Michelle Pfeiffer
„Wir könnten alle ein bisschen besser zuhören”
Frau Pfeiffer, Sie spielen in Ihrem neuen Film eine ehemalige Kurtisane im Paris des frühen 20. Jahrhunderts. Haben Sie vor den Dreharbeiten viel über diese Frauen und ihr Leben gelesen?
Ach, wissen Sie, ich habe ein bisschen was darüber gelesen, aber ich habe nicht meine ganze Energie darauf konzentriert. Ich habe meine Energie eher darauf verwendet, dieser Frau eine sehr persönliche Note zu geben.
Würden Sie sagen, diese Frauen waren die Stars der damaligen Zeit? Oder haben Sie ein eher verborgenes Leben geführt?
Nein, sie waren Teil der Gesellschaft und mit den Aristokraten und den einflussreichen Leuten dieser Zeit auf Du und Du. Es umgab sie immer noch ein Geheimnis, aber sie waren mit Sicherheit mehr akzeptiert als zu jeder anderen Zeit in der Geschichte. Und das vielleicht deshalb, weil sie unglaublich wohlhabend waren.
Ihre Filmfigur Léa hilft dem Heranwachsenden Chéri, ein Mann zu werden. Was, denken Sie, ist das Wichtigste, was ein junger Mann über Frauen und die Liebe wissen sollte?
Oh, mein Gott!
... Sie befürchten, dass wir für diese Frage zu lange brauchen werden?
Nun, für Männer ganz generell würde ich sagen: Er sollte gut zuhören können – das bringt einen in einer Beziehung wirklich weiter. Wir könnten alle ein bisschen besser zuhören. Ich denke, dass die Menschen ganz generell keine umwerfend gute Zuhörer sind.
Für viele Menschen steht Michelle Pfeiffer für ewige Jugend und Schönheit. Wie gehen Sie damit um?
Nun, die Menschen sehen mich in einer sehr isolierten Situation, wenn ich arbeite - dann achte ich natürlich schon sehr auf mich. Ich meine, das tue ich generell, aber zwischen Filmen kann ich mein Leben schon ein bisschen mehr genießen. Aber wenn ich arbeite, bin ich wirklich sehr diszipliniert. Man muss einfach gewisse Dinge tun, um in guter Verfassung zu bleiben – sich richtig ernähren, genug Schlaf bekommen und Sport ist auch wirklich wichtig.
Das tun Sie alles? Es scheint, Sie haben einen starken Charakter...
Ja, ich bin sehr diszipliniert – wenn ich es sein muss.
Wenn Sie einen freien Tag haben – Samstag oder Sonntag – was machen Sie dann?
Samstag oder Sonntag ist nicht wirklich ein freier Tag, denn in der Regel schleppt man ja seine Kinder irgendwohin... Also wäre ein freier Tag eher einer, an dem sie in der Schule sind und ich wirklich nichts zu tun hätte. Und dann würde ich wahrscheinlich... malen. Ja, ich würde mit Öl malen.
Ist das ein neues Hobby?
Nein, das mache ich schon mein ganzes Leben lang, seit meiner Kindheit, mal mehr, mal weniger.
Sind das eher abstrakte Bilder oder...
... nein, nein, ich bin Realist. Ich male eher Portraits.
Was ist mit Landschaften?
Das nicht, ich fühle mich nicht dazu hingezogen, Landschaften zu malen. Ich habe mal etwas über Menschen gelesen, deren linke beziehungsweise rechte Gehirnhälfte die andere dominiert und ich denke, es könnte etwas damit zu tun haben, dass ich stärker von der rechten Gehirnhälfte gesteuert werde. Ich werde Sie aber nicht mit Details darüber langweilen.
Was machen Sie mit Ihren fertigen Bildern – verschenken Sie die?
Nein. Ich habe in der Tat noch nie eines wirklich fertig gestellt. Ich male einfach immer wieder dran herum.
Interview: Mareike Ludwig ]
• Chéri — Eine Komödie der Eitelkeiten
Die in die Jahre gekommene Kurtisane Léa (Michelle Pfeiffer) führt ein luxuriöses Leben im Paris des 19. Jahrhunderts. Eigentlich hat sie sich aus dem Geschäft zurückgezogen, als eine ehemalige Kollegin sie um einen Gefallen bittet: Ihren verwöhnten Sohn Chéri (Rupert Friend) in die Geheimnisse der Liebe einzuführen. Doch zwischen den beiden entwickelt sich mehr als eine flüchtige Liaison.
Kinostart: 27. August
Geben Sie hier eine Bemerkung ein:
... zu meinen Favoriten


