Air-Race-Pilot Matthias Dolderer
Matthias Dolderer ist Deutschlands Hoffnung in der Formel 1 der Lüfte - dem Red Bull Air Race. Als Glücksbringer trägt er nun unseren Hasen auf dem Helm
Zwölfmal das eigene Gewicht auf dem Körper - das macht einen 80-Kilo-Mann so schwer wie einen Kleinwagen. So etwas zerrt und drückt auf die Eingeweide. Links. Rechts. Dann runter. Drehung. Senkrecht. Eine kleine Kurve. Die Maschine flattert. Ab durch die Pylonen. Ende nach einer Minute und 20 Sekunden. So funktioniert Air Race im Schnelldurchlauf.
Matthias Dolderer, Deutschlands Hoffnung beim Formel 1 der Lüfte, hat sich für diesen extremen Luftsport entschieden. Der Neuling will sich in seiner ersten Saison unter den 15 besten Piloten der Welt behaupten. Dazu traniert Dolderer auf seinem Flugplatz in Tannheim, 120 Kilometer westlich von München. Er strahlt die Ruhe und Gelassenheit eines Mannes aus, der weiß, was er da oben macht.
Auf diesem Rasen wuchs er auf. Sein Vater, damals ein Landwirt auf der Suche nach einer Aufgabe, eröffnete am 16. Juli 1976 diesen kleinen Sportflughafen. „Früher waren dort noch zwei Tennisplätze”, sagt Dolderer und zeigt auf eine grüne Fläche, heute ein Teil der Landebahn. Jeden Tag hat er dort trainiert, wollte Tennisprofi werden. „Ich bin um 6 Uhr aufgestanden und habe vor der Schule Aufschläge geübt”, sagt er.
Ein Flug wie beim Autorennen
Aus der Tennisprofi-Karriere wurde nichts, aber den Ehrgeiz hat er sich erhalten. Und er hat das Glück eines Michael Schumacher. So wie der Kerpener mit der Kartbahn seines Vaters aufwächst, ist es für Dolderer der Flugplatz.
„Ich habe mein Leben auf Flugplätzen und in Cockpits verbracht”, sagt er. Mehr als 6500 absolvierte Flugstunden, 23.000 Starts und Landungen – so sieht die Bilanz seines Lebens in den Wolken aus.
Mit 14 Jahren startet er zum ersten Alleinflug mit einem Segelflieger. Während seine Mitschüler für den Führerschein büffeln, lernt Dolderer für seinen Motorflugschein. Am 15. September 1988 bekommt er die Lizenz ausgehändigt, zu seinem 18. Geburtstag. Mit 21 Jahren wird er jüngster Deutscher Meister im Ultraleichtflug und anschließend Fluglehrer – mit 21 Jahren Deutschlands jüngster, selbstverständlich. Dann zieht es ihn zum Kunstflug: Ein Meisterschaftstitel reiht sich an den nächsten. Heute besitzt er so ziemlich alle Lizenzen für so ziemlich jedes Flugzeug. Sogar für Verkehrsmaschinen. Und seit 2008 die Superlizenz: die Berechtigung für das Air Race.
Was Dolderer daraus macht, lesen Sie hier »
Apropos Flug-Berechtigung: Eigentlich bewarb sich Dolderer bei der LTU als Pilot für Verkehrsmaschinen. Doch er bekam eine klare Absage. „Mein Persönlichkeitsprofil würde nicht zum Firmenprofil passen”, sagt er und lacht. „Vielleicht hatten die Angst um ihre Maschinen.”
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