Jogi Loew

„Als Trainer hat man während eines Turniers so gut wie keine Freizeit“

Bundestrainer Jogi Löw über die Minuten vor dem Auftaktspiel gegen Portugal, das richtige Maß an Eitelkeit bei Fußballern und ein Kompliment, das er lieber nicht mehr hören will

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Jogi Löw

„Die Kabinenansprache vor dem Spiel? Überbewertet“

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Playboy: Herr Löw, zehn Minuten vor Anpfiff des ersten EM-Spiels gegen Portugal am 9. Juni - was tun Sie da gerade?
Löw: Ich gehe davon aus, dass ich einen Espresso trinke und mich in aller Ruhe auf das Spiel konzentriere. Wenn alles normal läuft, haben wir als Trainer die Arbeit mit der Mannschaft allerspätestens bei der Abfahrt vom Hotel ins Stadion erledigt. Hektik darf nur entstehen, wenn sich ein Spieler beim Warmlaufen verletzt.

Playboy: Ihr Rezept für eine gute Kabinenansprache vor dem Spiel?
Löw: Das hängt immer von der sportlichen Lage, dem Gegner und der eigenen Mannschaft ab. Aber das wird oft überbewertet. Bei der Weltmeisterschaft 2006 haben wir die allerletzte Kabinenansprache kurz vor Anpfiff von Ersatzspielern machen lassen.

Playboy: Vor einigen Jahren soll es im deutschen Fußball mal sogenannte „Rumpelfüßler“ gegeben haben. Kaum zu glauben, oder?
Löw: Natürlich ist der Aufstieg großartig. Aber als Trainer hat man immer einen anderen Blick auf die Dinge. Ich habe manche Spiele damals nicht so schlecht gesehen, und ich habe auch heute noch manches zu kritisieren. Aber klar, diese Entwicklung ist überaus erfreulich.

Playboy: Worin besteht die größte Stärke des DFB-Teams 2012?
Löw: Es ist insbesondere die Spielfreude, der Spaß sowie die optimistische Herangehensweise. Aber die größte Stärke ist meines Erachtens, dass diese Mannschaft auf Grund ihrer Altersstruktur noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung ist. Wir haben Spieler, die können noch zwei Welt- und Europameisterschaften spielen - und sind dann immer noch keine 30 Jahre alt.

Playboy: Können Sie uns die Spielweise des Anarcho-Kickers Thomas Müller erklären?
Löw: Also den Begriff Anarcho-Kicker halte ich für etwas übertrieben. Thomas Müller lebt von seiner Schnelligkeit und ist überragend im Spiel ohne Ball. Und das ist für einen Gegner eine besonders schwierige Mischung. Aber heute muss sich jeder Spieler in bestimmte Abläufe einordnen - ohne dass man ihm seine Stärken nimmt.

Playboy: Spaniens Trainer Vicente del Bosque meinte kürzlich, ihn beeindrucke am deutschen Team die Größe und der Anstand der Spieler - auch nach Niederlagen. Ist das ein noch schöneres Kompliment, als für guten Fußball gelobt zu werden?
Löw: Es ist in der Tat ein großartiges Kompliment - aber ganz ehrlich: Mir wäre es am liebsten, er würde es so nicht mehr sagen. Denn ich verliere nicht gern. Natürlich haben unsere Spieler Anstand und Größe - aber dies müssen wir nicht mehr mit Niederlagen strapazieren. Mir wäre es am liebsten, das Kompliment würde künftig lauten: Vicente del Bosque, der im Übrigen ein großartiger Mensch ist, beeindruckt am deutschen Team die Größe und der Anstand der Spieler - vor allem nach Siegen.

Playboy: Das schönste Kompliment, das Sie je von einer Frau bekommen haben?
Löw: Es ist vielleicht nicht das schönste, aber es war doch ein ganz lustiges: Beim Urlaub in Baiersbronn sagte eine Frau zu mir: „Ich kenne Sie aus dem Fernsehen. Sie sind doch der Herr Magath.“ Da wusste ich zumindest, dass ich am richtigen Ort zum Urlauben bin.

Playboy: Sie achten sehr auf Ihr Äußeres, werden gesponsert von Nivea for men. Wie eitel darf ein Fußballmann sein?
Löw: Fußball hat in den vergangenen Jahren eine solche Stellung eingenommen, dass gepflegtes Auftreten und ein wenig Eitelkeit einfach dazugehören. Als Bundestrainer und als Nationalspieler repräsentieren wir einen großen Verband, eine Nation, Fans und Sponsoren. Und dementsprechend präsentieren wir uns. Ich persönlich nehme jeden Tag die Niveafor-men-Q10-Gesichtspflege, Männerprodukte sind ja schon lange nicht mehr uncool.

Playboy: Ist es Ihnen manchmal ein bisschen peinlich, dass Ihretwegen nun jeder in geschlossenen Räumen mit einem Schal um den Hals herumläuft?
Löw: Wenn es so wäre, wäre es mir sicherlich peinlich. Aber ich gehe davon aus, dass die Leute nicht meinetwegen einen Schal tragen, sondern weil es gut aussieht und vor allem weil sie sich wohlfühlen mit einem Schal, wenn es kalt ist.

Playboy: Wer gibt in der DFB-Elf modisch die Richtung vor?
Löw: Das läuft viel einfacher, als man denkt. Das ist ja keine Strategie oder ein Marketing-Gag, sondern wir ziehen an, was uns gefällt und worin wir uns wohlfühlen. Das ist völlig unspektakulär, kein großes Ereignis. Wir reden im Trainer-Team kurz vor Abreise ins Stadion: T-Shirt, Hemd, blauer Pulli, roter Pulli, Jackett?

Playboy: Was war die schlimmste Modesünde Ihrer Jugendzeit?
Löw: Natürlich schaut man sich gelegentlich alte Fotos an, und wenn man sich dann in Schlaghosen und in diesen Hemden mit den ganz langen Krägen sieht, ist das herrlich komisch. Aber das war damals halt so - deswegen ist das für mich auch keine Sünde, zumal es damals eben auch andere Rahmenbedingungen gab. Wir waren ja vier Jungs zu Hause, da war auch häufiger mal Partnerlook angesagt. Als Kind hasste man das.

Playboy: Stellen Sie sich auf privaten Partys mit Jogi oder Joachim vor?
Löw: Das gehört zu den Folgen des Amtes des Bundestrainers, dass man meistens schon angesprochen wird, bevor man überhaupt die Möglichkeit hat, sich vorzustellen. Ich kann mit beidem leben. Mit Jogi und mit Joachim.

Playboy: Sind Sie schon mal verkatert zur Arbeit erschienen?
Löw: Wenn sich die Frage auf Alkohol bezieht: nein. Allgemeine Verkaterung: ja. Nach der Niederlage im Spiel gegen Italien im Halbfinale der Weltmeisterschaft 2006 war ich zum Beispiel relativ verkatert - aber nicht wegen Alkohol.

Playboy: Wo gibt es den besten Espresso der Welt?
Löw: Das kann man nicht so einfach beantworten. Denn dies ist ja nicht nur abhängig von der Qualität des Espressos, sondern auch von der allgemeinen Stimmung, von der Umgebung und vom persönlichen Befinden. Am besten schmeckt er mir immer im Urlaub.

Playboy: Wann schmeckt eine Zigarette am besten?
Löw: Bitte nicht. Ich habe mir - mal wieder - das Rauchen abgewöhnt und will das jetzt auch durchziehen. Ich will fit sein für die Europameisterschaft, und es ärgert mich auch, dass ich da natürlich keine Vorbildrolle eingenommen habe. Deshalb bin ich momentan der Meinung, dass Zigaretten grundsätzlich nicht schmecken ...

Playboy: Sie waren früher gern im Casino: Was war der höchste Betrag, den Sie je verloren haben?
Löw: 500 Euro.

Playboy: Was werden Sie während der EM im Mannschaftsquartier tun, während der Rest des Teams vor der Playstation hockt?
Löw: Bitte keine Klischees. Es ist nicht so, dass die halbe oder ganze Mannschaft vor der Playstation sitzt. Die Spieler beschäftigen sich mit vielen Dingen - auch mit dem nächsten Gegner. Als Trainer hat man während eines Turniers so gut wie keine Freizeit. Fast immer müssen Entscheidungen getroffen werden. Das Training muss vorbereitet werden, es gibt Videoanalysen im Trainer-Team und mit einzelnen Spielern, Pressetermine, viele Gespräche.

Playboy: Worin sind Sie so richtig schlecht?
Löw: Handwerklich bin ich wahrlich kein Experte. Da habe ich meine Probleme. Nagel in die Wand hauen - das geht noch. Aber komplizierter sollte es nicht werden.

Playboy: Sie sind Badener - nervt es Sie, wenn Sie als Schwabe bezeichnet werden?
Löw: Kommt darauf an. Passiert das in Verbindung mit positiven Eigenschaften, die man den Schwaben nachsagt, kann ich ganz gut damit leben. Kommt man aber mit den negativen Eigenschaften, die man Schwaben unterstellt, bin ich lieber Badener.

Playboy: Fünf Minuten nach Abpfiff des EM-Finales 2012: Was tun Sie da gerade?
Löw: Ich hoffe, dass ich da gerade genieße und mich auf die Siegerehrung vorbereite. Aber ganz ehrlich: Das hoffen derzeit mindestens acht Trainer bei dieser Europameisterschaft auch.

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Alexander Neumann-Delbarre, Maximilian Reich