Phillip Lahm lässt sich ungern den Erfolg nehmen
Philipp Lahm ist Vize-Kapitän des FC Bayern München. Ein Gespräch über Schrei- hälse, Backpfeifen, schwule Profis und warum die Kleinsten oft die Größten sind
Playboy: Herr Lahm, kürzlich ergab eine Umfrage, dass Sie der beliebteste Bundesliga-Profi sind. Überrascht?
Philipp Lahm: Total überrascht. Das wird man ja nicht so nebenbei. Aber natürlich auch Bestätigung, das Richtige zu tun. Der Spieler Lahm und der Mensch Lahm, das ist ein und dieselbe Person.
Playboy: Man schätzt Sie als „höflich, freundlich, ehrlich“. Dabei sind Sie häufig derjenige, der die unangenehmen Wahrheiten anspricht. Passt das zusammen?
Philipp Lahm: Sehr gut sogar. Ich kritisiere ja nicht einfach nur so drauflos. Da sind wir wieder bei der Ehrlichkeit. Es ist ehrlich von mir gemeint, wenn mir etwas nicht passt, dann werde ich immer meine Meinung sagen. In erster Linie intern, aber wenn das nicht reicht, weil sich nichts ändert, dann auch öffentlich. Höflich zu sein ist kein Gegensatz zu „seine Meinung vertreten“. Ehrlichkeit ist vielleicht mein wichtigstes Prinzip.
Playboy: Der nette Herr Lahm kann also auch ganz böse?
Philipp Lahm: Meine Kritik ist immer sachlich, nie willkürlich. Richtig fies, das kann ich nicht. Es ist sicher nicht sinnvoll, laut zu werden. Auf dem Platz ist das was anderes, da geht es auch mal sehr rüde zu. Ich spreche die Mitspieler an, wenn mir im Spiel was aufgefallen ist. Ich rede aber auch mit dem Trainer, wenn es um taktische Dinge geht, die falsch laufen, die man in meinen Augen anders, besser machen sollte. Oder wenn die Mannschaft mit gewissen Vorgaben nicht klarkommt. Man muss mit dem richtigen Thema zu den richtigen Leuten gehen, auch zum Vorstand, wenn es nötig ist. Wenn etwas beim FC Bayern auf die falsche Bahn gerät, dann werde ich nicht stumm dasitzen und das abnicken, sondern das klar und deutlich ansprechen.
Playboy: Sie sind einer der Leader im deutschen Fußball. Was braucht ein moderner Führungsspieler für Qualitäten?
Philipp Lahm: Leader? Na ja, wenn man den Begriff mag, dann bin ich sicher einer. Ich bin zweiter Kapitän beim FC Bayern, und ich habe die Akzeptanz in der Mannschaft, im Verein, meine Meinung kritisch zu äußern. Und darin wurde ich in den letzten Jahren auch bestärkt. Es gibt heute im modernen Fußball einen Kern von Spielern, deren Meinung gefragt ist. Ich will Einfluss nehmen, wenn ich sehe, dass die Dinge falsch laufen. Einfach nur dabei zu sein, ein bisserl mitkicken, und das war’s – das wäre mir zu wenig.
Playboy: Hat das alte Effenberg’sche und Kahn’sche Leitwolf-Prinzip – Alphatier-Gehabe, Ärmel hochkrempeln und in die Socken treten – endgültig ausgedient?
Philipp Lahm: Ja. Heutzutage gibt es nicht mehr nur den einen Spieler, wie damals Stefan Effenberg, der unbedingt laut sein musste, damit er respektiert wird. Wenn ich Barcelona oder Manchester sehe, die sind auf jeder Position top besetzt. Da übernimmt jeder Verantwortung auf dem Platz, und das ist heute wichtiger, als den einen Spieler zu haben, der auf Chef macht. Das Prinzip Effenberg würde heute nicht mehr funktionieren. Grundsätzlich ist es im Fußball leiser geworden, die Schreihälse haben ausgedient!
Playboy: Dafür gibt es Backpfeifen: Die Ohrfeige von Lukas Podolski für Kapitän Ballack im Länderspiel gegen Wales im April war sicher einer der Höhepunkte des Fußballjahrs 2009 ...
Philipp Lahm: So was darf nicht passieren, da sind wir uns alle einig, und das wurde ausgeräumt. Mir wäre das nicht passiert.
Playboy: Warum nicht?
Philipp Lahm: Weil ich eine Erziehung genossen habe und immer noch weiß, wie ich mich auf dem Platz zu verhalten habe. Und ich weiß, dass viele Kinder und Jugendliche zuschauen, und das gehört sich nicht auf einem Fußballplatz. Lukas ist erfahren genug, er hätte sich verbal wehren können. Aber er hat anders reagiert. Falsch.
Playboy: Sie haben die Streithähne getrennt. Typisch Lahm?
Philipp Lahm: Ich habe in dem Moment unseren Erfolg schwinden sehen. Was da passiert ist, war hinderlich für den Erfolg.
„Messi und ich, wir könnten uns auf Augenhöhe unterhalten. Sportlich auch“
Philipp Lahm
Playboy: Sie sind gerade einmal 1,70 m groß. Woher kommt die Courage, dazwischenzugehen, wenn es brennt?Philipp Lahm: Courage hat doch nichts mit Körpergröße zu tun. Ich bin einfach egoistisch. Ich will den maximalen Erfolg, und wenn das Ziel aus dem Blick gerät, dann haue ich dazwischen. Dann werde ich sagen: Nee, nee, meine Herren, so nicht. Ich lasse mir nicht von anderen, ob Lukas oder Michael, unseren Erfolg nehmen. Ich brauche die anderen für meine Ziele, und gleichzeitig gefährden sie meinen Erfolg, deshalb musste ich da eingreifen.
Playboy: Kürzlich haben Sie einen anderen „Kleinen“ zusammengestaucht wie einen Schulbuben: Franck Ribéry, als der sich öffentlich beklagte, keinen Spaß mehr beim FC Bayern zu haben.
Philipp Lahm: Ich habe ihn da gar nicht kritisiert, ich habe nur meine Meinung gesagt. Ich sehe das anders als er, ich habe genügend Spaß am Training. Ich finde, dass harte Arbeit zum Fußballleben dazugehört. Im Training muss es auch mal ernst zugehen, sonst ist es ja ein Kindergarten.
Playboy: Wie oft wurde Ihnen in Ihrer Jugend eigentlich gesagt: Sorry, Philipp, aber für die ganz große Karriere bist du einfach zu klein?
Philipp Lahm: So direkt wurde es mir selbst nie gesagt. Eher zwischen den Zeilen. Aber ich war nie der Kräftigste. Gerade bei den Amateuren wurde ich oft belächelt. Da blieb mir nur übrig, vorausschauender zu spielen, den Zweikämpfen aus dem Weg zu gehen. Ob man es dann ganz nach oben schafft, das weiß man erst, wenn es so weit ist. Von der Amateurmannschaft bis zum Bundesliga-Profi hat es bei mir nur sieben Wochen gedauert. Da kam wieder mein Egoismus durch, so viel Ehrgeiz zu haben, dass man sich nicht entmutigen lässt.
Playboy: Inzwischen sind die größten Fußballer der Welt die ehemals zu klein Geratenen: Messi, Deco, Xavi, Ribéry, Iniesta, Lahm. Ist das der Aufstand der Kleinen?
Philipp Lahm: Es kommt schon noch auf die Position an, ein Innenverteidiger etwa sollte immer noch eine gewisse Mindestgröße haben, kopfballstark und entsprechend robust sein. Aber insgesamt hat sich der Fußball dahingehend verändert, dass mehr und mehr die Fußballer gefragt sind, die beweglich sind, die ihren Gegenspieler im 1 : 1 ausspielen können, die gedanklich schnell sind, intuitiv richtig stehen und schlecht ausgespielt werden können, aber die in kritischen Situationen auch den Ball halten und schnell passen können. Da hat sich der Fußball zu meinem Vorteil hin verändert. Der moderne Fußball ist viel schneller geworden. Nehmen Sie die Außenverteidiger. Früher war das ein richtiger Verteidiger, groß und grobschlächtig. Heute sind die viel kleiner, technisch besser und vor allem mehr Außenstürmer als Verteidiger.
Playboy: Lionel Messi hat kürzlich erzählt, der einzige deutsche Spieler, mit dem er gern einmal zusammenspielen möchte, ist Lahm. Fühlen Sie sich geschmeichelt?
Philipp Lahm: Klar doch. Ein tolles Kompliment. Er ist einer der besten Fußballer der Welt. Wir könnten uns auch auf Augenhöhe unterhalten. Von der Größe her. Sportlich natürlich auch.
Playboy: Der FC Barcelona wollte Sie schon zweimal verpflichten. Sie aber glaubten, mit Bayern den Titel gewinnen zu können, den dann Barcelona gewann: die Champions League. War es ein Fehler zu bleiben?
Philipp Lahm: Nein, überhaupt nicht. Bei Barcelona wäre ich ein Neuling gewesen, ohne Vergangenheit, und meinen ganzen Stellenwert hätte ich mir komplett neu erarbeiten müssen. Da war es mir wichtiger, mit meinem Heimatverein wieder nach oben zu kommen. Der FC Bayern und Philipp Lahm verfolgen insgesamt die gleichen Interessen: international wieder spitze sein. Aber: Ich habe weniger Zeit. Deswegen will ich mit den Bayern schnell so weit sein, das Finale der Champions League erreichen zu können. Der Champions-League-Sieg ist mein großer Traum, den will ich mir unbedingt erfüllen.
Playboy: Man hört, der Vorstand sei sehr zufrieden mit der fachlichen Expertise des neuen Trainers, nur der Feldherren-Stil störe. Ist van Gaal ein Menschenhasser?
Philipp Lahm: Nein, überhaupt nicht. Insgeheim glaube ich, er ist ein sanfter Riese. Er stammt aus einer großen Familie, hat acht Geschwister und musste schon einige Schicksalsschläge hinnehmen. Wie ich gelesen habe, sind seine erste Frau und vier Geschwister gestorben. Also nein. Ein strenger Ton in einer großen Gruppe schadet keinem. Über manche Dinge kann man sicher diskutieren, und die wird die Mannschaft auch im entsprechenden Rahmen ansprechen. Ich bin aber der Meinung: lieber die Schraube am Anfang ein bisschen fester anziehen und danach lockern statt umgekehrt. Denn das funktioniert nicht. Antiautoritär lässt sich der FC Bayern nicht trainieren.
Playboy: Sie haben einmal die Rundumversorgung beim FC Bayern angeprangert. Alles werde einem abgenommen, und auf dem Feld solle man dann wieder selbst Verantwortung übernehmen. Fordert van Gaal mehr Eigenverantwortung?
Philipp Lahm: Unsere Schuhe stehen nach jedem Training wieder geputzt am Spind, die Trikots sind gewaschen und gebügelt. Das hat sich nicht geändert, das ist natürlich auch sehr angenehm. Van Gaal fordert uns auf, besser in unseren Körper hineinzuhorchen: Wie bereitet man sich persönlich auf ein Spiel vor, ist man mit der nötigen Konzentration bei der Sache, muss man vielleicht eine Extra-Schicht einlegen, weil man noch Defizite hat, wie sieht man seine eigene Position in der taktischen Ausrichtung? Seine Arbeit ist akribischer und einen Tick genauer als die der Trainer davor. Ich finde da van Gaal richtig gut, weil genau diese taktische Detailarbeit uns gefehlt hat. Ich sehe da eine klare Linie. Da werde ich mir über andere Vereine keine Gedanken machen. Für mich spielt es im Moment überhaupt keine Rolle, irgendwoanders hinzugehen.
Playboy: Viele sind, nachdem sie einmal beim FC Bayern gelandet waren, nie wieder weggegangen: Kahn, Scholl, Augenthaler. Ein Modell auch für Sie?
Philipp Lahm: Wenn es so weitergeht, kann ich mich mit dieser Vorstellung gut anfreunden.
Playboy: Wie empfinden Sie das gespaltene Verhältnis zwischen dem Bundestrainer und der Bundesliga. Die reagiert empfindlich auf Kritik von Löw an taktischen, trainingsdidaktischen Schwächen. Hat er nicht das Recht, darauf hinzuweisen?
Philipp Lahm: Löw darf das immer. Er ist der Bundestrainer. Auf der anderen Seite ist der Vereinsfußball wieder was anderes, weil jeder Trainer eine ganz eigene Vorstellung von Taktik und Training hat. Ich glaube, man kann auch kein Spiel des FC Bayern, kein Training und keine taktische Philosophie mit der Ausrichtung der Nationalmannschaft vergleichen. Das hinkt zwangsläufig.
Playboy: Kürzlich war folgender Satz über Sie zu lesen: „In Lahm reift heran, was der Bundesliga fehlt: ein deutscher Fußball-Weltstar“ ...
Philipp Lahm: Ich habe nichts dagegen, wenn es so kommt, aber es gibt für mich viel Wichtigeres: Mein primäres Ziel ist es nicht, Weltstar zu sein, sondern etwas weiterzugeben. Ich hatte sehr viel Glück in meinem Leben, und wenn ich anderen unter die Arme greifen kann, auch für mich eine neue Welt entdecken kann, dann wäre das für mich ganz groß artig. Ich will meinen Horizont erweitern und dadurch mich selbst besser kennen lernen. Deshalb habe ich auch meine Stiftung gegründet.
Playboy: Die Marke Philipp Lahm umfasst auch Ihre Stiftung, Sie machen sich gegen Autobahnraser stark, und zur Bundestagswahl haben Sie in einer Aktion für die Bundeszentrale für politische Bildung junge Menschen aufgefordert zu wählen. Haben Sie mehr im Kopf als der gewöhnliche 08/15-Kicker?
Philipp Lahm: Das weiß ich nicht, ob ich mehr im Kopf habe, das maße ich mir nicht an. Aber für mich sind andere Themen außerhalb des Platzes eben auch wichtig. Ich habe den Eindruck, dass gerade junge Menschen keine Lust mehr auf Politik haben, weil sie enttäuscht sind, weil sie sich nicht ernst genommen fühlen und dann lieber gar nicht mehr wählen gehen. Ich bin kein außergewöhnlich politischer Mensch, aber ich bin informiert. Politik ist doch ein bisschen wie Fußball, nur dass man auch Trainer spielen darf und die Mannschaft mit aufstellen kann.
Playboy: Herr Lahm, beruflich sind Sie sowohl Rechts- wie Linksverteidiger. Wo stehen Sie politisch?
Philipp Lahm: Also ich komme aus Bayern, mehr brauche ich dazu wohl nicht zu sagen ...? Wenn man wählen geht, ist das ja immer ein großes Geheimnis, aber warum eigentlich? Uli Hoeneß steht ja auch der CSU nahe, wie man weiß. Und bisher war es noch nicht so, dass die Mannschaft nach Parteibuch aufgestellt wurde.
„Ein Westerwelle spielt nicht jedes Wochenende vor 60.000 Zuschauern Fußball“
Philipp Lahm
Playboy: Sie sind konservativ?Philipp Lahm: Ja, ich bin kein ausgeflippter Mensch, sondern ein bodenständiger Normalo. Ich habe natürlich einen Beruf, der außergewöhnlich ist, dem nur wenige nachgehen können, und deshalb vermutet man immer gleich einen Ausgeflippten. Privat bin ich schon etwas konservativ. Das bedeutet, dass man auf den Familienzusammenhalt achtet und leistungs- und verantwortungsbewusst ist. Ich will mich nicht verstellen müssen, um cooler rüberzukommen.
Playboy: Ihre Stiftung richtet sich an benachteiligte Kinder – obwohl Sie erst 25 sind und keine Kinder haben. Das müssen Sie erklären ...
Philipp Lahm: Diese Kinder sind unsere Zukunft. Und ich hatte das alles, was viele Kinder nicht haben. Und ich weiß durch meine Besuche in Südafrika und durch die Vielzahl der Projekte, die wir schon organisiert haben, dass es eben nicht alltäglich ist, dass man Familie hat, Freunde hat, ein Hobby hat, eine Leidenschaft, wie es bei mir der Fußball war. Deswegen möchte ich da was tun.
Playboy: Gab es ein bestimmtes Erwe-ckungserlebnis?
Philipp Lahm: Ganz klar mein Besuch in Südafrika und in Swasiland, wo es eine ganze Generation nicht mehr gibt, weil sie durch Aids ausgestorben ist. Wo 13-jährige Mädchen ihre Geschwister großziehen müssen, weil beide Eltern gestorben sind. Oder auch die Townships, die wir in Johannesburg besucht haben, das haut dich emotional um. Ich habe Wochen gebraucht, als ich wieder zu Hause war, bis ich das verarbeitet hatte. Da habe ich gemerkt, ich muss da jetzt selbst was in die Hand nehmen. Das war für mich der ausschlaggebende Grund, die Stiftung zu gründen.
Playboy: Stimmt es, dass Roger Federer mit seiner Stiftung bereits angefragt hat, gemeinsame Projekte zu organisieren?
Philipp Lahm: Das stimmt. Wir wollen was zusammen machen, aber es gibt noch kein konkretes Projekt.
Playboy: Besteht die Gefahr, dass man als Profi fußballer zum Schnösel wird?
Philipp Lahm: Es ist nicht einfach, in jungen Jahren mit dem vielen Geld umzugehen. Ob man da gleich ein Schnösel werden muss, weiß ich nicht. Und was viele oft vergessen: Auch als Fußballer hast du dir das Geld selbst verdient. Wir sind keine Neureichen durch Geburt.
Playboy: Und trotzdem: so viele Millionen Euro an Gehältern und Ablösen gerade in den Zeiten der weltweiten Finanzkrise ...
Philipp Lahm: Die Zahlen, die da gehandelt werden, sind auf den ersten Blick ein Wahnsinn. Aber es ist der Markt, der diese Summen bezahlt, durch TV- und Werbeeinnahmen, Eintrittsgelder und Merchandising. Rein von der Leistung betrachtet, sind wir überbezahlt.
Playboy: Sie können froh sein, dass Sie sich nicht für Judo entschieden haben!
Philipp Lahm: Es gibt sicher Sportarten, da muss man mehr leisten als beim Fußball und bekommt dafür deutlich weniger Geld. Aber diesen enormen öffentlichen Druck, den hast du nur bei uns.
Playboy: Für Ihren Einsatz gegen Homo-phobie und Intoleranz im Breitensport haben Sie im letzten Jahr den Tolerantia-Preis bekommen. Es gibt schwule Politiker, schwule TV-Moderatoren, aber der schwule Fußballer ist immer noch ein Tabu.
Philipp Lahm: Es geht ja um das Thema Outing. Allein von der prozentualen Verteilung im ganzen Land muss es auch schwule Profi -fußballer geben. Der Spieler, der sich jetzt outen würde, der geht jedes Wochenende vor zigtausend Zuschauern seinem Job nach. Ein Westerwelle spielt nicht jedes Wochenende vor 60.000 Zuschauern Fußball.
Playboy: „Du schwule Sau“ wäre dann wohl die Standard-Beschimpfung im Stadion?
Philipp Lahm: Ich glaube, dass die Fans im Stadion einen schwulen Fußballer nicht akzeptieren würden. Anfang der 90er-Jahre gab es einen englischen Spieler in der Premier League, der sich geoutet hatte. Er hat sich erhängt, weil er mit dem Druck nicht mehr zurechtgekommen ist. In Deutschland wäre dieser Spieler dann der erste schwule Fußballer, der sich dazu bekennt. Der hätte allein dadurch mehr Öffentlichkeit in den Medien als durch alle seine Spiele oder Erfolge zuvor. Der Druck auf ihn wäre enorm. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das so easy über die Bühne gehen würde, obwohl wir in einer doch so aufgeklärten Gesellschaft leben. Das ist natürlich sehr schade.
Interview mit Philipp Lahm: Thilo Komma-Pöllath ]
[ Philipp Lahm: kleiner Mann ganz groß
>> Vize-Kapitän beim FC Bayern – Leistungsträger in der Nationalelf. Er sei nicht der Beste seines Jahrgangs gewesen, heißt es über Philipp Lahm – aber der Beste, der übrig blieb. Beharrlichkeit, Durchsetzungsvermögen und Köpfchen – das sind die Stärken des am 11. November 1983 geborenen Münchners. Diese Eigenschaften brachten den 1,70 Meter kleinen Außenverteidiger des FC Bayern München schon mit 21 Jahren in die deutsche Nationalmannschaft. Begonnen hat er bei der FT Gern München. Von da ging es in die Bayern-Jugend und – nach zwei Spielzeiten beim VfB Stuttgart – 2005 in die FCB-Stammelf.
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