Zitate
- „Im Mittelalter hätte man mich als Heilerin verehrt“
- „Ich glaube, die wirkliche Erotik eines Menschen hat mehr damit zu tun, was er lebt, und nicht, wie er aussieht.“
- „Ich kann für einen Menschen komplett entflammen“
Biographie
Natalia Wörner, 1967 in Stuttgart geboren, studiert nach dem Abitur Schauspiel in New York. 1994 gelingt der Kino-Durchbruch mit „Die Sieger“, 2000 folgt der Deutsche Fernsehpreis. Zuletzt war sie in der TV-Adaption von Ken Folletts „Säulen der Erde“ zu sehen. Sie ist geschieden und lebt mit Sohn Jacob-Lee, 4, in Berlin.
Interview
„Im Mittelalter hätte man mich als Heilerin verehrt“
Schauspielerin Natalia Wörner über die Arbeit mit Karl Lagerfeld, das Küssen von Frauen und warum ihr spirituelles Talent gut ins Mittelalter gepasst hätte
Playboy: Ken Follett, der „Säulen der Erde“-Autor, hat Sie als attraktivste Frau bezeichnet, die ihm je begegnet ist. Was gefällt Ihnen an sich selbst am meisten?
Wörner: (lacht). Mein schwäbischer Humor. Und, im Ernst, ich habe mich mit mir selbst nie wohler gefühlt als heute.
Playboy: Warum?
Wörner: Das ist das Privileg des Älterwerdens – dass man immer mehr bei sich an- kommt.
Playboy: Hängt das mit Lebenserfahrungen zusammen?
Wörner: Auch. Ich glaube sowieso eher an so etwas wie einen spirituellen Sex-Appeal.
Playboy: Können Sie das erklären?
Wörner: Ich glaube, die wirkliche Erotik eines Menschen hat mehr damit zu tun, was er lebt, und nicht, wie er aussieht. Ich will nicht sagen, dass das Aussehen komplett uninteressant ist. Ich finde aber, die Schönheit einer Frau liegt viel mehr in ihrer Verletzlichkeit und dass sie die zeigen kann. Das braucht wirkliche Stärke.
Playboy: Gilt das auch für Männer?
Wörner: Unbedingt. Ein Mann, der so ein Selbstbewusstsein hat, dass er seine Sensibilität, seine Ängste, an den Tag legen kann, ist ein wunderschöner Mann.
Playboy: Auf wen trifft das zu?
Wörner: Auf Barack Obama. Er ist für mich ein Mann, der seine Verletztheit, seine Enttäuschungen sehr authentisch zeigen kann. Das macht ihn sehr erotisch.
Playboy: Wie haben Sie Karl Lagerfeld erlebt, der Sie für uns fotografiert hat?
Wörner: Ich bin ganz verliebt in ihn. Er war unglaublich liebevoll und sehr viel zugewandter und offener, als ich es vermutet hatte. Beim Shooting warfen wir uns Malernamen zu, Zitate, Epochen: Das fing an mit Hippie in den Siebzigern und ging über Klimt hin zur Venus. Ganz toll.
Playboy: Haben Sie Karl Lagerfeld einfach als Fotografen gesehen, oder ist es doch etwas Besonderes, dem größten Modeschöpfer des Erdballs gegenüberzustehen?
Wörner: Bei unserer Arbeit habe ich, was das angeht, keine Differenzierung gemacht.
Playboy: Finden Sie sich selbst denn wieder in den Bildern?
Wörner: Absolut. Und zwar auf eine sehr überraschende Art. Denn das Erste, was er zu mir sagte, war: „Für mich sind Sie eine Indianerin.“ Und dann rannte er raus und holte bei seinem Antiquitätenhändler gegenüber diesen unglaublichen Kopfschmuck für mich.
Playboy: Und? Sind Sie eine Indianerin?
Wörner: Auf alle Fälle.
Playboy: Was zeichnet eine Indianerin aus?
Wörner: Indianerin bezeichnet für mich eine sehr ursprüngliche Form, einen Zugang zu dem, was Frausein im weitesten Sinne bedeutet.
Playboy: Sie bezeichnen sich als Alphafrau. Haben Sie Probleme mit Alphamännern?
Wörner: Nee, aber die unter Umständen mit mir (lacht). Nee, überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich glaube, dass Alphafrauen ganz gut mit Alphamännern können.
Playboy: Worin liegt der Unterschied, wenn Sie sich in einen Mann verlieben oder in eine Frau? Sie sagten mal, Sie hätten sich in Ihre Freundin Eva-Maria Zuhorst verknallt.
Wörner: Ich kann für einen Menschen komplett entflammen – für den Moment. Und das hat nicht zwingend eine erotische Komponente.
Playboy: Aber fällt es Ihnen schwerer, eine Frau zu küssen als einen Mann?
Wörner: Sie tun jetzt so, als ob ich mit Frauen zusammen wäre. Bin ich nicht. Ich habe in dem einen oder anderen Film mal eine Frau geküsst, und das war sehr schön, aber grundsätzlich finde ich Männer dann doch erotischer (lacht).
Playboy: In „Die Säulen der Erde“ spielen Sie Ellen, eine ehemalige Nonne. Woher kommt diese aktuelle Faszination fürs Mittelalter?
Wörner: Ich glaube, dass die Menschen sich nach Authentischem sehnen und dass das Mittelalter damit assoziiert wird. Im Grunde ist es ein innerer Aufruf, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Man guckt Menschen zu, die mit realen Problemen kämpfen müssen, Hunger, Tod, Liebe, Gewalt.
Playboy: Es geht also dabei um die Faszination des Grausamen?
Wörner: Ich würde sagen: um das Elementare. Bei „Säulen der Erde“ geht es ja vor allem um Liebe, Kunst, Kreativität und Visionen, die größer sind als man selbst.
Playboy: Die TV-Reihe war ein großer Publikumserfolg, hat aber auch hohe Wellen geschlagen. Glauben Sie, dass die Szene, in der Sie dem Bischof Waleran vors Gesicht pinkeln, im Nachhinein zu gewagt war?
Wörner: Nein, überhaupt nicht. Ich weiß gar nicht, warum die Leute sich so über die Szene echauffiert haben. Diese Szene ist stellvertretend für die Form von Anarchie, für die ich mit der Figur der Ellen stehe.
Playboy: Wäre Natalia Wörner im Mittelalter als Hexe verfolgt worden?
Wörner: Nee, aber als Heilerin verehrt.
Playboy: Gibt es eine historische Figur, die Sie reizen würde zu spielen?
Wörner: Mata Hari.
Playboy: Warum?
Wörner: Eine Doppelagentin – ist doch hervorragend. Es gibt übrigens ein Bild in unserer Lagerfeld-Produktion, bei dem ich an Mata Hari denken musste.
Playboy: Worauf achten Sie, wenn Sie Rollen angeboten bekommen?
Wörner: Darauf, was diese Rolle mit mir und meiner persönlichen Entwicklung im Moment zu tun hat. Die Reise, die Ellen in „Säulen der Erde“ macht, ist eine Reise, die mir selbst gerade sehr nahe ist. Das ist auch ein Kriterium geworden für mich: Rollen danach auszusuchen, welchen Weg sie und ich gehen. Weil – dieser Weg geht sowieso nur nach innen.
Playboy: Ken Follett, der „Säulen der Erde“-Autor, hat Sie als attraktivste Frau bezeichnet, die ihm je begegnet ist. Was gefällt Ihnen an sich selbst am meisten?
Wörner: (lacht). Mein schwäbischer Humor. Und, im Ernst, ich habe mich mit mir selbst nie wohler gefühlt als heute.
Playboy: Warum?
Wörner: Das ist das Privileg des Älterwerdens – dass man immer mehr bei sich an- kommt.
Playboy: Hängt das mit Lebenserfahrungen zusammen?
Wörner: Auch. Ich glaube sowieso eher an so etwas wie einen spirituellen Sex-Appeal.
Playboy: Können Sie das erklären?
Wörner: Ich glaube, die wirkliche Erotik eines Menschen hat mehr damit zu tun, was er lebt, und nicht, wie er aussieht. Ich will nicht sagen, dass das Aussehen komplett uninteressant ist. Ich finde aber, die Schönheit einer Frau liegt viel mehr in ihrer Verletzlichkeit und dass sie die zeigen kann. Das braucht wirkliche Stärke.
Playboy: Gilt das auch für Männer?
Wörner: Unbedingt. Ein Mann, der so ein Selbstbewusstsein hat, dass er seine Sensibilität, seine Ängste, an den Tag legen kann, ist ein wunderschöner Mann.
Playboy: Auf wen trifft das zu?
Wörner: Auf Barack Obama. Er ist für mich ein Mann, der seine Verletztheit, seine Enttäuschungen sehr authentisch zeigen kann. Das macht ihn sehr erotisch.
Playboy: Wie haben Sie Karl Lagerfeld erlebt, der Sie für uns fotografiert hat?
Wörner: Ich bin ganz verliebt in ihn. Er war unglaublich liebevoll und sehr viel zugewandter und offener, als ich es vermutet hatte. Beim Shooting warfen wir uns Malernamen zu, Zitate, Epochen: Das fing an mit Hippie in den Siebzigern und ging über Klimt hin zur Venus. Ganz toll.
Playboy: Haben Sie Karl Lagerfeld einfach als Fotografen gesehen, oder ist es doch etwas Besonderes, dem größten Modeschöpfer des Erdballs gegenüberzustehen?
Wörner: Bei unserer Arbeit habe ich, was das angeht, keine Differenzierung gemacht.
Playboy: Finden Sie sich selbst denn wieder in den Bildern?
Wörner: Absolut. Und zwar auf eine sehr überraschende Art. Denn das Erste, was er zu mir sagte, war: „Für mich sind Sie eine Indianerin.“ Und dann rannte er raus und holte bei seinem Antiquitätenhändler gegenüber diesen unglaublichen Kopfschmuck für mich.
Playboy: Und? Sind Sie eine Indianerin?
Wörner: Auf alle Fälle.
Playboy: Was zeichnet eine Indianerin aus?
Wörner: Indianerin bezeichnet für mich eine sehr ursprüngliche Form, einen Zugang zu dem, was Frausein im weitesten Sinne bedeutet.
Playboy: Sie bezeichnen sich als Alphafrau. Haben Sie Probleme mit Alphamännern?
Wörner: Nee, aber die unter Umständen mit mir (lacht). Nee, überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich glaube, dass Alphafrauen ganz gut mit Alphamännern können.
Playboy: Worin liegt der Unterschied, wenn Sie sich in einen Mann verlieben oder in eine Frau? Sie sagten mal, Sie hätten sich in Ihre Freundin Eva-Maria Zuhorst verknallt.
Wörner: Ich kann für einen Menschen komplett entflammen – für den Moment. Und das hat nicht zwingend eine erotische Komponente.
Playboy: Aber fällt es Ihnen schwerer, eine Frau zu küssen als einen Mann?
Wörner: Sie tun jetzt so, als ob ich mit Frauen zusammen wäre. Bin ich nicht. Ich habe in dem einen oder anderen Film mal eine Frau geküsst, und das war sehr schön, aber grundsätzlich finde ich Männer dann doch erotischer (lacht).
Playboy: In „Die Säulen der Erde“ spielen Sie Ellen, eine ehemalige Nonne. Woher kommt diese aktuelle Faszination fürs Mittelalter?
Wörner: Ich glaube, dass die Menschen sich nach Authentischem sehnen und dass das Mittelalter damit assoziiert wird. Im Grunde ist es ein innerer Aufruf, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Man guckt Menschen zu, die mit realen Problemen kämpfen müssen, Hunger, Tod, Liebe, Gewalt.
Playboy: Es geht also dabei um die Faszination des Grausamen?
Wörner: Ich würde sagen: um das Elementare. Bei „Säulen der Erde“ geht es ja vor allem um Liebe, Kunst, Kreativität und Visionen, die größer sind als man selbst.
Playboy: Die TV-Reihe war ein großer Publikumserfolg, hat aber auch hohe Wellen geschlagen. Glauben Sie, dass die Szene, in der Sie dem Bischof Waleran vors Gesicht pinkeln, im Nachhinein zu gewagt war?
Wörner: Nein, überhaupt nicht. Ich weiß gar nicht, warum die Leute sich so über die Szene echauffiert haben. Diese Szene ist stellvertretend für die Form von Anarchie, für die ich mit der Figur der Ellen stehe.
Playboy: Wäre Natalia Wörner im Mittelalter als Hexe verfolgt worden?
Wörner: Nee, aber als Heilerin verehrt.
Playboy: Gibt es eine historische Figur, die Sie reizen würde zu spielen?
Wörner: Mata Hari.
Playboy: Warum?
Wörner: Eine Doppelagentin – ist doch hervorragend. Es gibt übrigens ein Bild in unserer Lagerfeld-Produktion, bei dem ich an Mata Hari denken musste.
Playboy: Worauf achten Sie, wenn Sie Rollen angeboten bekommen?
Wörner: Darauf, was diese Rolle mit mir und meiner persönlichen Entwicklung im Moment zu tun hat. Die Reise, die Ellen in „Säulen der Erde“ macht, ist eine Reise, die mir selbst gerade sehr nahe ist. Das ist auch ein Kriterium geworden für mich: Rollen danach auszusuchen, welchen Weg sie und ich gehen. Weil – dieser Weg geht sowieso nur nach innen.
Interview: Florian Boitin (Mitarbeit: Dominik Drodzdowski) ]





