Ein Mann auf einer Erotikmesse erzählt auf ordinäre Art, wie viele Frauen er in einer Nacht „geknackt“ hat und auf welche Weise. Der vom Sender dazu eingeblendete Untertitel: Axel Leemann, Playboy. Das hat sich tatsächlich so zugetragen.

Playboy: Sie sagten kürzlich: „Die Playboys lebten, was die Hollywood-Schauspieler schauspielerten.“ Wie meinten Sie das?
Sachs: Ein Schauspieler hat fünf Anläufe, um zu einer Frau den Satz zu sagen: „Als Sie gestern um Mitternacht mit Ihrem türkisen Schal aus dem ,El Marocco' in Ihren Thunderbird stürzten, da dachte ich, den Schal niemals wiederzusehen, und jetzt könnte ich ihn fast berühren. Ja — ich bin Ihnen gefolgt.“ Wir hingegen hatten nur einen Anlauf — und mussten den Text selbst schreiben.

Playboy: Was macht eigentlich Ihr Dracula-Club, der für seine legendären Partys so berühmt ist?
Sachs: Er übersommert im Sarg.

Playboy: Gab es wichtige biografische Wendepunkte in Ihrem Leben?
Sachs: Dauernd. Ein einzigartiges Phänomen durchzog schon meine Kindheit und auch mein späteres Leben. Alles, was ich anfing, machte ich so lange, bis ich es — nach eigener Ansicht — zu etwas gebracht hatte. Dann habe ich mich Neuem zugewandt. Und die Dinge, die mir nicht lagen, etwa das Golfspiel, wurden mein Hobby. Mit Ausnahme der Fotografie.

Playboy: Ein Slogan, der vor kurzem Furore machte, heißt „Geiz ist geil“. Wie finden Sie das?
Sachs: Die jungen Leute verschießen da ihr Pulver. Wodurch ersetzen sie den Begriff, wenn's mal handfest erotisch wird?

Playboy: Welchen Slogan würden Sie sich für Deutschland wünschen?
Sachs: Frei nach Faust: „Was du ererbt von Deinen Vätern, bewahr' es wohl ...“
 

Biographie

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Die Lehrerin, Fräulein Pfefferli, kam am nächsten Tag. Sie war 24 und hübsch, ich war 16
LEBEN
Gunter Sachs wird 1932 im fränkischen Mainberg geboren. Nach Ausbildungen zum Feinmechaniker und Bankkaufmann studiert er Mathematik. Mit seinem Charme wird er zum Helden des internationalen Jetsets. Beruflich feiert er als Fotograf Erfolge. Im Mai 2011 nimmt sich Sachs im Alter von 78 Jahren in seinem Haus in Gstaad das Leben, vermutlich, weil er Alzheimer hatte. Er war 40 Jahre lang mit der Schwedin Mirja Larsson verheiratet und hinterließ drei Söhne.

STATUS
Playboy, der Frauen mit guten Manieren statt mit Sprüchen beeindruckte.

SONSTIGE LEISTUNGEN
Er verwandelte das Fischerdorf Saint-Tropez in einen Promi-Treff.
 

Mario Vigl