Steve Jobs . Die besten Interviews aus dem deutschen Playboy

Steve Jobs

Seine Visionen revolutionierten unseren Alltag. Im großen Playboy-Interview 1985 spricht der Apple-Gründer über seine Mission, seine Millionen, den Tod und über den Sinn einer Computermaus

Steve Jobs

Seine Visionen revolutionierten unseren Alltag. Im großen Playboy-Interview 1985 spricht der Apple-Gründer über seine Mission, seine Millionen, den Tod und über den Sinn einer Computermaus

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Er hat die Welt mit seinen Erfindungen verändert, der Geschichte des technischen Fortschritts eine neue Richtung gegeben: hinein in nahezu jedes Wohn- und Arbeitszimmer. Steve Jobs, der vor einem Jahr, am 5. Oktober 2011, starb, wurde von seinen Anhängern gefeiert wie ein Messias. Seine Mission war es, das Leben der Menschen zu verbessern - mit einem Computer. Selbstverständlich einem von Apple. Als Playboy-Autor David Sheff Anfang des Jahres 1985 den damals 29 Jahre alten Jobs traf, hatte dieser gerade turbulente Zeiten hinter sich. Innerhalb weniger Jahre war Apple von einer Garagenfirma zu einem milliardenschweren Unternehmen gewachsen. Und Jobs selbst war der damals jüngste Multimillionär, der es auf die „Forbes“-Liste der 100 reichsten Amerikaner geschafft hatte. Zwei Jahre zuvor jedoch hatte er fast eine Viertelmilliarde an der Börse verloren, nachdem Konkurrent IBM den Markt mit billigen PCs überschwemmt hatte und Jobs’ eigene Computer, Lisa und Apple III, gefloppt waren. Anfang 85 sah alles wieder besser aus. Mit dem Macintosh, dem ersten Computer, der über eine grafische Benutzeroberfläche und einen komischen kleinen Kasten, Maus genannt, verfügte, schrieb Apple seine Erfolgsgeschichte fort. Das Interview fand in mehreren Etappen statt, da Jobs wenig Zeit hatte. Doch David Sheff blieben die Treffen mit Jobs, der gern Turnschuhe, Jeans und Rolli trug, noch aus einem anderen Grund in Erinnerung: „Es waren die wenigen Interviews in meinem Leben, bei denen ich stets overdressed war.“

Playboy: 1984. Big Brother. Viele wollen es nicht wahrhaben, aber wir werden tatsächlich immer noch nicht von Computern regiert. Noch nicht. Egal ob man Sie dafür verurteilen will oder loben mag, kaum jemand hat mehr für die Ausbreitung von Computern getan als Sie. Damit sind Sie auch noch steinreich geworden – waren Ihre Aktien nicht bis zu einer halben Milliarde Dollar wert?
Jobs: Ich habe aber auch schon einmal wieder eine Viertelmilliarde in einem Jahr verloren, als es mit der Aktie nach unten ging (lacht)

Playboy: Sie können darüber lachen?
Jobs: Ich lasse mir doch dadurch nicht den Tag versauen. Geld ist mit Sicherheit weder das Wichtigste noch das Fesselndste, was mir in den letzten 10 Jahren widerfahren ist. Manchmal aber komme ich mir schrecklich alt vor, wenn ich vor Studenten spreche und die sind am meisten davon beeindruckt, dass ich Millionär bin.

Playboy: Aber es doch schon interessant, dass die Computer Branche Millionäre aus …
Jobs: … jungen Irren gemacht hat. Ja, ja, ich weiß.

Playboy: Vielleicht sollten wir Sie erst einmal fragen: was ist ein Computer? Und wie funktioniert er?
Jobs: Computer sind eigentlich kinderleicht. Versuchen wir es einmal so: Ich unterstelle Ihnen zunächst einmal ein rudimentäres Verständnis für das Verarbeiten von Anweisungen. Damit Sie in diesem Café aufs Klo finden, gehen Sie also bitte wie folgt vor: Bewegen Sie sich zwei Meter nach rechts, stehen Sie gerade, dann den linken Fuß voraus, das Gewicht nach vorne verlagern und drei Meter voraus gehen. Wenn Sie aber all diese Instruktionen 100 mal schneller interpretieren könnten, als jeder andere hier im Café, und mir in der Zeit noch einen Milkshake vom Tresen mitgebracht hätten, man hielte sie für einen Zauberer. Ich hätte den Eindruck, sie hätten dafür nur einmal kurz mit den Fingern geschnippt, weil es für meine Wahrnehmung rasend schnell ging. Und genau das schafft ein Computer. Er verarbeitet einfachste Anweisungen … “nimm diese Zahl, addiere jene, unterstelle, dass das Ergebnis größer ist als eine andere Zahl” … innerhalb von Rekordzeit, sagen wir 1.000.000 mal pro Sekunde. Zauberei, oder? Aber geht es wirklich warum, zu wissen wie ein Computer funktioniert? Wer weiß denn wirklich wie die Automatik in einem Auto funktioniert? Trotzdem setzen wir uns ans Steuer und fahren los.

Playboy: Bei den meisten Computer geschieht die Eingabe von Befehlen über eine Tastatur, beim Macintosh übernimmt das zum Teil ein kleiner Kasten, den man über seinen Schreibtisch rollt und der dannn so einen Pointer auf dem Bildschirm lenkt – eine Maus. Warum die Maus?
Jobs: Wenn ich Sie auf einen Fleck auf Ihrem Hemd aufmerksam machen wollte, würde ich das doch kaum linguistisch versuchen, oder? “Sie haben da ca. 14 Zentimeter unterhalb des Kragens und drei Zentimeter rechts vom Knopf einen Fleck.” Wer macht denn so was? Ich zeige mit dem Finger drauf. (er zeigt). Mit etwas auf etwas zu zeigen, das ist ein Sinnbild, mit dem jeder umgehen kann.

Playboy: Kritiker monieren immer wieder gern die Langsamkeit der Maus, die Bildschirme nur in schwarz-weiß, vor allem aber, dass die Apple Produkte einfach überteuert sind.
Jobs: All unsere Studien unterstreichen, dass die Maus schneller ist, als traditionelle Eingabemodalitäten. Und sicher werden wir auch in naher Zukunft einen Farbmonitor zu einem vernünftigen Preis anbieten. Das Argument, wir sind zu teuer … Innovationen sind zunächst einmal immer teurer, je mehr wir produzieren, umso mehr senken wir die Preise …

Playboy: Genau darum aber geht es den Kritikern: Die echten Fans/Enthusiasten zahlen quasi einen Aufpreis, anschließend ködern Sie den Rest der Welt mit Dumpingpeisen.
Jobs: Das ist einfach so nicht richtig. Sobald wir Preise senken können, tun wir das auch. Es ist zwar richtig, dass unsere Computer im Vergleich mit den Modellen aus den Vorjahren teurer sind, das gleiche gilt aber auch für den IBM PC. Unser Ziel ist es, Millionen von Computern zu verkaufen, das gelingt uns um so eher, je billiger wir ihn anbieten können. Ich würde mich freuen, wenn der Macintosh nur 1.000 Dollar kosten würde.

Playboy: Vom Macintosh hängt also viel ab, Stimmen behaupten sogar, dass das Schicksal von Apple als ganzes auf dem Spiel steht. Nach Lisa und dem Apple III ging es mit dem Aktienkurs massiv bergab.
Jobs: Stimmt, es war ein immenser Druck zu spüren. Dass wir mit dem Macintosh eine Art Kaninchen aus dem Hut zaubern mussten, war uns klar. Ansonsten hätten wir vielleicht alle Träume für Apple und seine Produkte begraben müssen

Playboy: Wie war es wirklich? Stand Apple kurz vor dem Bankrott?
Jobs: Keinesfalls. 1983, als all diese Prognosen gewagt wurden, hatten wir doch ein geradezu sensationelles Jahr – wir haben uns quasi verdoppelt. Von etwas über einer halben Milliarde Umsatz in 1982 zu fast einer Milliarde ein Jahr später. Das hatten wir alles dem Apple II zu verdanken. Wäre der Macintosh ein Flop geworden, dann hätte sich der Umsatz bei einer Milliarde stabilisiert und wir hätten einfach weiter den Apple II in seinen verschiedenen Versionen verkauft.

Playboy: Wie sind dann aber all die Gerüchte im letzten Jahr zu verstehen, Apple stehe kurz vor dem Aus?
Jobs: IBM legte zugebenermaßen ein richtig gutes Jahr hin, sie hatten ganz klar das Momentum auf ihrer Seite. Immer mehr Software-Anbieter schlugen sich auf ihre Seite. Für den Handel gab es nur ein Thema: IBM. Uns allen war eines klar: Der Macintosh musste alle aus den Socken hauen, es musste innerhalb der Branche Geschichte schreiben. Hätte er das nicht getan, dann hätte ich wahrscheinlich das Handtuch geworfen. Einfach weil meine Vision von der Zukunft für die Branche eine völlig falsche gewesen wäre.

Playboy: Man muss tatsächlich fast wahnsinnig sein, um wahnsinnig tolle Dinge zu entwickeln?
Jobs: Ein wahnsinnig tolles Produkt hat immer etwas mit dem Prozess zu tun, wie es entsteht. Wie man sich neue Abläufe aneignet, neue Ideen zu adaptieren lernt, aber auch notfalls bereit ist, alte Zöpfe abzuschneiden. Die Mac Leute ticken da schon etwas anders.

Playboy: Wie kommt es eigentlich, dass das gerade die Computerbranche von jungen Leuten dominiert wird. Das Durchschnittsalter bei Apple ist gerade einmal 29
Jobs: Es ist eben wie mit vielen neuen, fast revolutionären Dingen. Wer älter wird, wird engstirniger. Unser Mind (Denkweise/Geist/Verstand/Intellekt) funktioniert wie ein elektrochemischer Computer. Unsere Gedanken konstruieren Muster, wie eine Art Baugerüst. Und irgendwann steckt man einfach in diesen alten Mustern fest, wie eine Nadel, die in einer Plattenrille festhängt. Zeigen Sie mir Künstler, jenseits der 30, die noch etwas wirklich Erstaunliches erschaffen. Es gibt natürlich trotzdem immer Leute, denen eine notorisch neugierige Grundhaltung in die Wiege gelegt wurde, die zeitlebens wie kleine Kinder das Leben aufsaugen. Die sind aber eher selten.

Playboy: Na, da werden sich ja Typen ab 40 bei Ihnen schwer bedanken. Lassen Sie uns ein wenig über Apple sprechen, nicht den Computer, sondern mehr die Unternehmenskultur. Sie scheinen sich da ja auf einer Art Mission zu befinden, oder?
Jobs: Ich denke, wir sind auch abseits von unseren Computern von gesellschaftlicher Relevanz. Apple hat die Chance sich als ein völlig neues Fortune 500 Unternehmen aufzustellen, spätestens ab den späten achtziger oder frühen neunziger Jahren. Hätten Sie vor 10 bis 15 Jahren jemand gefragt, welche zu den fünf spannendsten Unternehmen Amerikas gehört, Xerox und Polaroid wären auf jeder Liste zu finden. Heute? Auf keiner. Firmen, die irgendwann über eine kritische Größe hinauswachsen, verlieren ihre Vision. Zwischen denen die die Firma führen und denen die das Produkt herstellen, befindet sich zu viel mittleres Management. Denen aber geht jegliche Leidenschaft für das Produkt ab. Und sie liegen mit den Kreativen im Clinch, die einzigen, die mit Gewissheit sagen können, wo es lang gehen soll. Was dann passiert, ist klar. Es wird nicht gelingen, die richtig fähigen Leute zu halten, wenn man individuelle Leistung nicht ausdrücklich fördert und honoriert. Die verlassen einfach das Unternehmen, zurück bleibt Mittelmaß. Ich weiß, wovon ich rede, denn genau darauf baut Apple auf. Apple ist wie eine Art Flüchtlingslager, zu uns zieht es die kreativen Eliten, solche, die woanders als Querulanten gelten.

Playboy: Wenn Apple wirklich eine solche Firmenkultur pflegt, warum dann das propagierte, rasante Wachstum? Warum nicht ein vergleichsweise kleines Unternehmen bleiben?
Jobs: In unserer Branche muss man wachsen, wenn man wirklich ganz oben mitspielen will. Doch entscheidend bleibt die Art und Weise, wie wir wachsen, nicht wie viele Dollars dabei verdient werden. Bei uns arbeiten die Leute bis zu 18 Stunden pro Tag. Wir sind für all diejenigen interessant, die nicht erst fünf oder zehn Jahre darauf warten wollen, dass jemand von oben vielleicht einmal sagt, oh, das wäre vielleicht mal ein Risiko wert. Zu uns kommen Leute, die sich lieber jetzt weit aus dem Fenster lehnen, um hier und jetzt Zeichen zu setzen. Jedem ist klar, dass er ein Stück Zukunft mitgestaltet.

Playboy: Viele Experten sind der Auffassung, dass in der Computer-Branche nur ein Standard überleben kann.
Jobs: Das halte ich für Quatsch. Was hieße das beispielsweise übertragen auf die Automobilbranche der zwanziger Jahre? Innovationen wie Automatik oder Servolenkung hätte es dann ja nicht gegeben, wenn man sich einfach an einen Standard gehalten hätte. Den technologischen Fortschritt aufhalten zu wollen, wäre falsch. Bei den Computern ist der Macintosh nun einmal revolutionär, die Technologie ist der von IBM klar überlegen. Das heißt auch: es besteht ein Bedarf an alternativen Standards.

Playboy: Ist nicht einer der Gründe, dass Apple nicht IBM-kompatibel ist, der, dass Sie sich nicht dem Diktat von IBM beugen wollten? Oder wie es ein Insider salopp ausdrückte: Steve Job sagte einfach “Fuck you” zu IBM.
Jobs: Um anderen zu zeigen, dass wir auch dicke Eier haben? (sehr salopp übersetzt) Nein …

Playboy: In den Jahren von 1981 bis 1983 aber fiel Apples Marktanteil bei den PCs von 29 auf 23 Prozent, der von IBM stieg von 3 auf 28. Beunruhigende Zahlen, oder?
Jobs: Uns ging es nie um Zahlen. Wir konzentrieren uns ganz auf das Gesamtpaket/Produkt, denn genau das macht den Unterschied aus. IBM konzentriert sich auf alles, den Service, den Support, die Sicherheit, den mainframe/Großrechner und die Hauptplatine. Uns ist schon vor drei Jahren aufgefallen, dass man bei 10 Millionen ausgelieferter Computer nicht jedes Mal eine Hauptplatine mitschicken kann, selbst IBM kann das nicht. Also baut Apple sie gleich in den Computer mit ein. Es läuft alles auf einen Zweikampf mit IBM heraus. Verlieren wir den, dann geht es computertechnisch für die nächsten 20 Jahre zurück ins tiefste Mittelalter. Denn sobald IBM einen Marktbereich kontrolliert, kommt jegliche Innovation zum Erliegen.

Playboy: Dann dürften wohl kaum noch milliardenschwere Unternehmen in Garagen entstehen?
Jobs: Jedenfalls keine, die mit Computern zu tun haben. Deshalb liegt ja bei Apple auch eine Riesenverantwortung, denn alles, wo Innovation draufsteht, wird von uns kommen. Nur so bleiben wir wettbewerbsfähig. Und wenn wir schnell genug sind, werden sie uns nicht folgen können.

Playboy: Kehren wir noch einmal an die Anfänge zurück. Haben Ihre Eltern Sie in Sachen Computer maßgeblich beeinflusst?
Jobs: Sie haben auf jeden Fall mein Interesse gefördert. Mein Vater war Maschinenschlosser/Mechaniker, was der mit den Händen anstellen konnte war genial. Mich zog es eher in Richtung Elektronik, immer wieder besorgte er mir Dinge, die ich auseinandernehmen und wieder zusammenbauen konnte. Als ich 5 Jahre alt war zogen wir nach Palo Alto, so kam ich ins Valley.

Playboy: Sie sind adoptiert worden. Welche Rolle mag das in Ihrem Leben gespielt haben?
Jobs: Kann man sich da je ganz sicher sein?

Playboy: Haben Sie einmal versucht, Ihre biologischen Eltern ausfindig zu machen?
Jobs: Ich denke, dass jeder der in dem Wissen aufwächst, adoptiert worden zu sein, eine natürlich Neugier dafür entwickelt, wissen zu wollen, wo man eigentlich herkommt. Werte und Ansichten sind stets darauf zurückzuführen, wie jemand erzogen worden ist. Aber trotzdem bleiben immer ein paar Fragezeichen. Und damit ein gewisses Bedürfnis, den Dingen auf den Grund zu gehen, bei mir jedenfalls.

Playboy: Haben Sie Ihre richtigen Eltern ausfindig machen können?
Jobs: Darüber würde ich lieber nicht reden

Playboy: Das Valley, von dem Sie sprachen, wurde später bekannt als Silicon Valley. Wie wuchs man dort auf?
Jobs: Eigentlich wie in den meisten typischen Vororten in Amerika: Ein Straßenzug, viele Kids. Schon bevor ich zur Schule ging, lehrte meine Mutter mich Lesen. Deshalb war mir dort dann entsprechend langweilig und ich war ein echter Alptraum. Sie hätten uns mal in der dritten Klasse sehen sollen, wir haben unseren Lehrer regelrecht vernichtet. Wir ließen Schlangen im Klassenraum frei und kleine Bomben hochgehen. Ab der vierten Klasse besserten sich die Dinge. Einer der echten Engel in meinem Leben war eine Lehrerin namens Imogene Hill, sie nahm sich meiner an und vermittelte mir Spaß am Lernen.

Playboy: Wie kamen Sie erstmals mit Computern in Berührung?
Jobs: Larry Lang, ein Nachbar von uns, arbeitete als Ingenieur bei Hewlett-Packard. Ich verbrachte viel Zeit mit ihm, er brachte mir eine Menge bei. Der erste Computer, den ich je sah, war einer von Hewlett-Packard. Jeden Dienstag luden sie zehn von uns Kids ein, unterrichteten uns und ließen uns mit den Computern arbeiten. Ich muss damals 12 gewesen sein. Ich kann mich noch genau an die Nacht erinnern, als ich vor einem funkelnagelneuen Hewlett-Packard PC stand. Ich wollte ihn unbedingt haben.

Playboy: Was hat Sie denn daran besonders interessiert? Hat sich Ihnen damals schon das Potential von Computern erschlossen?
Jobs: Überhaupt nicht. Ich fand sie damals einfach nur “neat”. Prima eben. Ich wollte einfach nur an ihnen herumspielen.

Playboy: Kurze Zeit darauf arbeiten Sie für Hewlett-Packard. Wie kam es dazu?
Jobs: Ich muss 12 oder 13 gewesen sein und hatte immer dieses dringende Bedürfnis, etwas bauen zu müssen. Dafür brauchte ich die entsprechenden Teile. Also rief ich einfach Bill Hewlett an – er stand ja im Palo Alto Telefonbuch. Er ging selbst ans Telefon, war sehr nett und wir quatschten sicherlich so 20 Minuten miteinander. Er hatte natürlich keine Ahnung wer ich war, aber er besorgte mir nicht nur die Teile, sondern auch einen Ferienjob am Fließband von Hewlett-Packard. Ich musste Frequenzzähler zusammen montieren. Na ja, Montage ist vielleicht übertrieben, ich hab ein paar Schrauben hineingedreht. Egal, ich war jedenfalls im siebten Himmel. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, es war mein erster Tag, ich traf auf meinen Vorgesetzen , ein Typ namens Chris, erzählte ihm, dass es für mich die Erfüllung sei, hier zu sein. Und das es nichts tolleres in meinem Leben gibt, als die Elektronik. Ich fragte ihn, was er denn wohl ähnlich toll finden würde? Da schaut er mich etwas schräg an und sagt “Ficken!” (lacht). Ich hab ne Menge gelernt in diesem Sommer

Playboy: Wann haben Sie Steve Wozniak kennengelernt?
Jobs: Woz traf ich zum ersten Mal in der Garage eines Freundes, da war ich 13, er 18. Zu der Zeit, so kam es mir vor, muss er der einzige gewesen sein, der mehr über Elektronik wusste, als ich. Wir hatten den gleichen Humor, waren gleichermaßen an Computern interessiert. Und wurden so gute Freunde. Außerdem haben wir zusammen jede Menge Blödsinn angestellt.

Playboy: Zum Beispiel?
Jobs: Ach, eigentlich nichts Ungewöhnliches (grinst). Wir haben mal eine riesige Fahne gebastelt, in der Mitte ein gigantischer, ausgestreckter Mittelfinger. Die wollten wir dann während der Schulabschlussfeier ausrollen. Ein anderes Mal hat Wozniak etwas gebastelt, das so aussah und sich so anhörte wie eine Bombe, die schleppten wir dann in die Schul-Mensa. Tja, und dann war da noch die Sache mit der Blue Box.

Playboy: Waren das nicht diese illegalen Apparate, mit denen es gelang, Ferngespräche umsonst durchzuführen?
Jobs: Genau die. Und genau um die rankt sich diese berühmte Story, dass Woz im Vatikan anrief und sich als Henry Kissinger ausgab. Man hat dann tatsächlich mitten in der Nacht den Papst geweckt, noch bevor jemand darauf kaum, das hier nicht der echte Kissinger an der Strippe war.

Playboy: Gab es jemals richtig Ärger wegen all dieser Nummern?
Jobs: Na ja, ich bin schon ein paar Mal von der Schule geflogen …

Playboy: Waren Sie eigentlich damals oder aber später jemals das, was man einen Computer-Nerd nennt?
Jobs: Ich fühlte mich eigentlich niemals über einer längeren Zeitraum einer bestimmten Welt zugehörig. Dazu passierten immer zu viele spannende Sachen. Irgendwann zwischen der zehnten und elften Klasse war ich das erste Mal stoned. Ich entdeckte Bob Dylan, Shakespeare und all die Klassiker. Ich las Moby Dick, nahm Unterricht in kreativem Schreiben. In der zwölften Klasse bekam ich die Erlaubnis, die Hälfte der Schulzeit an der Universität Stanford zu verbringen.

Playboy: Würden Sie Wozniak ab und zu als besessen beschreiben?
Jobs: (lacht) Ja, und das nicht nur mit Computern. Woz ist da manchmal in einer Welt unterwegs, die niemand so ganz versteht. Seine Interessen waren stets etwas anders und er war seiner Zeit sicherlich ein wenig voraus. Er war auf gewisse Art auch einsam. Woz und ich sind einerseits ziemlich verschieden, dann aber auch fast wieder wie geklont. Wie zwei Planeten auf verschiedenen Umlaufbahnen, die sich immer wieder begegnen. Dabei ging es nicht immer nur um Computer. Schließlich wuchsen wir in Kalifornien auf. Man bekam LSD direkt aus der Stanford Uni. Man konnte nachts am Strand mit seiner Freundin schlafen. Wir beide mochten Bob Dylans Gedichte und setzten uns mit ihnen auseinander. In Kalifornien wurde seinerzeit viel experimentiert, man war extrem offen für vieles – offen besonders für all das, was neue Perspektiven versprach. Neben Dylan interessierte ich mich besonders für (fern-)östlichen Mystizismus, ein Trend, der gerade an die Küsten schwappte. In Reed, in Oregon, auf dem College traf ich auf Leute wie Timothy Leary.

Playboy: Rückblickend hat Sie das wie beeinflusst?
Jobs: Diese Zeit hat mich extrem geprägt. Als die Sixties vorbei waren, setzte bei vielen so eine Art Ernüchterung ein. Eine Menge Leute mussten einsehen, dass sie nicht unbedingt das erreichten, was ihnen einmal vorschwebte. Und weil es ihnen an Disziplin mangelte, blieb kaum noch etwas übrig, auf das sich etwas neu aufbauen ließ. Den Idealismus aus dieser Zeit haben viele meiner Freunde extrem verinnerlicht, gleichzeitig aber nahm auch eine Art Pragmatismus von ihnen Besitz, es war irgendwie okay, mit 45 Jahren hinter dem Tresen eines Öko-Ladens zu arbeiten, so wie es schon einige ihrer älteren Freunde taten. Aber es war eben nicht das, was sie sich ursprünglich mal erhofft hatten.

Playboy: Nachdem Sie aus Reed zurück nach Silicon Valley kamen, entdeckten Sie das inzwischen legendäre Inserat “Have fun and make money.”
Jobs: Richtig. Eigentlich hatte ich vor, längere Zeit zu verreisen, aber mir fehlte es an Geld. Also kam ich zurück, um mir einen Job zu besorgen. Ich blätterte durch die Zeitung und endeckte genau jene Annonce: “Have fun and make money.” Ich rief sofort an. Es war Atari. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich außer den Ferienjobs nie richtig gearbeitet. Doch ich muss einen Glückstreffer gelandet haben, am nächsten Tag riefen sie zurück und stellten mich ein.

Playboy: Da war Atari auch noch ziemlich am Anfang, oder?
Jobs: Ich war, glaube ich, deren vierzigster Mitarbeiter. Es war noch ein ganz kleines Unternehmen. Sie hatten gerade Pong herausgebracht und noch zwei weitere Spiele. Ich sollte einem Typen namens Dan helfen, ein Basketballspiel zu entwickeln, ein totales Fiasko. Es gab dieses Basketballspiel und irgendjemand werkelte an einem Hockeyspiel herum. Deren Strategie war damals, jedes Spiel nach einer Feldsportart zu entwickeln, weil Pong ja doch ein ziemlicher Erfolg war.

Playboy: Das Ziel, Geld zu verdienen, um dann zu reisen, verloren Sie nicht aus den Augen?
Jobs: Atari exportierte eine ganze Menge Spiele nach Europa, viele davon mit technischen Defekten. Also mussten sie jemand hinterher schicken, der die Dinger vor Ort reparieren konnte. Ich meldete mich freiwillig und bat darum, anschließend eine kleine Auszeit nehmen zu dürfen. Ich landete erst in der Schweiz, in Zürich, und anschließend in Neu Delhi, um einige Zeit in Indien zu verbringen.

Playboy: Da haben Sie sich dann den Kopf kahlgeschoren?
Jobs: Ganz so war es nicht. Ich war unterwegs im Himalaya und bin zufällig bei einer religiösen Prozession gelandet. Mit einem Baba, eine Art religiösem Führer und seiner Gefolgschaft. Es roch lecker nach Essen und ich hatte schon lange nicht mehr gut gegessen, also machte ich den Leuten meine Aufwartung und begann zu essen. Der Baba sah das, setzte sich dazu und, keine Ahnung warum, fand das nun todkomisch und konnte sich vor Lachen kaum beruhigen. Er sprach kaum Englisch, ich kaum Hindi, aber er ließ sich nicht davon abbringen, sich mit mir zu unterhalten. Plötzlich packte er mich am Arm und schleppte mich den nächsten Berg hoch. Da waren Hunderte von Pilgern, die Tausende Kilometer hinter sich hatten, nur um ein paar Sekunden mit dem Kerl zu verbringen und ausgerechnet mich zerrt er einen Berg hinauf. Eine Stunde später waren wir auf dem Gipfel. Dort gab es einen kleinen Tümpel und einen Brunnen. Er tauchte meinen Kopf unter Wasser, holte ein Rasiermesser heraus und rasierte mir die Haare ab. Ich war gerade 19. Keine Ahnung, warum der verrückte Vogel das tat.

Playboy: Was machten Sie als Sie zurückkamen?
Jobs: Ich bekam einen Kulturschock! Größer als der bei meiner Abreise. Atari rief wieder an, die wollten mich zurückhaben. So richtig Lust hatte ich nicht, aber ich ließ mich dann überreden, für sie als Consultat/Berater zu arbeiten. Wozniak und ich hingen viel gemeinsam ab. Er nahm mich mit zu einem dieser Treffen des Homebrew Computer Clubs, ein Haufen computerinteressierter Hobbybastler. Besonders aufregend fand ich die Typen nicht, wenngleich einige von ihnen schon ganz okay waren. Wozniak hingegen ließ kein Treffen aus.

Playboy: Welchen Stellenwert hatte der Computer damals? Warum interessierte er Sie?
Jobs: Im zentralen Interesse der Clubs stand damals ein Computer Bausatz namens Altair. Wir waren alle komplett erstaunt, dass es jemandem gelungen war, einen Computer zu bauen, der einem tatsächlich gehören könnte. Sie dürfen nicht vergessen, noch in der Schule hatte niemand von uns Zugang zu Computersystemen, wir mussten jedes Mal lange fahren, um bei Firmen, die für uns junge Leute etwas übrig hatten, deren Computer zu benutzen. Aber jetzt konnte man sich tatsächlich selbst einen PC kaufen. 1975 kam der Altair heraus, ein Bausatz für weniger als 400 Dollar. Obwohl er eigentlich einigermaßen billig war, konnte ihn sich nicht jeder leisten. Deshalb schlossen sich die Leute zusammen und gründeten solche Clubs.

Playboy: Sie beschlossen dann einfach, dass Sie den besseren Altair bauen konnten?
Jobs: Es ist irgendwie einfach so passiert. Auf den Nachtschichten bei Atari kam Woz immer vorbei. Er stand auf Grand Track, eines dieser Spiele, die Atari damals herausgab. Er versenkte Unmengen an Kleingeld in diese Spiele und daddelte die ganze Nacht. Immer wenn ich ein Problem bei der Arbeit hatte, unterbrach ich seinen Spielfluss und ließ mir von ihm helfen. Einmal entwickelte er dabei so ganz nebenbei ein Terminal mit Videoschnittstelle. Später brachte er einen Mikroprozessor mit, verkabelte den mit dem Terminal und vor uns stand quasi der Apple I. Woz und ich passten auch die Platine selbst ein. Tja, und das war´s dann.

Playboy: Aber zunächst einmal ging es Ihnen nur darum zu zeigen, dass es geht?
Jobs: Genau. Wir wollten nur bei unseren Freunden ein wenig angeben.

Playboy: Was löste dann den nächsten Schritt aus? Herstellung und Vertrieb, um damit Geld zu verdienen?
Jobs: Woz und ich brachten ein wenig Geld auf. 1.300 Dollar. Wir verkauften meinen alten VW Bus und seinen Hewlett-Packard Rechner. Der Typ, der als einer der ersten einen Computer-Store hatte, meinte, wenn wir ihn in Serie bauten, er würde ihn verkaufen können. Bis zu dem Zeitpunkt dachten wir noch nicht einmal im Entferntesten ans Verkaufen.

Playboy: Wie haben Woz und Sie sich die Arbeit geteilt?
Jobs: Er hat das meiste entwickelt. Beim Arbeitsspeicher habe ich ihm assistiert. Später habe ich aus dem ganzen dann ein fertiges Produkt gemacht, da ist Woz nicht so gut. Woz hingegen ist ein großartiger Designer/Entwickler.

Playboy: Der Apple I war etwas für Bastler/Tüftler/Heimanwender?
Jobs: Ganz genau. Wir haben ungefähr 150 von ihnen verkauft. Kein Riesengeschäft, aber es blieben immerhin 95.000 Dollar hängen. Mir wurde schnell klar, hier gab es nebenbei etwas Geld zu verdienen. Apple I war ja nichts weiter als eine Leiterplatte/Platine. Es gab kein Gehäuse, keine integrierte Stromzufuhr, von einem richtigen Produkt war eigentlich kaum zu sprechen. Man musste sich sogar noch separat einen Transformator und eine Tastatur kaufen (lacht)

Playboy: Hatten Woz und Sie damals schon so eine Art Vision, als der Verkauf so langsam anlief? Dachten Sie beide schon daran, was hier für ein Potential steckt und wie es die Welt verändern würde?
Jobs: Nein, nicht wirklich. Keinem von uns war zu dem Zeitpunkt klar, wo das alles hinführen würde. Woz motiviert eigentlich nur das Tüfteln. Er konzentrierte sich in der Hauptsache auf das Technische, dabei nahm ziemlich schnell eine seiner besten Ideen Gestalt an: Der Disk Drive/Diskettenlaufwerk, eine bahnbrechende Innovation, die den Apple II erst möglich machte. Ich war in der Zeit mehr damit beschäftigt, wie man eine Firma aufbaut, was eine Firma eigentlich war. Ohne Woz wäre das alles nichts geworden, aber auch Woz wäre ohne mich nichts geworden.

Playboy: Wie hat sich dann Ihre Zusammenarbeit mit der Zeit entwickelt?
Jobs: Entscheidend war, das Woz an Apple als Unternehmen nie wirklich interessiert war. Sein Interesse galt eher den technischen Dingen – wie es zum Beispiel gelingen konnte, den Apple II mit der Platine so zu vereinen, dass er alles zusammen in seinen Computer Club tragen konnte, ohne dass überall die Kabel abbrachen. Als ihm das gelang, war die Sache erst einmal erledigt und er suchte sich eine neue Idee.

Playboy: Wie ist das Verhältnis zwischen Ihnen heutzutage?
Jobs: Mit jemandem, mit dem man so lange so eng zusammengearbeitet hat, mit dem einen so viel verbindet, zwischen zwei solchen Menschen wird immer ein enges Band bestehen. Und selbst wenn derjenige mit der Zeit vielleicht nicht mehr der allerbeste Freund ist, so bleibt immer etwas, das über Freundschaft weit hinausgeht. Woz lebt heute sein eigenes Leben. Bei Apple hat er sich seit vielleicht fünf Jahren nicht mehr blicken lassen. Aber was er geschaffen hat, wird immer Teil der Apple-Historie sein. Im Augenblick ist er mehr damit beschäftigt, Vorlesungen über Computer zu halten. Das macht ihm Spaß.

Playboy: Sie beide haben den Apple II geschaffen, den Computer, der die eigentliche Computer-Revolution einläutete. Wie kam es dazu?
Jobs: Na ja, wir waren ja schon damals nicht mehr alleine. Eine Menge Leute wirkten mit. Woz kümmerte sich in der Hauptsache um das Motherboard des Apple II. Aber da waren ja noch andere Komponenten, die Stromversorgung zum Beispiel. Oder das Gehäuse. Ganz entscheidend aber was das Gesamtergebnis, der Apple II war ein komplettes Produkt. Zum ersten Mal kam ein Computer nicht als Bausatz daher. Er war bereits komplett montiert, hatte sein eigenes Gehäuse, eine Tastatur, man konnte sich einfach davorsetzen und los ging´s. Das war der Durchbruch.

Playboy: Die Autoindustrie war stets eine Domäne der Amerikaner. Dann kamen die Japaner. Blüht der Computerindustrie ähnliches? Wie behalten Sie die Nase vorn?
Jobs: Japan ist ein interessantes Phänomen. Viele denken, die kopieren einfach alles. Ich denke eher, sie erfinden alles neu. Sie nehmen etwas, das es schon gibt, untersuchen es bis zum Letzten, so lange, bis sie es besser verstehen, als derjenige, der es ursprünglich erfunden hat. Das funktioniert immer dann am besten, wenn sich das, was sie dann verbessern, kaum noch verändert – Autos oder Stereogeräte sind dafür gute Beispiele. Bei den Dingen, die sich viel schneller verändern, haben sie hingegen Schwierigkeiten. Wie beim PC. Sobald auch da die Innovationsgeschwindigkeit nachlässt, werden die Japaner sich mit aller Macht auf den Markt stürzen. Keine Frage, die Japaner wollen den Markt dominieren, es ist fast wie eine Herausforderung, der sich eine ganze Nation stellt. Ich glaube, es wird nur noch vier bis fünf Jahre dauen, dann haben die Japaner einen anständigen Computer entwickelt. Wenn wir also unsere Vormachtstellung behalten wollen, dann bleiben uns etwa vier Jahre, um auch in der Herstellung Weltklasse zu werden. Unsere verarbeitende Industrie muss die Japaner ein-, besser noch überholen.

Playboy: Wie wollen Sie das anstellen?
Jobs: Als wir den Macintosh designten, entwickelten wir auch gleichzeitig eine Maschine, die ihn baut. Für 20 Millionen Dollar bauten wir ein komplett automatisiertes Werk, das in der Computer-Industrie ihresgleichen sucht. Doch damit nicht genug. Wir werden dieses Werk – anders als andere Firmen – nicht erst nach sieben, sondern schon nach zwei Jahren komplett abgeschrieben haben. Und bauen dann einfach ein neues. Das wir dann ebenfalls nach zwei Jahren wieder abschreiben und quasi wegwerfen. In drei Jahren haben wir dann bereits das dritte Werk im Bau, nur so sind wir in der Lage, schnell genug zu reagieren.

Playboy: Japan ist aber nicht nur Konkurrent. Ihre Diskettenlaufwerke beziehen Sie zum Beispiel bei Sony.
Jobs: Wir kaufen eine Menge unserer Komponenten bei den Japanern. Wir sind bei Mikroprozessoren, bei Diskettenlaufwerken, bei RAM-Chips, bei Tastaturen die größten Abnehmer weltweit. Wir sparen uns dabei jede Menge Aufwand, Kapital, das wir lieber in die Entwicklung von Software stecken.

Playboy: Zurück an die Universität. In die Zeit vor dem Computer. Um einen gesellschaftlich relevanten Beitrag zu leisten, wohin hätte man Ihrer Meinung und der Ihrer Kommilitonen nach gehen müssen? In die Politik?
Jobs: Keiner von den wirklich smarten Typen, die ich damals kannte, ging in die Politik. In den späten sechziger und frühen siebziger Jahren fühlten alle irgendwie das Gleiche: In der Politik war kein Platz für Leute, die wirklich die Welt verändern wollten. Die gingen alle gleich in die Wirtschaft, eigentlich komisch, denn die gleichen Leute zogen vorher nach Indien oder sonstwo hin auf dem Weg den Sinn des Lebens zu finden.

Playboy: Lief es am Ende darauf hinaus, dass der Lockruf des Geldes zu stark war und es relativ einfach war, Karriere zu machen?
Jobs: Nein. Den meisten war doch das Geld völlig egal. Klar, viele von Ihnen machten jede Menge Geld, es war ihnen dennoch gleichgültig. Ihre Lebensumstände blieben trotz des vielen Geldes mehr oder weniger die gleichen. Es ging damals einfach um die Chance, etwas Neues zu versuchen, Erfolg zu haben und zu wachsen, eventuell aber auch zu scheitern. In den letzten zehn Jahren war in der Politik mit Sicherheit kein Platz sich derart auszuprobieren. Als jemand, der noch nicht einmal 30 ist, kann ich sagen, dass man mit 20 einfach eine natürlich Ungeduld hat. Der Idealismus dieser Leute hätte vor den Realitäten in der Politik kapituliert, sie wären auf Sicht politikverdrossen. Ich bin mir ganz sicher: In Amerika bedarf es stets großer Krisen, damit sich etwas nachhaltig ändert. Und so eine werden wir erleben, im großen Stil, in den frühen neunziger Jahren, einfach weil die Probleme von heute, denen sich die Politik annehmen sollte, weitestgehend ignoriert werden. Zu dem späteren Zeitpunkt aber werden Leute in Ämter drängen, die nicht nur über die praktische Erfahrung verfügen, sondern auch über eine große Portion Idealismus. Es wird die am besten ausgebildete Generation von Politikern sein, die wir je hatten.

Playboy: Behauptet das nicht jede Generation (von sich) ?
Jobs: Die Zeiten ändern sich. Die technologische Revolution ist doch aus unserer Wirtschaft, aus unserer Gesellschaft überhaupt nicht mehr wegzudenken – mehr als 50% unseres Bruttosozialprodukts kommt aus information-based industries. Unsere politische Führung hingegen zeichnet sich durch völlige Unkenntnis dieser Revolution aus. Dabei ist es von höchster Bedeutung, dass die wichtigen Entscheidungen, die anstehen – wie wir unsere Ressourcen einsetzen, wie wir unsere Kinder erziehen – vor dem Hintergrund gemacht werden, dass ganz oben auch wirklich die technischen Hintergründe verstanden werden, dass begriffen wird, welche Tragweite eigentlich der technologische Fortschritt hat. Und damit stehen wir scheinbar noch nicht einmal am Anfang. Schaut man sich den Bildungsbereich an, da hat die Peinlichkeit schon nationale Dimensionen erreicht. In einer Gesellschaft, in der Datenverarbeitung/Information und Innovation der Schlüssel für die Zukunft ist, besteht tatsächlich die Möglichkeit, dass Amerika seine Führungsposition einbüßt und zu einer zweitrangigen Nation wird.

Playboy: Sie sprechen von Investitionen in die Bildung, dabei wird es schwer fallen in Zeiten großer Haushaltsdefizite überhaupt noch Gelder zu finden.
Jobs: Innerhalb der nächsten fünf Jahre wird unser Verteidigungsetat auf ein Niveau steigen, wie es höher nie war. Das ist etwas, für das wir als Gesellschaft die Verantwortung übernehmen, da geht unser Geld hin, das erhöht dementsprechend unser Defizit und damit die Kosten, uns frisches Geld zu besorgen. Die Japaner hingegen, unsere direkten Konkurrenten an allen technologischen Fronten, insbesondere jetzt gerade der Halbleiter-Industrie, haben sich als ganze Nation so aufgestellt, dass in solchen Bereichen genügend Kapital investiert wird. Man wird das Gefühl nicht los, dass bei uns kaum einer in der Lage ist, einen Zusammenhang herzustellen, zwischen der Tatsache, dass wir aufrüsten, gleichzeitig aber die Vorherrschaft in der Halbleiterindustrie aufs Spiel setzen. Eine Gefahr, auf die wir vorbereitet sein müssen.

Playboy: Ältere Unternehmen müssen gegenüber modernen Unternehmen wie Apple aufholen. Oder sie sterben aus. Macht Ihnen das etwas aus?
Jobs: Es liegt einfach in der Natur der Sache. Ich halte ja auch den Tod für die beste Erfindung des Lebens. So wird das System stets von dem befreit, was ohnehin obsolet ist. Genau hier liegt auch eine der ganz großen Herausforderungen für Apple. Wenn zwei junge Typen zu uns mit etwas total Revolutionärem kommen, was machen wir? Schlagen wir Ihnen die Tür vor der Nase zu oder nehmen wir sie bei uns auf? Stellen wir unsere eigenen Modelle in Frage? Ich denke, wir gehen sogar einen Schritt weiter und setzen voll auf das Neue.

Playboy: Wenn Sie Ihren Erfolg Revue passieren lassen, ertappen Sie sich manchmal dabei, dass Sie sich fragen, Moment mal, was ist hier eigentlich passiert? Denn passiert ist ja alles quasi wie über Nacht.
Jobs: Ich habe mal irgendwann gedacht, wie das wohl wäre, eine Million Computer zu verkaufen. Doch als es dann Wirklichkeit wurde, war es doch etwas völlig anderes. Mehr so wie, “Heilige Scheiße, wie konnte das passieren?” Viel schwieriger zu erklären ist, dass es mir eben nicht wie etwas vorkommt, das einfach über Nacht passierte. Nächstes Jahr bin ich seit 10 Jahren in diesem Geschäft. Vorher hab ich nie etwas länger als ein Jahr gemacht. Als es mit Apple losging, kamen mir schon sechs Monate vor wie eine Ewigkeit. Aber Apple ist quasi seitdem ich erwachsen bin mein Leben. Und ein einziges Jahr bei Apple, mit all seinen Problemen und Erfolgen, den Erfahrungen miteinander, kommt einem vor wie ein ganzes Leben. Also habe ich schon zehn Leben hinter mir.

Playboy: Sprechen wir doch einmal über Geld? Mit 23 waren Sie Millionär …
Jobs: Und mit 24 hatte ich ein Vermögen von 10 Millionen und mit 25 dann mehr als 100 Millionen.

Playboy: Was bedeutet Ihnen all das Geld?
Jobs: So ganz verdaut habe ich das alles noch nicht. Mehr Geld zu haben, als man eigentlich ausgeben kann, das ist auch eine große Verantwortung. Denn ich will es durchaus ausgeben. Man will ja schließlich nicht zu viel seinen Kindern hinterlassen, das würde deren Leben ruinieren. Und wenn man keine Kinder hat, geht das meiste dann an den Staat. Dass man es Sinnstiftender anstellen würde als der Staat, daran besteht wohl kein Zweifel. Also bleibt es eine große Herausforderung: Zum einen mit dem Geld zu leben und zum anderen eben, es zu investieren und zwar so, dass damit die eigenen Werte und Anliegen zum Ausdruck gebracht werden.

Playboy: Also, was werden Sie tun?
Jobs: Das bleibt meine Privatangelegenheit. Ich werde sicher irgendwann, wenn ich mehr Zeit habe, eine Stiftung gründen. Derzeit mache ich so einiges auf privater Ebene.

Playboy: Dann verbringen Sie irgendwann nur noch Zeit damit, Ihr Geld sinnvoll zu verteilen?
Jobs: Das werde ich müssen. Ich bin davon überzeugt, dass es schwieriger ist einen Dollar sinnvoll zu stiften, als einen zu verdienen.

Playboy: Ist das vielleicht der Grund, dass Sie sich damit noch zurückhalten?
Jobs: Nein. Die Gründe sind ganz einfach. Um etwas richtig gut zu können, muss man es nicht nur lernen, sondern dabei auch einmal scheitern. Ein solches Scheitern aber misst sich meistens an bestimmten Maßstäben. Genau das aber ist das Problem mit den meisten Wohltätigkeitsaktionen, es gibt kein Referenzsystem. Man gibt jemand zweckgebunden eine Menge Geld, doch es ist liegt im eigenen Ermessen zu beurteilen, ob diejenigen richtig gehandelt haben und ob der Einsatz erfolgreich war oder nicht. Wenn also Erfolg und Misserfolg nicht richtig zu bestimmen sind, dann ist es natürlich schwer, beim nächsten Mal besser zu treffen. Außerdem tragen viele Leute Ideen an einen heran, die nicht gerade die besten sind. Also geht es auch darum, zunächst einmal selbst eine gute Idee zu haben oder zu finden. Und das braucht Zeit.
 

David Sheff