stars 07/2011

Weltmeisterinnen der Herzen

WM-Vorspiel mit scharfen Schüssen

So gefällt uns Frauenfußball! Bevor am 26. Juni die Weltmeisterschaft beginnt, zeigen uns die fünf schönsten Nationalspielerinnen Deutschlands, Selina Wagner, Julia Simic, Annika Doppler, Kristina Gessat und Ivana Rudelic, was das heißt: echtes Ballgefühl

Die fünf schönsten
  • Annika Doppler

  • Kristina Gessat

  • Ivana Rudelic

  • Julia Simic

  • Selina Wagner

Interview

„Wir wollen das Mannweiber-Klischee widerlegen!“

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Deutschlands schönste Nationalspielerinnen Selina Wagner, Julia Simic, Annika Doppler, Kristina Gessat und Ivana Rudelic über veraltete Vorurteile, das Niveau im Frauenfußball und warum Louis van Gaal wohl nicht der richtige Trainer für sie wäre

Playboy: Welches Klischee über Frauenfußball nervt Sie am meisten? Simic: Mich nervt der Satz: „Du siehst ja gar nicht aus wie eine Frauenfußballerin.“ Dahinter steht dieses unzutreffende Bild der unattraktiven Fußballerin.
Rudelic: Genau, nach dem Motto: Die sind sowieso alle Mannweiber.

Playboy: Warum wird der Frauenfußball dieses Image nicht los?
Doppler: Weil sich zu wenige Männer wirklich mit Frauenfußball beschäftigen. Die meisten Spielerinnen in den höheren Ligen sind zwar sehr durchtrainiert, sehen aber immer noch weiblich aus – und oft auch sehr gut. Ich lade alle Männer ein, sich bei einem Spiel live davon zu überzeugen.
Simic: Ich glaube ohnehin, dass wir bereits auf dem besten Weg sind, dieses Image loszuwerden. Es spielen immer mehr süße, hübsche Mädels Fußball, die auch shoppen gehen und Wert auf ihr Äußeres legen.
Gessat: Wir wollen mit unseren Playboy-Bildern ja auch genau dieses Mannweiber-Klischee widerlegen. Die Botschaft ist: Seht her, wir sind ganz normale – und hübsche – Mädels!

Playboy: In den 70er- und 80er-Jahren soll es in der deutschen Frauennationalmannschaft keine einzige heterosexuelle Spielerin gegeben haben. Wie hoch ist der Anteil an lesbischen Spielerinnen im Frauenfußball heute?
Rudelic: Ich bin 1992 geboren, in den 70er- und 80er-Jahren war ich noch nicht mal in Planung. Und bisher haben wir keine Erhebung gemacht, welche Spielerin welche Orientierung hat. Natürlich gibt es homosexuelle Spielerinnen. Das ist im Frauenfußball kein Geheimnis.
Simic: Ich denke, auch bei den Männern gibt es homosexuelle Spieler. Aber die sind einfach viel verschwiegener in dieser Hinsicht. Natürlich ist das auch deshalb so, weil ein Fußballer, der sich als schwul outen würde, wohl einen extrem schweren Stand hätte in der Bundesliga. Bei den Frauen geht man damit einfach offener um.
Gessat: Ehrlich gesagt, das ist doch auch völlig egal. Ich weiß gar nicht, warum das immer so ein Thema ist. Der Sport sollte im Vordergrund stehen.

Playboy: Frau Wagner, Sie spielen in der Frauen-Bundesliga beim VfL Wolfsburg. In welcher Männerliga könnte Ihr Team mithalten?
Wagner: Wir haben schon Kreisligamannschaften geschlagen, aber vor allem weil wir taktisch und technisch besser waren. Körperlich waren wir deutlich unterlegen. Über das Kreisliga-Niveau hinaus wird es schon schwer.
Gessat: Man darf nicht den Fehler machen, Männer- und Frauenfußball miteinander zu vergleichen. Taktisch und technisch sind wir auf einem guten Weg, das gleiche Niveau zu erreichen. Aber was das Körperliche angeht, werden wir das nie schaffen. Wir werden nie so schnell laufen und so hart schießen können.

Playboy: In der gesamten abgelaufenen Bundesligasaison der Frauen gab es vier Rote Karten. Bei den Männern waren es 32. Sind Frauen auf dem Platz freundlicher zueinander?
Rudelic: Nein, wir teilen auch mal aus.
Simic: Es geht schon zur Sache, gerade verbal.
Wagner: Es fallen Sprüche, wie: „Pass auf, oder du fliegst!“ Ich habe auch schon mal gehört: „Ich brech dir das Bein.“ Aber es bleibt zum Glück meist bei den Drohungen.

Playboy: Mal ehrlich: Sie haben Tickets für das WM-Finale der Männer und das WM-Finale der Frauen. Beide Spiele finden gleichzeitig statt. Wohin gehen Sie?
Rudelic: Natürlich zu den Frauen, weil wir sie unterstützen wollen!
Simic: Ehrlich, Ivana?
Rudelic: Klar, da geht es ja auch um unsere Zukunft!
Simic: Na ja, unter dem Gesichtspunkt betrachtet, hast du vielleicht recht. Aber ganz ehrlich: Ich würde wahrscheinlich die Männer vorziehen. Die warten ja mittlerweile seit über 20 Jahren auf einen Weltmeistertitel, während die Frauen jetzt bereits den dritten WM-Pokal in Folge holen könnten.
Doppler: Ich würde die erste Halbzeit zu den Frauen gehen und die zweite zu den Männern.
Wagner: Weil ich einige der Mädels persönlich kenne, die bei den Frauen mitspielen, würde ich wohl eher zum Frauenfinale gehen.
Gessat: Da wäre ich auch dabei.

Playboy: Louis van Gaal als Trainer: Albtraum oder Wunschtraum?
Simic: Auf jeden Fall Wunschtraum – für eine Zeit zumindest. Von seinem Fachwissen kann man auch als Frau nur profitieren. Über eine längere Strecke hinweg könnte es mit ihm aber anstrengend werden.
Doppler: Die Männer beim FC Bayern hat er spielerisch schon vorangebracht. Ob er mit seiner schroffen Art in ein Frauenteam passen würde, ist aber eine andere Frage. Bei mir ist es so, dass ich schon einen etwas sensibleren Trainer brauche.
Wagner: Meins wäre er auch nicht. Ich brauche einen Coach, der menschlich ist, auf mich eingeht.
Rudelic: Van Gaal war ja mal Trainer einer Frauenmannschaft.

Playboy: Van Gaal? Wirklich?
Rudelic: Ja, ganz früher. Das hat mir sein ehemaliger Co-Trainer Andries Jonker mal erzählt. Er meinte, dass van Gaal einen seiner ersten Trainerjobs bei einem Frauenteam hatte. Die hätten reihenweise Titel geholt – bis er kam. Im ersten Jahr unter ihm stiegen sie ab. Und im Zweiten spielten sie scheinbar auch grottenschlecht.

Interview: Alexander Neumann ]

Weltmeisterinnen der Herzen

Die fünf schönsten Nationalspielerinnen Deutschlands

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Annika Doppler
Alter: 19 Jahre
Verein / Position: FC Bayern, Mittelfeld
Größter Erfolg: U-17-Europameisterin 2009
Als Spielerin bin ich das weibliche Pendant ... zu Arjen Robben.

Kristina Gessat
Alter: 20 Jahre
Verein / Position: FSV Gütersloh, Mittelfeld
Größter Erfolg: U-20-Weltmeisterin 2010
Als Spielerin bin ich das weibliche Pendant ... zu Sami Khedira.

Ivana Rudelic
Alter: 19 Jahre
Verein / Position: FC Bayern, Sturm
Größter Erfolg: U-17-Europameisterin 2008
Als Spielerin bin ich das weibliche Pendant ... zu Didier Drogba.

Julia Simic
Alter: 22 Jahre
Verein / Position: FC Bayern, Mittelfeld
Größter Erfolg: U-19-Europameisterin 2007
Als Spielerin bin ich das weibliche Pendant ... zu Andrés Iniesta.

Selina Wagner
Alter: 20 Jahre
Verein / Position: VfL Wolfsburg, Mittelfeld
Größter Erfolg: U-20-Weltmeisterin 2010
Als Spielerin bin ich das weibliche Pendant ... zu Mesut Özil.