Interviews

„Es gibt immer noch Leute, die mich nicht erkennen – eine Frechheit“

Schauspieler Uwe Ochsenknecht über seine zweite Karriere als Rockmusiker, wie seine Kinder mit ihren Vornamen klarkommen – und warum er auch hässlichen Frauen in den Mantel hilft

 
Playboy: Herr Ochsenknecht, als Schauspieler kennt Sie in Deutschland jeder. Was viele nicht wissen: Sie stehen auch als Musiker auf der Bühne. Hat man nun als Rockstar oder als Filmstar die besseren Groupies?
Ochsenknecht: Ich glaube, als Musiker. Schauspieler sind einfach nicht so cool. Musiker dagegen haben immer Spaß, die Gitarre in der Hand ... wie große Jungs. Und was gibt es Schöneres für eine Frau, als wenn ihr ein Typ was vorsingt? Nur, wenn der ihr „Romeo und Julia“ vorspielt, ist das nicht so prickelnd.
Playboy: „I'm Still Alive“ heißt ein Song auf Ihrem neuen Album – gab es da Zweifel?
Ochsenknecht: Da geht es nicht um mich, sondern um einen Typen, der von seiner Frau verlassen wurde, und das fühlt sich für ihn an, als wäre ein Teil in ihm gestorben. Doch dann entdeckt er, dass er durchaus noch lebensfähig ist, als er aus dem Gröbsten raus ist.
Playboy: Eine Situation aus Ihrem Leben?
Ochsenknecht: Nicht wirklich. Bis jetzt sind sie alle wiedergekommen. Oder gar nicht erst gegangen.
Playboy: Das ist natürlich ideal.
Ochsenknecht: Na ja, nicht immer. Vor allem, wenn man sie eigentlich loswerden will.
Playboy: Warum singen Sie auf Englisch?
Ochsenknecht: Ganz einfach: Weil ich auf Deutsch nicht so gut klinge. Ich kriege die Sprache nicht in den Mund.
Playboy: Obwohl Deutsch Ihre Muttersprache ist?
Ochsenknecht: Ja und? Heißt das, dass ich deswegen in keiner anderen Sprache singen darf? Gerade heute, wo alles internationaler wird? Ich bin in Mannheim aufgewachsen. Dort gab es viele GIs, darunter viele Schwarze. Die hörten alle Soul mit englischen Texten, das hat mich geprägt.
Playboy: Welche Musik hört Uwe Ochsenknecht, wenn er wütend ist?
Ochsenknecht: Salsa oder Reggae. Das ist für mich die Musik, die am meisten Freude überträgt und mich wieder auf null bringt.
Playboy: Und wenn Sie vom Rest der Welt Ihre Ruhe haben wollen?
Ochsenknecht: Meistens Jimi Hendrix.
Playboy: Um Frauen rumzukriegen?
Ochsenknecht: Ich brauche keine Frau rumzukriegen. Erstens habe ich ne ziemlich gute, und zweitens wäre mir das viel zu anstrengend, eine rumkriegen zu müssen. Entweder das würde laufen oder nicht.
Playboy: Und früher?
Ochsenknecht: Früher war ich so hässlich, da hätte sich die Anstrengung nicht gelohnt, eine Frau anzubaggern.
Playboy: Die Ochsenknechts gelten in Deutschland als Prototyp der verrückten Familie. Geht Ihnen das auf die Nerven?
Ochsenknecht: Nein, ich finde es herrlich. Es gibt viel zu wenige Familien wie unsere in Deutschland. Die sollen sich alle mal ein Beispiel nehmen.
Playboy: Ihre Kinder tragen recht außergewöhnliche Namen: Jimi Blue, Wilson Gonzalez, Cheyenne Savannah ...
Ochsenknecht: ... ja, das ist für unser jetziges Deutschland anscheinend immer noch ziemlich außergewöhnlich. Eigentlich ein bisschen traurig, diese Fantasielosigkeit. Übrigens an alle, die sich immer so rührende Gedanken darüber machen, wie meine Kids mit ihren Namen leben: supergut. Es ist doch um einiges peinlicher, sich einen Künstlernamen zulegen zu müssen, weil die richtigen Namen nicht geil genug fürs Showbiz sind. Die Probleme haben meine nicht.
Playboy: Haben Sie den Film „Keinohrhasen“ gesehen?
Ochsenknecht: Nein, wieso?
Playboy: Da gibt es ein kleines Mädchen namens Cheyenne Blue. Die sagt: „Meine Mama ist Schauspielerin, und Schauspieler dürfen Kindern keine normalen Namen geben.“ Ärgert Sie so ein Seitenhieb?
Ochsenknecht: Nein, ich bin eher geschmeichelt. Wenn man in so einem erfolgreichen Film zitiert wird, heißt das doch, dass man einen gewissen Stand in der Gesellschaft hat.
Playboy: Ihre Söhne sind inzwischen auch ganz erfolgreich. Wenn man bei YouTube „Ochsenknecht“ eingibt, kommt erst mal Jimi Blue oder Wilson Gonzalez – und dann irgendwann Uwe. Ein klein wenig neidisch?
Ochsenknecht: Das wäre ja arm, wenn ich auf den Erfolg meiner Söhne eifersüchtig wäre. Das sind Teenie-Schwärme, das ist was ganz Anderes. Sind ja auch sehr smarte, kleine Lümmel.
Playboy: Stimmt es, dass in Ihrer Garage kistenweise Mädchenunterwäsche lagert, die Ihre Söhne geschickt bekommen?
Ochsenknecht: Wo haben Sie denn das gelesen? Das ist natürlich übertrieben. Kommt aber schon mal vor, dass die Jungs einen String zugeschickt bekommen und fragen: „Boah, Papa, was ist denn das?“ Sage ich: „Das ist ein parfümierter Slip.“ – „Ist ja ekelhaft.“ – „Dann nehm ich das halt.“
Playboy: Sie selbst haben mit 15 die Schule abgebrochen und holten später mühsam Ihren Abschluss nach. Eine Erfahrung, die Sie Ihren Kindern ersparen wollten?
Ochsenknecht: Schwieriges Thema, ich bin da zwiegespalten. Druck, Stress, Noten – das hat mich damals nicht interessiert, und so ist es heute noch. Deswegen kann ich meine Kinder nicht mit ehrlicher Überzeugung dazu motivieren.
Playboy: Sie sagten, Sie seien zwiegespalten ...
Ochsenknecht: Also, diesen Hype um einen Schulabschluss finde ich etwas übertrieben. Warum soll ich meine Kinder durchs Abitur prügeln, wenn sie gar nicht wissen, ob sie später studieren wollen und können?
Playboy: Anfang der 80er saßen Sie wegen Verdachts auf Drogenhandel in Untersuchungshaft. Ist das etwas, wovon Sie Ihren Kindern erzählen?
Ochsenknecht: Natürlich. Ich habe ja auch nicht mit Drogen gehandelt, wie sich später bewahrheitet hat. Ich halte vor meinen Kindern nichts geheim. Aber sie müssen im richtigen Alter sein, um manche Dinge richtig verstehen zu können.
Playboy: Heißt das, Ihre Kinder dürfen das mal ausprobieren?
Ochsenknecht: Die dürfen nicht mehr oder weniger als andere Kids auch. Aber nach dem ersten gescheiten Rausch kann man doch erst beurteilen, wie viel man verträgt und wie unangenehm und letztendlich gefährlich das Ganze ist.
Playboy: Auch berühmte Kinder?
Ochsenknecht: Auch die. Dürfen die keinen Rausch haben, nur weil sie berühmt sind? Das ist doch Schwachsinn. Man kann die Kids doch nicht 24 Stunden am Tag kontrollieren. Ich sage ihnen nur: Passt auf, dass ihr nicht fotografiert werdet.
Playboy: Eine schwierige Aufgabe in einer Zeit, in der jeder ein Fotohandy dabei hat.
Ochsenknecht: Ja, deswegen gehe ich abends nicht mehr gern aus. Es nervt mich, dass sich irgend so eine Tusse kurz neben dich stellt und du wirst mit dem Handy fotografiert. Und du kriegst gar nicht mit, dass du mit der auf dem Foto plötzlich in irgendeiner Zeitung oder im Internet auftauchst.
Playboy: Sieht man Sie deshalb auch auf sogenannten Promi-Events seltener?
Ochsenknecht: Ich bin ja schon prominent genug. Was soll ich da?
Playboy: Werden Sie auf der Straße oft erkannt?
Ochsenknecht: Man wäre ja wohl kaum prominent, wenn man nicht auch mal auf der Straße erkannt wird, oder? Aber es gibt durchaus immer noch Leute, die mich nicht erkennen – eine Frechheit. Habe ich wohl doch irgendwas falsch gemacht.
Playboy: Und die Leute, die Sie erkennen, was sagen die?
Ochsenknecht: Dass ich live viel besser aussehe als im Fernsehen. „Sie sind doch der Lauterbach“ kommt auch oft. Die meisten sind aber total lieb und respektvoll. Ich mag sie alle.
Playboy: Mit Heiner Lauterbach haben Sie „Männer“ gedreht und auch in späteren Filmen den Geschlechterkampf oft thematisiert. Sind Sie auf diesem Gebiet heute Experte?
Ochsenknecht: Nur weil ich ein paar Filme darüber gemacht habe, bin ich noch lange kein Beziehungsberater. Ich weiß selbst nicht, wie das funktioniert. Frauen sind sowieso nie wirklich zu verstehen.
Playboy: Gibt es etwas, das Männer von Frauen lernen können?
Ochsenknecht: Ich bewundere sie dafür, dass sie psychisch und auch oft physisch so stark sind. Das fängt schon beim Kinderkriegen an. Da würde ein Mann doch sterben. Und für ihre Fähigkeit, Gefühle besser zeigen zu können als wir Männer, beneide ich sie sowieso.
Playboy: Hat sich da bei Ihnen selbst etwas verändert im Laufe der Zeit?
Ochsenknecht: Ich hoffe schon. Aber man muss ja deswegen nicht gleich bei jedem Liebesfilm mitheulen.
Playboy: Sie sind also kein „fröhlicher, aber unbelehrbarer Macho“, wie man mal schrieb?
Ochsenknecht: Das sind so Attribute, die man von der Presse angeheftet bekommt. Ich habe Respekt vor Frauen, und zwar großen. Das äußert sich zum Beispiel darin, dass ich einer Frau die Tür aufhalte oder ihr in den Mantel helfe. Auch nicht so gut aussehenden Frauen übrigens.
Playboy: Sie meinen, einen echten Kavalier zeichnet aus, dass er auch zu hässlichen Frauen freundlich ist?
Ochsenknecht: Klar. Das ist doch armselig, wenn ein Mann sich einer Frau gegenüber nur respektvoll benimmt, weil sie gut aussieht.
Playboy: Ist Deutschland emanzipierter geworden, seit wir eine Frau als Bundeskanzler haben?
Ochsenknecht: Nein, ob Mann oder Frau – das ist dasselbe in Grün.
Playboy: Sind Sie ein politischer Mensch?
Ochsenknecht: Ich bin politisch in dem Sinn, dass ich in meinem eigenen kleinen Bereich tätig werde. Aber generell ist mir das politische Geschäft zu blöd. Politiker sind bis auf wenige Ausnahmen doch Menschen, denen es um das Machtspiel geht. Alle versprechen etwas zu den Wahlen, aber keiner hält es ein. Die Verarsche mach ich nicht mit.
Playboy: Schauen Sie sich Nachrichten im Fernsehen an?
Ochsenknecht: Will ich gar nicht mitkriegen. Überall Chaos, Krieg, Überschwemmungen, Kinder werden umgebracht, Flugzeuge stürzen ab. Aber die stürzen auch ab, ohne dass ich das weiß.
Playboy: Aber generell gucken Sie schon Fernsehen, oder?
Ochsenknecht: Kaum. Filme und Serien schaue ich mir meistens auf DVD an. Da kann ich das Timing selbst bestimmen.
Playboy: Warum so wählerisch?
Ochsenknecht: Wissen Sie, ich muss mit meiner Zeit haushalten. Ich habe gerade wieder gelesen, dass ein Mann in Deutschland im Schnitt 75 Jahre alt wird. Das heißt, ich habe noch 25 Sommer. Das ist nicht viel.

Interview: Mareike Ludwig, Klaus Mergel ]
 
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Interview . Uwe Ochsenknecht

Uwe Ochsenknecht, Jahrgang 1956, wuchs in einfachen Verhältnissen in Mannheim auf. Der Durchbruch als Schauspieler gelang ihm 1985 an der Seite von Heiner Lauterbach mit „Männer“. In den folgenden Jahren wirkte Ochsenknecht in zahlreichen Kino- und TV-Produktionen mit und startete parallel eine zweite Karriere als Sänger. Sein neues Album, „Match Point“ (Glor Musik), erschien November 2008.
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