Interviews

Interview . Matthias Schweighöfer

Schauspieler Matthias Schweighöfer über seine neue Rolle als Paparazzo, seinem Wahnsinnsrespekt vor Til Schweiger – und guten modischen Stil

 
Playboy: Herr Schweighöfer, in Ihrem neuen Film „Keinohrhasen” spielen Sie einen Boulevardfotografen. Wie fühlt sich das an, plötzlich auf der anderen Seite zu stehen?
Schweighöfer: Am skurrilsten war es, als wir ein paar Szenen beim Deutschen Filmpreis gedreht haben. Da stand ich am Ende des roten Teppichs und habe wild drauflosgeknipst wie alle anderen Fotografen. „Hier, hier, hier”, hab ich die ganze Zeit geschrien oder „Dreh dich mal, Barbara!”

Playboy: Wurden Sie von Kollegen erkannt?
Schweighöfer: Ja, ein paar von ihnen sind wirklich die Gesichter entgleist, als sie gemerkt haben, dass ich das bin, der sie gerade fotografiert. Ich habe sehr viel gelacht an diesem Abend. Das war überhaupt ein sehr lustiger Dreh.

Playboy: Til Schweiger ist Hauptdarsteller, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent des Films. Wie anstrengend ist so ein Allesmacher?
Schweighöfer: Ich habe einen wahnsinnigen Respekt vor Til. Was der machen will, zieht er zur Not auch komplett allein durch. Er schafft es, die besten Leute um sich zu scharen. Und geht selbst mit dem Schwert vorneweg.

Playboy: Sind Sie Freunde?
Schweighöfer: Ja, wir telefonieren alle paar Tage und verstehen uns einfach gut, weil Til und ich beide Eigenbrötler sind.

Playboy: Im Film rücken Sie den Stars als Paparazzo auf die Pelle. Kennen Sie die Situation auch aus Ihrem eigenen Leben?
Schweighöfer: Als ich dieses Jahr für den Stauffenberg-Film in Berlin vor der Kamera stand, war das so. Wenn du wochenlang mit Tom Cruise zusammenarbeitest, dann sind eben viele Fotografen am Set und versuchen, ein gutes Foto zu kriegen.

Playboy: Was ist Tom Cruise für ein Typ?
Schweighöfer: Ein ganz netter, reizender Mann. Wir haben uns im Privatkino in seiner Suite meinen Film „Der rote Baron” angeschaut. Und Katie Holmes hat sich gut mit meiner Freundin verstanden.

Sein Lebensmittelpunkt: Berlin

Playboy: Sie wurden dieses Jahr von der Zeitschrift „Max” zum „Best dressed Man” gekürt. Machen Sie sich viele Gedanken über Ihr Outfit?
Schweighöfer: Eigentlich verwende ich nicht viel Zeit auf Mode. Ich glaube, irgendwie weiß ich, was zu mir passt. Das ist ja eher individuell. Guter Stil ist für mich ein Look, der gleichzeitig gemütlich und gut angezogen aussieht.

Playboy: Wie wichtig ist bei einem Schauspieler das Äußere für den beruflichen Erfolg?
Schweighöfer: Darüber hatte ich neulich eine Diskussion mit Frank Castorf, dem Intendanten der Berliner Volksbühne. Er sagte zu mir: „Matthias, was machst du denn, wenn dir die Haare ausfallen und du fett wirst – so in den nächsten 30 Jahren? Dann musst du gut sein! Dann musst du spielen können.”

Playboy: Sie gelten bereits heute als äußerst talentiert. Die Presse feierte Sie als „Genie” und als „Gesicht einer Generation”. Haben Sie sich über Medienberichte auch schon mal richtig geärgert?
Schweighöfer: Immer dann, wenn es zu sehr meine Privatsphäre betrifft. Neulich hat mich zum Beispiel ein Freund angerufen, der ganz überrascht war, dass meine Freundin schwanger sei. Das hat er zumindest in der Zeitung gelesen, was aber gar nicht stimmte. Drei Wochen später stand dann drin, dass wir uns angeblich trennen. Und das nur, weil ich mir in Berlin eine Wohnung angeschaut habe und dabei allein war.

Playboy: Ist Berlin für Sie der beste Lebensmittelpunkt, den Sie sich vorstellen können?
Schweighöfer: Ja, auch weil meine Eltern dort wohnen. Es ist einfach eine supertolle Stadt. Aber ich mag auch das Landleben, gerade helfe ich meinem Vater, im Umland ein Bauernhaus herzurichten. Wände einschlagen und Dielen verlegen – so Vater-Sohn-Jobs eben.

Playboy: Werden Sie mit einziehen?
Schweighöfer: Ja, davor steht ein kleines Backsteinhaus, das richte ich mir fürs Wochenende her. Einfach aufs Land rausfahren und in den Wald laufen, Pilze sammeln, Mücken totschlagen, Zecken vom Bein abmachen das stelle ich mir großartig vor.

Interview: Mareike Ludwig / Rudi Raschke ]
 
[ Hoffnungsträger
>> Er gilt als eines der größten Talente unter Deutschlands Jungschauspielern. Der Durchbruch gelang Matthias Schweighöfer, geboren 1981 in Anklam, mit seinen Rollen in „Soloalbum” und „Kammerflimmern”. Er lebt mit seiner Freundin in Berlin.
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