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Auf dem Sprung

Über den Dächern Deutschlands suchen Basejumper nach dem ultimativen Kick. Mit dem Fallschirm auf dem Rücken, der Polizei auf den Fersen — und dem Tod im Nacken

 
Der Absturz kostet nur einen Schritt. Hier oben liegt einem Berlin zu Füßen. Millionen Lichter brennen. Der Fernsehturm steht links. Rechts müsste die Spree fließen. Man kann sie nur erahnen.
Es ist Mitternacht, doch in dem Hochhaus am südlichen Rand der Stadt tost noch das Leben: Fernseher plärren, Kinder schreien, irgendwo weint eine Frau. Aber hier oben, auf dem Dach, ist es still. Zwei Männer stehen hier, 90 Meter über dem Asphalt.
Wie Selbstmörder wollen sie sich heute Nacht in die Tiefe stürzen.
Aber die beiden sind keine Selbstmörder. Was sie auf das Dach treibt, ist ein illegaler und lebensgefährlicher Zeitvertreib, dem in Berlin ein gutes Dutzend Männer frönt — deutschlandweit etwa 100. Die meisten sind nachtaktiv.
Basejumper steigen auf alles hinauf, was hoch und spektakulär ist, um sich dann mit einem Fallschirm auf dem Rücken nach unten zu stürzen. Von Denkmälern, Wohngebäuden und Bürokomplexen — je höher, desto besser. Sie sind süchtig nach dem Versteckspiel mit der Polizei. Gierig nach dem freien Fall, den wenigen Sekunden Freiheit zwischen Dachkante und Bordstein. Vergangenes Jahr zahlten 14 Basejumper für ihr Hobby mit dem Leben — Schweizer, Amerikaner, Russen. Kein Deutscher.
Die Szene ist international aktiv. Zwar gibt es Turniere und legale Absprungplätze. Aber keiner davon liegt mitten in der Stadt — und genau das ist der Kick. Das Verbotene. Die Hatz mit der Polizei. Die Illegalität.
„Lust auf einen Hüpfer?“, fragt Jojo, während er sein Mobiltelefon am Ohr balanciert. Er grinst, es ist genau die Antwort, die er erwartet hat von seinem Kumpel. Was sie salopp „Hüpfer“ nennen, heißt unter Juristen „Hausfriedensbruch“. Wenn alles planmäßig abläuft, endet ein Sprung mit einer weichen Landung zwischen Bäumen und Autos. Dann ein Sprint zum Fluchtwagen und weg vom Tatort. Wenn etwas schiefgeht, endet die Sache im Polizeiwagen. Oder auf dem Friedhof.
Jojo ist 26 Jahre alt. Mit seinem schmalen Gesicht und den feinen Zügen, umrandet von blondem, langem Haar, könnte er glatt einen Elb in „Herr der Ringe“ geben.
Seinen ersten Fallschirmsprung hat er mit 16 aus einem Flugzeug gemacht, mit 21 hüpfte er von einer 100 Meter hohen Brücke. Seit einigen Jahren reizen ihn hohe Gebäude.
Heute Nacht soll es ein Mietshaus im Stadtteil Neukölln sein. Da, wo die Hauptstadt am ärmsten ist. 180 Wohnungen verteilen sich auf 29 Stockwerke. Wer hier lebt, kennt seinen Nachbarn nicht beim Namen — Anonymität aus Beton und Glas.
Die Uhr zeigt kurz vor Mitternacht, als Mirko seinen schwarzen Minibus parkt. Er ist das Gegenteil von Jojo. Mirko ist 42 Jahre alt, kräftig und ohne Haare. Immer, wenn er sich aufregt, berlinert er. Mirko hat schon viele Sportarten abgearbeitet: Motocross, Snowboarden, Surfen — Hauptsache, extrem.
Doch er ist kein kopfloser Haudrauf. Er weiß, dass er seine Freundin — „der Zwerg“, wie er sie liebevoll nennt — mit seinen nächtlichen Ausflügen schwer belastet. „Sie geht immer mit der Angst ins Bett, dass ich vielleicht nicht wiederkomme“, sagt er und ringt sich ein Lächeln ab.
Mirko und Jojo haben sich vor vier Jahren auf einem Turnier kennen gelernt. Den Anschluss an eine Gruppe, die illegal springt, findet man dort, wo die Basejumper ihrem Thrill legal nachgehen.
Viermal waren sie die letzte Woche hier und haben das Hochhaus ausgespäht. Haben Landeplätze ausgesucht, Testläufe bis zum Dach gemacht und mögliche Fluchtwege abgesteckt. Wie ein Sturmtrupp, der eine Invasion plant. Und heute Nacht wollen sie in die Schlacht ziehen und hier zum ersten Mal springen.
Das Thermometer zeigt drei Grad. Für das Material ist Kälte kein Problem, doch die Gelenke schmerzen. Dicke Kleidung unter dem Gurtzeug wäre ein Risiko: Es könnte verrutschen. So bleiben nur Jeans und Pullover gegen die Kälte.
Mirko und Jojo wuchten ihre rund neun Kilo Material auf den Rücken, Säcke mit Fallschirm, Helm und Gurtzeug. Brandon, ein Bekannter, wird unten bleiben und den Fluchtwagen fahren.
Sie kennen den Weg, trotzdem sind sie angespannt. Sie huschen über den Parkplatz, sechs Stufen hoch, Tür auf. Ab in den Fahrstuhl bis zum 29. Stock, dann sind es noch zwei Treppen, eine Stahltür und ein Gitter.
„Los geht's“, presst Jojo durch schmale Lippen und schlägt Mirko als Startzeichen auf die Schulter.
Aus dem Dunkeln taucht ein älterer Herr mit Hund hinter einem Baum auf und schaut neugierig. Der Hund bellt. „Scheißköter“, flucht Mirko. Jetzt bloß nichts anmerken lassen. Die tief ins Gesicht gezogenen Kapuzen und die großen Rucksäcke: Das fällt auf. „Einfach weiter“, sagt er. Dass sich diese Entscheidung später als Fehler erweisen wird, ahnen sie noch nicht.
Jojo drückt die Haupteingangstür, deren Schloss er vergangene Nacht manipuliert hat, auf. Manchmal können unterbezahlte Hausmeister an dieser Stelle Tür und Tor öffnen. Auch eine Maskerade kann helfen: Kürzlich verschafften sie sich mit Blaumann und Arbeitshelm Zutritt zu einem unfertigen Neubau und sprangen dann vom Dach. Gier macht erfinderisch.
Rund hundertmal sind die beiden schon von den unterschiedlichsten Gebäuden in Berlin gesprungen. Probleme gab es selten. Ein Grund ist die Geschwindigkeit: Läuft alles reibungslos, ist die Geschichte in zehn Minuten über die Bühne gebracht. Denn wenn sie gleich von der Kante springen, dauert es selten länger als 30 Sekunden, bis sie wieder in den Bus hüpfen und den Tatort verlassen. So schnell ist keine Polizeieinheit vor Ort.
Einmal allerdings wurde Jojo erwischt. Strafe: 200 Euro für Hausfriedensbruch. „Da bin ich halt nicht schnell genug gerannt“, sagt er. Mirko lag drei Stunden still hinter Hecken und versteckte sich vor den Ordnungshütern, bis die ihre Suche einstellten.
Im Treppenhaus fällt Putz von der Wand. Es stinkt nach Essensresten und nassem Hund.
Die Tür des Fahrstuhls öffnet sich im 29. Stock. Ein roter Pfeil auf der gekachelten Wand weist das Ziel: „Dach“. Jojo zeigt mit seinem Finger auf die Glastür. Gesprochen wird nun nicht mehr. Nur mit Handzeichen im Halbdunkel verständigen sich die beiden — wie bei einer Sondereinheit, im Moment vor der Stürmung.
Es trennt sie bloß noch eine Tür vom Dach. Jojo fingert ein Lockpick aus der Tasche. Ein Spezialwerkzeug zum Öffnen von Türen — ein Laie nennt es Dietrich. Weniger als eine Minute wehrt sich das einfache Schloss gegen die Metallfinger. Dann springt die Tür auf. Nun sind es noch ein paar Stufen, vorbei an unverputzten Wänden, ins Freie.
Jojo hat den Sprung schon vor seinem inneren Auge: „Die werden gleich senkrecht im Bett sitzen“, flüstert er. Wenn sich der Schirm nach einer Sekunde freien Falls ruckartig mit Luft füllt, klingt das wie ein Gewehrschuss. Ein ziemlicher Schock, wenn man so etwas vor seinem Schlafzimmerfenster im 22. Stock hört.
Der kalte Wind zieht über die Süd-kante. Es muss von der gegenüberliegenden Seite gesprungen werden. Mirko bricht ein Knicklicht aus dem Anglerbedarf und wirft es vom Dach. Er blickt dem kleinen Leuchtkörper nach, wie er in die Dunkelheit taucht. An der Flugbahn kann er sehen, wie stark der Wind bläst. „Kann man schon machen“, flüstert er. Jojo nickt.
Beide wissen, Wind kann töten. Er drückt den Springer an die Hauswand. Bricht er sich nicht dort schon das Genick, kann der Schirm einklappen, und der Mensch fällt wie ein Stein. Im Internet gibt es solche Unfälle zu sehen. „Es ist absolut lebenswichtig, weit von der Kante abzuspringen“, sagt Jojo.
Doch eine Lebensversicherung ist auch das nicht. Eine internationale Todes-Liste, angefangen im Jahr 1983, belegt das. Der letzte Eintrag ist vom 13. Oktober 2007. Nummer 120, Jeferson Bitencourt. Der Amerikaner starb, als er in Brasilien von einem 105 Meter hohen Haus sprang und in einen Baum krachte.
Aber Brasilien ist nicht Berlin, Brasilien ist weit weg. „In Berlin hat sich bisher noch keener dabei umgebracht“, sagt Mirko.
Kleinigkeiten passieren trotzdem. Kaputte Füße nach einer verkorksten Landung oder gebrochene Gliedmaßen und Abschürfungen, weil man irgendwo hängen bleibt — eine Stadt ist eben kein freies Feld.
Während Jojo das Gurtzeug anlegt, vibriert sein auf Lautlos gestelltes Mobiltelefon. Eine SMS von Brandon, unten aus dem Fluchtwagen: „Polizei parkt und beobachtet das Gebäude.“ Jojo hält Mirko das Telefon zum Lesen hin. „Der Alte mit dem Köter hat die Bullen gerufen“, flüstert er.
Nun sitzen sie in der Falle. Wenn die Polizei den Hausmeister aus dem Bett holt, sind sie in fünf Minuten auf dem Dach. Springen die zwei, kann es sein, dass sie den Beamten direkt in die Arme fallen.
Minuten verstreichen, gefühlte Ewigkeit. Nichts passiert. Die zwei kauern eine knappe Stunde im Dunkeln hinter einem Lüftungsschacht. Von dort lässt sich gut beobachten, wie Streifenwagen immer wieder um den Wohnblock patrouillieren. Ob Polizisten im Haus sind, lässt sich von hier aus nicht sagen. Der Wind bläst kalt. Keiner redet.
„Wir lassen den Kram hier oben und machen uns aus dem Staub“, sagt Jojo. Mirko nickt, eine bessere Idee hat er auch nicht.
Sie schleichen zur Stahltür. Ihre 3000 Euro teure Ausrüstung lassen sie zurück, versteckt hinter einer losen Dachabdeckung. Leise öffnen sie die Tür zum Treppenhaus. Wieder der Gestank. Die Stille. Die Dunkelheit. Es scheint aber niemand im Treppenhaus zu sein. Keine Polizei, keine Bewohner. Es ist zwei Uhr morgens.
Als sie das Haus durch den Haupteingang verlassen, bremst ein Polizeiwagen auf der gegenüberliegenden Straßenseite und hält an. „Du rechts, ich links“, murmelt Mirko. Beide machen sich bereit abzuhauen.
Doch der Beamte stürmt nicht aus dem Wagen, er öffnet nur sein Seitenfenster. „Jungs“, fragt er, „sind euch irgendwelche komischen Gestalten mit großen Rucksäcken aufgefallen?“ Stille. „Nee“, antwortet Jojo, „haben wir aber auch nicht drauf geachtet. Wir sind nämlich gerade auf dem Sprung.“
In der folgenden Nacht, um 1.35 Uhr, stürzen sich Jojo und Mirko zum ersten Mal vom Dach des Wohnhauses in Neukölln. Ein Knall. 28 Sekunden später verlässt ein schwarzer Bus unauffällig das Wohngebiet. Drinnen sitzen drei junge Männer, auf ihren Gesichtern ein glückliches Lächeln.
„Sie geht immer mit der Angst ins Bett, dass ich vielleicht nicht wiederkomme“ – Mirko über seine Freundin

Redaktion: Tim Gutke ]
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Fallschirmspringer

Enthschuldige mein schlechtes Deutsch,aber nach mehr wie 70 Jahren hier in den USA ist es hochinteressant den Fallschirmspringer Artikel zu lesen.-- Es gibt auch hier solche Individuelle aber wenn geschnappt eine sehr hohe Geldstrafe und eins oder zwei Jahre Gefaegniss.--Fuer solche Herrschaften ist es leichter sich be der 509 Parachute Division US Army als Voluntaer anzumelden.- Das Ziel ist dasselbe aber man kommt meist Lebendig zurueck.. GUNG HO!!
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Fallschirmspringer

Enthschuldige mein schlechtes Deutsch,aber nach mehr wie 70 Jahren hier in den USA ist es hochinteressant den Fallschirmspringer Artikel zu lesen.-- Es gibt auch hier solche Individuelle aber wenn geschnappt eine sehr hohe Geldstrafe und eins oder zwei Jahre Gefaegniss.--Fuer solche Herrschaften ist es leichter sich be der 509 Parachute Division US Army als Voluntaer anzumelden.- Das Ziel ist dasselbe aber man kommt meist Lebendig zurueck.. GUNG HO!!
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