Portraits

25 Jahre „Monaco Franze”

Vor 25 Jahren kam „Monaco Franze” ins Fernsehen und machte den Stenz berühmt. Den ewigen Frauenverführer gibt es immer noch – die Analyse einer Gattung

 
Wie ein scheues Reh drückt sich die junge Schönheit ans Schaufenster. Franz Münchinger alias Monaco Franze folgt ihr – aus einer spontanen Eingebung heraus. Demonstrativ stellt er sich neben die Frau. Doch sie wehrt ab: „Eines sage ich Ihnen für den Fall, dass Sie mich ansprechen. Das können Sie sich sparen, bei mir geht nix.” Da blickt der Monaco Franze etwas betreten und sagt: „Aber Fräulein, das verstehe ich nicht. Man sagt doch: Ein bisserl was geht immer.”

Das war die Mutter aller Anmache. Das Konzentrat der männlichen Seele. Dieser eine Satz hat alles auf den Punkt gebracht. „Ein bisserl was geht immer.” Ein Satz wie Kennedys „Ich bin ein Berliner” oder Luther Kings „I have a dream.”

Der wahre Monaco Franze alias Helmut Fischer ist lange tot. 1997 ist er an Krebs gestorben. Früher hockte er immer im Café „Münchner Freiheit”. Da war er noch ein recht erfolgloser Schauspieler. Hier saß er auch, als er 1974 den Regisseur Helmut Dietl traf. Die beiden wurden Freunde. Fischer stellte ihm seine Frau vor, sein „Spatzl”.

Vor genau 25 Jahren schrieb Dietl ihm dann seine Fernsehserie auf den Leib: „Monaco Franze – Der ewige Stenz”. Fernsehgeschichte ist das. Doch das Café „Münchner Freiheit” gibt es noch immer. Davor sitzt ein lächelnder Helmut Fischer aus Bronze, der noch immer jeder hübschen Blondine hinterher schaut, die vorbeistöckelt. Mit diesem vieldeutigen Lächeln, für das ein Mann vielleicht vierzig Jahre braucht, um es zu perfektionieren. Jener Gesichtsausdruck, der sagt: „Ein bisserl was geht immer.”

Das Doppelleben eines Stenzes

Denn ein gutes Revier für Stenze, das ist das Café „Münchner Freiheit” auch heute noch. Stefan etwa sitzt öfters hier: ein gut aussehender Herr um die fünfzig. Anwalt. Halblange graue Haare. Lachfalten um die Augen. Ein bisschen wie das Original.

Monaco ist sein Seelenverwandter. Ein Mann, dessen Leben ein endloser Reigen von Verlockungen war. Er ist sein Vorbild, weil er bewiesen hat: Man ist nie zu alt, um junge Frauen zu verführen.

„Er ist im Grunde nie erwachsen geworden. Diese romantischen Vorstellungen von Freiheit und Abenteuer. Dieser Großstadtjäger auf freier Wildbahn zwischen Schwabing und Sendlinger-Tor-Platz”, hat seine Frau Annette von Soettingen im Film über ihn geschimpft.

Dabei hat Monaco Franze sein „Spatzl” immer geliebt. Wenn er mal wieder einen Fehltritt beichten musste, hat er sie mit seinem dackelhaften Blick flattiert. Und ihr zugeflüstert: „Spatzl, schau, wie ich schau.”

Stefan heißt nicht wirklich Stefan. Denn seine Frau weiß von nichts. Seit 18 Jahren nicht. Das gehört eigentlich auch zum Stenzsein dazu, der Wille zur Partnerschaft. Stenze sind eine riesige, geheime Armee von Doppelagenten. Sie leben in jeder Stadt, in jedem Land. Sie sind kein bayerisches Phänomen. Aber vielleicht sind sie nirgendwo so liebenswert und charmant wie hier.

Mit geübtem Blick sondiert Stefan die Lage: „Das Café ist gut für Mütter. Die entspannen sich hier mittags, wenn sie ihre Kinder los sind. Siehst du die Brünette da drüben? Ich schätz mal: zwei Kinder. Er ist Manager. Kommt spät nach Hause. Sie hat alles: riesige Altbauwohnung. Designerklamotten. Eigenes Pferd. Aber trotzdem hofft sie, dass mal wieder etwas passiert in ihrem Leben.” Das Abenteuer sitzt ihr schon im Nacken. Sie weiß nur noch nichts davon.

Eigentlich hat sich nicht viel geändert in den vergangenen 25 Jahren. Männer wollen Sex mit Frauen. Immer. Überall. Das ist ihre jahrtausendealte Prägung. Doch die meisten Männer finden im höheren Alter irgendwann eine Frau und sich selbst daheim auf dem Sofa wieder. Nur die wenigsten erlangen die hohe Kunst des Stenzseins.

„Nicht der Erfolg ist dem Stenz das Wichtigste, sondern der Weg dorthin. Nicht der Besitz, sondern die Verführung”, sagt Autor Patrick Süskind, der gemeinsam mit Helmut Dietl das „Monaco”-Drehbuch schrieb. Der Begriff „Stenz” kommt übrigens aus dem Rotwelschen und bedeutet „Wanderstab”. Was ein echter Stenz nun mal auch wirklich ist.

In Jahrzehnten hat der Stenz den Umgang mit Frauen perfektioniert. Er kennt die unterschiedlichen Reviere und deren Frauen. Die nach oben strebenden Damen aus dem „Schumann’s”. Die etwas verbrauchten Blondinen aus dem „Bayerischen Hof”. Die vereinsamten Mütter aus dem Café „Münchner Freiheit”. Er spürt ihre verborgenen Bedürfnisse. Er hat für jede das richtige Kompliment auf Lager, jenes Zauberwort, mit dem er sie trifft, mitten ins Herz.

Stenze sind Frauenversteher

Stefan spaziert quer durchs Café, stellt sich neben die Brünette und hebt den Schal auf, der ihr unbemerkt heruntergefallen war. „Bitte schön”, sagt er mit einem geheimnisvollen Blick und geht wieder davon. Auch das ist ein Geheimnis des Stenzes. Er hat es nicht eilig. Er muss sie nicht anmachen. „Ich wirke durch die Ruhe, die ich ausstrahle.” Das suchen Frauen. Er kommt aus der Tiefe des Raumes.

Zwei Wochen später treffen sie sich wieder im Café. Scheinbar zufällig. Stefan setzt sich an ihren Tisch. „Sie erinnern mich an eine sehr schöne Frau auf einem Gemälde von François Boucher in der Alten Pinakothek”, sagt er.

Das gefällt ihr. Das gefällt allen. Eine Woche später gehen sie zusammen ins Museum. Er zeigt ihr das Bild. Darauf ist Madame de Pompadour zu sehen, die Mätresse König Ludwigs XV. Er erzählt ihr die Geschichte, wie sie einst den König getroffen hat, wie sie sich dann unsterblich verliebten und wie sie sich trotz all der Widerstände geliebt haben bis zu ihrem Tod.

Stefan ist schon mit vielen Frauen vor diesem Bild gestanden. Und allen hat er die Geschichte von der wahren Liebe erzählt.

Nach dem Museum gehen sie ins Apartment von seinem Freund Peter. Die Wohnung nutzt er schon seit Jahrzehnten für seine Affären, tagsüber, wenn Peter arbeitet. „Auf eine Tasse Kaffee”, sagt er. Derselbe Spruch wie vor vierzig Jahren.

Kaum hat er die Tür geschlossen, stürzt sie sich auf ihn. Er ist noch gut in Schuss. Man sieht ihm das Alter nicht an. Ältere Männer können heute dank Fitness-Studio und Q10-Gesichtscreme die Zeit anhalten. Nur macht er sich ein bisschen Sorgen, als sie ihm in ihrer Ekstase die Fingernägel in den Rücken rammt. Schließlich sind die drei häufigsten Lügen in der Ehe: „Hmmmm, lecker!”, „Ich dich auch” und „Da hat mich eine Katze gekratzt”.

Stefan hat ihr vorher gesagt, dass er verheiratet sei und Kinder habe. Er will eine unkomplizierte Affäre. Man hat beim Monaco Franze gesehen, was man sonst für Probleme kriegt: „Immer des Gschiß mit der Elli”.

Er gibt ihr die Nummer eines Handys, von dem seine Frau nichts weiß. Der größte Feind des Stenzes ist das Mobiltelefon. Die SMS ist der Judas der Moderne.

Sie treffen sich ein paar Mal. Bis die Glut erlischt. Dann nicht mehr. Das Geheimnis des Stenzes ist es, dass sich die Frau danach gut fühlt. Auch wenn sie weiß, dass sie für ihn nur eine von unzähligen Affären war.

Sie haben sich noch mal zugenickt, neulich, als Stefan mit seiner Gattin im Café saß. Frauen werden es nie verstehen. Aber es ist genau so, wie Monaco, der Urvater der Stenze, damals aus tiefster Seele gesagt hat: „Ich liebe meine Frau, und meine Frau liebt mich.”

Oliver Kuhn (München-Schwabing) ]
Stenz, der; -es, -e
„Von etwas windiger Eleganz, der jeweils herrschenden Mode immer einen Schritt vorausstolzierend, hat der Stenz die Pflege seines Haupthaares sowie die Pflege seiner Schuhe – von denen er unzählige besitzt – zu kultischen Handlungen entwickelt. Er legt Wert auf Umgangsformen, bzw. das, was er dafür hält, und schafft es, das oberste Ausstrahlungsziel dabei nicht aus den Augen zu verlieren: immer cool und lässig zu sein.”

Helmut Dietl ]
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Toller Bericht über Monaco

Toller Bericht über Monaco Franze. Habe vor 25 Jahren keine Folge verpasst und mich sehr amüsiert. Heute feiere ich meinen 50-igsten. Ich kann gut nachvollziehen wie es in diesem Münchner Café ist-dazusitzen und sich über hinreissende Frauen Gedanken machen. Ich lebe seit Jahren in Kolumbien, habe eine tolle Frau die ich sehr liebe. Sie weiss, dass ich gerne meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehe, mich in Strassen-Cafés zu setzen und wohl die tollsten Frauen der Welt beim shopping zu betrachten. Leider kann ich hierbei keinerlei "Anmache" wir Franze es tun würde ausüben, denn mein Spanisch würde sofort als das eines Gringos entlarvt werden und ich hätte mehr Frauen als mir lieb wäre, daher lasse ich es dabei. Falls ich mal wieder in München bin werde ich auf ein Getränk "vorbeischauen".

nikon-sport@yahoo.de

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