Sophia Thomalla . Titel 05/2012

Sophia Thomalla

Im Schloss der Sünde

Sie liebt das Spiel mit den Extremen, blanke Schwerter und schwere Eisen. Mit uns lebte Schauspielerin Sophia Thomalla ihre Leidenschaften aus – und gab auf einer mittelalterlichen Feste die unzüchtige Burgdame

Interview

„Wenn ich von jemandem nicht mehr angeturnt war, bin ich fremdgegangen“

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Ich weiß, glaube ich, ziemlich genau, was Männer gut finden
Playboy: Frau Thomalla, sexy kennt man Sie ja schon, aber so martialisch wie auf den Bildern noch nicht. Wie kam es zu dieser Motivwahl?
Thomalla: Ich hatte früher schon einmal ein Angebot vom Playboy, und eine Frau, die sagt, sie fühle sich davon nicht geschmeichelt, lügt. Aber für mich war immer klar: Wenn ich es tue, dann muss es ein außergewöhnliches Shooting werden. Und Burgen, Mittelalter, Schwerter und so weiter finde ich cool, anders, authentisch – und zu mir passend.

Playboy: Unbedingt. Aber doch recht ungewöhnlich diese Optik – sehr männlich.
Thomalla: Mag sein. Ich komme eh besser mit Männern aus und weiß, glaube ich, ziemlich genau, was sie gut finden. Und ich mag meist auch, was Männer mögen: Ich liebe Schalke 04, Bier, laute Musik, Kickboxen – und Schwertkampf. Mit Barbie hatte ich nie viel am Hut ...

Playboy: Ihre Mutter Simone Thomalla war vor zwei Jahren im Playboy zu sehen. Haben Sie sich mit ihr beraten, ob Sie es auch tun sollen?
Thomalla: Nein, ich treffe meine eigenen Entscheidungen und musste mir von niemandem ein Okay geben lassen. Dass ich allein entscheiden kann und soll, hat mir ja gerade meine Mutter beigebracht.

Playboy: Haben Sie Ihren Freund, den Rammstein-Sänger Till Lindemann, nach seiner Meinung gefragt?
Thomalla: Na klar. Aber Till meinte eh sofort: Mach das! Er ist selbst Playboy-Leser. Aber noch einmal, hätte er gesagt: „Nee, ich will da meine Frau nicht so sehen“, oder Ähnliches – keine Chance. Ich habe meinen eigenen Kopf und setze ihn durch.

Playboy: Ihre Mutter war lange mit dem Ex-Schalke-Manager Rudi Assauer liiert. Kürzlich wurde bekannt, dass er an Alzheimer erkrankt ist. Haben Sie noch Kontakt?
Thomalla: Wenig. Aber wir sind nicht im Schlechten auseinandergegangen. Auch er und meine Mutter nicht. Es tat weh, von seiner Krankheit zu hören. Er ist so ein starker Mann und immer, gerade mit dem Kopf, den meisten weit voraus. Und dann so etwas. Das tut mir sehr leid. Ich habe ihn lieb und wünsche ihm alles Gute.

Playboy: Wie war es für Sie, mit einem Macho wie Assauer im Haus aufzuwachsen?
Thomalla: Ich fand es toll und ganz normal. Ich kannte es ja auch nicht anders. Und wahrscheinlich ist Rudi der Grund dafür, dass ich selbst auf Machos stehe (lacht).

Playboy: Was macht denn für Sie einen Macho aus?
Thomalla: Zunächst mal: Macho sein heißt nicht, Frauen schlecht zu behandeln. Ein Macho ist selbstbewusst und sagt dir auf liebe Art und Weise, was er gern hätte, was du zu tun und zu lassen hast – ohne daraus einen Befehl zu machen. Und das finde ich gar nicht schlecht, wenn es angebracht ist. Aber ein Macho ist auch jemand, der sich mit dir streitet, an die Decke geht und dann kurz auf ein Bier verschwindet, zurückkommt, dich in den Arm nimmt und sagt: „Okay, diese Runde geht an dich, aber das kann man auch netter sagen!“ Darüber kann ich lachen und finde es gleichzeitig stark, mutig und gefühlvoll.

Playboy: Gibt es unter jungen Männern heute zu viele Susis und zu wenige Macker?
Thomalla: Absolut. Ich bin in der Zeit vor Till keinem einzigen vernünftigen jungen Mann begegnet. Das sind fast alles so Weichkekse. Klar gibt’s Ausnahmen, aber ein 25-Jähriger heute ist nicht 25, sondern 17. Die Gespräche taugen nichts, und sie haben keine Ahnung, wie man mit Frauen umgeht. Alle meine bisherigen Männer waren älter als ich. Nur auf einen jungen wäre ich fast reingefallen, einen TV-Schauspieler. So ein „Hübscher“, der so eine Lusche ist, dass einem schlecht wird ...

Playboy: Was ist denn passiert?
Thomalla: Anfangs wirkte der Typ tatsächlich wie ein Mann, der weiß, was er will. Und ich dachte mir, gehen wir mal mit Mama essen, mal sehen, wie sie ihn findet. Wir haben also gegessen, Wein getrunken, gelacht. Dann kam die Rechnung, und er sagte: „Also den Wein zahle ich nicht mit, den habe ich ja gar nicht getrunken!“ Gott, ich bin fast im Erdboden versunken! Da lobe ich mir einen Macho, der kurzerhand die Rechnung zahlt, ein gutes Trinkgeld gibt und cool sagt: „Lasst mal Mädels, zahlt Ihr lieber die großen Rechnungen!“

Playboy: Was macht einen Mann noch attraktiv, außer Machismo?
Thomalla: Humor, Selbstständigkeit und eine gewisse Gelassenheit. Ein bisschen Arroganz ist auch nicht schlecht.

Playboy: Wie wichtig ist Sex in einer Beziehung?
Thomalla: Sehr. Wenn es da nicht mehr klappt, kann es schon vorkommen, dass man sich was anderes sucht. Das kann ganz, ganz schnell gehen ...

Playboy: Sie sprechen aus Erfahrung?
Thomalla: Wenn ich in meinen vergangenen Beziehungen gemerkt habe, dass ich von jemandem nicht mehr angeturnt war, bin ich fremdgegangen. Gebe ich zu.

Playboy: Sie haben vier Tattoos: Ihre Mutter ist auf Ihrem Körper verewigt, Ihr Stiefvater Sven Martinek und neuerdings auch Till Lindemann. Was muss man tun für einen Platz auf Ihrer Haut?
Thomalla: Man muss ein wichtiger Mensch in meinem Leben sein. Die Leute fragen immer, was machst du, wenn es mal mit Till vorbei ist? Tja, das werden wir dann sehen. Aber mal ehrlich: Ich lebe nicht für morgen, sondern jetzt. Und jetzt gefällt es mir. Und wem tue ich denn damit weh? Niemandem!
 

Biographie

Die Thronfolgerin

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Sophia Thomalla wurde am 6. 10. 1989 in Berlin geboren. Die Tochter von „Tatort“-Kommissarin Simone Thomalla und Schauspieler André Vetters stand mit 16 Jahren zum ersten Mal selbst vor der Kamera. Seitdem war sie in zahlreichen TV-Produktionen (u. a. „Commissario Laurenti“ und „Der Bergdoktor“) zu sehen. Seit 2011 gehört sie zum Ensemble der SAT.1-Comedy-Serie „Die dreisten Drei“.

Alexander Neumann-Delbarre